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108 l! 1 P A B 41 s s 2 hervorgehobenen Aeußerungen könnten in keiner Weise als ein Argu ment betrachtet werden denjenigen Mittheilungen gegenüber, welche dem gegenwärtigen Präsidenten der französischen Republik bei seiner Anwesenheit in Wien während deS Krieges gemacht worden seien und deren sich dieser genau erinnere. Nachdem Graf Beust demnächst die Verhandlungen zwischen Frankreich und Oesterreich recapitulirt hat, weist er darauf hin, daß der Herzog von Gramont von Verhandlungen! spricht, die in den Jahren 1869 und 1870 stattgefunden haben sollen, während diese doch in den Jahren 1868 und 1869 statthatten und eigentlich nichts weniger als eine Art von Negotiationen, sondern ledig lich ein einfacher Gedankenaustausch waren, welcher einen rein privaten Charakter hatte und schon im Jahre 1869, ohne zu irgend einem Ziele zu führen, seine Endschaft fand. Drei Punkte seien eS gewesen, diel diese Verhandlungen besonders charakterisirten. Einmal sollte die Ver°I bindung zwischen Frankreich und Oesterreich lediglich eine Defensiv-! allianz sein, beide Staaten sollten ferner gemeinschaftlich eine durchaus friedliche Politik, verfolgen und endlich behielt sich Oesterreich selbst für den Fall, daß Frankreich zum Kriege genöthigt sein sollte, da- Recht der Neutralität ausdrücklich vor. Graf Beust hebt nur hervor, daß! Oesterreich sich für diese letztere Eventualität entschied und daß eS auch nicht in Bezug auf die beiden anderen Punkte irgendwie von der darin! vorgezeichneten Bahn sich entfernte. ES sei zu bedauern, daß Nichts! abgeschlossen worden, da die Nothwendigkeit einer diplomatischen Inter vention möglicherweise den Krieg verhindert haben würde; aber dass! einzige Abkommen, daS zu Stande gekommen, habe in dem gegen- j seitigen Versprechen der beiderseitigen Cabinete bestanden, daß keine < Macht ohne Vorwissen der anderen mit einer dritten Macht sich in I, genau bezeichneten Grenzen nicht überschritten würden. Trete aber dieser letztere Fall ein, so liege auch -er Kriegsfall vor. Namentlich sei England entschlossen, die Unabhängigkeit Afghanistan« aufrecht !zu erhalten. Englands Forderungen entsprächen der Billigkeit, eS sei daher auch wahrscheinlich, daß Rußland denselben zustimmen werde. DaS Resultat der jetzigen diplomatischen Verhandlung werde voraus sichtlich kein Ende der seitherigen politischen Nebenbuhlerschaft beider Reiche im Oriente herbeiführen, aber die gegenseitigen Beziehungen zwischen England und Rußland auf eine klare Basis stellen. Am Schlüsse wird dann noch darauf hingewiesen, daß England in Bezug auf die Art und die Mittel zur Kriegführung im Oriente jedenfalls Rußland überlegen sei. London, 11. Jan. (W. T. B.) Für den Kaiser Napoleon wird vom 14. bis zum 24. d. M. Hoftrauer angelegt werden. Die einbalsamirte Leiche des Kaisers wird, wie es heißt, nächsten Montag und Dienstag in Parade ausgestellt sein. habe, daß er das Verhalten Oesterreichs vollständig entsprechend und erklärlich finde. Die in dem ersten Briefe deS Herzogs von Gramont I tion festgesetzt werde. Versailles, 12. Jan. lW.T.B.) Die Entsendung von Delegir- ltm zu dem Präsidenten der Republik, welche ihn um Erklärungen über die Entlassung Bourgoings ersuchen sollen, wird als ein versöhn licher Schritt, der durch die Ernennung Co reelles zum Gesandten beim päpstlichen Stuhle bestimmt worden, betrachtet. Wie die „Agence Havas" vernimmt, dürfte die Zurückziehung der Interpellation eine Folge der Unterredung sein, welche wahrscheinlich morgen stattfindet. Loudon, 11. Jan. (W. T. B.) Ein längerer Artikel der „Times" beschäftigt sich mit der Mission de» General Schuwaloff und führt auS, daß die Pläne und Absichten Englands dem Kaiser von Rußland offen und klar mitgetheilt worden seien. England werde sich jeder Einmischung in die Eroberungspolitik Rußlands in Asien so lange enthalten, als durch diese Eroberungen die dem russischen Kaiserreiche London, 11. Jan. (W. T. B,) Die Beisetzung der Leiche des Kaisers Napoleon erfolgt am nächsten Mittwoch Vormittags und zwar in einer Gruft unter dem Sitze, welchen der Kaiser sonst im Chor der katholischen Kirche zu ChiSleburst einnahm. ES gilt, wie das „Neuter'sche Telegraphenbureau" erfährt, al» gewiß, daß der Ver storbene ein Testament hinterlassen hat; auch wird die Absicht der Kaiserin Eugenie, sich als Regentin zu proclamtren, vielseitig bestätigt. Loudon, 12. Jan. (W. T. B.) Nach Berichten aus Rio de Janeiro' vom 23. v. M. ist die Deputirtenkammer am 21. Dec. eröffnet worden. Die Thronrede befürwortete Reformen de» Wahlgesetzes, der Nationalgarde sowie der Recrutirung. In der Kammer befinden sich 71 gopvernementale und 42 oppositionelle Deputirte. Chislehurst, 11. Jan. (W. T. B.) Nach dem Ergebnisse der stattgehabten Leichensection ist der Tod des Kaiser» Napoleon durch plötzlichen Stillstand der Blutcirculation herbeigeführt. Die Hauptursache davon wird den allgemeinen Constitutionsstörungen zu geschrieben, welche das sehr weit vorgeschrittene Nierenleiden des Kaiser» herbeiführte, das ohnehin jedenfalls jn sehr kurzer Zeit dem Leben deS Kaisers ein Ziel gesetzt haben würde. Der Ankunft des Prinzen Napoleon und deS Cardinal» Lucian Bonaparte wird stündlich entgegengesehen. ho ihr Al! Ja gef UN! übe erfc besi Als Abe Zus kein sofo geste geko dem sein, einer und vielle Herm richil sowie Gans Jahr, unter Auf ehelist ehelick Auf! 1 Wi Weibl. 33, a stau versto, 2. bi» 2 mäi 31. bi Jahre eine Verbindung einlassen wolle. Graf Beust weist unter Bezug auf eine in Abschrift beigefügte Depesche, welche in dem entscheidenden Augenblicke an Fürst Metternich erlassen wurde, nach, daß dieser Abkommen von Oesterreich aufrecht erhalten wurde. Graf Beust er klärt ferner, er wisse absolut nicht, worauf sich Gramont's Aeußerungen über einen Defensiv- und Offrnfiv-Allianz-Traetat gegen Preußen be- zögen; nur das wisse er genau, daß ein derartiger Antrag erst nach erfolgter Kriegserklärung von Frankreich gemacht worden sei und daß Oesterreich, ohne einen Augenblik zu zaudern, drnselben noch vor Er öffnung der Feindseligkeiten abgelehnt habe. Damit sei dann voll ständig klargelegt, daß zu -er Zeit, als Frankreich den Krieg erklärte, weder mündlich noch schriftlich irgend etwas abgemacht worden war, waS Frankreich ermächtigt hätte, auf eine militairische Unterstützung Oesterreichs zu rechnen. Parts, 11. Jan. (W. T. B.) Wie „Bien Public" mittheilt, Hot! Marschall Mac Mahon mit einer Anzahl anderer Generale Urlaub erhalten, um dem Leichenbegängnisse des Kaisers Napoleon! beiwohnen zu können. Paris, 11. Jan. (W. T. B.) Das Journal „Ordre", Organ der bonapartistischen Partei, veröffentlicht ein „Keine Ent- muthigung" betiteltes, von Garnier de Cassagnae und Dugvö de Fau- connerie unterzeichnetes Manisch, welches das ungeschwächte Vertrauen der bonapartistischen Partei auf Wiederherstellung veS Kaiserreiches trotz deS schweren Verlustes, der die Partei getroffen, auSspricht. — DaS „Journal officiel" veröffentlicht die Ernennung des Grafen CorcelleS zum Botschafter beim heiligen Stuhle. Pari-, 11. Jan., Abends. (W. T. B.) Einer Mittheilung des „Pays" zufolgen haben 52'Marschälle und Generale die Er- laubniß nachgesucht, dem Begräbnisse in ChiSlehurst beiwohnen zu dürfen, die Regierung habe aber nur denjenigen acttven Offizieren dieselbe ertheilt, welche Adjutanten deS Kaisers gewesen sind. Wir officiöse Blätter versichern, hätte eine große Anzahl al» Bonapartisten bekannter hoher Offiziere gestern und heute ihre Karten auf der Prä sidentschaft abgegeben. — Nach Briefen auS Chislehurst beabsichtigt die Kaiserin Eugenie allen Souverainen Anzeige von dem Ab leben de- Kaiser», von der Thronbesteigung Napoleons IV. und von 11 ihrer Uebernahme der Regentschaft zugehen zu lassen. — Herr de Re-j« Aenderung der guten Beziehungen zwischen Oesterreich und dem Deut-s,n u s a t ist'wieder hergestellt, Marschall Bazaine bedenklich erkrankt, schen Reiche sowohl, wie Frankreich nach keiner Richtung hin zur — Der Präsident der Republik ist bei seiner heutigen Ankunft auf Folge haben werde, und erinnert sodann daran, daß der Herzog von dem hiesigen Bahnhofe mit einer großen Ovation empfangen und von Gramont, als er nach dem französischen Kriege über die Ereignisselder Menge mit den Rufen: ES lebe Thier»! ES lebe die Republik! von 1870 mit ihm einen Gedankenaustausch gehabt, ihm selbst erklärt begrüßt worden. Versailles, 11.Jan. (W.T.B.) Nationalversammlung. Bei der DiScussion deS Anträge» deS Herzog» von Broglie, bezüglich eine» oberen RatheS sür den öffentlichen Unterricht, wurden verschiedene ! Gegenanträge verworfen. Broglie schlug vor, daß die National-Ber- sammlung darauf verzichten möge, durch 4 Deputirte in dem oberen Rath vertreten zu sein, und daß diesen 3 Staat»räthe, ein Mitglied der Armee und ein Mitglied der Marine substituirt werden. Die DiScussion wird nächsten Montag fortgesetzt werden. — Die Ver sammlung der Rechten, welche die Berathung über die Inter pellation Belcastels bezüglich der Demission BourgoingS zum Zwecke hatte, hat beschlossen,' den Bischof Dupanloup, Belcastel und andere Deputirte als Delegirte zu dem Präsidenten der Republik zu senden, um ihn zu ersuchen, über die Entlassung Bourgoings am nächsten Montag Erklärungen zu geben, bevor der Zeitpunkt für die Jnterpclla-