Volltext Seite (XML)
89» MibergerAnz^ »a Sera«tworUiche Leitung de« Redaktion: Gear- Bu rkh ardt« 52. Jahrgang. j Sonnabend, de» 14. Oktober i 1SSS iverden 'berg L 12/98 No. 124. Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgericht-, Abth. 1. Brand, den 12. Oktober 1898. Glldvrm«»«, Gerichtsvollzieher und Lltch unbequem nbleichr, wem leifenpulvei '62M gpücst. fsöllel' 7. c!sr sM Inserate werden bis Vormittags 11 Uhr. angenommen. Preis für die Spaltzeilr 15 Pfg. Außerhalb deS Landgerichtsbezirks 18 Pfg. Kanalvorlage zur Disposition gestellten beamteten Abgeordneten dieser Vorlage zum Opser gefallen. Sein Rücktritt unterscheidet : ein Soh»; lervonn^ id heMi- ksitz« Sni» miin Vida ftldmam i„ onteur «,ii c hier; da n b.-rch mn TjiKi T. alt; d« L. alt; drz I, Elf-0lzt »erlange unsib 'LS. sindlichen am :r Natur- reizender hl weith- ^ugspniz lostet der . Probe- Cöthen eng welll llt!-«» MU !rküC ge gratis. Weingafse. «n- Tageblatt AwtSblau M die VMgttchell Md städtischen Behörden zn Fretderg Md Brand. «Shln ei» Tochter; dm jiMMÜMW« Ernst Ne; Ihle in z« duard Rob«; ; der Bich Anna Marth, gott Reinhard Köpfen hin; MldÄM ler und illm >eorg Zchchw ha Elifabch rw. Schimn, Auktion. DienStag, den 17. Oktober 1899, Vormittags 10 Uhr kommen im RathSkeller, in dem erwählten Versteigerungslokal, SO Meter braungestreifter Hosenstoff gegen Baar» Zahlung zur Versteigerung. rtie MM )er Artikel und chnellstens preise« Königl. Amtsgericht. -—— —- m °-n -. Staatseinkommensteuer »Wochen an die Stadtst,»^.* bo. September diese« Jahres fällig imd binnen Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmann- Hermann Richard Böttcher in Freiberg, alleinigen Inhabers der Firma Richard Böttcher, vormals C. H. Thiel daselbst, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwerthvaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf den S. November 1899, Vormittags 10»/. Uhr, vor dem hiesigen Königlichen Amtsgerichte, Zimmer No. 33, bestlmmt worden. Freiberg, den 12. Oktober 1899. Sekr. Hoolul, äußerliches Erbe einer großen Zeit und ihrer geistesgewaltigen l Zeugen überkommen Hai. L. 0. ' — i Politische Umschau. Freiberg, den 13. Oktober. ; Die „Köln. Ztg." erfährt, Deutschland werde bei den Feind seligkeiten zwischen England und Transvaal alles aufbieten die Neutralität strikte durchzuführen, fordere jedoch die Bildung einer aus Ausländern bestehenden Polizeitruppe, die sich von jeder Vetheiligung an den Grenzereignissen sernzuhalten und nur daS fremde Eigenthum zu schützen habe. — Die deutschen Interessen, so jagt daS Blatt, sind von Jahr zu Jahr gewachsen. Heute ist der Besitz von tranSvaaler Wertpapieren in französischen und deutschen Händen nach der Annahme von Sachverständigen weit größer als der der englischen. Dieser beträchtliche Vermögens besitz werde durch den Ausbruch des Krieges auf das Schwerste geschädigt. Die Regierung von Transvaal werde gewiß alles aufbieten Zerstörungen zu verhindern, indessen sei eS fraglich, ob sie nach dem Ausbruch des Krieges dazu noch die erforderliche Gewalt haben wird. Der Präsident der französischen Republik hat auS Anlaß deS Besuches des deutschen Kaisers an Bord der „Iphigenie" dem Kommandanten der „Hohenzollern", Kapitän z. S. Graf von Baudlssin, das Kommandeurkreuz des Ordens der Ehrenlegion verliehen. Wie der „Tägl. Rundschau" auS London telegraphirt wird, sind die Berhandlungeu zur Lösung der Samoafrage neuer dings wieder ausgenommen. England wie Amerika bezeigten Deutschland großes Entgegenkommen und es stehe für Deutsch land ein sehr vortheilhaster Ansgang der Verhandlungen in Aus sicht. Hoffentlich bestätigt sich diese angeblich aus guter Quelle stammende Nachricht. ES käme allerdings auch darauf an, was man aus deutscher diplomatischer Seite bereits für Vortheilhaft hält. Die Einsetzung der „hohen Kommission" wurde seinerzeit ja auch als ein ungeheurer Erfolg ausposaunt. Von einem „Gewährsmann vom Lande" erhält die „Lothr. Ztg." solgende Nachricht, die kaum glaublich ist, aber nichtsdesto weniger auf Wahrheit beruht: Ein Werber soll auf einem LothringerPachthvf sürRechnung der englischen Regierung einen jungen Mann geradezu gekauft haben, um in dem Kriege Englands in Südafrika gegen die Buren zu kämpfen. Dem jungen Mann, der im deutschen Heere gedient, soll gleichzeitig ein Unteroffiziers-Patent ausgestellt worden sein. „Beruht diese Nachricht aus Wahrheit, und wir haben allen Grund," sagt die „L. Ztg.", nicht daran zu zweifeln, so scheint es angezeigt, die Aufmerksamkeit der Behörde aus dieses freche Gebühren zu lenken, das nur dahingeht, Kinder unseres Landes ihrem heimathlichen Boden zu entziehen, um sie als geeignete Opfer in einem frevel haften Bruderkriege zu verwenden. Die Behörde wird dann sicher diesem Treiben ein Ende zu setzen wissen. Diese An werbung ist auch noch in anderer Hinsicht von gefährlicher Be deutung. Der Fall steht jedenfalls nicht vereinzelt da und läßt auf die Anwesenheit von Vermittlern in unserem Lande schließen. Wir hoffen, daß die Veröffentlichung dieser Zeilen genügen wird, um den englischen Werbern oder solchen, die in englischem Solde stehen, das Handwerk zu legen." Ueber die Amtsentlassung des Seehandlungspräsidenten von Zedlitz schreibt man der „Schles. Ztg." aus Berlin: Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit ist das erst vor einigen Tagen ein gereichte Entlassungsgesuch des Präsidenten der Seehandlung Frhrn. von Zedlitz und Neukirch genehmigt worden. Derselbe hat bereits seine Amtsgeschäfte abgegeben, also wohl, da sein formeller Anstritt den bisherigen Meldungen zufolge mit Ende des Jahres erfolgen soll, für den Rest seiner Amtssaner Urlaub erhalten. Herr von Zedlitz, der bekanntlich erst im Frühjahr zum Seehandlungspräsidenten ernannt worden war, hatte sein Entlassungsgesuch mit einem Augenleiden begründet. Es ist aber kein Zweifel und in einer offenkundig von ihm selbst herrührenden Zeitungsnotiz ausdrücklich zugestanden, daß in Wirklichkeit politische Verhältnisse dabei im Spiele waren. Herr von Zedlitz ist ebenso wie die anderen alsbald nach der Ablehnung der Der Stavlrath. vr. Bgm Linken und des CentrumS mit besonderem Eifer denunziatorisch ge- sordert und betrieben worden ist, weil man in ihm und mit ihm zugleich Herrn von Miquel zu treffen hoffte. Dieser war nicht bloß zuletzt der Vorgesetzte des Herrn von Zedlitz, sondern derselbe galt auch schon seit Jahren als Vertrauensmann des Finanzministers. . Aus Nürnberg, 10. Oktober wird geschrieben: Wie bereits gemeldet, beginnen heute die Verhandlungen der 12. allgemeinen Hauptversammlung des evangelischen Bundes.^ Es dürfte kein Zufall fern, daß gleichzeitig mit diesen Verhandlungen in der Nähe von Nürnberg eine katholische WohlthäMMSanstalt (das Liebfrauenhaus) eröffnet wird, wobei auch ^Nürnberger ka tholischen Vereine mit ihren Fahnen sich betheiligen wollen. Gestern Abend fanden mehrere Begrüßungsversammlungen für die Theilnehmer an der Bundesversammlung statt. In einer dieser Versammlungen beklagte Dr. Zeitler die vielfach herr schende konfessionelle Gleichgiltigkeit und be merkte dabei: Wer von uns hätte es nicht als eine Schmach em pfunden, daß in den letzten Jahren eine ganze Reihe evange lischer Fürstentöchter ihren Glauben verleugnet haben, dem sie zuaeschworen hatten! (Lebh. Beifall.) Wer Gott nicht Treue jält, wie kann der Treue von Menschen erwarten? (Beifall.) Die katholischen Fürstentöchter haben doch mehr Charakter da rin. Gesetzt, zu uns in Bayern käme ein Prinz weit hinten aus der Türkei und begehrte eine Tochter aus dem Hause Wittels- bach, und er ließe durchblicken, daß er einen mächtigen Gönner habe, der es wünsche, daß die Braut den römisch-katholischen Glauben ablege und den griechisch-katholischen annehme — ich glaube, der edle Prinz würde auf beschleunigte Weise hinausge-. bracht werden! (Stürmischer Beifall.) Uno wenn er selbst die schönsten Schafpelze seiner Heimath als Brautgeschenk brächte. (Stürmischer Beifall.) Aber die Sache ist furchtbar ernst. Das deutsche Volk müßte so lange und oft seiner Entrüstung darüber Ausdruck geben, bis man seine Stimme hört und an den Fürstenhöfen es als eine Erniedrigung empfindet, wenn man ihnen einen Konfessionswechsel zumuthet, bis man auch im Auslande begreift, daß der evangelische Glaube kein Handels artikel ist und daß man heute dem deutschen Volke nicht mehr zumuthen darf, was vor 50 Jahren möglich war. (Stürmischer Beifall.) Der englische Dampfer „Mauritius", der im Juni den Dan ziger Dampfer „Artushof" im Kattegat überrannte, wobei 8 Deutsche ertranken, wurde in Neufahrwaffer von der deutschen Seeberufsgenoffenschaft mit Beschlag belegt, da die Letztere et wa 16 000 Mark Rentenentschädigung für die Hinterbliebenen beansprucht. Oesterreich. In Wien hat am Mittwoch ein Ministerrath stattgesunden, der sich dem Vernehmen nach mit der Verordnung betreffend die Aushebung der Sprachenverordnungen be schäftigt hat; die Veröffentlichung dieser Verordnung wird am 17. Oktober, dem Vorabend der neuen Reichsrathstagung erfolgen. Die jugendliche Königin Wilhelmina der NieVer- lande ist von Potsdam wieder abgereist, und die Erwartungen, während ihres dortigen Besuches würde etwas über ihre Herzensncigung lautbar werden, sind unerfüllt geblieben. So wohl bei den ihr zu Ehren im Neuen Palais veranstalteten Festlichkeiten, als auch bei der Taufe in der Familie des Erb prinzen zu Wied ist sie mit allen den Prinzen in nähere Be rührung gekommen, die man im Lause der letzten Zeit als Be werber um ihre Hand wiederholt genannt hat. Nach Informa tionen an einer sehr gut unterrichteten Stelle soll sich die Königin bezüglich ihrer dereinstigen Vermählung dahin geäußert haben, daß sie nach in ersten Jahren ihrer Regierung noch erst ihre Jugend und ihre Freiheit genießen wolle, bevor sie sich nach , einem Gemahl umsähe. Und als solcher dürste dann wohl Prinz Wilhelm zu Wied, wenn er um die Hand der Königm anhalten , sollte, deren Jawvrt erhalten. «funk ch-n NMA trott, E 'deren In F°rb-d<" liri neu! M uch-«l!g!U !-n, eb°"l°K ;°nz v-rM nwm berellwlllli? genommen. !o. I Westfale«-^, Per g?V, Scheuerns Halver .. . ">»»,»,, den i«. 17. or»»,« »UW die Diensträume des Köniol. «mla > - gerichtS für den gewöhnlichen Geschäftsverkehr geschloffen. Treibers, am 11. Oktober 1899. 240. ! Äderen «bend» '/,« Uhr sür den - vierieljährNch 1 Mk. 80 Psg. , durchs« Post 2 Mk. 25 Psg. lamentS" in Hannovnsind^nack^ ^demokratischen „Par- mch aewesem Vor äll^ Richtungen hin" lehr- tttienoen „Genossen" drinaenk^" h^en es sich die redend auf- ZMifel an d-r Aufre^ Mn lassen, jeden luiionären Charakters der des revo- denste zurückzuweisen Selbve^ Entschie den Bernstein vorgetragenen Ä^ neuerdings Unausgesprochen verbarg sich hinter dieser Diskussion auf beiden Seiten die unerschütterliche Uebcrzeugung, daß Bernstein der Sozialdemokratie noch angehöre, falls er an diesen Zielen fest- »" aufgehört hätte, Sozialdemokrat zu sein, falls er diese Ziele aufgegebcn haben sollte. -/attisch für richtig, in seiner Rede die des alten Revolutionärs hervorzukehren, der ! ^walt nur deshalb zurückschreckt, weil er sich von ihr I-n ^schlagenden Erfolg zunächst noch nicht versprechen kann. Die Nothwendigkeit der Expropriation, die Beseitigung .Monarchischen und nationalen Staates ist ihm ein unver- ruabares Dogma. Die vollendete Verkommenheit der „herr schenden Gesellschaft" ist in seinen Augen über jeden Zweifel er haben, wenn er auch als Beweis nur auf die Lebensgewohnheiten der in den neuesten Spielerprozeß verwickelten Persönlichkeiten hinzuweisen vermag. Auch an der „Verelendungstheorie" hält er nock fest, wiewohl er eine Steigerung, ja theilweise eine Ver doppelung des Arbeitsverdienstes nicht in Abrede zu stellen ver mag. Statt der absoluten konstruirt er eine Art relativer „Ver elendung des Proletariats", indem er behauptet, daß das Ein kommen der „besitzenden" Klassen in noch stärkerer Progression gewachsen sei als dasjenige der Arbeiterschaft, ein Satz, den zu beweisen der Redner sich allerdings nicht bemüht hat. Wie man sieht, boten die Darlegungen Bebels einer sach lichen Kritik so werthvolle Anhaltspunkte, daß es den Vertre tern der Bernsteinschen Theorien ein Leichtes gewesen wäre, die Widersinnigkeit der Bebelschen Leitsätze nachzuweisen. Davor aber haben sich die zu Worte gelangten Anhänger Bernsteins sorgfältig gehütet. Sie beschränkten sich vielmehr auf die Ver- theidigung und auf den Nachweis, daß Bernstein nicht eine ein zige der sozialdemokratischen Forderungen aufgegeben habe. Als Vertherdiger Bernsteins erklärte der „Genosse" David, daß eS auf die Verelendungstheorie nicht ankomme, daß auch seiner Ansicht nach die Arbeiter keinerlei Ursache hätten, zufrieden zu ein, daß aber durch die von Bernstein behauptete Verbesserung >er wirthschaftlichen Lage der Arbeiterschaft die Kampffähig- eit der letzteren zur Herbeiführung der sozialistischen Gesell- chaftsordnung wachse. Die Höherbewerthung der Gegen- wartsarbeit befähige die Arbeiter in höherem Maße zur Erobe rung der politischen Macht. Nach diesen Darlegungen der Vertherdiger Bernsteins kann es keinem Zweifel unterliegen, daß dem Letzteren durch fernen Ausschluß aus der sozialdemokratischen Partei bitter Unrecht geschehen würde. Denn er ist und bleibt m demselben Maße ein Feind der bestehenden Kultur und Gesittung,^ em Feind des monarchischen und nationalen Staates wie Bebel und Genossen. Daß er die sogenannte Emanzipation des vierten Standes durch „Organisation und sucht, wie Bebel, durch „Expropriation" herbeigeführt wissen will, ist eine Streit frage, deren Erörterung man ruhig den »Genossen überlassen kann. Für die Verteidiger der bestehenden Staats- und Ge sellschaftsordnung bilden die Anhänger wie die Gegner der Bernsteinschen Theorien innerhcckb der Sozialdemokratie eine einzige kompakte revolutionäre Masse, deren Ansturm mit allen Machtmitteln des Staates begegnet werden mutz. Herr Bebel spottet über den bestehenden deutschen und preu ßischen Staat und scheint dessen Widerstandskraft sehr gering «nzuschätzen. Nun, in der Stunde schicksalsschwerer Entschei dung wird es sich zeigen, wie sehr die Sozialdemokratie die sitt- liche Kraft und den idealen Gehalt des deutschen Staates unter- Wtzt hat, den daS lebende Geschlecht als kostbares und unver- Jn Frankreich erregt immer noch der Zwischenfall von Montölimar viel böses Blut. Die nationalistischen Blätter allerdings suchen ,hn nach Möglichkeit todtzuschweigen oder als „harmlosen Scherz" hinzustellen; von anderer Seite wird aber die Sache beharrlich als sehr ernst dargestellh zumal Montölimar schon seit geraumer Zeit der Schauplatz wüster Aus- „ „ , . . schreitungen der dortigen Offiziere sein soll. Es werden mehrere sich jedoch von dem Loose seiner Schicksalsgenossen nicht bloß Beispiele angeführt, welche allerdings wenig erbaulich für das dadurch, daß der Seehandlungspräsident nicht in den zeitweiligen, französische Heer sind. So sand man vor einigen Wochen drei sondern in den endgültigen Ruhestand tritt, sondern vor allem dadurch, junge Offiziere des 22. Linienregiments, dessen Leutnant- de« daß seine Maßregelung wochenlang von der Presse der gesammteu Grasen d'Anla« ein so würdiges Geleite gaben, in der Marge«-