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1887. Sonnabend, den 18. April. ----- Erscheint jede« Wochentag früh » Uhr. Inserate wer de» bi« Nachmittag« 1 Uhr für die »Lchst- erscheinende Nummer a»ge»o»me«. gespaltene Zeile od«P deren Mutti mit S »UN-t7 -.uoS::! Preis «iatelDMIS Mkf Inserate perde» hi» Tageblatt. berechnet. - - Freiberger Anzeiger Tagesgeschichte. Dresden, 16. April. (Dr. I.) Se. Maj. der König haben gestern nach dem Besuche der Thode'schen Papierfabrik zu Hains- berg auch die Zweigbahn nach Hänichen zu befahren und das dortige Steinkohlenwerk, sowie mehrere der im Plauen'schen Grunde befindlichen Fabriketablissements und die Freiherrlich v. Burgk'schen Werke zu besichtigen geruht, sodann auf dem „Steiger" das Diner eingenommen und sind Abends nach SMHr hier wieder eingetroffen. Dresden. Die hiesige Polizeidirection hat angeordnet, daß vom 1. Mat ab der Gebrauch der sogenannten „einfachen Fahr- leine" untersagt, sich vielmehr beim Einspänner der gewöhn lichen Doppelzügel und beim Zweigespann der Kreuzzügel zu bedienen ist. Leipzigs 16. April. (D. A. Z.) Die Nähe der Messe giebt sich durch allerlei Anzeichen kund: durch die langen Güter- züge auf den Eisenbahnen, durch die fremden Gestalten auf den Straßen der Stadt rc. Besonders sind schon viele Griechen hier, welche in Seiden - und Btjouteriewaaren viele Aufträge mitgebracht haben. Was nun die Aussichten auf die Messe im Großen und Ganzen anlangt, so dürfte sie eine zufriedenstellende werden, obwohl nicht zu leugnen ist, daß für manche Artikel die Aussichten nicht günstig sind; ganz besonders gilt dies vom Tuch für den Export nach Amerika, indem von dort die Nach richten über den Tuchhandel sehr ungünstig lauten, und von allen Sommerartikeln, indem für diese die Messe zu spät fällt. Damit ist aber nicht gesagt, daß Sommerartikel keinen Absatz haben würden; sie haben ihn bereits gehabt, indem die Einkäu fer die Fabrikorte, wie namentlich Glauchau und Meerane, be reist und ihren Hauptbedarf an Ort und Stelle eingekauft haben. Deshalb werden auch die Lager dieser Artikel zur Messe nicht bedeutend sein. Die Schaubuden kommen für diese Messe auf den Fleischerplatz. — Die vor kurzem in unserer Stadt ins Leben getretene Brotfabrik wird nicht unangefochten bleiben. Die Bäckerinnung hat einen Advocaten beauftragt, gegen jene Fabrik klagend einzuschreiten. Die Brotfabrik soll entweder ! wieder aufhören oder, wenn dies nicht zu erreichen sein sollte, der Bäckerinnung wenigstens eine angemessene Entschädigung zahlen. Jedenfalls wird aber die Bäckerinnung weder das Eine noch das Andere erreichen, denn es ist ein großer Unter schied zwischen einem zunftmäßig und einem fabrikmäßig be triebenen Gewerbe; gegen letzteres hat keine Innung ein Ver- bietungsrecht oder auch nur eine Forderung auf Entschädigung. Im Interesse namentlich der ärmer« Bevölkerung ist übrigens das Entstehen und Fortbestehen der Brotfabrik aufs freudigste zu begrüßen. — Trotz der so vielen Neubauten in den letzten Jahren ist in unserer Stadt ein so großer Mangel an Fami- lienwohnungen, namentlich an größern, daß manche Familien sich in den benachbarten Dörfern haben einquartieren müssen. Daß unter diesen Umständen auch die Miethpreise immer mehr steigen, ist ganz natürlich. Neubauten in großer Ausdehnung find deshalb ein dringendes Bedürsniß für unsere Stadt. In Frankfurt wurde kürzlich der jüngere der bekannten beiden Brüder Petermann, Gutsbesitzer und Landwirthe, be graben. Der ättere Bruder liegt am gleichen Uebel erkrankt darnieder. Beide hatten sich durch einen landstreichenden Hüh- neraugcndoctor und Rattenfänger die Hühneraugen schneiden i lassen, und Beide sind durch die Fettsalbe, welche der Quack- falber auflegte, vergiftet, so daß, als zuerst die Zehen und! Füße schwarz zu werden begannen, bald der ganze Körper von ! unten auf abzusterben anfing, bis nach zwei Tagen den Einen , der Tod ereilte. Berlin. Dem Gesetzentwurf über das Münzwescn, wel cher 22 Paragraphen enthält, sind noch eine Reihe von Anlagen hinzugesügt worden. Diese bestehen in dem vollen Wortlaut des Wiener Münzvertrags vom 24. Jan. d. I. nebst dessen 18 Separatartikeln; ferner in dem Text der gleichfalls zu Wien getroffenen Vereinbarung über das Probirversahren zur Bestim mung des Feingehalts der Goldmünzen; endlich in drei zu i Wien festgestelltcn Schemas für daS gemeinsame Verfahren bei der amtlichen Notirung des monatlichen.Durchschnittspreises dir Vereinsgoldmünzen, wobei zugleich das Werthverhältniß zwi schen Gold und Silber unter Annahme des Pfundes Silber als Einheit angegeben werden soll; für die Aufstellung deS sechS- monatlichen Durchschnitts des WerthSverhältnisses der Bereins- goldmünze zum Silbet NNter gleichmäßiger Annahme des Pfun des Silber als Einheit, und für die amtliche Bekanntmachung in Betreff des durchschnittlichen WerthverhältnisseS der Vtr» einshandelsgoldmünze zum Silber an den Börsen von Wien, Berlin, Frankfurt a. M., Triest u. s. w. Im Aüschluß an das Theilverhältniß des ThalerS zur seitherigen Münzmark soll das Pfund feinen Silbers zu 30 Thlrn., 15 Doppelthalern oder 180 Einsechstel-Thaletstücken ausgebracht werden, und dem gemäß an die Stelle des bisherigen 14-Thalerfußes alS gesetz licher Münzfuß der 30-Thalerfuß treten. Bei dieser Verwand lung des 14-Thalerfußes in den 30-Thalerfuß fällt der letztere etwas leichter auS; da die Abweichung aber nur 0,»»rr bettägt, und zu unbedeutend ist, um auf die Verkehrs- und Münzver hältnisse störend einzuwirken, so werden die jetzigen LandeSmün- zen auch ferner ihre Geltung behalten, und zwar dergestalt, daß bei allen Zahlungen und Verbindlichkeiten zwischen beiden Münzfüßen, sowie zwischen den gleichnamigen Münzstücken deS bisherigen und des künftigen Münzfußes, ein Unterschied nicht gemacht werden darf. Mit der Einsetzung deS Pfundes zum Münzgewicht wird eS erforderlich, dieses Gewicht auch für den gemeinen Verkehr zum Wägen deS Silbers und GoldeS, sowie der Münzen an Stelle der preußischen Mark einzuführen. Die zu diesem Zweck nöthige Abänderung der bestehenden Vorschrif ten wird durch ein besonderes Gesetz erfolgen. Der Thaler soll, unbeschadet seiner Eigenschaft und Geltung als eigenthümliche LandeSmünze, fortan mit dem Attribut einer VeretnSmünze alS „Vereinsthaler" ausgeprägt werden. Das Mischungsverhältnis der Thaler, sowie der gleichfalls zu prägenden Doppelthaler wird auf «o»/,»», Silber und Kupfer, das der ^»-Tha- lerstücke auf ^°/,ooo Silber und "°/,oov Kupfer festgestellt, wo nach 13'/, Doppelthaler und 27 Thlr., sowie 93«/,» V»-Thaler- stücke 1 Pfd. wiege» werden. Um die mit dem gleichzeitigen Umlauf gleichwerthiger Münzstücke von verschiedenem Feingehalt und Gewicht verbundenen Unzukömmlichkeiten möglichst zu ver meiden, ist der Durchmesser der VereinSthalerstücke dergestalt bestimmt, daß er von dem der ältern 12-löthigen im Ringe ge prägten Thaler (— 34 Millimeter) in merklicher Weise abweicht, diese beiden Münzstücke somit namentlich im größern Geld- und Cassenverkehr, bei welchem die Gewichtscontrole nicht entbehrt werden kann, ohne Schwierigkeiten getrennt gehalten werden können. Der Thaler wird in 30 Sgr. und der Sgr. in 12 Pfennige gethcilt. Wie bisher werden auch fortan V/r Silber groschen-, 1 Silbergroschen - und '/, Silberzroschenstücke als Silberscheidemünze, und Vier-, Drei-, Zwei- und Ein-Pfennig» stücke als Kupferscheidemünze ausgeprägt. Diese zu Zahlungen im kleinen Verkehr und zur Ausgleichung bestimmten Scheide münzen sollen in größern Mengen, als zur Erreichung dieses Zweckes erforderlich ist, nicht in Umlauf gesetzt werden. Zah lungen, welche mit i/,-Thalerstücken geleistet werden können, ist Niemand verpflichtet in Scheidemünze anzunehmen. In der Silberscheidemünze soll, der eingetretenen Veränderung deS Münzgewichts entsprechend, das Pfund feinen Silbers durch gehends zu 34>/z Thlrn. ausgebracht werden. In der Kupfer scheidemünze werden 100 Pfd. Kupfer fortan höchstens 112 Thlrn. ausgebracht. Auf den Zollcentner berechnet würden die Kupfermünzen in Preußen bisher zu 9l^ Thlrn., in Baierw zu 91,»z Thlrn., in Hannover zu 71,27 Thlrn., in Oesterreich dagegen zu 106,», Thlrn., in Süddeutschland noch höher bis zu 122,,7 Thlrn. ausgebracht. Berlin, 15. April. Wieder sind dem Abgeordnetenhctuse Petitionen von Elementarlchrern der westlichen Provinzen, um eine zeitgemäße Verbesserung des Einkommen« der Elementar- lchrer zugegangen, über die abermals der Uebergang zur Ta gesordnung empfohlen ist, nachdem daS Ministerium der Com mission die Mittheilung gemacht hatte, daß in den Jahre»