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j 1899 U 284 Inserate werden bi» Bormttlag» 11 Uhr angenommen. Prei» für die Spaltzeile 1ü Psg. Außerhalb deS LandzerichtSbezirkS 16 Pfg. Tageblatt AmtMM sür die kömgliHm und MWm BehSrden zu Freiberg md Braud. Verantwortliche Lett««« der Nevaktion: Georg »nrkhardt. Erscheint jede» Wochentag Abend» >/,g Uhr sür den II Jahrgang. Donnerstag, den 7. Dezember. Auf Folitnn 87 de» Handelsregister» für den Landbezirk de» unterzeichneten Gericht», dir Firma H Umoluor in Freiberg-Vorf betreffend, wurde heute verlautbart, daß der Metallwaarensabrikant, Herr Gustav Friedrich Wilhelm Neumann in Freibergtdorf al» Mitinhaber der Firma ausgeschieden ist. Treiderg, den 4. Dezember 18SS. königliches Amtsgericht. Log. V S27/S9. Akt. Liebscher. Konkursverfahren. lieber den Nachlaß de» am 21. Oktober 1899 verstorbenen Fuhrwerksbesitzers Hellm- rted Ilauw»»»» liolloo in Niederschöna wird heute, am 5. Dezember 1899, Vor- »ittag» 9'/, Uhr, da» Konku^Sverkahren eröffnet. Der Kaufmann August Straubel in Freiberg wird zum Konkursverwalter ernannt. NonkurSforderungen sind bi» zum IS. Januar 1900 bei dem Gerichte anzumelden. ES wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung de» ernannten oder die Wahl eine» anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eine» Gläubigerausschusses und eintretendeu Falle» über die in Z 120 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf de« S». Dezember 1SSV, Vormittag- 11 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen aus de« S. Februar 1900, Vormittag- 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 33, Termin anberaumt. Allen Personen, die eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an die Erben des GemeinjchuldnerS zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für die sie auS der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehme«, dem Konkursverwalter bi» zum S7. Dezember 1899 Anzeige zu machen. -königliche- Amtsgericht z« Freiberg, Abth. I Bekannt gemacht durch den Gerichlsschreiber: L 28/99 Nr. 12.Sekr St1v«I»1.— Auktion. Sonnabend, den 9. Deeember 1899 Nachmittag- 8 Uhr werden im Molkerei- grnndstücke — Fürstenthal — 4 grobe Schweine unwiderruflich versteigert. Freiberg, den 6. Deeember 1899. Sekr. G.-B. Erledigt hat sich die auf Donner-tag, den 7. dfs. MtS. in Mnlda anberaumte Versteigerung einer eiserne« Hobelmaschine. Brand, am 6. Dezember 1899. Sllkeri»«»», Gerichtsvollzieher. Asr dm Keichsla-e. (Eigenbericht.) nk. Berlin, 5. Dezember. Geschwindigkeit ist keine Hexerei! DaS bewies heute der Reichstag, indem er in einer Sitzung, die zu den kürzesten gehört, die er je abgehalten hat, eine durchaus nicht unbedeutsame Tages ordnung erledigte. Daß der erste Punkt, die Genehmigung des Bundesrathsbeschlusse», wonach Anlagen zur Herstellung von Zündschnüren und elenrischrn Zündern unter die einer besonderen Genehmigung bedürfenden Anlagen eingereiht werden, ohne De batte in dritter Lesung beschlossen wurde, ist ja nicht weiter ver- wvnderlich. Aber recht merkwürdig war es schon, daß der Initiativantrag der Abgg. Frhr. Heyl zu HerruSheim (national!.), vr. Hitze (C.) und JacobSkötter (kons.) betr. die Ausdehnung der EramenversicherungSpflicht auf die Heimarbeiter in erster und weiter Berathung Annahme fand, ohne zu einer Diskussion Anlaß zu geben. Der erste Antragsteller beschränkte sich nur auf die kurze Erklärung, daß Gras PosadowSky gestern Abend einer freien Kommission die Zustimmung der Regierung zu dem An träge erklärt habe. ES ist das ein bedeutsames Zeichen dafür, sür wie nothwendig man auch in maßgebenden Kreisen daS Em- -reisen deS Staat» in die Verhältnisse der Hausindustrie hält. Dann kam die dritte Lesung der Gewerbeord- »nugSnovelle, die den Reichstag während der ganzen »origen Woche beschäftigt hat, die manche tief eingreifenden Aenderungen bringt und zu der auch jetzt wieder eine ganze Zahl von AbänderungSanträgen Vorlagen. Hier hatte man sich wenig stens noch auf lange und gründliche Debatten gefaßt gemacht. Aber man irrte sich. Die Redelust war in dem sehr schwach besetzten Hause recht gering, und ohne große Rederei flogen die Abänderungs- anträge nur so unter den Tisch, während die Beschlüsse der 2. Lesung fast durchweg aufrecht erhalten wurden. Das gilt vor allem auch für die Bestimmungen über den Ladenschluß und die Ruhezeit der Handelsangrstellten. Gras Posadowsky schien über die Geschwindigkeit, mit der diese wichtigen Dinge abgefertigt wurden, so verblüfft, daß auch ihm das Wort in der Kehle stecken blieb. Die Versuche des Herrn v. Frege (k.), die Mittagspause von 1^ aus 1 Stunde herabzudrücken und die Ruhezeit von 11 Stunden zu beseitigen oder doch in Städten von über 100000 Einwoh nern (statt 20000) stattfinden zu lasten, schlugen völlig fehl, namentlich auch an dem Widerspruch der Nationalliberalen, obwohl der Staatssekretär sie ausdrücklich billigte. Dagegen hatte Herr v. Frege Erfolg mit einem anderen Anträge, der allerdings den entgegengesetzten Charakter trug durch die Tendenz, die Sonn- tagSarbeit emzuschränken. An Stelle der Bestimmung, die auf Antrag von */, der Betheiligten die Beschränkung der Sonntags arbeit in Barbier- und Friseurgeschästen auf die Stunden ein- sühren kann, während deren die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen gestattet rst, setzt dieser Antrag eine allgemeinere Fassung, durch welche diese Beschränkung auserlegt werden kann allen den Gewerben, deren vollständige oder theilweise Ausübung zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders her vortretender Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist. Dieser Erweiterung wurde allgemein zugestimmt, namentlich auch von Seiten der Sozialdemokraten, die freilich trotzdem den Antrag gestellt hatten, die obigen freiwilligen Beschränkungen nun noch sür das Barbiergewerbe obligatorisch zu machen, ohne jedoch dafür von irgend einer Seite Unterstützung zu finden. Gestrichen wurde heute die auf Antrag der Sozialdemokraten in die Novelle hineingebrachte Vorschrift, daß den Ladenangestellten Sitzgelegenheit zu gewähren ist. Graf Posadowsky stellte nämlich eine Spezialverordnung des Bundesraths über diese Angelegenheit in nahe Aussicht, so daß sich hier die allgemeine, sehr wenig präzise Bestimmung erübrigt. Längere Debatten hätten wahrscheinlich die Beschlüsse über die Beschränkungen der Heimarbeit gezeitigt, denn hier kommen die prinzipiellen Gegensätze besonders stark zum Ausdruck; auch gab eS hierzu die meisten Abänderungsanträge. Doch da beantragte Abg. Richter (fr. Vpt.) unter Hinweis aus die schwache Besetzung des HauseS Vertagung der Berathung dieses wichtigen Artikels. Wohl oder übel mußte die Mehrheit diesem Anträge stattgeben, da sonst unfehlbar die Beschlußunsähigkeit konstatirt worden wäre. ES wurde noch der 1. Oktober 1900 als Tsrmin für da» Inkrafttreten der Novelle bestimmt und sodann al» erster Punkt auf die Tagesordnung des morgigen SchwerinStageS der national liberale Antrag betr. die Aushebung des Verbindungsverbots für politische Vereine gesetzt. Morgen wird es also wohl lebhafter zugehen als heute. Politische Umschau. Freiberg, den 6. Dezember. Deutschland. Der Kaiser hat den StaatSminister und Staatssekretär de» Reichs-Mariueamts Tirpitz zum Vize-Admiral befördert. Bon der „Musterwirthschaft" im Berliner Rathhause weiß die „StaatSbürger-Zeitung" wiederum ein bezeichnendes Stück zu erzählen. Es heißt da: „Denjenigen Hilfsarbeitern, die an den christlichen Feiertagen, wie Charfreitag, Himmelfahrt, nicht erscheinen, werden die 3 Mark Diäten für den Tag auf Heller und Pfennig abgezogen. Nur eine einzige Ausnahme findet statt, und zwar bei dem jüdischen Hilfsarbeiter Riese im städtischen Einwohner-Meldeamt. Diesem hat der Bureauvorsteher Deutloff für die jüdischen Festtage, an welchen er nicht erschienen war, 3 Mark für den Tag angewiesen, und Riese hat sie auch ausgezahlt erhalten. Die christlichen Hilfsarbeiter desselben BureauS, denen die 3 Mark an ihren christlichen Festtagen abgezogen worden, glaubten, e» läge ein Jrrthum vor und erlaubten sich eine darauf bezügliche Anfrage an ihren Chef. Herr Deutloff aber erklärte, es hätte seine Rich tigkeit damit, er hätte höheren OrtS diese Instruktion erhalten. Die christlichen Hilfsarbeiter freuten sich nun auf ihren bevor stehenden Bußtag, an welchem sie endlich einmal Feiertag hätten und doch ihre 3 Mark erhalten würden. Aber ihre Freude war vergeblich; denn als dies Herr Deutloff erfuhr, erklärte er: „Wer am Bußtag nicht kommt, dem werden die 3 Mark abgezogen." Ob dies auch aus eine Instruktion „höheren Orts" zurückzusühren ist, entzieht sich unserer Kenntniß." Der von offenen und verkappten Flottengegnern angefeindete Berliner Journalist Viktor Schweinburg theilt in den „Berl. Pol. N." mit, daß er wiederholt das Präsidium des Flottenvereins um Enthebung von der Stellung des Bereinssekrctärs gebeten habe. Seine Gesuche seien jedoch abgelehnt worden, weil es nicht gelungen sei, eine Persönlichkeit zu finden, die bereit gewesen märe, ihre ganze Kraft und Zeit diesem Ehrenamte zu widmen. Jetzt aber hoffe er, daß der Vorstand sich den Gründen für einen Wechsel in der Person des Sekretärs nicht mehr verschließen werde. Schließlich erklärt er: „Inzwischen habe ich mich beurlaubt und dem stellvertretenden Sekretär Herrn Korvettenkapitän a. D. Gercke die Geschäfte des Sekretariats übergeben. In der bayerischen Abgeordnetenkammer begründete d. Voll mar einen Antrag der Sozialdemokraten, die bayerische Staats regierung möge im Bundesrath dahin wirken, daß die außer ordentlichen Gewalten des Statthalters der Reichslande aufgehoben werden. Die Liberalen beantragen den Uebergang zur Tagesordnung. Das Centrum beantragt den Uebergang zur motivirten Tagesordnung. Der Vorsitzende im Ministerrath, v. Crailsheim, erklärt, dem Anträge Vollmars könne schon aus formellen Gründen nicht stattgegeben werden, da dem Wirkungs kreise des Landtags Schranken gezogen seien, insofern er sich mit der Reichspolitik nur beschäftigen könne, wenn bayerische An gelegenheiten berührt werden. Zur Sache selbst meine er, daß Elsaß-Lothringen im Großen und Ganzen sich nicht zu beklagen habe, da es in wirthschastlicher nnd finanzieller Hinsicht manche Vortheile genieße. N«ch kurzer Debatte wird der Antrag des Centrnms angenommen. Der von der Partei verleugnete Sozialdemokrat Dr. Lütgenou hat mit dem 1. Dezember die Redaktion des freisinnigen „Dort munder Tageblatts" übernommen. Oesterreich. Ueber den am Dienstag den Klubs zur Be schlußfassung vorzulegenden Kompromißvorschlag des Präsi denten des Abgeordnetenhauses Dr. v. Fuchs verlautet, daß derselbe folgende vier Punkte enthalte: 1) Zur parlamentari schen Erledigung der Staatsnothwendigteiten wird die Ob struktion bis zur Jahreswende eingestellt; 2) sofortige Einsetz ung eines für permanent zu erklärenden Sprachenausschusses; 3) eine sechswöchige Pause rm Abgeordnetenhause ab 1. Januar 1900 behufs Ausarbeitung eines Sprachenaesetzes durch den Sprachen-Ausschuß; 4) parlamentarische Erledigung des Spra chengesetzes bis zum 1. April 1900, andernfalls Wiedereinführ ung der internen czechischen Amtssprache, nach einigen Blättern im Verordnungswege, nach dem „Neuen Wiener Tagblatt" durch Ministenal-Erlasse. — Ueber die Stellungnahme der Parteiklubs verlautet, daß der Fortschritts-Klub besonders an dem Wiederbctreten des Verordnungsweges Anstoß genommen habe; er sei aber im übrigen nicht für den Abbruch ver Kom promiß-Verhandlungen. Von den Christlich-Sozialen meldet das „Deutsche Voltsblatt", daß die Verewigung den von Dr- Lueger erstatteten Bericht über die Verhandlungen zur Kennt- niß nahm und ein Subkomits beauftragte und daß der Ob mann diesbezüglich Erklärungen in der Klub-Obmänner-Kon- ferenz abgeben werde. Wie verlautet, erklärte die deutsche Volkspartei den Kompromißantrag des Präsidenten de» Abge ordnetenhauses v. Fuchs als nicht diskutabel. Der Ausschuß zur Berathung über Paragraph 14 lehnte in seiner gestrigen Sitzung zuerst die Streichung des Paragraphen mit 13 gegen 12 Stimmen, sodann die Abänderungsanträge Roschmann und Zallinger, sowie den Antrag des SubcomitÄ ab. Auf Antrag Ruß wurde jedoch Reassumirung (nochmalige Vornahme) der Abstimmung angenommen und sodann die Streichung des Baragraphen 14 mit 20 gegen 12 Stimmen beschlossen. Nachdem sodann auf Antrag des Abg. Kaiser beschlossen war, von einer Spezialberathung Abstand zu nehmen, schritt der Ausschuß zur Wahl des Referenten. Die Abgg. Funke, Pergelt und Ruß lehnten die Wahl ab, worauf Kaiser zum Referenten gewählt wurde. Dieser nahm die Wahl an. Im ungarische« Abgeordnetenhause beantwortete Minister präsident v. Szell die Interpellation des Abg. Barabas (Unab hängigkeits-Partei) über den Erlaß des KriegsministerS bezüglich der Meldung der Reservisten bei den Militär-Kontrollversamm- luiigen. Szell erklärt, der Erlaß, welcher das Verfahren bei Kontrollversammlnngen regelt, sei durch die demonstrativen „Zde"-Rufe in Böhmen veranlaßt worden. Die Meldung müsse in der Armeesprachc geschehen; die Mannschaften seien darüber belehrt worden. Eine Bestrafung sei nur eingetreten, wenn die Absicht einer Demonstration oder Renitenz sestgestellt worden sei. Fälle des Zuwider handelns seien in Ungarn in verschwindend kleiner Zahl vorgelommen, nämlich 17 Fälle unter 410 000 sich Meldenden. Von diesen 17 seien nur 8 bestraft worden. — Die Rede des Ministerpräsidenten wurde an sehr vielen Stellen durch Zwischenrufe unterbrochen. Sodann wurde die Beant wortung in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit zur Kenntniß genonime». Frankreich. Alfred Dreyfus hat an Clamageran, den Vor sitzenden der Senatskomlnission, welche mit der Vvrberathung der Amnestievorlage beauftragt ist, ein Schreiben gerichtet, in welchem er verlangt, daß man ihm alle Mittel lasse, um seine Unschuld in gesetzmäßiger Weise darzuthun. Der angebliche Spion Vidal ist in Frankreich zu zwei Jahren Gcfängniß verurtheilt worden, weil der Haupt belastungszeuge gesehen haben will, daß Vidal von einem deutschen Offizier iu Metz — der Name ist voll genannt — 300 Mk. für Mittheiluneen über die französische Artillerie erhalten habe. Dieser Offizier sei in ganz Metz als der Chef des „Nachrichten dienstes" bekannt. Dem gegenüber wird dem „Hannov. Cour." ans Metz geschrieben, 1) daß eS ein solches Bureau in Metz überhaupt nicht gubt, und 2) daß die Quartierslisten der letzten drei Jahre den genannten Namen oder auch nur einen ähnlichen gar nicht enthalten. Das neue französische Unterseeboot „Goubet N" hat im Hafen von Toulon unter Führung seines Erfinders und in Gegenwart einer besonderen Kommission am Donnerstag Fahrversnche unternommen. Obgleich die See hochging, legte das Schiff große Strecken unter Wasser zurück; dem Begleitboot blieb es eine halbe Stunde lang unsichtbar, während der „Goubet" das Boot mittels seiner optischen Vorrichtungen genau verfolgen konnte. Wenn der „Goubet" von der Marine angenommen wird, wird er nach der „Köln. Ztg." zur ttüstenoertheldigung verwandt werden.