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Beiblatt zum Mörser Grenzboten Druck und Barlag von Otto Meyer, Adorf sBogtl.) Mr. 2SS Donnrrsing, ÄQN 12. Drzrrn^rr 1S2S SS. Jahrg. EMMeS. Anträge im Landtag. Die Deutsche Volkspartei hat im Landtag folgende Anträge eingebracht: Der Landtag wolle beschließen, die Negierung zu ersuchen, ihren ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, -aß der Freistaat Sachsen jetzt wieder eine der Bedeutung des Industrielandes Sach sen entsprechende Vertretung im Verwal tungsrat der Reichsbahn erhält. Ferner: Durch Zentralisation öffentlicher Gelder «insbesondere der Reichssteuern) in Berlin verteuert sich der an sich schon hohe Zinsfuß für die Wirtschaft tm Reiche. Wir beantragen deshalb: der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen 1. mit der Lei- iung -er Reichs bank darüber ins Benehmen zu treten, -aß sie ihre Maßnahmen zur Liquid Hal tung -es deutschen Geldmarktes nicht nur über Berlin, sondern auch über die großen Reichsbank- Zweigniederlassungen, vor allem über Dresden, trifft und 2. hierüber alsbald Verbindung mit den jenigen Ländern aufzunehmen, deren Interessen in der gleichen Linie liegen. Die demokratische Landtagsfraktion weift in einer Anfrage auf die Verordnung des preußischen Justizministeriums hin, die auf eine Einschrän kung der Eide in Zivilprozessen hinaus- keht und fragt die Regierung, was sie getan habe und was sie zu tun gedenke, nm auch ihrerseits eine mög- Uchste Einschränkung der Eidesleistungen in Zivil- Prozessen fortdauernd zu gewährleisten. Unbegründete Sesorgniffe. Eine Erklärung der Staatskanzlei. Seit Wochen steht unsere Bevölkerung unter dem Einfluß einer Vertrauenskrise, die sich zu einer ernsten Gefahr für unser Wirtschaftsleben zu entwickeln droht. Ausgehend von vereinzelten Zu sammenbrüchen sind weite Kreise von einer Unsicher heit ergriffen worden, aus der heraus die bei den Geldinstituten arbeitenden Guthaben weit über den wirklichen Bedarf hinaus ab gerufen werden. Durch die Umwandlung -er Guthaben in Zahlungs mittel. die an vielen Stellen verzettelt zinslos auf gehoben werden, verliert nicht nur der Sparer den Zins, sondern der ganzen Wirtschaft wird dadurch der Zahlungsmittelvorrat unuötig verknappt. Hür k"? Gelhjnstitute, die von plötzlichen und über das normale Mag hinausgehenden Abhebungen betroffen sind, entsteht überdies leicht die Gefahr einer Un - Nüssigkelt, die soweit gehen kann, daß auch eine Mit reichlichen Reserven versehene Bank sich die zur Plötzlichell Auszahlung oller Einlagen benötigten Mittel nicht mehr zu verschaffen vermag. Die Gefah ren, die -er Allgemeinheit hieraus entstehen, müssen sich alle vor Augen halten, die ans bloße Gerüchte hin eine solche Unruhe in die Wirtschaft tragen und von angesehenen Instituten, die über ihre Verhältnisse ausreichende Aufklärungen abgeben können, Gelder über deri Bedarf abheben und damit auch andere ver anlassen dies zu tun. v. . , Die allgemeine Nervosität, die m letzter Zeit um Uch gegriffen hat, hat auch dazu geführt, da« E r spar, üisse ins Ausland geschafft und in auslän- aischen Werten angelegt werden, eine Erscheinung, die sich nur aus einer bedauerlichen Unwissenheit mancher 'oevölkerungskrcise in Währnngsfragen erklären läßt. Die Besorgnisse um den Bestand der deutschen Währung sind -urchaus unbegründet. Die Währung ist durch die seit fünf Jahren bewähr- -tn Aährungsgesetze unter dem Schutz -er Neichsbank, ein unabhängiges Institut ist, fest verankert und auch international voll anerkannt- denn die Wäy- ^ungsgesetze stehen, da sie als Anlage -es Londoner Protokolls Bestandteil eines völkerrechtlichen Ver lages geworden sind, unter internationaler Bindung, ^nnen also vom Reichstag nicht ohne weiteres auf- Ahvben oder abgeändert werden. Mit Recht hat der meparationsagcnt selbst in einem seiner Berichte aus Me durch die Währungsgesetze gesicherte starke Stel- jung der Reichsbank hingewiesen und dabei wörtlich wlgendes ausgeführt: „Die Reichsbauk als der Wächter -et deutschen Währung hat weitgehende Mittel «ud Ermächtigungen, und die Stabilität de» deutschen Währung bleibt völlig ge sichert." - Wer gleichwohl den haltlosen Gerüchten über eine jwahrnngsgefährdung Raum gibt und seine Erspar- Nhse ins Ausland bringt, sei sich darüber klar, -aß er mit dazu beiträgt, unserer unter den Kriegsverlusten ^Een Wirtschaft bas Lebensblut zu entziehen, die Mrtschast, ohne deren Bestand auch die nicht existieren -?"uen, die einen Teil ihrer Ersparnisse ins Ausland puffen, zu zerstören, und damit tiefste Not über das »«uze Volk zu bringen. Er handelt damit direkt den Interessen seines Vaterlandes zuwider! Einbrecher aus dem Lande. Lahlreiche Eiubruchsdiebstähle in Kolonialwaren» geschäften. . In -er letzten Zeit wurden schwere Einbruchs- 'jlebstähle vornehmlich in Kolonialwarengeschäfte "übt und dabei fast immer große Beute gemacht. In Ettendorf-Okrilla erlangten die Spitzbuben bei einem Einbruch außer 67 Reichsmark Wechselgeld größere Posten Pralinen, Schokolade und Zigaretten aller Sorten, ferner zahlreiche Büchsen mit Brat heringen, Oelsar-inen, Lachs, weiter 11 Stück Butter u. a. Gelegentlich eines kurz zuvor in Glashütte verübten Diebstahls wurden 80 Reichsmark Bargeld, für 200 Reichsmark Rauchmaterialien, ein großer Posten Schokolade, ferner 4 Flaschen Likör usw. erbeutet. — Große Mengen Zigarren und Zigaretten, 60 Tafeln Schokolade sowie 40 Paar Damen- und Herrenstrümpse fielen weiterhin bei dem Einbruch in ein Kvlonialwarengeschäft in Diesbar den Dieben in die Hände. In Langebrück wurde ein gleiches Geschäft um SO Stück Butter, 30 Tafeln Schokolade sowie um Räucherware und das Vorgefundene Wechselgeld beraubt. Recht lohnend erwies sich weiterhin ein in Mit- telherwigs-orf begangener Einbruch, wobei je 28 Pfund Zucker und Margarine, 15 Pfund Kaffee, 75 Bratwürste, 10 Pfund Wurstwaren, ferner betracht, liche Mengen Schokolade, Konserven, Strickwolle, Wechselgeld und viele andere Dinge hinwcggeführt worden sind. Auch bei Einbruchsdiebstählen in ein Schlachthaus in Laußnitz und in den Gasthof zu Schmeckwitz wurde viel entwendet. Im erstgenann ten Falle sind über ein Zentner Wurst- und Fleisch- »varen gestohlen worden. Zwei Einbrecher gefaßt. Bei einem Einbruchsversuch in Niederau kam es zu einem nächtlichen Fenerkampf zwischen der Polizei und zwei Einbrechern. Beim Herannahen der Polizei ergriffen die Diebe auf ihren Fahrrädern die Flucht. Um sich die Verfolger vom Halse zu halten, gaben die Flüchtlinge auf die Polizeibeamten mehrere scharfe Schüsse ab, die von den Polizeibeamten erwidert wur den. Am Bahnhof Niederau konnte einer der Ein brecher sestgcnommen worden. Es war dies der 19 Jahre alte Kraftwagenführer Heinz Nitsche aus Dresden-Löbtau. Auch die Festnahme des vorläufig entkommenen Komplizen, des 39 Jahre alten Kraft- wagenjührers Otto Kretzschmar in Dresden-Cotta, glückre bald danach. Getroffen wurde bei der nächt lichen Schießerei niemand. Man glaubt mit der Ver haftung beider Kraftwagenführer einen guten Fang gemacht und Spitzbuben ergriffen zu haben, auf deren Konto ein großer Teil der oben erwähnten Einbruchs diebstühle kommt. Tetzners Lleberführvng nach Regensburg. Der Mörder und Versicherungsbetrüger Erich Tetzner ans Leipzig wird, wie aus Regensburg mitgeteilt wird, in etwa 10 Tagen von Straßburg nach Regensburg übergeführt rveroen. — Was die mit- verhastete Kassiererin KatharinaNagel anlangt, so haben sich für eine Schuld ober Mitwisserschaft dieser bisher keine Anhaltspunkte ergeben. Frau Tetz- ner, die nach Aussage ihres Mannes in Straßburg das Verbrechen angestistet haben soll, bestreitet das nach wie vor. Es steht jedoch fest, daß beide Eheleute die Pläne zu der fürchterlichen Tat ausgeheckt haben. Die Schwurgerichtsverhandlung in Regensburg wird vor Frühjahr 1930 nicht stattfinden. Ser Simm hält an. Beue schwere Schiffsunfäll«. — Weitere Verwüstungen in England. Di« seit mehreren Tagen andauernden Stürme und schweren Regenfülle halten in unverminderter Stärke an. Eine Reih« weiterer Schiffe befindet sich in Seenot, so daß verschiedene Dampfer zur Hilfe leistung auslaufen mußten. AuS Valencia wird gemeldet, daß der englische Dampfer „Manchester Regiment" 48 Mann der Be- Atzung des sinkenden Dampfers „Bolumnia" aus Glasgow mitten im Atlantischen Ozean an Bord genommen hat. Der Dampfer „Alberta", der den Verkehr nach den Kanalinseln vermittelt, traf den deutschen Dampfer „Heinz Friedrich", der um Ortsangabe bat und mitteilt«, daß er ins Schlepptau ; mommen zu werden wünsche. Wegen des Unwetters um te die „Alberta" dies ablehnen, konnte aber einen französischen Schlepper zu Hilfe rufen. Verschißen« Lamp 'er hatten Menschen Verlust« infolge Sturzsee«. Der Sturm über Holland dauert mit wechseln der Stärke an. Gtellenweis« erreicht« er «in« Geschwin- vrgkeit von 85 Metern in der Sekunde. Bei Terschel- ling ist der große englische Dampfer „Benwivisk" ge- strandet. Auch innerhalb Englands richtete der Sturm treuen großen Schaden an. In Glasgow stürzte ein Kirchturm ein, während zwei andere Kirchen schwer beschädigt wurden. Tie Themse steigt stark weiter. Tie Bevölkerung des Themsetalcs ist von den Behörden ge» warnt worden, sich rechtzeitig in Sicherheit zu -ringen« Innerhalb Londons sind 13 000 Tclephonleitun« gen beschädigt, während 22 Leitungen nach dem Fest land, hauptsächlich nach Frankreich und der Schweiz, außer Betrieb gesetzt wurden. Nach Mitteilung der amtlichen Wetterstationen bestehen zur Zeit noch keine Aussichten für eine Aenderung des Wetters. Entgegen den Erwartungen wird auch Dänemark noch weiter vom Sturm heimgesucht. Die Dampfer treffen mit erheblichen Verspätungen ein, verschiedene Schiffe haben Unfälle erlitten oder sind auf Grund ge laufen. Stürmische Heimfahrt von Besatzungssoldaten. Der Sturm im Kanal erschwert auch dort dis Schiffahrt. Der aus der Linie Ostende—Dover verkch« rende fahrplanmäßige Dampfer mit 250 Soldaten der britischen Rheinarmee an Bord ist nach einer außer ordentlich stürmischen Fahrt mit starker Verspätung in Dover eingetroffen. Im Kanal befindet sich ein 677 Tonnen großer Dampfer „Frieda" im Sinken. Di« Besatzung ist in starker Gefahr. «niergang eines Dampfers. Sechs Mann Besatzung von 41 geborgen. Aus La Rochelle wird di« Rettung von sechs schiffbrüchigen Italienern vom Dampfer „Chieri" durch die französische Schaluppe „Gascogne" gemeldet. Di« „Chieri" mit 41 Mann Besatzung war von einem spanischen Hafen nach Rotterdam unterwegs. Das Schiss hatte Phosphor und Mineralien geladen. Etwa 120 Kilometer von der französischen Küste entfernt wurde es von den haushohen Wellen buchstäblich in zwei Teile zerrissen und ging sofort unter. Die Besatzung hielt sich ver zweifelt an den Schtffstrümmern fest. Eine Halbs Stunde nach dem Unglück fuhr die „Gascogne" an der Unfallstelle vorüber. Ne»h größten Anstrengungen ge lang es, 6 der Schiffbrüchigen zu retten. Die Schaluppe kreuzte dann noch stundenlang an der Unfallstelle, konnte aber niemand mehr retten. Allem Anschein nach hat der größte Teil der Besatzung in Stärke von 35 Mann den Tod in den Wellen gefunden. Entgleisung eines Personenzuges. Mehrere Personenwagen ineinandergeschoben. — Bis« 18 Leichen geborgen. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Namur lBelgien) hat sich infolge Entgleisung der Loko motive eines Personenzuges ein sehr schweres Eisen bahnunglück ereignet. Durch die durch die Entgleisung verursachte Hem mung schoben sich mehrere Personenwagen ineinander und zersplitterte» infolge der leichten Bauart der bel gischen Wagen vollständig. Unter den Trümmern wurden bisher 18 meist bis zur Unkenntlichkeit ver stümmelte Leichen geborgen. Tie Zahl der Verletzten steht noch nicht fest. Der Zug war sehr stark mit Arbeitern besetzt. Das Unglück ereignete sich bei voller Geschwindigkeit da durch, daß kurz vor der Einfahrt, vermutlich infolge einer nicht funktionierenden Weiche, die Lokomotive aus den Schienen sprang und umstürzte. Dadurch schoben sich vier Wagen ineinander. Drei weitere weniger besetzte Wagen wurden vollständig zertrüm mert. Die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest, beträgt aber bestimmt über 30. Rtefenfever in einem Ztlmalelier. Fünf Männer und vier Frauen verbrannt. In den Aufnahmeräumen der Manhattan-Film- Company in New Aork, wo ein Pathö-Tonfilm ge dreht wurde, brach plötzlich ein Feuer aus, das mit ungeheurer Schnelligkeit um sich griff, da es an Film streifen und Papierballen reichlich Nahrung fand. Fünf Männer und vier Frauen verbrannten, wäh rend viele andere Personen schwer verletzt wurden, da sie ans den Fenstern springen mußten, nm sich zu reiten. Wegen der starken Ranchentwicklung konnte niemand das Filmatelier dnrch das Treppeuhans ver lassen. Die Riesenhitze verzögerte die Löscharbeiten. Alan vermutet, daß sich unter den Trümmern noch weiter« Opfer befinden. Gi» Klempner als Zravenarzt. Ein gefährlicher Hochstapler verhaftet. Der Sicherheitspolizei in Wien ist es gelungen, einen interessanten Kriminalsall dadurch aufzuklären. daß sie in der Person eines Klempnergshilfen sinen Hochstapler gefährlichster Art verhaftete. Ter Mann hatte sich als Frauenal^t ausgegebe« und übte in Wien eine regelrechte Krankenbehandlung aus. Bisher konnte festgestellt werden, daß er nicht weniger als SV Kraute besudelt hat. Ueberdies be tätigte er sich als Heiratsschwindler und hat eine An zahl heiratslustiger Mädchen um größer« Beträge ge schädigt. Bei seiner Festnahme wurde ein Briefwechsel beschlagnahmt, de« er zngkeich mit fünf Bräuten führt«. Ein weckvoller Keiligenschrein. Von einem schwedischen und einem norwegischen Forscher sind nach einer Melduna aus Oslo inter essante Feststellungen über einen alten Heiligenschrein gemacht worden, der in der Domkirche von Cammin aufbewahrt wird. Der Schrein ist mit kostbaren Elfen beinschnitzereien geschmückt, die mit Beschlägen au» vergoldeter Bronze befestigt sind. Er enthüll dj« Reliquien der heiligen Cordula, Auer Der 11000 Fm.. lrauen, die mit der heiligen Ursula bei Köln von den Hunnen getötet wurden.