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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 03.11.1899
- Erscheinungsdatum
- 1899-11-03
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189911032
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18991103
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18991103
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1899
-
Monat
1899-11
- Tag 1899-11-03
-
Monat
1899-11
-
Jahr
1899
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 03.11.1899
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Weilage zum Ireiberger Anzeiger und Hageötaü 189S Freitag, de« S. November Nachdruck verboten.) fS1- Fortsetzung.) MN. oie Frmk nden Jahn? derlkmsl- !. Bors. statt. it. lassungen beim JUU» beiden >- und N«. N » «o«« beq. lg . RestMM n-en »Mk, >arenhLiidlkl Eßplatz, de, dera«^ stand. Jsabeaus: „Ihr Engländer streckt die Räuberhände wo ihr nicht Recht Noch gilt'gen Anspruch habt aus so viel Erde, Als eines Pferdes Huf bedeckt. Gleichwohl Ist euch das dritte Wort Gerechtigkeit." dle M-ste-tv pediti», «' gelang« »druck. dertlvW -n kaa, 'M Mistes M ie Ekped'ti« kh-il « erane«. »lv. Lieb Kariae- Verschiedenes. * Daß vor 100 Jahren schon Schiller ungefähr so über die Engländer dachte wie heute der größte Theil des deutschen Bölkes, ist einer interessanten Erinnerung, welche ein Feuilletonist aus der Jungfrau wieder auffrischt, zu entnehmen: „Vor einigen Tagen blätterte ich im Schiller. Dabei fiel mir die „Jungfrau von Orleans" in die Hände, natürlich nicht die wirk liche, sondern des Dichters Stück, das diesen Namen trägt. Da las ich dann im Aufzug 2, Szene 2, wörtlich folgende Aus- Aer Schmied von Pirk. Erzählung auS der Oberpfalz von Jos. Baierlein. KrsmdenNste vom 31. Oktober 1«VS. Um Ende, Mühlenbesitzer. Greußnig b. Döbeln, Hotel de Saxe. Nerger, ^Elektrotechniker, mit Frau, Dresden, Stadt Brüx. Bräuer. Monteur, Dresden, Stadt Brüx. Baum, Kaufmann, Berlin, Hotel de Saxe. Cohn, Apotheker, Frankfurt a. M., Goldn. Löwe. Lohn, Reisender, Berlin, Hotel Kronprinz. Einstein, Kausmann, Stuttgart, Hotel de Saxe. Fischer, Kaufmann, Wien, Hotel R. Hirsch. Freude, Architekt, Dresden-Strießen, Hotel R. Hirsch. Franeois, Kaufmann, Hamburg, Hotel de Saxe. Gaumnitz, Oberkellner, Dresden, Hotel Stadt Altenburg. Baron von Günzburg, Gutsbesitzer, Rußland, Hotel der Liete» .knifft MljÄ M > zur letzt« en Blum»' dem hiesig» reiwillig g* Allen den M svorf, egräbviM uterlaffa» ^Br«m^ L'-B hdruckettliM Hin F-iba» f e: AnM Die Bäuerin machte eine beschwichtigende Geberde. „Brauchst nicht zu fürchten, daß ein fremder Mensch 'was davon erfährt," fuhr sie fort; „Dein Stolz soll nicht drunter zu leiden haben, 's ist nur, daß Du merkst, wie wir zu einander stehen, und daß ich von heut an anderst aufdam'*). Von heut' an nehm' ich mich um mein Kind an, weil ich die Mutter bin, und weil ich's dem Vater allein, der so nebendraus**) ist, daß er auf die Leut schießt und nur durch Gottes Barmherzigkeit vor dem allergrößten Verbrechen bewahrt 'blieben ist, nimmermehr anvertrau. Ein Vater, der seine Tochter lieber als Leich' sehen will, als daß er seinen Hochmuth bändigen thät, verdient den Baternamen nicht. Drum hab' ich meine Rosl, an der ich g'tviß auch soviel Theil hab' wie Du, nach Hirschau g'schickt, da mit der Hochwürden Herr Benefiziat Rath und Hilf bringt in derer Wirrniß und Drangsal. Und den Schmied Federspiel hab' ich ihr zum Reisekameraden mit'geben, weil ich ihn für einen braven und ehrlichen Mann halt', der nicht auf d' Leut schießt und deswegen auch nicht zu fürchten braucht, daß ihn heut oder morgen die Schandarm abholen. — So, jetzt weißt, wo die Rosl und der Schmied sind, und wenn's Dir nicht recht ist, dann mach's anderst! Dann spann' halt das Wäger! ein und hol's ab in Hirschau! Ich denk' aber fast, Du wirst's bleiben lassen, meinem geistlichen Herrn Bruder unter die Augen zu treten." 20. Während die Bäuerin dem Vorsteher derart die Leviten las, was zur Folge hatte, daß der an eine solche Sprache und Zungenfertigkeit seines Weibes nicht gewöhnte Mann verblüfft den Mund aufsperrte und kaum ein Wort der Erwiderung fand, — wurde auch im Studierzimmer des Hirschauer HerrnBene- fiziaten ein sehr ernsthaftes und wichtiges Gespräch geführt. Dort saßen die Rosl und der Schmied, beide mit Feiertags kleidern angethan, jedes in höchster Verlegenheit auf der äußer sten Ecke eines Holzstuhls, den sie aus Respekt vor dem geistlichen Herrn nicht ganz zu benützen wagten ,und warteten geduldig auf die Antwort, die ihren Eröffnungen zu Theil werden würde. Was die jungen Leute dem würdigen Herrn eröffnet hatten, werde ich wohl nicht wörtlich wiederzugeben brauchen. Sie hatten ihm erzählt, wie sie im Walde miteinander bekannt ge worden, wie die Liebe sich in ihre Herzen stahl, und wie sie gegen seitig den Schwur der Treue tauschten. Dann hatten sie dar gelegt, auf welche Hindernisse ihre Liebe gestoßen war, weil der Schmied die Bingges-Hütten zum Eigenthum besaß, wie gestern der Kalmünzer Freiersmann ankam, und wie dessen Eintreffen zu der wilden Szene vor des Vorstehers Haus führte, die bei nahe mit einem Todtschlag abgeschlossen hätte. Und nachdem der Benefiziat die ganze Sachlage in allen Details und ebenso genau kannte, wie der freundliche Leser, welcher den Gang dieser wahrhaften Erzählung aufmerksam verfolgt hat, holte die Rosl zu einemSchlußwort aus:„Hochwürdiger HerrVetter", sagte sie, „so steh'n die Sachen bei uns daheim in Pirk, und deswegen hat mich mein Mutter! herg'schickt zu Ihnen. Denn wenn ein Mensch auf der Welt uns helfen kann, hat sie g'sagt, dann ist's der geistliche Herr Bruder. Der Mutter ist's ganz recht, wenn der Gottfried mich heirath', und ich laß' auch nimmer von ihm, und drum hat sie g'sagt, ich soll den hochwürdigen Herrn nur recht schön bitten, daß er mich und den Schmied gleich heut zu- sammengiebt in einer heimlichen Ehe. Wenn wir kopulirt sind, daß wir nie und nimmer auseinander können, will's die Mutter schon verantworten beim Vatern." Jetzt wars heraus, das Härteste, was Rosl ihrem Oheim mitzutheilen hatte, und als sie damit fertig war, seufzte sie er leichtert auf. Der geistliche Herr aber, der während der langen Erzählung, manchmal den Kofis schüttelnd, dann wieder leise vor sich hmmurmelnd, mit bedächtigen Schritten das Zimmer durchmessen hatte, blieb, als er etwas von einer heimlichen Ehe hörte, plötzlich stehen, drehte sich hastig gegen Rosl herum und rief: „Hoho! Was sind das für kuriose Geschichten! Es scheint mir, nicht nur Dern Vater ist überg'schnappt, sondern auch Deiner Mutter ist ein Radl laufend worden i m Kopf.. Frei lich — eine heimliche Ehe! G'wiß so eine ,wie sie in den alten Ritterscharteken drinsteh'n. Zu einem Einsiedler im wilden Wald kommt ein verliebtes Paar; der Waldbruder zündet auf dem Altar in seiner Kapellen ein paar Lichter an und kopulirt die Leuteln ohne Erlaubniß vom zuständigen Pfarrer, ohne Zeugen, ohne Sang und Klang. Und dann sollen sie Mann und Frau sein! O mein, o mein! Das giebt's ja gar nicht mehr und hat's auch voreh nicht 'geben in solcher Art und Weis'!" Der Sprechende war eine überaus sympathische Erschein ung, ein Priestergreis von hoher Gestalt, dessen schmales, rosig angehauchtes Antlitz eine unverkennbare Familienähnlichkeit mit der Mutter Rosl's und mit letzterer selbst zeigte. Aus seinen Hellen, klaren Augen leuchtete, so klug und scharf sie auch blick ten, doch nur eitel Wohlwollen und Herzensgüte. „Ich denk' halt, Rosl", fuhr der Geistliche fort, „Du solltest in dieser bedenklichen Angelegenheit überhaupt Deinem Vater gehorsam sein. In der heiligen Schrift heißt es: „Ehret Vater und Mutter, auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden!" Rosl traten die Thränen in die schönen Augen. Aber sie war eine Hierlingertochter und hielt sich wacker. „Herr Vetter!" antwortete sie, „in der heiligen Schrift steht auch, daß das Weib Vater und Mutter verlassen und dem Mann nachfolgen wird. Und zudem will ja mein Mutterl ganz und gar auch nichts wissen von demselbigen Dorngiebel; sie will ja, daß ich den Schmied nehm' und mit ihm glücklich werd'. Wenn nichts mehr zu ändern ist, hat sie g'sagt, muß der Vater nach- geb'n, ob er will oder nicht." DerGeistliche hatte seinen langsamenGang durch dasStudir- zimmer wieder ausgenommen. Er war in tiefesSinnen versunken. Hatte er die Gewohnheit angenommen, laut zu denken? Wenig stens schien er die Anwesenheit der jungen Leute ganz vergessen zu haben, denn er sprach — halblaut aber deutlich — Worte vor sich hin, die gewiß nicht die Bestimmung haben konnten, von seinen Besuchern gehört und verstanden zu werden, obgleich sie von ihnen mit einer Art freudiger Gier aufgefangen und fest im Gedächtnis; verwahrt wurden. „Da sieht man's wieder, wie die Weiber sind", begann der alte Herr sein Selbstgespräch. „Sogar meine Schwester, die *) Auftrete. ** ) Verwirrten Sinnes, verrückt Ich war baff; vorher war ich wahrscheinlich über diese Stelle immer flüchtig hinweggegangen oder hatte im Theater stets nur mit halbem Ohr hingehört, weil die Jsabeau, seitdem ich sie vor Jahren einmal bei einer Schmiere in Ermangelung anderen Personals durch den — Komiker dargestellt gesehen hatte, mein besonderes Interesse und Wohlwollen nicht mehr besitzt. Das Wort Jsabeaus paßt ja auf die augenblickliche Situation, als wäre es eben gemünzt und nicht schon vor rund hundert Jahren von Schiller ansgegeben worden, um den Engländern etwas An genehmes, eine artige Schmeichelei zu sagen! Auch Schiller bereits konnte also das biedere, treuherzige Jnselvolk gut leiden!" * Privatbriefe ans Craig-Y-Nos, dem wallisischen Schlosse der Patti, besagen, daß die Diva beschlossen hat, sich gänzlich vom öffentlichen Auftreten zurückzuziehcu und nur noch für ihren jungen Gemahl, den Baron von Cederström, zu leben und zu singen. Sie beabsichtigt, in dem Theater ihres Schlosses nach und nach alle Opern zu geben, in denen sie einst geglänzt hat. Der einzige Zuschauer soll ihr Gemahl sein, dem es niemals vergönnt war, seine Frau auf einer öffentlichen Bühne zu sehen. Die erste dieser Vorstellungen hat bereits stattgesunden. Man gab Verdis „Traviata" und Adelina Patti riß als Violetta ihren Gemahl zu lauter Bewunderung hin. Gegenwärtig studirt man in Craig-Y- Nos an einer Aufführung des „Barbiers von Sevilla". * Auch ein Mittet gegen Spione. Der General von C , 1881 Gouverneur von Verdun, hatte, so erzählt das Pariser „Journal", die Gewohnheit, sich jede Woche nach Metz l zu begeben, um sich dort die von den Deutschen ausgesührten I Forts- und Kasernenbauten anzusehen. Er wurde bald erkannt. und Diener der Kirche. Hab' einmal irgendwo den Satz ge lesen, daß auch die beste Frau nichts taugt. Stimmt, seh's an meiner eigenen Schwester, die jetzt ihrem Mann eine Nase drehen möcht'. „Glaub' auch, daß sie's z'weg brächt, den Vorsteher doch noch 'rumzukriegen, wenn die zwei jungen Leuteln einmal so an einander wandelt wären, daß keine geistliche und weltliche Obrigkeit sie mehr trennen könnt'. Was wollt' er denn als bald machen, mein starrköpfiger Schwager? Aber eine heim liche Ehe, eine heimliche Kopulation — das sind Dummheiten. Eine solche Einsegnung hätte vor Gott, vor der heiligen Kirche und vor den weltlichen Gerichten keine Giltigkeit. Eine Dumm heit ist's, nur an so 'was zu denken!" Der Herr Benefiziat fuhr nach kurzer Ueberlegung in seinem halblauten Selbstgespräch wieder fort: „Und doch thät' ich den zwei Liebesleuten, die ihr ganzes Vertrauen auf mich g'setzt haben, gern helfen. Denn die Rosl ist brav — die stammt aus unserem Blut —, und ihr Liebster muß auch brav sein, sonst thät' ihn die Rosl nicht mögen und meine Schwester nicht zu mir schicken. Aber meinem Schwager Hierlinger in dieser Sach' jetzt noch Vernunft beizubringen, da ran ist garnicht zu denken. „Dauern thun's mich die zwei jungen Leuteln, — das ist g'wiß, will's garnicht leugnen, und helfen möcht' ich ihnen so von Herzen gern! Wie soll ich's aber anfangen? Mit der heimlichen Ehe ist's absolut nichts — und ich kann ihnen doch unmöglich sagen, daß es gleichwohl einen anderen Weg giebt, wie sie dem Vorsteher zum Trotz und auch ohne seine Einwillig ung richtige und ehrliche christliche Eheleut' werden können? — Thät' mich ja gegen meinen Stand verfehlen, wenn ich als geist licher Herr zu etwas die Hand bieten würd', was die heilige Kirche in gewissen Fällen zwar zuläßt und duldet, wie sie die gemischten Ehen ja auch duldet und zuläßt, — was sie aber nie mals oilligt oder gar mit ihrem Segen begleitet. „Freilich, Sünde ist keine dabei, für die Rosl nicht und nicht für den Schmied, sonst thät' ja die heilige Kirche nicht einmal oulden, daß sie ihren zuständigen Pfarrer aufsuchten und dem vor zwei Zeugen einfach erklärten, daß sie die Ehe mit einander eingehen wollen, und daß sie sich von dem Augenblick an als Mann und Frau betrachten vor Gott und der christlichen Ge meinde. — Das reicht hin zu einer nach kanonischem Rechte gil- tigen Ehe, denn der Vorgang vereinigt in sich die dreifache Form der von der Kirche anerkannten Sponsalien. In Pirk wär' eine solche Eheschließung schon deshalb kanonisch unanfechtbar, weil dort die Ehevorschriften des Tridentinums niemals ver kündet worden sind; ist also auch das Aufgebot nicht unumgäng lich nothwcndig. „Aber was hilft das alles? — Wer geht mit denen zwei Leuteln in solch' einem Fall zum Pirker Pfarrer? Und der, wenn er wüßt' oder sich nur einbildet', um was sich die Sach' dreht, thät' seine Stubenthür verriegeln und ließ' die G'sellschaft nicht vor. G'wiß thät' ich's auch so machen, wenn ich der Pfarrer von Pirk wär', statt der Hirschauer Benefiziat. „Hm, hm, Sie müßten halt dW Pfarrer so gleichsam über rumpeln, — sie müßten ihn dort aofangen, wo er nimmer aus reißen kann. So etwan, wenn der Pfarrer nach dem sonntäg lichen Hochamt vom Altar wegtreten wollt', müßt' sich der Schmied mit seiner Rosl hinstellen vor ihn und müßt' sagen: Herr Pfarrer, vor Gott und Ihnen und allen anwesenden Zeu gen erklär' ich, daß ich mit der Rosl eine rechtschaffene christliche Ehe eingeh'n will, und daß sie mein Weib ist, und die Rosl müßt' auch sagen, daß sie sich den Worten ihres Bräutigams an- schließt und ihn als Ehemann anerkennt." (Fortsetzung folgt.) Von seiner zweiten Reise an empfingen ihn zwei Sicherheits beamte am Bahnhof, begleiteten ihn auf allen seinen Spazier gängen und verließen ihn erst wieder, wenn er de» Zug zur Rückkehr nach Verdun bestieg. Bei seiner dritten Anwesenheit in Metz grüßten ihn alle Generale und höheren Offiziere, obgleich er in Civil war und keinen Orden trug. Noch schlimmer erging es ihm bei seinem vierten Ausfluge nach Metz. Als er nämlich vor dem bayerischen Jnfanterieposten an der „Porte Serpenoise" vorbeiging, trat die ganze Wache ins Gewehr und erwies ihm mit dem Leutnant an der Spitze die militärischen Ehrenbezeugungen. General von C ver stand diesen zarten Wink und ließ sich fortan nicht mehr in Metz sehen. * Eine romantische Astaire wird Wiener Zeitungen gemeldet. Gestern stellte sich in Triest am Landungsplätze eines aus Alexandrien angekommenen Lloyddampfers ein Herr mit der Frage vor, ob eine Leiche ausgeladen worden sei. Die Frage wurde verneint. Aufmerksam gemacht, untersuchte nun der Polizeioffizier Waller die ausgeladenen Kisten. Im Einver nehmen mit der Sanitätsbehörde wurde eine zwei Meter lange, sorgfältig verpackte Kiste, welche die Aufschrift trug: „Halt! Nicht stürzen!" geöffnet. Die Kiste enthielt die Leiche einer schönen, jungen Frau in prachtvoller Toilette inmitten frischer Blumen, eingewickelt in eine ungarische Fahne. Ein beiliegender Zettel besagte, jedenfalls müsse die Leiche aus Kosten der unga rischen Regierung weiter befördert werden, welcher ein Herr Gasparek aus Manila die Spesen ersetzen werde. Es stellte sich heraus, daß es die Leiche der Gattin war. Gasparek hatte nur auf diese Art den letzten Wunsch seiner Frau, im Vaterlande begraben zu werden, erfüllen können; denn die Schiffe in Manila hätten eine deklarirte Leiche zur Beförderung nicht ange nommen. * Das Testament des verstorbenen Cornelius Banderbilt wird in New-Jork viel besprochen. Cornelius Vanderbilt jun., der gegen den Willen seines Vaters geheirathet hat, ist durch dieses Testament so gut wie enterbt. Er erhält „nur" 2 Millionen Mark in Baargeld. Sein jüngerer Bruder Alfred wird als Familienoberhaupt erklärt und zum Haupterben eingesetzt. Alfred Vanderbilt hat die Absicht, seinem Bruder Cornelius freiwillig 6250000 Dollars — 25 Mill. Mark zu- zuweiseu. * Die technische Intelligenz Ihrer Arbeiter belohnt die englische Schiffbauanstalt Denny u. Brüder in Dumbarton in folgender von der „Soz. Prax." mitgetheilten Weise. Jeder Arbeiter hat ein Recht auf Belohnung, „1. wenn er eine neue Maschine oder ein neues Werkzeug für den Betrieb erfunden oder eingeführt hat; 2. wenn er eine schon vorhandene Maschine oder ein bereits eingesührtes Werkzeug verbessert hat; 3. wenn er eine Maschine oder ein Werkzeug des Betriebes für eine Klasse von Arbeiten im Betriebe neu eingesührt hat; 4. wenn er eine neue Arbeitsmethode oder ein neues Arrangement der Arbeit ersnnden hat und 5. wenn er irgend welche Aenderungen innerhalb des Betriebes trifft, durch die die Arbeit auf der Werft sich entweder qualitativ besser oder finanziell vortheilhafter gestaltet." Auf Grund dieser Bestimmung haben in den fünf Jahren 1894—98 134 Arbeiter eine Anerkennung beansprucht, von denen sie 80 erhielten. Ihnen wurden zusammen 3620 Mk. ansgezahlt. Es wurden also in diesem einen Betriebe jährlich im Durchschnitt 16 brauchbare Verbesserungen erfunden. * Einen frevelhaften „Spatz" machten drei junge Bauernmädchen in einem Dorfe des Ssolikamfker Kreises. Drei Freundinnen, von denen die jüngste erst 14 Jahre zählte, saßen allein in einer Hütte und erwarteten einen Bauernburschen. Vor seiner Ankunst hatten sie verabredet, einen Scherz mit ihm zu machen. Sie öffneten zu diesem Zweck die Kellerluke, bedeckten die Oeffnung mit einer Bastmatte und nahmen darauf neben der Grube Platz. Als sich der Bursche bei der Begrüßung einem der Mädchen näherte, stieß ihn dieses zurück und zwar so un glücklich, daß er in den Keller stürzte, mit dem Kopf aus einen Stein schlug und sofort todt liegen blieb. Um diesen schrecklichen Vorfall zu verdecken, heizten die Mädchen den großen Ofen an, schleppten den Leichnam aus dem Keller und warfen ihn in die lodernden Flammen. Vorübergehenden fiel der sonderbar ge färbte, dem Schornstein entströmende Rauch auf. Sie versuchten sich Einlaß zu verschaffen, doch gelang es ihnen erst nach Ein schlagen der Thür, in das Innere der Hütte zu dringen. Hier bot sich ihnen ein schauderhafter Anblick dar. Inmitten des glühenden Ofens brannte ein menschlicher Körper lichterloh; nicht weit davon faßen die drei Mädchen vor Entsetzen wie geistesab wesend und außer Stande, auf die an sie gerichteten Fragen eine Antwort zu geben. * Reiche Kellner in Nerv Uork. Zum Kapitel Trink gelder schreibt die New-Iorker Sun: Ein in einem Restaurant an der 2. Avenue seit 10 Jahren angestellter deutscher Kellner kaufte sich dieser Tage ein Haus für 18 500 Dollars (1 Dollar — 4 c/il) aus seinem ersparten Gelde. Er sagt, er habe nie mehr als 10 Dollars Wochenlohn gehabt, doch seine Trinkgelder hät ten es ihm ermöglicht, für seine Familie gut zu sorgen und dabei noch so viel Geld zu sparen. Die Kellner in den besten Restau rants New-Jorks haben einen sehr niedrigen Lohn; in manchen erhalten sie 'überhaupt keinen Lohn, sondern begnügen sich sehr gern mit den Trinkgeldern. Die Ausländer wissen schon lange, daß das Trinkgelderunwesen in New-Jork viel schlimmer ist, als sonstwo in der Welt. Was hier den Kellnern an Trinkgeld gezahlt wird, steht in gar keinem Verhältniß zu den Diensten, die sie leisten. Es ist üblich und die Kellner lassen Niemanden darüber im Unklaren, daß der Gast ungefähr 10 Prozent der Kosten des von ihm Verzehrten als Trinkgeld zu bezahlen hat. Einem Kellner, der viele Jahre in einem bekannten Restaurant am Broadway aufwartete, wurde vor einiger Zeit von dem Be sitzer das Anerbieten gemacht, sein Compagnon zu werden. Der Kellner schlug das aus; er meinte, er verdiene mehr, als der Be sitzer. Er blieb Kellner und hinterließ bei seinem Tode ein Vermögen von 85 000 Dollars. Der Besitzer des Restaurants aber hatte inzwischen schon Bankerott gemacht. 7 doch ein Vierteljahrhundert an der Seite ihres raupauzigen Mann's g'lebt hat wie eine Heilige, vergißt in ihren alten Tagen d'rauf, daß immer der Mann das Haupt der Familie ist, und daß alles nach seinem Willen geh'n soll. Sie denkt sich: ist er das Haupt, dann bin ich der Hals, und der Hals dreht das Haupt, lmks oder rechts, immer so wie er will! So sind auch die bravsten Weiber, und ich bin froh, daß ich ein Cölibatär bin
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