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men rn ferner Note an England eine gewisse Zsonder- steNung eingenommen habe. - , Kein Grund zur N^zweiflnus. In seiner Rede vor dem Ministerrat betonte Mus solini besonders noch folgendes Moment: „Die Ne parationsfrage wird, wenn sie gelöst sein wird, bir Lu einem gewissen Grade auf lange Zeit hinaus über das Schicksal Deutschlands bestimmen. Gewaltige J:r- teressen stehen auf dem Spiel, und obwohl Deutsch lands innere Lage immer noch schwierig ist und die Besorgnis aller Völker Europas groß ist, besteht kein Grund, an einer bevorstehenden Regelung zu verzwei feln. Italien hat aufs eifrigste an der diplomatischen Aktion der letzten Zeit teilgenommen, und wenn es auch nicht allein den Verlaus der Ereignisse entscheidend bestimmen konnte, so wird es doch im gegebenen Augen blick das Gewicht seiner Stimme Und seiner Aktion geltend machen, damit eine Lösung gefunden wird, welche den nationalen Interessen Italiens Rechnung trägt und Deutschland eine Zahlung auferlegt, die gleichzeitig gerecht ist und ein Chaos in Deutschland verhindert, dessen Rückwirkung für ganz Europa ver hängnisvoll wäre.'' > . Mens Aniwort. > Teilweise ablehnend. Die griechische Regierung hat bereits auf das Ul timatum Mussolinis geantwortet. Griechenland ist da nach zu folgendem bereit: , 1. Die griechische Regierung werde der italieni schen Regierung in ausführlichster amtlicher Form ihr Bedauern aussprechen. Zu diesem Zweck werde der Platzkommandant von Athen dem italienischen Ge sandten einen Besuch abstatten. 2. Die griechische Regierung werde einen Trauer gottesdienst für die Opfer in der Athener katholischen Kirche abhalten lassen, dem alle Regierungsmitglieder beiwohnen werden. - 3. Am gleichen Tage würden der italienischen Flagge Ehrenbezeugungen in folgender Weise erwie sen werden: Eine Abteilung der Athener Garnison werde sich zur italienischen Gesandtschaft begeben und die italienische Flagge durch Erweisung der herkömm lichen Ehrenbezeugungen grüßen. 4. Militärische Ehrenbezeugungen sollen in aller Feierlichkeit den Opfern in Prevesa im Augenblick der Ueberführung der Leichen an Bord eines italienischen Kchiffes erwiesen werden. Die griechische Regierung sei außerdem geneigt, den Familien der Opfer aus Billigkeit eine gerechte Entschädigung zu bewilligen und die Mithilfe des Obersten Gerson anzunehmen, der die Untersuchung durch Mitteilungen erleichtern solle, die für die Ent deckung der Schuldigen von Nutzen sein könnten. ) Die griechische Regierung erklärt endlich, sie be trachte die in der italienischen Verbalnote enthaltene Beyauprung ver italieinschen Regierung, die griechische Regierung habe sich einer schweren Beleidigung Jta- lienS schuldig gemacht, als ungerecht. Es sei der grie- «yr;cyen vceglerung unmöglich, die Hauptpunkte der unter Nr. 4, 5 und 6 der italienischen Verbalnota formulierten Forderungen anzunehmen, die einen An griff auf die Ehr« und die Souveränität des Staates bedeuteten. , ErMlwgen Räumers. Unsere schwierige Wirtschaftslage. ' Im Reichswirtschaftsrat hielt ReichswirtschaftSmi- nister v. Raumer eine programmatische Rede, in der er forderte, daß alle Parteigegensätze gegenüber der schwierigen Lage des Reiches zurücktreten müßten. Er wies sodann auf folgende Punkte näher hin: > - Eine Kapitalnot ohnegleichen ist ausgetreten, so - daß durchaus mit der Möglichkeit zu rechnen sei, daß die ! Betriebe nicht mehr fähig waren, die Löhne zu bezah- - . len. Die Löhne seit Ende Juli seien drei- bis viermal ' j so stark gestiegen, wie der Dollar. Mit dem Zurückgehen j der Ausfuhr nehme die Möglichkeit ab, Valuten ins j ! Land zu bekommen. Dis Aufgaben des Reiches sind so » ! gewaltig, das; sie durch keine Steuern gedeckt werden ! i können. Es sei bedauerlich, daß in dem gegenwärtigen § Augenblick nur die Notenpresse als einziges Aushilfs- mittel in Frage käme und daher nicht stillgelegt wer den könne. Von der finanziellen Seite sei die Sa nierung der Mark nicht herbeizufuhren, sondern nur durch die Wirtschaft. Das sei so zu verstehen, daß die Wirtschaft wieder in Ordnung gebracht werden müsse. Daneben müßten selbstverständlich auch die Aus gaben, soweit wie nötig, zurückgestellt werden. Es sei vorgekommen, datz der Staat auch Löhne für die Privatindustrie hätte bezahlen müssen. Das gehe so nicht weiter. Der Staat könne nicht mehr helfen. Und die Industrie müsse sich auf die eigenen Beins stel len. Der Redner führte im weiteren Verlauf seiner Ausführungen Ziffern an, die aufs klarste beweisen, in wie erschreckender Weise die deutsche Ausfuhr zurück gegangen ist. In Goldmark umgerechnet, betrug dis Ausfuhr im Mai 614 Millionen, im Juni 380 Mil lionen, im Juli hingegen nur noch 105 Millionen. Mit dem Zurückgehen der Ausfuhr wachss dis Schwierigkeit, Devisen zu beschaffen. Dec Redner warf dann den Gedanken auf, daß eine Goldnotenbank ge gründet werden müsse. An dieser müsse natürlich auch Vie Reichsbank maßgebend beteiligt sein. Aber ohne nationale Beteiligung würde sich der Plan kaum ver wirklichen lassen. Es gelte, wertbeständige Zahlungs-! mittel zu beschaffen. SeoWes Reich. — Berlin, den 1. September 1923. ° Ein deutsch-nationales Aktionsprogramm, das von dieser Partei soeben ausgegeben worden ist, ent hält folgende Hauptpunkte: 1. Fortführung des verstärkten Widerstandes an Rhein und Ruhr. 2. Vergeltungsmaßnahmen gegen dis „vom Feinde" auf deutschem Boden verübten Gewalt taten, Ausweisung der französischen und belgischen Mit glieder der Entente-Kommissionen. 3. Einstellung al ler Vertragsleistungen, Wehrhaftmachung des Volkes. 4. Abbau der Schutzgesetze. 5. Außerordentliche Macht vollkommenheiten einer „vom Druck der Straße, der Parteien und Parteikoalitionsn unabhängigen Stelle" " anstelle des ungeeigneten Reichskabinetts . Bei Ver weigerung solcher Vollmachten durch das Parlament Herbeiführung des Volksentscheids. 6. Selbstschutz de« „ordnungsliebenden und wirklich arbeitenden" Bevöl kerung. 7. Nachprüfung der Steuergesetze, um „ihrs bedenklichsten Auswirkungen" zu verhindern. 8. Aus-- schaltung des „verteuernden Zwischen- und Kettenhan dels". 9. Schaffung eines real fundierten Geldes^ 10. Aufhebung aller die Wirtschaft hemmenden Be schränkungen. 11. Maßnahmen zur produktiven Be schäftigung der Erwerbslosen. 12. Verhinderung der Zuwanderung fremdstämmiger, insbesondere ostjüdischer Elemente. , 0 Amtsantritt des neuen RciWpoftministers. Der neue Reichspostminister Dr. Höfle hat die Lei tung des Post- und Telesraphenwesens übernommen. In einer Ansprache an das Personal des Reichspostmi nisteriums führte er aus, datz die Befreiung von den außenpolitischen Fesseln dis Voraussetzung für die Ge sundung unseres Vaterlandes und den Wiederaufbau des PosUvesens sei. Das Ruhrgebiet müsse befreit wer den, damit das Wirtschaftsleben wieder gesunden könnet Die wirtschaftliche Gesundung der staatlichen Verkehrs betriebe sei eine der wichtigsten Aufgaben unseres Ta gesprogramms. Staatssekretär Teucks hietz den neuen Minister willkommen und versicherte ihn der tatkräf tigen Unterstützung und der vollen Hingabe des gesam ten Postpersonals. ° Eine bayerisch: Notstandsmaßnahme. Das bay erische Gesamtministerium erläßt an die Landwirte die Aufforderung, Brotgetreidevorräte aus der Ernte 1922 sofort auf dem kürzesten Wege der Verarbeitung und dem Verbrauch zuzuführen. Wer Getreide früherer Ernte auf eigenen oder fremden Lagern zurückhält^ hat schwer» Freiheits- und Geldstrafe zu gewärtigen. Die amtlichen Wucherabwehrstellen, die Polizei, Behör den und Strafverfolgungsbehörden, sind angewiesen, mit aller Schärfe gegen strafbare Getreidezurückhal- tungen vorzugehen. l ° Bettelnde Landesverräter. Die rheinischen Se»! paratisten haben an die französische und belgische Be- satzungsbehörde ein Schreiben gerichtet, in dem sie von den Mächten, die einen Teil Deutschlands gewalt sam besetzt haben, moralische und wirtschaftliche Un-" terstützung verlangen. Diese Schamlosigkeit erscheint sogar einigen französischen Zeitungen zu stark. Sie. äußern starke Zweifel, ob Frankreich und Belgien dem Frieden wirklich dienen würden, wenn sie die rhei nischen Separatisten gegen ihre deutschen Landsleute unterstützen wollten. ° Reue AuSmeisungsbcstinlmnngrn. Der preußi sche Minister des Innern, Severing, hat den Erlaß vom.'. 21. Oktober 1921 über die Ausweisung von Ausländern, durch neue Bestimmungen ersetzt, in deren Einleitung die große innen- und außenpolitische Bedeutung der, Behandlung der Ausländer den Polizeibehörden ins. Gewissen gerufen wird. Ausweisungen dürfen nur. aus öffentlich-rechtlichen Gründen stattfinden, also nicht! etwa wegen Vertragsbruch, Privätbeleidigung und der-: gleichen. Zulässig ist die Ausweisung binnen 5 Jahrcw nach rechtskräftiger Verurteilung, wenn der Täter eins Gesinnung bewiesen hat, die dem Gemeinwohl abträglich ist, also insbesondere bei Verurteilung wegen Preis treiberei, Schleichhandel, verbotener Ausfuhr lebenswichf tiger Gegenstände, unzulässigem Handel, Valutaspeku lation oder Steuerhinterziehung, ferner bei staatsfeiE sicher politischer Betätigung in Wort und Schrift, auch wenn ein Strafverfahren nicht oder noch nicht einge-! leitet ist, wegen paßloser Einreise und wegen unbefuM Lerne leiden... Roman von H. Gourths-Mahler ^Nachdruck verboten.) l3O. Foitsetzun . Bettina hatte in der Pension der Frau Dr. Hartung in Ilmenau Wohnung und freundliche Aufnahme ge sunden. Frau Dr. Hartung war die Witwe eines Arztes, der sich hier einen Wirkungskreis geschaffen hatte. Bettina war ziemlich spät abends bei ihr eingetroffen und hatte um Aufnahme gebeten. Die alte Dame hatte sich im Laufe der Jahre im Verkehr mit Personen aller Stände -eine scharfe Menschenkenntnis angeeignet. Das schlanke Hlonde Mädchen mit dem traurigen Gesicht und dem schwarzen Kleid gefiel ihr sehr. Sie bekam ein schönes, Helles Zimmer mit einem reizenden Ausblick auf den Kickelhahn, und die alte Dame half ihr selbst, sich wohnlich Hinzurichten. ' Bettina teilt ihr mit, daß sie sich einige Wochen hier aufzuhalten gedenke. Der Pensionspreis war nicht gar zu Hoch, wenn er auch bedeutend das überstieg, was Bettina, an Zinsen von ihrem kleinen Vermögen zu verbrauchen Hatte. Sie tröstete sich jedoch mit dem Gedanken, daß sie sich später sparsamer einrichten und auf irgend eine Weise noch etwas hinzuverdienen konnte. Vorläufig atmete sie suf, daß sie wieder ein schützendes Dach über dem Kopfe hatte. ! Sie fand die erste Nacht einen tiefen, festen Schlaf, da sie von allen Aufregungen erschöpft war. Am anderen Morgen wurde sie von fröhlich plaudernden Stimmen Hinter ihrem Fenster geweckt. Sie erhob sich schnell und) Neidete sich an. Verstohlen blickte sie durch die Gardinen Hinab. Ein hübscher kleiner Garten lag vor ihren Augen.' »Darinnen saßen an verschiedenen sauber gedeckten Tischen) Herren und Damen beim Frühstück. Ihre Pensions- igenossen. — Es waren meist ältere Ehepaare, einige in Be gleitung junger Mädchen, und einzelne Damen in verschie denen Altersstufen. « Als Frau Doktor Hartung später das junge Mädchen, ftn den Garten führte und sie den übrigen Herrschaften chorstellte, richtete sich natürlich aller Aufmerksamkeit auf, W._ Bettina war verlegen, als sich so viele Blicke auf HP Gesicht richteten, aber gerade diese Verlegenheit ließ sie» nur um so reizender erscheinen. Die Trauerkleidung tat» das übrige. Man kam ihr gleich herzlich und freundlich) entgegen und war sehr nett zu ihr. > Nun war sie schon länger als acht Tage hier. Man' hatte sie verschiedentlich aufgefordert, Ausflüge mitzu-, machen. Sie war einigemal mit oben auf dem Kickelhahn^ gewesen, hatte auch einen verträumten Sommernachmittagi oben in der Nähe des Goethehäuschens gesessen und ihre! traurigen Gedanken in die alte Heimat schweifen lasten — zu ihm — den ihre Seele aller Vernunft zum Trotz nicht lasten konnte. Auch hinüber nach Paulinzella war sie mitgefahren und hatte mit staunenden Augen die Klosterruine be trachtet. Von Paulinzella fuhr man mit der Bahn nach! Schwarzburg, überwältigend und in aller Lieblichkeit bezaubernd erschien ihr das herrliche Landschaftsbild, das sie vom Trippstein aus durch das Fenster der Borkenhütte vor sich sah. Ringsum tiefgrüne Wälder auf den Bergen, und drunten auf einer Hügelinsel das Schloß mit seiner malerischen Wirkung. Um den Schloßberg streckte die Schwarza die schlanken, silberhellen Arme. Die springen den Wellen blitzten im Sonnenschein. Bettina atmete auf. Wie schön war die Welt! Und rings um sie her fröhliches Lachen und Plaudern, köstliche Daseinsfreude. Herzen, die sich suchten und fanden. Nur sie war allein. — Am liebsten blieb sie auch für sich, nur wenn man sie ganz dringend aufforderte, schloß sie sich den andern an. Waren sie alle fort, dann saß sie still für sich im Garten und ließ ihre Blicke ins Weite schweifen. Oder sie stieg hinauf auf den Kickelhahn, auf den Aussichtsturm, von dem das ganze Panorama des Thüringer Waldes zu übersehen war. Da stand sie und schaute — schaute — bis ihr die Augen brannten. Da draußen — irgendwo — da weilte er, der ihrem Herzen so teuer war — und den sie nicht vergessen konnte, an den sich all ihre Gedanken klammerten. Vergeblich suchte'sie sich davon loszureißen. Sie mußte doch nun ernstlich ihre Zukunft ins Auge fasten. So konnte sie nicht lange weiterleben, erstens, weil es zu teuer war, und dann fehlte es ihr auch an einer Tätigkeit, die ihre Zeit aus füllte, sie in Anspruch nahm, damit sie etwas anderes zu denken hatte, als immer nur an das eine. Eines Taaes. vertraute sie sich Frau Doktor Hartung an. Sie sagte ihr^ daß sie verwaist sei, bis jetzt bei Verwandten gelebt hab« und nun versuchen wolle, auf eigenen Füßen zu stehen,' Sie sei in: Besitz eines kleinen Kapitals, dessen Zinsen nicht reichten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Si« wollte auf irgend eine Weise hinzuverdienen. Ob ihr Frau Doktor Hartung einen Rat geben könne. Dis alte Dame hatte ruhig zugehört. Nun sah si« lächelnd in Bettinas Gesicht. „Hätten Sie Lust, bei mir zu bleiben?" - Das junge Mädchen machte ein verlegenes Gesicht« Schließlich sagte sie aber tapfer: „Dazu reichen eben leider meine Mittel nicht aus." Die alte Dame schüttelte den Kopf. „Nein — so meine ich es nicht. Sehen Sie, liebes Fräulein Sörrensen, ich werde alt, und manchmal wird! es mir ein bißchen viel Arbeit. Zumal im Sommer, woi ich immer das Haus voll Gäste habe. Wenn Sie bei mirs bleiben wollten, um mir einen Teil der Arbeit abzunehmen,! dann wäre uns vielleicht beiden geholfen. Sie sind mir' sympathisch, und ich muß jemand haben, dem ich ganz: vertrauen kann. Hohes Gehalt könnte ich Ihnen freilich nicht zahlen, das bringt meine Pension nicht ein, denn im Winter ist stille Zeit. Aber Sie hätten doch freie Pension! und ein kleines Taschengeld. Da brauchen Sie am Ende Ihre Zinsen gar nicht auf und können für spätere Tag«, zurücklegen. . Und wenn Sie sich nicht verheiraten sollten) aus irgend einem Grunde — vielleicht übernehmen Sie) dann nach Jahren die Pension selbst, denn ich bin ebew nicht mehr die Jüngste. Meine einzige Tochter ist an einen Arzt in Berlin verheiratet — die würde, sterbe ich einmal^ froh sein, eine Nachfolgerin für mich zu finden. ÜberlegeM Sie sich das einmal." Bettina faßte ihre Hand. „Da gibt es nichts zu überlegen, Frau Doktor. Gern sage ich ja. Da brauche ich doch nicht weiter zu suchen und zu grübeln. Wenn Sie mich wollen — ich bleibe von; Herzen gern." i - Die alte Dame lachte. , "" „Nein — überlegen sollen Sie sich erst alles, so schach will ich Sie nicht beim Wort nehmen. Bis nächstem Sonntag sollen Sie Bedenkzeit haben. Da bleiben Ihnen noch fünf Tage.", —