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MV ! andmi Tag. Preis vierteljährlich 2Mark 25 Ps., zweimonatlich l M. SO Pj. und etmrronaüich 7b Pf Schwierigkeiten und von allen Kontrahenten zu bringenden Opfer schwer übersehen, aber ohne solche Selbstüberwindung SS Jahrgang. -- Sonntag, -en 36. Januar Nachbestellungen auf die Monate Februar uu» Mir; -werden zum Preise von 1 Rk. LV Ps. von alle« kaiserlichen Postanstalten sowie von de« be kannte« Ausgabestekle« und der unterzeichnete« Expedition ««genommen. Expedition des Freiberger Äuzeiger. Inserate werden bis Vormittag 11 Ubr angenom- I OOlE« men und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile s I GHMH F oder deren Raum 1b Pf. I und Tageblatt Amtsblatt für die königlichen und städtischen Behörden zn Freiberg Md Brand Benmtwortlicher Redakteur: Iuliu« Braun in Freiberg. Handwerke verbleibe, denn nur wenn er sich auf die Pflege desselben beschränkt, wird das Land von der Gefahr einer politisirenden Armee befreit und gegen auswärtige Gefahren geschützt sein. In England ereignete sich der dort unerhörte Fall daß ein Minister am Tage der Parlaments-Eröffnung ohne Sitz im Unterhause war. Der neue Schatzkanzler Goschen ist bei den letzten Wahlen nicht gewählt worden und jetzt dem Gladstomsten Neville bei dem Wahlgange in Liverpool mit einigen Stimmen unterlegen. Möglicher weise wird dies unerwartete Wahlergebniß durch ein noch stattfindendes neuerliches Skrutinium zu Gunsten de» unterlegen« Ministers umgeändert. Bliebe jedoch Gosch« ohne Sitz im Unterhause, dann wäre das ohnehin er schütterte Kabinet Salisbury in schwerer Verlegenheit. I« der Thronrede, mit welcher am Donnerstag das englische Parlament eröffnet wurde, bezeichnete die Regierung die Beziehungen Englands zu allen Mächten als freundliche und die noch ungeregelten Angelegenheiten im Südostm Europas als sich einem friedlichen Ausgleich nähernd. Anscheinend überläßt Rußland die Regelung der bul garischen Angelegenheiten vollständig der türkischen Re gierung, welche die Sache ernstlich in die Hand genommen Hal. Die Vorschläge, welche der bulgarische Führer Zan kow dem Großoezier zu diesem Zwecke machte, laufen auf Folgendes hinaus: Beseitigung der Regentschaft, Ueber- lassung der Ministerien des Innern und des Auswärtig« von Anhängern seiner (Zankows) Partei, Uebertragung les Kriegsministeriums an General von Kaulbars. Die Urheber des Staatsstreiches sollen in ihre früher« Stellungen wieder eingesetzt und die Arme« einstweilen beurlaubt werden. Tagesschau. Freiberg, den 29. Januar. Sicherem Vernehmen nach ist in der deutsche« ReichS- sauptstadt von allerhöchster Stelle hinsichtlich der demniichstigen Einberufung von 72000 Mann Reserve mit de» pmzufügen Mittheilung gemacht worden, daß die Einberufung ne Einübung in dem Gebrauch des neuen Gewehres bezwecke Die „N. Pr. Ztg." bemerkt dazu: „Wenn hier und da von der bevorstehenden Einberufung einer gewissen Anzahl von Reserven die Rede ist, so darf dies nicht im besorglichen Sinne aufgefaßt werden. Es wird sich vermuthlich darum sandeln, die Mannschaften im Gebrauch des RepetirgewehrS ,u unterweisen." Die Meldung dieser Einberufung der Re- erven ist übrigens, wie die „National-Ztg." versichert, bereits vor einigen Monaten bekannt geworden. Ein beunruhigendes Moment könne also hierin in keiner Weise gefunden werden. — Gegenüber der vielfach verbreiteten Nachricht, daß ein süddeutscher Minister bei dem Meinungsaustausch im deutschen Bun deS- rathe über die Militärvorlage auf diejenigen Verhältnisse hingewiesen, welche Neuwahlen nach feiner Ansicht schwierig erscheinen ließen, sind die offiziösen „Berliner Politisch« Nachrichten" ermächtigt zu erklären, daß auch in dieser Fassung )ie Nachricht, als hätte im Bundesrathe auch nur eine Stimme ich gegen die Reichstagsauflösung vernehmen lassen, erfunden ist. — In der am Donnerstag unter dem Vorsitz des StaatS- ministers von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung genehmigte der deutsche Bundesrath dem Antrag- der Direktion des Nord deutschen Lloyd entsprechend, daß die deutschen Postdampfschiffe der australischen Hauptlinie aus der Fahrt zwischen Aden und Adelaide künftig an Stelle der Tschagos Inseln den Hafen Colombo auf Ceylon anlaufen. Von dem Uebereinkommen mit England über das Sultanat Zanzibar und die Abgrenzung der deutschen und englischen Interessensphären in Ostasrika, owie der Nachweisung über die den einzelnen Bundesstaaten >is Ende Dezember 1886 überwiesenen Beträge an Reichs- Silber-, Nickel- und Kupfermünzen nahm die Versammlung Kenntniß und beschloß, eine Eingabe, betreffend den Erlaß würden sich die Gefahren nicht vermeid« lassen, die dem Vaterlande im Innern durch die Ultramontanen und Sozial- demokraten, von Außen durch die Rüstungen unserer west lichen Nachbam drohen. Die Nachricht der Londoner „Daily News", die deutsche Regierung habe bereits in Paris angefragt, was die Errichtung der Barackenlager in den französischen Ost-Provinzen zu bedeuten hätten, er zeugte in den letzten Tagen überall große Aufregung, hat sich aber als irrig herausgestellt. Die deutsche Reichs regierung sichert ihrerseits die Grenzen, ohne Frankreich zu fürchten oder zu reizen. Auch das erlassene Pferde ausfuhrverbot dürste nur den Charakter einer Schutzmaß regel haben. Deutschland will nur sorgen, daß die massen haften Pferdeankäufe, welche in letzter Zeit, besonders in Schleswig-Holstein, Hamburg und in dm beiden altpreußi schen Provinzen hauptsächlich für Reitpferde abgeschlossen wurden, nicht unseren heimischen Pferdebestand derart an- greifen, daß unsere Kriegstüchtigkeit darunter leidet. Mit dem Ergebniß der nun abgelaufenm Session der österreichischen Einzellandtage kann das Kabinet Taaffe unmöglich zufrieden sem. Im Tiroler Landtage ist in Folge des Widerstandes der Klerikalen die Schulvorlage arscheitert. Am Montag kam es noch im niederösterreichischen Landtage zu erregten Szenen, weil der Anttag auf Ver mehrung der Zahl der Landtagsadgeordnet« fiel, welcher insofern wichtig war, als mit demselben zugleich die Ver mehrung der Zahl der Wiener Abgeordneten bestimmt w.rden sollte — Bei dem Mittwoch in Prag erfolgten Schlüsse des böhmischen Landtages gab der Oberstland marschall Fürst Lobkowitz dem Bedauern über den Aus tritt der Deutschen lebhaften Ausdruck. Der Fürst ver hehlte nicht, daß der Punkt, auf den der nationale Streit in Böhmen gelangt ist, Gefahren in sich berge, aber er hütete sich wohl, auf die Ursachen einzugehm, welche diese Lage hervorbrachten, denn er müßte sie sonst in allen den politischen Aktionen finden, welche die Majorität des Reichsrathes und jene des böhmischen Landtages in der letzten Zeit unternommen haben. Seltsam klang es jeden falls, daß von Versöhnlichkeit der Czechen und von Ge rechtigkeit geaen die Abwesend« an demselben Tage ge sprochen wurde, an welchem man die Mandate der deut schen Abgeordneten als nichtig erklärte, noch ehe die ge setzlich festgesetzte vierzehntägige Frist ganz und voll abgelaufen war. Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde am Donnerstag der Eintritt in die Einzelberathung des Staatshaushalts beschlossen, nachdem am Tage vorher der Ministerpäsident Tisza die Opposition des ungarischen Abgeordnetenhauses gehörig abgekanzelt und deren Kampfes- weise rücksichtslos gekennzeichnet hatte. Trotzdem die italienische Regierung den Emst der Lage am Rothen Meere nicht recht zugeben will und der Minister Graf Robilant sowohl im Senate wie in der Deputirtenkammer alle Besorgnisse um die dortigen italieni schen Niederlassungen zu zerstreuen suchte, schenkt man in Rom den über Suakin eingetroffenen Privatnachrichten Glauben, wonach Truppen des abessinischen Feldherrn Ras Alula bereits die italienischen Vorposten bei Massauah an gegriffen haben sollen. Die Situation in Ostafrika ist um so verwickelter, als erst in der allerletzten Zeit ein Vasall des Negus von Abessinien, der König Menelik von Schoa, auf Antrieb des italienischen Grafen Antonelli den Emir von Harrar züchtigte und aus seiner Hauptstadt vertrieb, jenen Fürsten, dessen Krieger seinerzeit die Expedition des italienischen Grafen Porro meuchlings niedergemetzelt hatten. Unter den belgischen Sozialist« gährt es wieder in bedrohlichster Weise. In dem kürzlich stark beunruhigten Nachbarorte Brüssels Jette ist die Ordnung zwar wieder vollständig hergestellt, aber in Gent kam es durch den Uebcrmuth der dortigen Sozialisten am vorigen Sonntag Abend wieder während einer Theatervorstellung zu Thät- lichkeiten, welche die Polizei zur Vornahme von Verhaf tungen zwangen. Das Genter Sozialistenblatt „Vooruit" erklärt bereits offen, daß seine Freunde bei einem Kampfe zwischen Frankreich und Deutschland unter den Klängen der Marseillaise für Frankreich kämpfen würden. Auf die Anfragen verschiedener französischer Depu- tirten, ob von Deutscher Seite eine Anfrage wegen der Die Woche. Während im ganzen deutschen Reiche die Anhänger der regierungsfreundlichen Parteien alle Hebel in Bewegung setzen, um bei der bevorstehend« Reichstagswahl eine Reichs tagsmehrheit zu Stande zu bring«, die sich nicht wie die bis herige in unfruchtbarer Opposition gefällt, hat auch Fürst Bismarck die Gelegenheit bei dem Schopf« ergriffen, noch ein kräftiges Wörtlein über das Septennat zu sagen. An eine Auslassung des Grafen Limburg-Stirum über das treffliche Einvernehmen unter den deutschen Regierungen «nknüpsmd, erläuterte der deutsche Reichskanzler am Montag im preußischen Abgeordnetenhause, daß bei dem Kampf um das Septennat die Regierungen in rechter Verfassungstreue beharrten und jeden Streit zu vermeiden wünschten, während die Reichstagsmehrheit die gefahrdrohende Lage rücksichts los zur Verschiebung der Rechte zwischen Regierung und Volksvertretung habe ausnutzen wollen. Im Verlaufe der weiteren Debatte trat Fürst Bismarck besonders dem Führer des Zentrums ungemein scharf entgegen, dem er es auf den Kopf zusagle, daß er bei seinem Widerstande gegen die Militärvorlage durchaus nicht im Sinne des friedens- freundlichen Papstes gehandelt habe, der demnächst seine Mißbilligung über die Haltung des Zentrums noch deut licher kundgeben werde. Der zähe Äbg. Windthorst be zweifelte zwar im Abgeordnetenhaus?, daß Papst Leo XIII. sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands mischen »erde, aber in den letzten Tagen ist von zuverlässigster Seite behauptet worden, daß das Oberhaupt der römischen Kirche die katholisch« Mitglieder des deutschen Reichstages über seine Ansichten keineswegs im Unklaren gelassen habe. Süddeutsche Blätter brachten die Nachricht, daß der Papst durch den Nuntius in München noch während der letzten Reichstagsverhandlungen seinen Willen dahin bekundete, daß die Zentrumspartei der Militärvorlage in dem vollen Um fang des Regierunasentwurss zustimmen solle. Der „Köln. Ztg." wurde aus Rom das Folgende geschrieben: „Es hat schon alsbald nach Auflösung des Reichstages, wenn nicht schon kurz vor derselben, ein brieflicher Meinungs austausch zwischen dem P ipst und einem hochgestellten Zenttumsmitgliede stattgcfunden, wonach der Papst per sönlich aufs Entschiedenste die Haltung des Zentrums unter Windthorst gegenüber der Heeresvorlage mißbilligt. Von dieser Kundgebung hatte der Papst die Wirkung er wartet, daß sie den Widerstand Windlhorst's gegen die Vor lage zu brechen im Stande sei, und darum war eine weitere Veröffentlichung nicht gewünscht worden. Möglich, daß diese Veröffentlichung nunmehr erfolgt." Von anderer Seite wird angelündigt, daß von Rom aus an die zum Zentrum ge hörigen Geistlichen die Weisung erfolgt sei, sich künftig von der Mitwirkung in den Rechen der Opposition fernzu halten. Unter solchen Umständen tritt das Zentrum ziem lich kleinlaut in den Wahlkampf ein, für den die Aus sichten dieser Partei diesmal weit ungünstiger als bei den letzten Reichstagswahlen liegen. In eine nicht minder un behagliche Lage sind durch das Scheitern der Militärvorlage die unter dem Banner der „Neuen Preuß. Ztm" stehen den preußischen Hochkonservativen gerathen. Sonst mit dem Zentrum zum Kampfe gegen die Nationalliberalen fest geeint, sehen sie es jetzt für unmöglich an, weiter mit der Fraktion Windthorst zu verkehren, welche die Militär Vorlage zum Scheitern brachte. Wohl oder übel müssen sie dem Kompromiß der konservativen Fraktionen mit den Nationalliberalen zustimmen,'um die Macht der Oppo sition zu brechen, aber sie sehen mit Bangen in den wieder an die Spitze der Nationalliberalen getretenen Führern Ru dolf von Bennigsen und Or. Miquel künftige Günstlinge des Fürsten Bismarck, sogenannte „kommende Männer", die bei aller Regierungsfreundüchkeit liberale Gesinnungen hegen, die im Kreuzzeitungs-Lager gefürchtet werden. Bei dem Wahlkartell zwischen den drei entschieden regierungs- I freundlichen Fraktion« lass« sich überhaupt die vorhanden« j Truppmvermehrungen im Osten Frankreichs erfolgt sei, cr- " - klärten sämmtliche Minister, es liege kein Anzeichen vor, durch welches die Mittheilung« der „Daily News", die vom militärisch«, wie vom diplomatisch« Gesichtspunkte aus völlig unrichtig sei«, gerechtfertigt erscheinen könnt«. Die offiziellen Beziehung« zu Deutschland sei« durchaus befriedigend. Indessen verhehlt man sich in Paris nicht, daß die geräuschvolle Art des Generals Boulanger es ist, welche Europa beunruhigt. Frühere Kriegsminister Frank reichs haben auch gerüstet, aber weniger davon gesprochen. Diejenigen französischen Republikaner hab« nicht Unr«ht, welche von dem Kriegsminister verlang«, daß er bei seine«