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und Tageblatt. Amtsblatt für dic kömglichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg und Brand. vrrMtroortlicher Redaktva: Iuliu« Brau» tu Freiberg. —--- ' - II^jerä«^rdM^»BörmÜmg^Uhrängmsm7^'-^^tzO IL -md-rn Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 2ü M, SaNNllbeVÄ ÄLtl 7. NüVtMber d«? Pir die attpaltm« Zeil« 8 11)00. ,m>imonatNchlM.S0Pf.undeimn°Mtlich7dPi. g oder deren Raum 1b Ps.g den Händen der Dänen und Schweden befindlichen Sund Tagesschau. Freiberg, den 6. November. Aus dem bestimmten und strengen Ton, in welchem jetzt versichern, die Dinge seien bereits so weit gediehen, daß mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gerechnet werde. Es ist kaum zu bezweifeln, daß man im Vatikan Kenntniß von dieser Lage der Dinge hat, da der Papst seine Vermittler-Thätigkeit in auffallender Weise ver zögerte. — Das von den Schießübungen in der Danziger Bucht «ach Kiel zurückgekchrte deutsche Panzerschiff „Baieru" ist nicht außer Dienst gestellt worden, soll vielmehr Mitte dieses Monats zu den deutschen Panzerschiffen „Sachsen', „Württemberg", „Baden" und dem Aviso „Zielen" stoßen, welche sich seit Monaten bereits in den AusrüstungSvorberei- tungen befinden. Es würde das, die Richtigkeit dieser Mit- Iheilung vorausgesetzt, als eine Vorbereitung zu dem in letzter Zeit wieder so sehr verschärften spanisch-deutschen Konflikt er scheinen. Die Gesammtbewegung der zur Zeit im Dienst be findlichen Schiffe der deutschen Kriegsflotte kann sogar derartig ausgcsaßt werden, denn offenbar ist von der deutschen Admira lität die Möglichkeit einer gewaltsamen Lösung jenes Konflikts nie außer Acht gelassen worden. Wie bei der Unternehmung gegen Zanzibar die Entfaltung der deutschen Seestrcitkräsle sich selbst dem Eingreifen einer Großmacht gewachsen aus gewiesen haben würde, dürfte sich deutscherseits jetzt eine etwaige Kriegführung Schlag auf Schlag gegen Spanien ermöglicht erweisen. Das ostasrikanische Geschwader, das unter Befehl des Kontreadmirals von Knorr zur Zeit aus deu Kreuzerfregatten „Bismarck", „Elisabeth" und „Gneisenau", dem Kreuzer „Möve", dem Kanonenboot „Hyäne" und dem Tender „Adler" besteht, ist nach Aden aufgebrochen. In Kamerun wird ein zweites, von dem Kontreadmiral Paschen befehligtes nnd aus den Kreuzerfregatten „Stosch" und „Prinz Adalbert", dem Kreuzer „Habicht" und dem Kanonenboot „Cyklop" bestehendes Geschwader erwartet, und als Schul geschwader haben unter Befehl des Kapitän z. S. Stenzel so eben noch erst die Kreuzersregattcn „Stein" und „Moltke" und die Kreuzerkorvetten „Sophie" und „Ariadne" zunächst die Fahrt nach Madeira und von dort nach Westindien angetreten. Somit sind drei deutsche Geschwader, denen Spanien's Kriegs flotte schwerlich ein einziges ebenbürtiges entgegenstellen könnte, bereit gleich Sturmmöven an dem Horizont der ipanischen Küsten und des spanischen Kolonialgebietes drohend zu erscheinen. — Im jetzigen Augenblick, wo die Frage, wer berechtigt sei, ans den Inseln des Karolinen - Archipels die Souveränität auSzuüben, zwischen Deutschland und Spanien streitig ist, könnte folgender Zwischenfall zu neuen Verwicklungen, nament lich zu einer Einmischung der Vereinigten Staaten, führen : „Im Mai dieses Jahres wurde ein ans den Karolinen Handel treibender Amerikaner Holcombe von zwei Landsleuten, Namens O'Keese und Thomas Shaw beschuldigt, zwei Eingeborene in schändlicher Weise ermordet zu haben. Die von diesen beiden Zeugen beichworene Aussage wurde dem das amerikanische Geschwader in den chinesischen Gewässern befehligenden Kontre- Admiral Davis zugesandt mit der Bitte, Gerechtigkeit an dem besagten Holcombe zu üben. Seitdem erfuhr man jedoch nichts Weiler von der Sache, bis ein am 23. September von den Karolinen in Hongkong angekommenes Fahrzeug die Nachricht brachte, daß Holcombe bei einer Handels - Spedition zwischen den Inseln von Eingeborenen ergriffen und lodtgeschlagen worden, sein Schooner aber unbehelligt nach Aap zurückgekehrt sei. Von diesem Vorgänge wurde sofort an Admiral Davis Bericht erstattet, der, um die Ermordung eines amerikanischen Bürgers zu bestrafen, ein Kricgsfchiff nach dem Thatorte schicken wird." Gestern Nachmittag ist der neue Statthalter der Reichs lande, Fürst Chlodwig von Hohenlohe mit seinen beide« auf die Entscheidungen der Hansastädte vereitelte alle des- „Joseph Clark", welches 1857 zu Grunde ging, allein den fallsigen Bemühungen." i Werth einer Million Mark repräsentirte, und der Untergang Wie Georg Irmer weiter ausführt, verzichtete Wallen- der englischen „Arctic" im Jahre 1860 einen nicht geringeren stein trotz dieses Fehlschlages nicht auf dic Durchführung, Geldverlust bedeutete, und man wird gestehen müssen, daß seiner maritimen Pläne, derselbe ließ vielmehr sämmtliche die Kosten die Herstellung eines Nord Ostsee-Kanals ent- Ostseehäfen, die Insel Rügen sowie die Seeplätze Holstein's sernt nicht die Höhe des Verlustes erreichen, den in wenigen und Schleswig's besetzen und zahlreiche Kauffahrteischiffe, Jahren die Stürme des Sundes den seefahrenden Nationen in Kriegsschiffe umwandeln. Im Mai 1628 zum Admiral, zufügen. So fordern nicht allein militärisch-politische Rück- dcr ganzen kaiserlichen Schiffsarmada ernannt, faßte sichten und Verkehrsinteressen, sondern auch jener Tribut, Wallenstein den Plan, die jütische Halbinsel zu durchstechen, 'der alljährlich an Menschenleben und Gütern dem Sunde um seiner in der Ostsee gebauten und gesammelten Flotte! gebracht wird, gebieterisch von Deutschland die baldige Aus- die Durchfahrt in die Nordsee zu ermöglichen, ohne den in'führung des Nord-Ostsee-Kanals!" zu passiren. Leider wissen wir, außer der Thatsache und dürftigen Notizen in den Briefen Wallenstein's, über die Zusammenführung von Arbeitern zu den nothwendigen Erdarbeitcn für den Kanal, fast nichts; wir erfahren selbst über die Richtung des Durchstichs nichts, doch wird eine! die deutsche Reichsregierung mildem Madrider Kabinet ver- aenaue Durchforschung der Wiener und Wallenstein'schen j handelt, geht unzweideutig hervor, daß die Langmuth Deutsch- Archive für dieses hochinteressante Projekt sicher Näheres lands endlich erschöpft ist. Nach dem bisherigen Verhalten ergeben. Wallenstem's Entsetzung vmn Kommando machte Spaniens erscheint es nicht unglaubhaft, wenn Berliner Blätter dem großartigen Plane bald nach seinem Entstehen ein " - - - allzusrühes Ende. In dem zitirten Artikel wird aber auch nachgewiesen, daß der große englische Staatsmann Cromwell den Gedanken erfaßte, den englischen Schiffen einen sicheren und zollfreien Weg von der Nordsee nach der Ostsee zu bahnen Im Jahre 1654 schlug der englische Protektor dem ihm be freundeten König Karl Gustav von Schweden den Verkauf des Ostseehafens Wismar an England vor, um von dort aus eine Verbindung mit der Nordsee herzustcllcn. Nach einem im Staatsarchive zu Hannover enthaltenen Promemvria ließ Cromwell dem Schwcdenkönig seine Pläne in aller Offen heit und Ausführlichkeit mittheilen. Darnach sollte der projektirte Kanal von Wismar über Hohenficheln in den Schweriner-See und von da mit Benutzung des Bettes der Elde in die Elbe gehen. Schweden sollte bei den Herzögen von Mecklenburg die Erlaubniß dazu und eine Einigung über dieses Projekt eines Nord-Ostsee-Kanals erwirken. Es kam zu längeren Unterhandlungen, doch scheiterte das Projekt zunächst an der Unmöglichkeit, die Höhen zwischen Hohen ficheln und dem Meere zu durchbreche». Cromwell würde aber sicher eineu anderen Weg gefunden haben, um zu seinem Ziele zu gelangen, wenn er nicht bald darauf gestorben wäre. Dies war ein Glück für Deutschland, denn Wismar wäre Englands nordisches Gibraltar geworden, von dem aus cs die Nord- und Ostsee leicht beherrscht haben würde; wie wesentlich anders würden sich unter dem dominirendcn Einflüsse der englischen Seemacht die nordischen Verhältnisse gestaltet haben! Das Bekanntwerden des Cromwell'schen Planes veranlaßte bald darauf die Hanscstadt Lübeck sich an die holländische Republik zu wenden, um auf gemeinsame Kosten den alten Stecknitz-Kanal, der eine wenn auch mangel hafte Verbindung der Ostsee mit der Nordsee darstellte, so weit auszubaucn, daß er Seeschiffe zu tragen vermöchte. Schon waren drei holländische Baumeister zu diesem Zwecke in Lübeck anwesend, als Dänemark, aus Furcht vor der dem Sund drohenden Konkurrenz, den Herzog von Lauenburg, durch dessen Land der Kanal gehen mußte, durch Drohungen und Versprechungen zur Ablehnung der ihm von Holland und Lübeck gemachten Vorschläge bestimmte, und damit auch dieses holländische Projekt eines Nord-Ostsee-Kanals vereitelte. Hoffentlich gelingt es dem deutschen Reichskanzler, dessen geniale Energie so vielfach an Wallenstein und Cromwell erinnert, in'S Werk zu setzen, was diesen beiden großen Staatsmännern mißlang. Was das jetzt wieder in's Auge gefaßte Unternehmen bedeutet, das bezeichnet der Schluß des mehrfach erwähnten Artikels in folgender treffender Weise: „Sehen wir ganz ab von der militärisch-politischen Seite des Unternehmens, die heute allein schon für die deutsche Regierung bestimmend sein muß, ziehen wir nur den Menschen- und Güterverlust in's Auge, welchen die Stürme alljährlich in jener gefährlichen Gegend um Skagcn, dem „Kirchhof der Schiffe", fordern, so würde dies an und für sich schon ein Grund sein müssen, den Nord-Ostsee- Kanal als die einzige Möglichkeit, solchen Unglücksfällen zur See vorzubeugen, in s Auge zu fassen. Weiß man doch, daß allein im Jahre 1859 117 Schiffe an den däni schen Küsten gestrandet sind, von denen vier mit Mann und MauS untergingen, und hundert Schiffe in jenen Ge genden auf offener See zu Grunde gingen, von denen allein ein Drittel die deutsche Flagge führte! Nun ziehe man den enormen Werth der untergegangenen Schiffe in Betracht, man bedenke, daß das amerikanische Schiff Der Nord-Oftfee-Kanal ' Dm deutschen Bundesrathe ging in diesen Tagen ein Gesetzentwurf über den Bau des Nord-Ostsee-Kanals zu, in , welchem nur kurz gesagt wird, daß dieser Ban die Summe . « 1S6 Millionen Mark erfordere, das Königreich Preußen m Ms eigenen Mitteln vorweg 50 Millionen Mark bei- simern werde Dem Vernehmen nach soll der Reichsbeitrag «106 Millionen durch eine Anleihe, beziehungsweise durch bchatzanweisungen aufgebracht werden. Diese Nordostsee- wvlvorlage überwies gestern der Bundesrath den Aus- Wm für Lcindheer, Festungen, Seewesen, Handel und Lnkehr, sowie für Rechnungswesen. In der Begrün- lmg «S Gesetzentwurfes ist die Bedeutung des Kanals für «Zwecke der Kriegsmarine und für die Vertheidigung m deutschen Seeküsten auseinandergesctzt; außerdem kürzt dn Kanal für die Handelsschifffahrt die Fahrt um 237 kemcilen ab. Der projektirte Kanal wird 3 Meilen ober- W Brunsbüttel an die Elbmündung gelegt; die Ein- Mdung in die Kieler Bucht soll bei Holtenau stattfinden, ko» Westen her würde der Kanal durch die Kudensee- und « Meselau-Niederung nach Wittelsbergen an der Eider Ijkdm, über Rendsburg die Linie des Eiderstromes inne- M»; bei Steinrade sodann abzweigen, um darauf die Lme d«S jetzt bereits bestehenden Elderkanals unter Hin- Mglassung der Krümmungen bis zur Eidermündung in der Mn Bucht festzuhalten. Die jährlichen Unterhaltungs- mtwslnd aus 1100000 M. veranschlagt. Die Schiffsabgaben Neu 7b Pf. per Registertonne betragen. glänzenden Resultate des Suez - Kanals haben längst die Auf- merksamkrit auf den alten Plan zurückgelenkt, die Nordsee mit der Ostsee auf dem kürzestmöglichen Wege zu verbinden. Vie bei dem Suezkanal-Bau gemachten technischen Er fahrungen werden bereits bei dem Durchstich der Landenge von Korinth und derjenigen von Panama verwerthet und tragen sehr viel dazu bei, daß man vor größeren Kanal- bwten nicht mehr zurückschreckt. Die auf Panama vor handenen Schwierigkeiten sind durch den berühmten Inge nieur de Lesseps schon so weit besiegt, daß man in wenigen Lochen einen Theil des Kanals bereits dem Betriebe zu vergeben hofft. Bei dem Nord-Ostsce-Kanal werden nur weit geringere Schwierigkeiten zu bewältigen sein, stehen aber Vorteile der bedeutendsten Art in Aussicht. Für die Ver- Wgung der deutschen Küsten ist es von höchster Wichtig- lnt, daß die deutschen Kriegsfahrzeuge ohne den weiten und Mrbchcn Umweg durch das Skager-Rak und ohne in die M der uns so wenig wohlgesinnten Dänen zu kommen, je nach Bedürfniß nach der Nord- oder nach der Ostsee dmgitt werden können. Nicht minder erheischt es die Rück- sicht auf den Rückgang des Handels in den großen Ostsee- Men, daß endlich etwas geschehe, um der Ostsee den Mg vortheilhaften Charakter eines Binnenmeeres zu nehmen, ^ne direkte Verbindung der großen Schiffswerften Stettins, Wie der für das Getreide-, Spiritus- und Holzgeschäst i» wichtigen Handelshäfen von Danzig und Königsberg mit Ku deutschen Nordseehäfen kann allein den ersteren Ersatz bitten sür so Manches, was in neuerer Zeit ihren Auf- Ichtvwig beeinträchtigte. , Die militärischen und kommerziellen VorthcUe des pro- icktittm Nord-Ostseekanals sind so groß und so einleuchtend, baß es förmlich räthselhaft ist, weshalb man nicht sofort Wh Beendigung des deutsch-französischen Krieges in der Miardenzeit mit einem darauf bezüglichen Plan an die Offsentlichkeit trat. Es ist das um so unverständlicher, als H schon vor Jahrhunderten die bedeutendsten Männer mit W Projekt einer direkten Verbindung der Nordsee mit der Osts« beschäftigten. In einem von der Monatsschrift -Nord und Süd" veröffentlichten Artikel von Georg örmer wird nachgewiesen, daß sich nicht nur schon Wallenstein W einem solchen Gedanken lebhaft beschäftigte, sondern baß auch der berühmte Protektor Englands Oliver Cromwell kvselben ernstlich in's Auge faßte. In Bezug auf Wallen- iW sagt Irmer wörtlich: „Dieser als Feldherr, Staats- Wnn und Finanzmann gleich bedeutende Träger der groß- kuhchei, Politik empfand tief das Schmähliche des Sund- Nes und die Hemmung der weiteren Machtentwickelung ^utscklands durch die nordischen Seemächte. Er dachte kshalb an die Wiederbelebung der Hansa, die, in ihrem «inpsc gegen den englischen Handel, den sie in der zweiten Alste des sechzehnten Jahrhunderts unternehmen wollte, °a Kaiser und Reich ihrem Schicksal überlassen, Ansehen W Macht fast gänzlich verloren hatte. Wallenstein suchte W mit Anlehnung an die deutschen Ost- und Nordseestädte W deutsche Kriegsflotte zu gründen und veranlaßte den Mr, zu diesem Zwecke besondere Kommissare nach Ham- M zu senden. Der Einfluß der evangelischen Seemächte