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Erscheint jeden Wochentag früh » Uhr. Inserate wer- »m ii«. 3 Ubr für die erscheinend- Nummer ' angenommen. Verger Anzeiger / und Tageblatt. Preiß , vierteljährlich 1S Ngr. Inserate werden di« gespaltene Zeile od« deren Rqum mit 5 berechnet. Amtsblatt des Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, solvie der Königl. Gerichtsämter und der Stadttäche zu Freiberg, Sayda und Brand. 39. ' Freitag, den IS. Februar. 1861. Tagesgeschichte. < - Dresden, 13. Febr. In der heutigen Sitzung beschäftigte fich die 1. Kammer mit der Berathung des GewerbegesetzentwurfS, er ledigte nächst der allgemeinen Berathung die 8tz. 1—6 und geneh migte einstimmig den Antrag auf Ansttebnng einer gemeinsamen deutschen Gewerbegesetzgebung, ebenso den tz. 3, welcher da» Prin- cip der Gewerbefreiheit ausspricht, mit 30 gegen 10 Stimmen da» hierzu in der 2. Kammer beschlossene Erforderniß de» 24. Alters jahres zum selbstständigen Gewerbebetrieb, und gegen 9 Stimmen bei tz. 6 die Zulässigkeit der Vorbedingung der Bürgerrechtserthei- lung zur Ausfertigung deS Anmeldeschein». — Der soeben erschienene Bericht der zweiten Deputation der 2. Kammer (Ref. Abg. Seiler), das Ausgabebudget deS Militär departement betreffend, wofür auf die begonnene Finanzperiode ge- meinjährlich 2,099,638 Thlr., das ist 111,070 Thlr. mehr al» die Bewilligung pro 1858/60, postulirt sind, beantragt in der Haupt sache die unverkürzte Bewilligung, schlägt jedoch dabei vor, in der ständischen Schrift auszusprechen, daß diese Bewilligung „nur er folge in Betracht der gegenwärtigen, in Bezug auf Erhaltung des europäischen Friedens, wenig'gesicherten Verhältnisse und ohne da mit die Nothwendigkeit sowie Verpflichtung anzuerkennen, bei fried licher» Aussichten die Armee in der gegenwärtig postulirten Stärke beizubehalten.^ — Der Stadtrath bringt zum Wiedereintritt der Schon« und Hegezeit die in Bezug auf den Wildpretsverkauf bestehenden Vor schriften in Erinnerung, wonach vom 15. Februar ab bis mit dem 31. August und, so viel Rothwild anlangt, bis mit dem 15. Juli jeden Jahres, mit alleiniger Ausnahme der in der Zeil vom 15. März bis mit 15. Mai erlegten Hasel-, Birk- und Auerhähne, ingleichcn mit Ausnahme der Schnepfen, Enten und anderer, nicht zu den Singvögeln gehörigen Strichvögel, schlechterdings keinerlei Wild, auch ausländisches, zum Verkaufe seilgeboten werden darf. — Seit einiger Zeit war ein gewaltiger Schreck in die Schweine- sleischesser gefahren. Die in jedem Schweine mehr oder weniger sich findenden Trichinen, Stiefschwestern der bekannten Kinnen/ sollen nachthtilig auf die menschliche Gesundheit einwirken. Man fing schon an, das Schweinefleisch zu meiden, und ein panischer Schreck bemeisterte sich der Haushaltungen. Da klärt unser thäti- ger und umsichtiger Stadtbezirksarzt 0r. Brückmann im Anzeiger die Sache auf, weist nach, daß die ganze Furcht ungegründet sei, daß die Trichinrnkrankheit der Schweine das Fleisch nicht absolut schädlich und gefährlich mache, und daß durch das Kochen und Braten die Wirkung der Trichinen völlig zerstört werde. Zugleich theilt er mit, daß wegen Untersuchung de» Einflusses der Trichinen wie der Finnen auf den menschlichen Körper eine besondere Com mission hier niedcrgesetzt, deren Arbeit jedoch zur Zeit noch nicht beendigt sei, verspricht aber das Resultat dieser Prüfung zu ver öffentlichen. - Aus CrimmiHschau wurde neulich der „C. Z." über das zelotische Auftreten des dortigen PsarrvicarS Kittan berichtet, der einem Brautpaare vor dem Altar die Einsegnung der Ehe mit Worten verweigerte, welche allgemeine Entrüstung hervorriefen. Wie dem General-Anzeiger jetzt aus Crimmitzschau vöm 11. Febr. berichtet wird, hatte infolge dieses Vorgang- der dortige Stadtrath eine Eingabe an das Ministerium verfaßt und dieselbe durch den Landtagsabgeordneten Stadtrath LouiS Oehler dem CultuSminister überreichen lassen/ welcher sofortige Untersuchung versprach. Diese ist denn auch alsbald erfolgt und bereit» am 9. Febr. ist in Crim- mitzsckau die vom Minister verfügte AmtSsuSpenfion de» VirarS Kittan eingetroffen. .'i- -I Berliu. Die Auflagen der Zeitungen stellen sich im ersten Quartal d. I. in runden Zahlen wie folgt: „Volkszeitung" 26,000, „Vosstsche Zeitung" 13,000, „Nationalzeitung" 8000, „Neue Preu ßische Zeitung" 7600, „Publicist" 7800, „Spenersche Zeitung" 5500, „GerichtS-Zeitung" 5600, „Preußische Zeitung" 2000 Erruf, plare. Die Auflage de» „Kladderadatsch" ist gegenwärtig 36,OÜO. — Aus Berlin schreibt man, daß der schlechte Stand virtt« StaatSpapiere die Kapitalisten veranlasse, die Hypothekenanlagen wieder aufzusuchen. Es soll daher in Berliu solche Nachfrage nach guten Hypotheken entstanden sein, daß der Zinsfuß gesunken ist; das Vormundschaftsgericht hat denselben bereit« auf 4'/, pEt. herabgesetzt. Aus Münchkit vom 7. Febr. schreibt man der Augsburgs Postzeitung: „Das Gesuch des Herzogs Karl Theodor, fich zu seiner Schwester nach Gaeta begeben zu dürfen, wurde nicht ge nehmigt« In gleicher Weise sind die Gesuche der andern Offiziere, welche um Urlaub nachgesncht haben und den Kampf in Gaeta mitmachcn wollten, abgewiesen." . , Pesth, 12. Febr. (D. I.) Die hiesige ComitatSversammlnn- hat heute einstimmig eine Adresse auf das kaiserliche Reseript vom 16. Januar beschlossen. Es heißt in derselben: da» Octoberdiplom habe Vertraue« erweckt, das Reseript aber den Glauben an dasselbe wieder zerstört, denn trotz de« einmüthigen Wunsches de» Laude» weigere der Monarch fich, den constitutivnellen Boden zu betreten. Nur Gewalt, nicht eigener Entschluß, könne die Vertreter de- Co- mitats von dem legalen Standpunkte verdrängen, und rückhaltlose Mückkehr auf den verfassungsmäßigen Boden vermöge allein noch König und Vaterland zu retten. Neapel, 9. Febr. (W. Bl.) Da» Bombardement auf Gaeta hat bereit» wieder begonnen. Turin, 12. Februar. Den neuesten Nachrichten zufolge hat Gaeta einen Waffenstillstand von 14 Tagen gefordert, um wegen der Uebergabe zu unterhandeln. General Eialdini hat diese For derung zurückgewiesen, aber erklärt, daß er nichtsdestoweniger zu unterhandeln bereit sei. Seit zwei Tagen verursachen die Batterien der Belagerer bedeutenden Schaden. — 13. Febr. General Eialdini und der Commandant von Gaeta haben eine gemischte Commission ernannt, um die Bedin gungen der Uebergabe zu redigiren. Mola di - Gaeta, Mittwoch, 13. Februar, Abends. Gaeta hat capitulirt. Eialdini wird morgen die FestungS- werke besetzen. Nach der Abreise der königlichen Familie wird er auch die Stadt besetzen. Die Garnison bleibt kriegsgefangen bis die Festungen Messina und Civitella-del- Trontq sich er geben haben werden. (D. I.) Aus Paris vom 9. Febr. wird dem Frankfurter Journal ge schrieben: Bekanntlich hatte der Kaiser unlängst den Ordonnanz offizier Quelen «ach Rom geschickt, um den Papst zur Bestätigung der kürzlich neuereirten französischen Bischöfe zu bewegen und ihn gleichzeitig zu bitten, doch allen seinen Einstuß aufzuwenden, um Franz H. zum Aufgeben seiner ferner« nutzlosen Bertheid,gung zu veranlassen. Quelen hat ein eigenhändige- päpstlich«» Schreiben an Napoleon HI. überbracht; Piu« IX. erklärt darin, daß er nun und nimmer Franz II. zur Uebergabe der Festung Gaeta überreden würde; Roms und Neapels Schicksal hingen aufs engste zusammen. Der Papst entspricht dem Wunsche des Kaiser- betreffs der Bischöfe, nur nicht in Betreff de» Abbe Harät, deffen Ernennung er um keinen Preis bestätigen will. Er theilt endlich dem Kaiser nnt, daß der Cardinal Marlot den Befehl erhalten, seine Stells im Familienrath Napoleon's III. und al- Großalmosemer «ufzugeben,; es schickt fich für einen Kirchensürsten nicht, eine dienstbare Stellan-