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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 20.04.1899
- Erscheinungsdatum
- 1899-04-20
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189904203
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18990420
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18990420
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1899
-
Monat
1899-04
- Tag 1899-04-20
-
Monat
1899-04
-
Jahr
1899
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 20.04.1899
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Arelverger Anzeiger und Tagedlatt. Sette 4. — 2». April. Sv. 182». und Kornlauten (Saiteninstrument) begleitet. Von ethnographischem Interesse ist die Darstellung des Handwerkes. Man sieht einen Gold- und Waffenschmied, Lederarbeiter, Töpfer, Sticker, Schneider und Weber mit ihren primitiven Werkzeugen recht schöne Sachen schaffen. Nicht uninteressant ist das Treiben in der Küche, wobei sie viel reinlicher als die Aschantiweiber sind. Ein Idyll ist die Schule. Da sitzt der Lehrer in langem BubuS und Turban auf unterschlagenen Beinen; neben ihm rechts und links schwarze Büblein und Mägdlein, jedes ein Holzbrettchen und Pinsel in der Hand, und die Sprüchlein, die der Lehrer aus dem Koran vorliest, niederschreibend oder nachsprechend. Die Tracht der Männer besteht aus einem talarartigen Ueberwurf (Bubus) aus weißem gestickten Baumwollzeug, weitem weißen Unterkleide, die Frauen binden den etwa 3 Meter langen farbigen Baumwollstoff um Hüfte und Schulter. Große Sorgfalt verwendet die Sene- gambierin auf ihren Haarschmuck. In unzähligen dünnen Zöpfchen hängt das Haar herab, geziert mit kleinen Muscheln oder anderem Zierrath. In der Handelswclt und unter den Gewerbetreibenden Leipzigs macht sich eine immer stärker werdende Bewegung gegen die Rabattgesellschaften bemerkbar. Sowohl der „Schntzverband für Handel und Gewerbe" als auch der „Verein Leipziger Kaufleute und Fabrikanten zur Wahrung be rechtigter Interessen" haben Resolutionen gefaßt, die das Publikum und die Verkäufer eindringlichst vor der kürzlich in Leipzig ge gründeten „Waaren-Rabattgesellschaft Merkur" warnen. Sie ver- urtheilen aufs Schärfste derartige Geschäftseinrichtungen, von denen sie schweren Schaden für den Handels- und Gewerbestand wie für das Publikum befürchten. In der Resolution des Schutz verbandes heißt es: „Das Publikum ist darüber aufzuklären, daß das Nabattwesen eine Taschenspielerei ist, bei der dem Käufer vorher zu viel Geld abgenommen und hinterher nur ein Theil davon wieder zurückvergütet wird. Am verwerflichsten sind die Rabattzwischengeschäfte oder Rabattgesellschästen, denn sie wollen ernten, ohne zu säen, sie nehmen ihren Nutzen von den Kaufleuten und vom Publikum, sie hängen dem Publikum auch Trödelwaaren zu hohen Preisen auf." Es soll versucht werden, auf Gnind des Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb die Auflösung des mit der Gesellschaft geschloffenen Kontrakts zu er möglichen. Die Studirenden, welche im nächsten Semester die Universität Leipzig besuchen, finden im dortigen evangelischen Vereins hause, Roßstraße 14, nicht bloß für die ersten Tage ein gutes Unterkommen, sondern auch währeud des Semesters für 60 Pfg. einen kräftigen reichlichen Mittagstisch (kein Trinkgeld oder Bierzwang). Neben 100 anderen Tagesblättern re. liegt auch der Freiberger Anzeiger aus. Der Reingewinn fließt den Liebeswerken der inneren Mission zu. Ein Geschirrführer ging auf dem Bayrischen Bahnhof in Leipzig unbefugter Weise über die Geleise und kroch schließlich, ohne daß es bemerkt wurde, zwischen den Wagen eines zusammen gestellten Kohlenzuges hindurch, der sich in demselben Augenblicke in Bewegung setzte. Der Geschirrführer wurde sofort getödtet. Ein Dauer-Pianist tritt gegenwärtig in Leipzig auf. Nicht weniger denn 75 Märsche spielt der Mann in einer Tour herunter, in einer Zeit von etwas über 2 Stunden. Mit der Zeit gedenkt er es fertig zu bringen, diesen Rekord noch zu über treffen und 100—150 Märsche hintereinander zu spielen. Eine junge Frau in Zwickau, die im Uebermaß warmen Kuchen direkt vom Bäcker genossen hatte, war in wenigen Stunden eine Leiche. Nachdem sich der Rath zu Meeratte schon seit Jahren mit der Abänderung des zur Zeit giltigen Biersteuer-Regulativs be schäftigt hat, um in erster Linie den von einer besonderen Ge , Berg- und Hüttenwesen. N Der Verein »Königstreue Bergknappe« — Gruppe Himmelfahrt" — begeht Sonntag, 30. April, abends ^/,8 Uhr im großen Saale zum „Bairischen Garten" hier sein 3. Stiftungs fest mit einer Nachfeier von Königs Geburtstag. Die Festseier, zu der die Mitglied- und Beamtenschaft eingeladen sind, bietet, Konzert, Festrede, humoristische Vorträge und Ball N Id» Alfrev Bergest von der Universität München, der als Professor an die Bergakademie zu Clausthal berufen worden ist, übernimmt dort die Professur für Mineralogie. Bergeat bildete sich in seinem Svndergebiete in München in der Schule Zittels und Groths aus. 1892 gelangte er dort zur Promotion, nachdem er zuvor die Lehramtsprüfung abgelegt hatte. Später war Bergeat längere Zeit in Freiberg in Sachsen thätig. 1896 kehrte er nach München zurück, wo er 1897 als Privatdozent' zugelaffen wurde. meister Moritz Müller, Klempnermeister Albin Niezel, Handels mann Traugott Hänig, Seilermeister Hermann Seidel, Seiler meister Herm. Krause und Schneidermeister Wenzel Andersch. Die leberreichung geschah mit feierlicher Ansprache, worauf die )ekorirten ihren Dank abstatteten. Im Laufe des Abends wurden zahlreiche von früheren Mitgliedern und Mitbegründern eiugegangene Glückwunschschreiben vorgetragen, welche mit leb- jaftem Beifall ausgenommen wurden. Auch der hiesige königl. ächs. MilitSrverein hatte der Korporation ein herzliches Glück- vunschschreiben zugehen lassen. Die Stadtvertretung zeichnete die Korporation durch ein Anerkennungsschreiben und eine Ehrengabe aus. Seiften, 18. April. Gestern Nachmittag brannte ein Seitengebäude der Morgensternschen Holzwaarenfabrik in kurzer eit vollständig nieder. Das Gebäude diente als Lagerplatz und var mit zur Absendung fertiggestellten Waaren gefüllt. Dem Besitzer, der nicht versichert hat, erwächst ein nicht unbedeutender Schaden. Durch schnelles Eingreifen der Spntzenmannschaften von Seiffen, Heidelberg, Ober- und Niederseiffenbach blieben die benachbarten Wohngebäude vom Feuer verschont. *** Kleinhartmannsdorf, 18. April. Heute Vormittag '^3 Uhr ist das dem Gutsbesitzer Emil Helbig hier gehörige Wohnhaus mit Scheunengebäude Kat.Nr. 16 total niedergebrannt. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Die Scheune sollte weg- gerissen, das Wohngebäude baulich verbessert werden. ZurHilfe- eistung war nur die hiesige Ortsspritze erschienen. Rüdenau, 18. April. Durch Brand zerstört wurden gestern Nachmittag die Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Waldarbeiters Friedrich August Hanf hier. Bei dem Mangel an Vasser und angefacht von starkem Winde griff daS Feuer so chnell um sich. Dem Besitzer und den beiden Miethsparteien ind das Mobiliar, Futter- und Getreidevorräthe, auch Feld- und Wirthschaftsgeräthe verbrannt. Kriegsminister v. d. Planitz hat in Heidelberg bei Sayda ein Hausgrundstück erworben, das er am Montag mit seiner Ge mahlin besichtigte. Der Kirchenvorstand zu Rüffeina bei Nossen hat beschlossen, in die dortige Kirche Heizung legen zu lassen. Das Königl. Gymnasium zu Dresden - Neustadt begeht vom 26. bis 28. April die Feier seines 25jährigen Bestehens. Am Mittwoch, 26. April, wird durch Schüler des Gymnasiums „König Oedipus" aufgeführt werden, Abends findet Kommers statt. !lm Donnerstag, dem eigentlichen StiftungStag der Schule, wird rüh ein Aktus in der Aula abgehalten, Nachmittags schließt sich im Saale des Vereinshauses ein Festesten an. Unter Umständen wird am Freitag ein Ausflug nach der Bastei oder nach Meißen unternommen. Die für den Zoologischen Garten in Dresdenffbestimmte große Senegambier-Karawane ist eingetroffen. Diese, 80 Köpfe stark, besteht aus Männern, Weibern und Kindern, Handwerkern, Kriegern und Spielleuten. Die Senegalleute sind ein schöner schwarzer Menschenschlag und haben ihre Heimath an der West küste von Afrika zwischen dem Senegal und dem Gambia. Die Senegambier sind von guten Sitten, fleißige Handwerker und enthalten sich als Muhamedaner des Genusses geistiger Getränke. Ihre Produktionen bestehen in Kriegsspielen und Tänzen. Diese werden von den Mädchen, Kindern und Spielleuten mit Gesang Eine kaum glaubliche, aber wahreThatsache hat sich meinem Dorfe unweit Meistens zugetrage». DaS „Meißn. Tageblatt" berichtet darüber: Ein Brautpaar, welches sich ehelichen wollig hatte eine stattliche Anzahl Verwandte und Bekannte zu dem Hochzeitsfeste eingeladen. Alles war in schönster Ordnung und der Brautzug bewegte sich in ernster Stimmung nach dem Standesamte. Dort angekommen, wurde das Brautpaar von ein paar jungen Schreibern empfangen, mit der üblichen Herallassung und mit dem Bemerken beschieden, einen Augenblick zu warten. Die Anwesenden warteten in angeborener Ehrerbietung geduldig eine halbe Stunde und dreiviertel Stunde, ohne daß aber der die Ehe vollziehende Standesbeamte erscheint. In der Kirche wartet ebenso der Pfarrer mit den Chorknaben, die Lauter schauen er wartungsvoll durch die Schalllöcher, aber kein Brautzug wird sichtbar. Endlich, nach Verlauf einer Stunde, faßt der Bräutigam Mutb und fragt den unruhig gewordenen Herrn Schreiber nach der Ursache der Verzögerung. Da wird ihm dann folgende sonderbare Mittheilung: „Der Herr Standesbeamte ist auf drei Tage verreist und hat keinen Stellvertreter bestellt, die Trauung wird wohl unterbleiben müssen." Auf die Anwesenden wirkt« diese Offenbarung wie ein Donnerschlag, und es wäre nun z,' einer deutlichen Auseinandersetzung gekommen, wenn nicht Jemand den glücklichen Gedanken gehabt hätte, den Stellvertretei Les Standesbeamten herzuzuholen. Dieser war jedoch auf den Felde beschäftigt und so verrann noch eine weitere halbe Stund«; bis endlich die Trauung vollzogen werden konnte. In Zschopau hat sich eine Ortsgruppe deS Deutschen Flottenvereins gebildet. — DaS von den evangelischen Jünglings vereinen Sachsens alljährlich gefeierte Posaunenfest mit kirchlichen Feierlichkeiten wird in diesem Jahre Ende Juli oder Anfang August innerhalb der Kirchfahrt Zschopau gefeiert. Ein alleinstehender Herr in Plauen bei Dresden batte kürzlich ein Faß Rothwein geschenkt bekommen. Der alte Herr lag von Podagra geplagt auf dem Sofa, als das Faß ankam. Er schickte sofort zu einem Weinabzieher, der auch sogleich kam und sich an die Arbeit des AbfüllenS machte. Es ward Abend, aber der Weinabzieher kam nicht auS dem Keller, die Haus hälterin rief — keine Antwort. Endlich sah der alte Herr selbst nach und fand zu seinem furchtbaren Schrecken den Mann auS- gestreckt auf dem Rücken liegen, um ihn eine mächtige Blutlache. Sofort wurde die Ueberführung des Unglücklichen veranlaßt. Die Untersuchung klärte den geheimnißvollen Vorgang aus. Der Weinabzieher ist wieder zum Leben erwacht, nachdem die ärztliche Untersuchung einen Mordsrausch festgestellt hatte und Gegenmittel angewendet wurden. Die „Blutlache" war daS edle Rebenblut, das vollständig aus dem Faste ausgelaufen war. In Weinböhla fand am Sonnabend die Versteigerung ver schiedener Utensilien aus dem Nachlaste des in Dresden thätig gewesenen Zeichenlehrers C. F. Seidel statt. Unter den Mit bietern befand sich auch ein den dortigen besseren Kreisen ange hörendes Ehepaar. Während der Auktion richtete der Ehemann, der sich unbeobachtet glaubte, sein Bestreben darauf, verschiedene der zahlreichen zum Verkauf gestellten Gegenstände in rechts widriger Weise sich anzueignen. So entwendete er eine ganze Menge höchst seltener Steine aus der Mineraliensammlung des Verstorbenen, der sich viel mit Mineralogie, sowie auch Botanik beschäftigt hatte. Auch verschiedene andere Gegenstände aus der HauSwirthschaft ließ er verschwinden. Sein Thun wurde aber von einigen Milanwesenden im Stillen beobachtet, die ihn ruhiH gebahren ließen, bis er sich anschickte, die Heimkehr anzutreten. Nunmehr wurde er angehalten und veranlaßt, die eingepackten Sachen Stück für Stück wieder auszupacken. Der Mann ist ein dortiger Ansässiger, der von seinen Zinsen lebt. Die Sache ist der Behörde angezeigt worden. Die Wahrheit des Sprichwortes von der Grube, in die man selbst fällt, wenn sie einem Anderen gegraben ist, hat ein Bier verleger in Paunsdorf bei Taucha erfahren. Dieser hatte dey Inhaber eines Kaffeeschanks denunzirt, weil er auch Bier und Wein verkaufe. Die Anzeige unterschrieb der Mann mit dem Namen eines Anderen. Der Kaffeesieder wurde mit 15 Mast belegt, weil die Denunziation auf Thatsache beruhte, der Angeber aber geht auf acht Tage ins Gefängniß, weil er den Namen eines Anderen widerrechtlich gebrauchte. werbesteuer nicht betroffenen Flaschenbierhandel stärker heranzu. ziehen, ist der Rath jetzt den vom RathSvorstand gemachten Vor schlägen beigetreten und hat beschlossen, den Entwurf mit den Abänderungsbestimmungen den Stadtverordneten mit der Bitte um Zustimmung vorzulegen. Die neuen Bestimmungen bezwecken in allen denjenigen Fällen, in denen nicht bereits Schankgewerbe, steuer gezahlt wird, die Biersteuer zu verdoppeln. Ein erklärter Liebling FortunaS muß ein wohlsituirter Bürger in Zittau sein, der seit einiger Zeit förmlich vom Glück verfolgt wird. Man urtheile selbst: Besagter Herr machte vor längerer Zeit in einem ungarischen Badeort die Bekanntschaft eines anderen Herrn, der die Bitte aussprach, ihm doch zwei Zehntel der sächsischen Lotterie zu besorgen. Der Zittauer besorgte dem Herrn die Loose, die sich in den beiden ersten Klaffen jedoch als Nieten entpuppten. Bor Beginn der dritten Klasse erhielt der Zittauer von dem Neffen des LooSinhaberS die Mittheilung, daß vergüte Onkel gestorben sei und daß die Erben auf das Weiterspielen des Looses Verzicht leisteten. Der Empfänger dieser Mittheilung war anfangs ärgerlich, daß er, um Weiterungen zu vermeiden, gezwungen war, die beiden Zehntel nun selbst weiter zu spielen. Er konnte ja auch noch keine Ahnung haben, welche Absichten Fortuna mit ihm hatte. Das merkte er erst, als die betreffende Nummer in der dritten Klasse mit 40 000 Mk. gezogen wurde, von welcher Summe ihm zwei Zehntel zufielen! Er nahm uu, sogar von demselben Kollekteur noch zwei Zehntel einer anderer Nummer, und auch diese Nummer ist in der 4. Klaffe mit 500t Mark gezogen worden. Nach diesen Erfolgen hat der Glückspih anscheinend in der 5. Klaffe begründete Aussicht aus das »groß« Loos". oder beim sonstigen Aufenthalt im Freien holt man sich selbst an Sommertagen, z. B. wenn zuvor erst ein starker Regen nieder gefallen war, eben so leicht in Folge von Erkältung einen Schaden für das Wohlbefinden. Nun gar erst im April schon, wo der Erdboden theilweise noch die vom Winterfrost darin zurückgehaltene Feuchtigkeit nicht einmal von sich gegeben hat und beständig ausdünstct. In dieser ersten Frühlingszeit ist daher um so größere Vorsicht geboten. Es mögen die Eltern diesen wichtigen Punkt wohl beachten! Man schärfe den Kindern selbst und deren Begleitern immer wieder und recht eindringlich die Lehre ein, nicht so frühzeitig im Freien sich niederznlassen. Vor Allem aber sei es völlig ausgeschloffen, daß Kinder, wenn sie sich soeben beim Spiel warm gelaufen haben, die erste, beste, schnell zu erreichende Bank zum Ruhesitz erwählen. Nur völlig unkundige Erwachsene, in deren Begleitung die ruhebedürftigen Kinder sich befinden, können ein solches Verhalten billigen oder gar unterstützen. Der Verständige weiß nur zu wohl, was solch ein erhitztes Kind für seine Gesundheit, ja oft für sein Leben riSkirt, und tritt deshalb sofort und energisch mit dem Macht spruch ein: „Nicht sitzen!" Langsamere Gangart, die man er hitzte Kinder sodann einschlagen läßt, wobei sie natürlich sich keines Kleidungsstückes entledigen dürfen, bildet die beste Abhilfe, wo eS Erholung nach dem Spiel mit mehr oder minder schneller Bewegung gilt, und ein langsamer Rückzug nach Hause. Hier angekommen, werde auch ein rasches Ausziehen der Oberkleider (Ueberzieher, Hut u. s. w.) nur in völlig zugfreien, am besten geschloffenen Räumen geduldet; nicht etwa am offenen Fenster. Eine derartige Unvorsichtigkeit brachte oftmals schon schwere Augenleiden oder gar Erblindung hervor und selbst sonst über legt handelnde erwachsene Personen, die nach einem raschen Gange, einem scharfen Ritt, im zugigen Raum die Kleidung sofort und schnell wechselten, trugen in Folge von Erkältung Krankheiten der Athmungsorgane oder der Augen davon und hatten solche Unbedachtsamkeit ost mit Siechthum oder frühzeitigem Tode zu büßen. — Gestern traf in Freiberg das erste Motor-Rad ein. Es ist dies ein Dreirad, welches durch Vorsteckwagen in ein Pierrad verwandelt werden kann, wodurch das Fahrzeug für zwei Personen fahrbar wird. Für Interessenten steht das Rad nur kurze Zeit ausgestellt bei Herrn Joh. Winter, Engegasse. Bei dem Wettfahren Paris-Roubaix (276 Kilometer) durchfuhr der erste Motorradfahrer die Strecke in 5 Stunden 35 Minuten 30 Sekunden, waS einer Leistung von 47 Kilometer 928 Meter pro Stunde gleichkommt. Das Motorrad ist Patent von Dion- Bouton-Motor, dessen deutsche Patente die Firma Cudell u. Co. in Aachen besitzt. — Erst jetzt stellt eS sich heraus, daß die Frostnächte des letzten Monats auch in unserer Gegend an den Birnbäumen, deren Blüthen damals schon weit entwickelt waren, mehrfachen Schaden angerichtet haben. Zahlreiche Blüthen sind in ihrer Entwickelung gehemmt worden und fallen jetzt ab. — Durchgegangene Pferde. Auf der Halsbrückenerstraße gingen gestern Nachmittag die Pferde eines Lastgeschirres aus Halsbrücke durch. Die aufgeregten Thiere kamen mit dem schwer beladenen Wagen die abschüssige Straße am Nürnberger Hos ,hereingesaust, wo gerade eine Schaar Kinder spielten, die zum Glück noch rechtzeitig dem Geschirr ausweichen konnten. Auf der Münzbachbrücke hielt ein hiesiger Gefchirrsührer die Pferde auf. — Zur Haft gebracht wurde gestern ein Schuhmacher geselle aus Deuben, der von Magdeburg aus wegen Betrugs, Unterschlagung und Diebstahls steckbrieflich verfolgt wurde. — Z« besetze«: die Schulstelle zu Antonsthal (Ortstheil von Bermsgrün). Kollator: die oberste Schulbehörde. Einkommen: 1200 Mk. Gehalt, 72 Mark für Fortbildungsschulunterricht, event. 50 Mark an die Frau des Lehrers für den weiblichen Hand arbeitsunterricht. Außerdem freie Wohnung und Heizung. Be werbungsgesuche nebst den erforderlichen Beilagen sind bis 30. April an den Kgl. Bezirksschulinspektor vr. Förster in Schwarzenberg eiuzusenden. — Königliche- Landgericht Freiberg. Lon der zweiten Strafkammer wurden gestern verurtheilt: 1. die Dienst magd Linna Emilie Voigt, geboren am 22. Januar 1884 zu BurkerSdorfbei Reinsberg, wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß; 2. der Dienstknecht Joseph Weß, am 19. August 1872 in Augrub in Bayern geboren, zuletzt in Seifersdorf wohnhaft, wegen Körperverletzung und Hausfriedens bruchs zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängniß; 3. der Pferdeknecht Franz Xaver Rentz, am 4. September 1874 in Kirchberg in Bayern geboren, in Seifersdorf wohnhaft, wegen Hausfriedens bruchs zu 2 Wochen Gefängniß; 4. der Handarbeiter Johann August Noack, geboren am 18. November 1868 zu Guttau, wegen schweren Diebstahls im Rücksalle zu 4 Jahren Zuchthaus, acht jährigem Ehrenrechtsverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht. "ft Reinsberg, 19. April. Der Blitzstrahl, der, wie be richtet, während des am Montag auftretenden Gewitters den Thurm der hiesigen Kirche traf, hat diesen zwar bis auf das unterste Mauerwerk vollständig vernichtet, aber die Kirche ist ge rettet worden. Etwa gegen 3 Uhr wurde erst der Brand be merkt und Alarm gemacht. Man hat schleunigst Sturm geläutet, doch haben die Läuter bald flüchten müssen, die Glocken sind in der Feuersgluth zerschmolzen. Die brennende Kirchthurmspitze ist glücklicherweise nicht auf das Kirchdach, sondern westwärts zur Erde gestürmt. Der Knopf ist zerborsten. Die darin enthaltenen historisch werthvollen Chroniken sind wahrscheinlich unversehrt geblieben. Die Kirche selbst erlitt durch die Flammen keinen Schaden, aber durch das Wasser ward die flache Decke sehr durchweicht und das Dach infolge der Lösch- und Schutzarbeiten vielfach beschädigt. Ob die Orgel jvon den Wassermasien irgendwie betroffen und beschädigt ist, wird sich bald herausstellen. So steht nun vom Thurm noch das unterste Manergeviert, an dessen obersten Theile die Zifferblätter der Thurmuhr noch zu sehen sind. Die Zeiger geben r/,4 Uhr an. Um diese Zeit mag das Uhrwerk glühend geworden sein, auch hat wohl das herabstürzende Gebälk die Uhr zum Stehen gebracht. Die zerschmolzenen Glocken sind nicht sehr alt gewesen, denn noch nicht 20 Jahre sind vergangen, als die Kirche zu Reinsberg ein vollständig neues Geläute erhielt. An den Nettungs- und Löscharbeiten hat sich besonders die Spritzen- mannschast des Dorses rege betheiligt. Die Nachbarorte Hirsch feld, Dittmannsdorf und Bieberstein hatten ebenfalls ihre Spritzen entsendet. Allgemein verwundert fragt man sich jetzt: „Warum gab es keinen Blitzableiter auf Thurm und Kirche?" k. Sayda, 19. April. Gestern beging die hiesige freiwillige Feuerwehr die Feier ihres 25jährigen Bestehens im Gasthof zum schwarzen Roß durch Festtafel mit darausfolgendem Ball. Das Fest war insofern ein besonders freudiges, als 8 treuverdienten Mitgliedern und Mitbegründern der Feuerwehr das vom König gestiftete Ehrenzeichen für treue Dienste überreicht werden konnte. D«e Namen dieser acht Mitglieder der Feuerwehr find: Stadt- rath Wilhelm Richter, langjähriger Kommandant, Stadtrath Ernst Mäcke, langjähriger stellvertretender Kommandant, Schuhmacher-
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