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Ne*««tWorUtch« Leit««« d« Xevrttion: »«rkharvt. — SL Jahrgang. —- - Freitag, den 2. Juni. UN- Tageblatt 1WMW M die Mglichr» M WAchm BchSrdca zu Ketderg md Braud. Inserat, «erde» bi« »ormitiaa tt Uhr angenommen. Prett für die Lpaltzml« IS Pfg. s ^O v v* Luh-rhalb de» LandgerichtSbezirk« 1s Pfg. > — »weiwonaUtLl»».«, -sg.«. «maonatli»7dßi». etwa Massenschtttwug^wird die vom Forsthause Mulda ad bis zu der desselben gelegenen Muldenbrück« befindliche Streck« der «Ulva- Der Mre wkrd E. bis S. Juni dies,» Jahres für den Fährverkehr gesperrt. Kwid-Vb^d^ beziehentlich Dorfchemnitz verwirken. bestraft werden «st Geldstrafe bi» zu 80 M. oder Hast bi, za 14 Tagen »Eers, am 1. Juni 18SV. Aönt-ltch- «Mtshrmptweannschast. -- vr Benutzung empMen.^"^"^"^ ausgestellte D-»tn^ettion»appaR»t wird zur allgemeinen Tü»e?Ma^»^."°n Werben »ugelassen Kleider, Wüsche. ««»««, Matratzen, Kissen, Decken, Tücher Borhünge, Teppich« und sonst hierzu °«tgnete Gegenstände. ml«. Überreichung ist ein genaue» Verzeichniß der einzelnen Gegenständ« mit Angabe Wohnung deS EigenthümerS in doppelter Ausfertigung beizufügen. Formulare hierzu werden in der Polizeiwache und im Stadtkrankenhau» nnentgeltlich verabfolgt. . . Pelzsachen, Hute und Mützen sind von den übrigen Gegenständen getrennt zu halten. Leder sachen eignen sich m der Regel nicht zur Desinfektion. Regelmäßige Desinfektionen finden bi» auf Weitere» Montag» und Donnerstag statt. Die Gegenstände sind an diesen Tagen mit den vorgeschriebenen Verzeichnissen vormittags zwischen 10 und 12 Uhr im Stadtkrankenhause einzuliefern. FreUxrg, MN 29. Mai 1899. Der Etavtrath. Vr. G Feldverpachtung. grunds^cke ^und ^t- Johannis gehörigen an der BerthelSdorferstraße gelegenen Feld- ?? vormal» «chudert fche« Nelder, Parzellen Nr. 2S28 und 2829 des Flurbuchs für Freiberg, mit zusammen 6 du 81,7 » Fläche. Fhr»- vr. ertheilt wird, eingesrhen werden. Fretdera, den 19. Mai 1899. . _ Für die Inspektion de, Hospital» Get. Johanni,: Der Stavtrath. d., das sogenannte S te LiNgke'sqe Neld, Parzelle Nr. 2885 de» Flurbuch» für Freiberg, werden, und* zwar^ erstere am 3E September diese» Jahres und letzteres am 81. Dezember dieses JahreS pachtfrei und sollen anderweit auf acht Jahre verpachtet werden. Pachliebhaber werden gebeten, btS Sonnabend, de« S. Juni 1SS9 . ihre Gebote schriftlich oder mündlich bei un» — RathhauS Zimmer Nr. vl. -- abzugebe». Die Pachtbedingungen können in der RathSkanzlei, woselbst auch jede sonstige Au-kunst Auction in Rothenfnrth-Teichhäuser. Sonnabend, den S. Juni 18VV «ormittag» « Uhr Ml ^"es Schwein, 14 Ferkel, 8 Hühner und 1 Hahn versteigert werden.. Versammlungsort: Gasthof daselbst. Freiberg, den 1. Juni 1899. Sekr. G^V. Die Srd-, Maurer- und Zimmerarbeiten, sowie die Schmiede-, Eisen- und Schlosserarbeiten . _ , zu verschiedenen Herstellungen im Jäger-Kasernement zu Freiberg sollen in i« einem Loose öffentlich verdungen werden. Die Eröffnung der eingegangenen Angebote wird Montag de« 12. Juni d. I. Vorm. 1ü Uhr im Geschäftszimmer de» unterz. Garnison-Baubeamten DreLdtU- Altst., Arsenal-Adm.-Geb., Flügel L 1 Treppe Zimmer 93» stattfinden. Bedingungen und Zeich nungen liegen hier zur Einsicht auS. VerdingungsanschlSge können gegen Erstattung der Selbst kosten entnommen werden. Angebote mit eig. Unterschrift d. Unternehmer» sind in einem Brief umschläge m. d. Aufschrift „Erd-, Maurer- und Zimmerarbeiten bezw. Schmiede-, Eisen- und Schlosserarbeiten für da» Jäger-Kasernement zu Freiberg" versiegelt und portofrei bi» zu obeng«». Zeitpkt. einzureichen. Zuschlag-frist 28 Tage. Die Auswahl der Bewerber bleibt Vorbehalten. Dresden, den 30. Mai 1899. I. o. 12624s Der Sarnison-Baubeamte für den Bautreis H Dresden. -tt ssHtttt «un endlich seinem Abschluß entgegen zu gehen. Wenn mcht ganz besonder« Ueberraschungen dazwischen kommen, wird am nächsten Sonnabend der Kassation-Hof die Revision beschließen und den DreyfuS vor «in neues Kriegsgericht verweisen. Man rechnet so bestimmt aus diesen Beschluß, daß über da» weitere Vorgehen (Herschaffung de» Deportirtrn und Bildung des Kriegsgerichts in einer westlichen Hafenstadt) schon amtlich« Berathungrn und offiziöse Verlautbarungen stattgrfunden haben. Wer den jüngsten Enthüllungen gefolgt ist, wird sich nicht über die Annahme deS Revisionsgesuches wundern, sondern viel mehr über di« Verweisung vor «in neue» Kriegsgericht. Denn thatsächlich ist der überzeugende Beweis erbracht, daß Dreyfu» vollständig unschuldig und das Opfer von nieder trächtigen Jutrigueu ist. Wenn dir Mehrheit de» Kassation»- Hofe» nicht diese Ueberzeugung gewonnen hätte, würde die Revision, gegen welche sich immer noch formale Be denken geltend machen lasten, gewiß nicht angenommen werden. Ist aber die Unschulo erwiesen, so sollte doch gleich da» oberste Gericht mit der vollen Aufhebung des ungerechten UrtheilS dem traurigen Spiel ein Ende machen. Wozu erst noch die militärischen Richter in die Verlegenheit bringen, ihre Kameraden von 1894 deS RechtSirrthumS für schuldig erklären zu müssen. Man sagt, daß Frau DreyfuS die Verweisung vor ei» neues Gericht verlang«, damit ihr Mann von Offizieren wieder in sein« Ehren eingesetzt werde. Vom persönlichen Standpunkte ist da» zu verstehen, aber im Interesse deS Lande» liegt ein möglichst schneller Abschluß der Krise. Es heißt nun anderer seits, daß die Prozeß-Vorschriften di« Verweisung an «in anderes Gericht forderten, weil durch da» „Bordereau", daS nicht al» gefälscht befunden worden ist, der Thatbestand eines (allerdings nicht von DreyfuS begangenen) Verbrechens erwiesen sei und in diesem Falle unbedingt eine neue Verhandlung nothwendig sei. Diese Gesetzauslegnng will unS nicht sehr vernünftig erscheinen, da e» hier doch nicht darauf ankommt, ob überhaupt ein Ver brechen begangen ish sondern ob von dem betreffenden Angeklagten das Verbrechen begangen sei. Aber schließlich müssen ia die Franzosen wissen, waS in ihren Gesetzbüchern steht, und wir haben nur Notiz zu nehmen von den interessanten Thatsachen, daß kein verständiger Mensch noch glaubt, daS neue Kriegsgericht könnt« den Dreyfus abermals schuldig erklären. So stark sind di« EntlastungS-Beweise, so west ist die Ueberzeugung von dem geschehenen Unrecht schon ^°^ber"^rilich, die Mitschuldige» der unseligen Dr«yfuSh«tze werden immer noch eine gewiste Gefolgschaft von Leuten finden, — auch in Deutschland! — die sich durch Phrasen von der „Armee", dem „Vaterlande" n. und durch die Legende von dem semitischen Millionen-Syndikat täuschen lassem Der Mangel an unbefangener Urtheilskraft,st ia leider eine un berechtigte Eigenthümlichkeit Frankreichs. Von diesem Gesichts punkte aus muß man e» für «in halbes Wunder erachten, daß es den Vorkämpfern der Dreyfussach« überhaupt gelungen ist, über alle Mächte und Listen der Generalstäbler, der Antisemiten, der Nationalisten hinweg die Sache deS verurtheilten Juden bis zu dem jetzt bevorstehenden Erfolg zu bringen. Dazu gehörte nicht bloß Geld, sondern mehr noch Zähigkeit, Opferwilligkeit, Geschick und Unermüdlichkeit. Mag an den Leute», die hier dem Rechte eine Gaste gebrochen haben, sonst noch so viel auszusetzen sein? man muß doch laut und lebhaft anerkennen, was sie zur Errettung eines Unschuldigen geleistet haben. lieber den Gang der Verhandlung«« ,st weiter zu beruhten. Nach Ballot-BrauprS ergreift Genrralstaat»anwalt Man au da» Wort, «m sein« Anträge zu begründen. Er erhebt Einspruch »egen di« Beschuldigung irgendwelcher Parteilichkeit, betont seine Ziebe für die Armee, deren Interesse eS sei, sich der Berräther u entledigen, daS Bordereau bilde die Hauptfrage des Prozesses. Nanau schildert darauf den Thatbestand ähnlich wie Ballot- Beaupr«. Hierauf wird die Verhandlung unterbrochen. In den Wandelgängen wurden während der Unterbrechung die Erklärung und die Schlußfolgerungen Ballot-Beauprä'S lebhaft besprochen. Unter den Mitgliedern der Patriotenliga erregte e» Entrüstung, >aß Ballot-BeauprS daS Bordereau Esterhazy zuschrribt. Nach Viederaufnahme der Sitzung legt Manau dar, daß daS Bordereau n Wirklichkeit auS dem August herrühre und nicht uuS dem Üpril oder Mai, wie man anfänglich annahm. DaS neue Datum bilde unstreitig ein neues Faktum, durch daS noch überdies weitere neue Thatsachen geschaffen würden. Manau bezeichnet die Expertise BertillonS als unbegreiflich, bespricht die übrigen Gut achten und führt auf deren Grund aus, daß das Bordereau von Esterhazy herrühre. ES sei höchst seltsam, daß der Generalstab Esterhazy schützte. Manau bespricht sodann die ver dächtige Haltung Esterhazys und meint, die Expertise vom Jahre 1897 sei fehlerhaft gewesen und habe die Richter im Jahre 1897 ebenso täuschen können, wie sie die Richter im Jahre 1894 ge täuscht habe. Um 5 Uhr wird die Sitzung ohne Zwischenfall aufgehoben. Die gestrige Sitzung wurde um 12 Uhr eröffnet, der An- >rang ist weniger Lroß, als an den vorhergehenden Tagen. Generalprokurator Manau fährt in seinen Ausführungen fort und verbreitet sich eingehend über die Beschaffenheit des PauS- mpierS, welches zur Herstellung des Bordereaus verwendet vurde. Manau erklärt weiter, die Aehnlichkeit des Papiers, auf welchem daS Bordereau geschrieben wurde, mit dem Briefpapier Esterhazys spreche für die Unschuld DreyfuS. Sache des neuen Kriegsgerichts werde es sein, diese Unschuld öffentlich zu ver künden; für den Kassationshof genüge es, festzustellen, daß das Urtheil von 1894 verdächtig und anfechtbar erscheine. Manau führt weiter au», daß Dreyfus mit dem Bordereau nichts zu thun habe und wirft die Frage auf, ob thatsächlich ein Verrath be gangen worden sei oder ob es sich einfach um eine Mystifizirung und einen Gaunerstreich handle. Weiter stellt der General prokurator fest, daß im Privatleben des Dreyfus nichts zu finden sei, waS ihn belaste, daß dagegen das Privatleben Esterhazys viel Belastendes aufweise. Manau bespricht ferner eingehend die Schriftstücke des geheimen Dossiers und erklärst, die selben enthielten nichts, was gegen DreyfuS spreche. Von den drei Schriftstücken, von denen Cavaignac gesprochen habe, um die Verurtheilung des Dreyfus zu rechtfertigen, seien zwei gefälscht, das dritte beziehe sich nicht auf Dreyfus. Manau ver- urtheilt auf'S Schärfste daS Benehmen du Paty de Clam's, den er einen abgefeimten Heuchler nennt, erklärt, daß er die von Cnignet gegen du Paty erhobenen Anschuldigungen für be gründet halte, brandmarkt das von Henry und du Paty bezüglich der diplomatischen Aktenstücke ersonnene Lügengewebe und stellt fest, daß die Borenthaltung der diplomatischen Aktenstücke un berechtigt geivesen sei, da keines derselben irgendwelche Ver wickelungen hätte herbeiführen können. Manau erklärt, er halte die Wahrheit der Aussagen des Untersuchungsrichters Bertulus hinsichtlich seiner Zusammenkunft mit Henry für unbestreitbar. Er schließt mit der Versicherung, daß mehrere neue That sachen vorliegen, welche die Unschuld des DreyfuS beweisen. Er verlangt deshalb die Kassirung des Urtheils vom Jahre 1894 und die Verweisung Dreyfus' vor ein anderes Kriegsgericht. „Der Augenblick", so sagte er am Ende seines Plaivoyers wörtlich, „ist feierlich. DaS Land wird den UrtheilSspruch ver ¬ nehmen, die ganze Welt wird ihn sich zu eigen machen, die Geschichte wird e» ihren Blättern einverleiben. Diese drei Richter, denen wir alle unterworfen sind, werden dann ihr Urtheil füllen, gegen welche» e» keine Berufung giebt." Die Sitzung wird sodann aufgehoben. AuS Paris, 31. Mai wird noch gemeldet: Die zwei Tage lang verhaltene Wuth der Nationalisten bricht heute loS. Caffagnac sagt in der „AutoritS" : „Ballot BeauprS ist der würdige Genosse der Verbrecher des Strafsenats. Er verkennt schamlos seine Pflichten und überschreitet seine Befugniß, wenn er zu ver sichern wagt, daS Begleitschreiben sei von Esterhazy und DreyfuS unschuldig. DaS Urtheil zu Gunsten der Wiederaufnahme wird nicht von unabhängigen Richtern gefällt werden, sondern von Spießgesellen der Juden und Vaterlandlosen." „Jntransigeant" schreibt: „Dieser Ballot-Beauprö steht im Solde des Syndikats, er begeht ein Verbrechen. Wieviel mag der Berichterstatter wohl vom Verrathssyndikat bekommen haben?" „Libre Parole" fragt: „Ist Ballot-Beauprä gehirnerweicht? Ist er ein Halunke? Er ist wahrscheinlich daS eine und das andere." Politische Umschau. Freiberg, den 1. Juni. Deutschlands Außenhandel im Jahre 1898. Die endgiltigen Ergebnisse liegen jetzt im 2. Hefte des laufenden Jahrgangs der „Biertelfahrsheste zur Statistik des deutschen Reichs" vor, nachdem die vorläufigen Zahlen bereits im Januar veröffentlicht worden waren. Nach diesen definitiven Zusammen stellungen beträgt der Werth (in 1000 Mk.) für das Jahr 1898: 1. Einfuhr im Spezialhandel: 5439676, darunter Edelmetall verkehr 359030; im Gesammteigenhandel: 5744987, darunter Edelmetallverkehr 359032. 2. Ausfuhr im Spezialhandel: 4010565, darunter Edelmetallverkehr 253999; im Gesammt eigenhandel: 4311232, darunter Edelmetallverkehr 254003. Ein- und Ausfuhrwerthe zusammen: im Spezialhandel einschließlich der Edelmetalle 9450241, ohne dieselben 8837212; im Gesammt eigenhandel einschließlich der Edelmetalle 10056219, ohne die selben 9443184. Im Jahre 1897 betrug im Spezialhandel der gesammte Einfuhrwerth 4864644 (1000) Mk., also 1898 rund 575 Millionen Mark mehr, der Aussuhrwerth 3786241 (1000) Mark, also 1898 rund 224 Millionen Mark mehr. Der Großherzog von Baden hatte auf einem Festessen bei der Einweihung der neuen evangelischen Stadtkirche in Pforzheim m Bezug auf das Jahr 1870 u. A. gesagt, es sei nur zu wenig bekannt, was man Kaiser Wilhelm 1. alles zu ver danken habe, es werde vielfach versucht, das Verdienst dessen, was geworden sei, anderen zu geben; er sei eS gewesen und nur er allein, der den Gedanken fest- und hochgehalten habe, nach dem Siege des Heeres, den Gedanken an ein deutsches Reich und an einen deutschen Kaiser. Diese Arußerung wird in der Presse mehrfach besprochen. Die „Voss. Ztg." sagt unter der Spitzmarke „Die Legende des GroßherzoaS"- „Des ersten Kaisers tiefgreifende Verdienste sind längst ae^ würdigt, sie sind so reich und so wundersamer Art, daß sie der Mehrung durch die Legende nicht bedürfen. Sie fanden ihren Grund, aber auch ihre Schranke in seiner Persönlichkeit. Er »oll em König, aber wie in der schwersten Stunde seines Lebens ein Anderer ihn erinnerte an das Portepee, so gehörteer nicht zu renen leidenschaftlichen, in ihrem Wollen und Vollbringen dämonischen Naturen, die, dem Stroine gleich, den hemmenden Damm zerreißen, er gehörte nicht zu jenen kühnen, im letzten Grunde stets revolutionären Geistern, die den Knoten mit dem Schwerte durchhauen, den sie anders nicht zu lösen vermögen. In seiner Gewissenhaftigkeit, in seinem Pstichtbewußtjein, i»