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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 17.10.1899
- Erscheinungsdatum
- 1899-10-17
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189910175
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18991017
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18991017
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1899
-
Monat
1899-10
- Tag 1899-10-17
-
Monat
1899-10
-
Jahr
1899
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 17.10.1899
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Anlage zum Ireiberger Anzeiger und Tageblatt 18SS Dienstag, de« 17. Oktober Nachdruck verboten). si. zoujetzung.) stNt«. ck. fangen. Fortsetzung folgt.) a Sohn von lasse«». vielleicht Orleans?" zster btea Zrau »e, >en »unseren wir dem .Gallui» > in der n reich» Zahlreiche Ruhr- oitgrr», 6t , allen lumen» )in nur glichen i Dank dl« Abend« spltestent ll redilion ein- lelangea er drück. W> der Anjeig» n kann nicht rifteasd e Expedition, heil an d» lieben Ent- wBeitti« chuu^tJUjr rlaffene«. Ärnan nB erg. — öe» rellen Theil irg, für d« ner in Frei' druckeni und > in Freiber» ß: «r. s e: Anzeig« Der Schmied vm Pirk. Erzählung «uS der Oberpfalz von Jos. Baierlein. ü. innigster : Krank» zräbncsse geblichen w ntonk zurückkehrte, wo er das Pasteur-Institut leitet, seinem Bruke* Gaston Calmette, die Hand drücken wollte. Sein Gepäck hatte der Doktor unten im Wagen gelaffen. In der Hand hat« er nur eine viereckige Blechbüchse mit zwei tlemen Vorlegeschlöffern, die er beim Eintritt auf den Kamin legte, und die wir im ersten Augenblick nicht weiter beachteten. Man beglückwünschte den fragte ihn einer der Anwesen- wt unten gelungen?" — „Wir * Der fremde Herr. Unter dem Titel „Wiener Leben" schildert das Neue Wiener Journal die folgende CafehauSszene: Schauplatz: Ein Cafe auf der Ringstraße. Stunde: Fünf Uhr nachmittags. Im Spielzimmer ist nur mehr eine Tarokpartie vorhanden. Theilhaber der Partie sind zwei Kaufleute und ein junger Arzt. Die Partie ist sehr lustig. Der Lustige ist der junge Arzt. Er hat zwei Tage vorher einen zweijährigen Brautstand beendet, indem er die Verlobung rückgängig machte. Und darüber reißt er selbst die frechsten Witze. Der Marqueur (tritt ein): Herr Doktor mbchtr« hinauS- kommen. Der Doktor: Wer wünscht mich zu sprechen? Der Marqueur: Ein fremder Herr. Der Doktor: Bitten Sie ihn, einzutretrn. Der Marqueur (ab). Der fremde Herr (tritt ein): Herr Doktor Soundso? Der Doktor: Bin ich! Der fremde Herr: Darf ich Sie um «ine kurze Unter» redung bitten? Der Doktor: Als Arzt?' Der fremde Herr: Nein! Der Doktor: Mit wem habe ich daS Vergnügen? Der fremde Herr (nennt seinen Namen). Der Doktor (erbleicht. Er hat den in Prag wohnenden Bruder seiner gewesenen Braut vor sich. Er saßt sich aber und sagt herausfordernd): Sagen Sie mir hier, waS Sie nm mitzutheilen haben. Der fremde Herr: ES wird Ihnen vielleicht nmmgmcha« sein? Der Doktor (geringschätzig): Nur zu! ' Der fremde Herr (versetzt dem Doktor eine furchtbare Ohr« feige, verneigt sich und sagt): Das ist Alles, was ich Ihn« mitzutheilen hatte. Preußenthaler „spendiren" wollen als Lohn dafür, daß er sic aus dem Walde heimtrug. Gleichwohl sollte er aber merken, daß er ihr ganz gleichgültig war, und sie hatte sich genau einstu- dirt, welche Worte sie dabei gebrauchen, und wie stolz und von oben herab sie ihn anschauen wollte. Wie die Kartenspieler einen Trumpf auf den Tisch werfen, der das ganze Spiel ent scheidet, so wollte auch sie ihm das Schmähwort „Bingges" in's Gesicht schleudern, — nicht um ihn zu kränken, — um Gottes willen nicht! wenn er auch nothgedrungen annehmen mußte, sie hätte es in dieser Absicht gethan, — nem, sondern um sich selbst ,u retten vor ihrem eigenen thörichten Herzen; denn nach einer olchen Beleidigung durfte sie nicht mehr an ihn denken, — sie lurfte nicht, und es war dann alles aus zwischen den beiden. So hatte Rosl sich's ausgedacht, und nun stand sie da vor )em Burschen, ihre Hände lagen in den seinigen, sie schaute in eine treuherzigen Augen, die so seltsam, so zärtlich auf sie nie- zerblickten, und da hatte sie alles vergessen, was sie sich vorge nommen. Sie dachte nicht mehr an Vater und Mutter, nicht an des Vorstehers stolzen Bauernhof, noch an sich selbst. Alles, was Gottes weite Welt umschloß , war ihr in diesem Augenblick gleichgültig, nur der arme Bursch nicht, den sie zu verachten und zu beleidigen hierhergekommen, und der jetzt ieuerdings ihr ganzes Herz gefangen hielt, wie die Hände, die ie ihm willenlos überließ. „Hab' ich Dich erschreckt, Madl?" fragte der Schmied, da Rosl auf seine Anrede keine Antwort gegeben hatte, „mir ist'», Du thätest zittern." Dabei beugte er sich herab und schaute hr noch tiefer in die lieben, wie von einer seligen Vision verklär ten Augen. „Bist 'leicht noch nicht ganz g'sund?" „Doch — doch!" antwortete Rosl befangen, es fehlt mir nichts mehr; auch die Wunden über dem Knöchel hat sich schon g'schlossen. Aber recht hast", fuhr sie, muthiger geworden fort, „ich hab' Dich aufg'sucht, weil ich 'was reden muß mit Dir." Sollte sie doch auf ihren Vorsatz zurückgekommen sein? „Schau'", sagte sie, indem sie sachte ihre Hände frei machte, ich hab' ja noch 'Ivas von Dir, das ich Dir zurückgeben muß, den Riemen, mit oem ich mir selbig's Mal das Bein eing'schnürt hab'. Den stell' ich Dir jetzt zwück und dank' Dir dafür, und überhaupt dank' ich für alles, was Du mir 'than hast in meiner Noth und Bedrängniß. Ich werd's niemals vergessen." „O mein, o mein!" lehnte der Bursch die anerkennenden Worte des Mädchens ab. „Das war auch 'was Recht's ge wesen; das ist gar nicht der Müh' Werth. Denselben Riemen zwar, — 's ist eigentlich der Gurt von meinem Schurzfell —, den kann ich schon noch brauchen, wenn ich jetzund 'nauszieh in die weite Welt. So oft er mir dann unter die Augen kommt, will ich an Dich denken, Rosl! Es freut mich groß, daß Du g'rad zur rechten Zeit mich aufg'sucht hast, daß ich Deine Händ' noch einmal hab' drucken können und Dir „B'HUt Gott" sagen, weil wir uns in dem Leben doch nimmer wiederseh'n." Rosl erbleichte, — sie fühlte, wie plötzlich ihr Hrzschlag stockte. „Nimmer wiederseh'n?" murmelte sie, indem sie, gleichsam geistesabwesend, in's Leere starrte. Ein Schauer flog über ihren Leib und sie wankte. Gottfried mußte die sinkende Gestalt in seinen Armen auf- Augenblick nicht unerschrockenen Forscher. Dann s , den: „Sind Ihre Forschungen dort unten gelunge konnten es uns nicht besser wünschen . — „Und weiß man jetzt genau, mit welcher Art Pest man eS zu thun hat?" — „Da* will ich meinen ,wir bringen übrigens em bischen davon mit.. — „Sie bringen sie mit?" — „Natürlich; sehen Sie, in diese« Büchse ist sie.. / Und der Doktor nahm ruhig die Blechbüchse vom Kamin, die einer Theekuchenbüchse ähnlich war. Er öff nete sie ein wenig, obwohl wir eS garnicht wünschten; denn wie waren in diesem Augenblick durchaus bereit, ihm aufs Wort z„ glauben. Als wir mit ihm von der Pest sprachen, ahnten wie nicht, daß sie so nahe wäre. Der Gelehrte nahm auS seine« Büchse eine kleine, hermetisch verschlossene Glasröhre, welch« eine geronnene Flüssigkeit von gelblicher Farbe enthielt, die wrt Gelcmne aussah. In dieser Masse tummelten sich die Mi kroben der Pest ganz gemüthlich zu Hunderten, zu Tausenden, zu Millionen. Man mußte nur gute Augen haben, um sie z«tz sehen. Der Doktor näherte seine kleine Phiole der Lampe und sagte freundlich: „Ihr braucht nur eine Nadel in dieses Röhrchen zu tauchen und Euch dann damit irgendwo zu stechen, zehn Stunden später habt Ihr die Pest und nach fünf Tagen seid Ihr todt. Ihr könnts mir ohne weiteres glauben", fügte er liebenswürdig hinzu. Wir glaubten es wirklich. * Die böse Sieben. Die „K. V. Z." schreibt: Woher stammt dieser Ausdruck, mit dem man eine böse Frau, erne Xantippe, bezeichnet? Einige denken an die siebente Bitte dst Vaterunser (Erlöse uns von dem Uebel), andere an die sieben Todsünden, deren sich ein bitterböses Weib gleichsam schuldig macht. Noch andere erklären den Ausdruck als eine Verstüm melung aus dem bei Philander von Sittenwald, und sonst vor kommenden Worte Sie—mann, d. h. eine Sie, welche der Mann ist, die Hosen anhat, während er unter dem Pantoffel steht, ein Erwf"b ist. Neuerdings hat aber Friedrich Kluge, wie wir de» Nr. ÜD der „Zeitschrift des Allgemeinen deutschen Sprachver eins" entnehmen, eine andere Erklärung gefunden. Der Hol steiner Satiriker JoachimRachel (1618—1649), der Persius und Juvenal des siebzehnten Jahrhunderts, führt in seiner ersten Satire, die den Titel trägt: Das poetische Frauenzimmer oder böse Sieben, sieben Frauenarten vor, wie sie nicht sein sollen. Sie stammen der Reihe nach ab von fauler Erde, von der Sau, dem Fuchs, dem Hund, vom Meer und seinen Wellen, von der Gans, vom Pfau; an achter Stelle stellt er diesen die Jdeal- frau vor, die von der Biene abstammt. Rachel hat sich an ein antikes Spottgedicht von SimonideS von Amorgos angelehnt, das aber neun böse Frauengestalten auszählt, nämlich zu den fünf ersten von Rachel noch vier solche, die vom Esel, Wiesel. Pferd und Affen herrühren. Die gute Frauenart stammt auch bei Simonides von der Biene. Von jener Satire Rachels hat die deutsche Redensart ihren Ursprung genommen. Zuerst er scheint der Ausdruck in einer 1672 erschienenen Uebersetzung von Shakespeares, Der Widerspenstigen Zähmung, und zwar in der Form: Eine von den bösen Sieben. In dem deutschen Worter- buche von Stieler (1691) erscheint bereits eine böse Sieben, und in einer späteren Ausgabe von Rachels Satiren (1742) findet sich schon ein Gedicht mit der Ueberschrift: Probe einer bösen Sieben. So wurde, wie z. B. aus dem Sammelbegriffe, Frauenzimmer (d. h. die im Zrmmer befindlichen Frauen) sich der heutige Begriff einer einzelnen Frau entwickelte, aus der Mehrzahl die bösen Sieben schließlich die Einzahl eine oder die böse Sieben; und an einer hat man auch gerade genug. 8. Der nächste Tag war ein Regentag, weshalb Rosl das Zim- M nicht zu verlassen wagte. Sie konnte daher ihren am vori- «n Abend gefaßten Entschluß nicht ausführen, fand dagegen binlänglich Zeit, denselben gründlich zu überlegen und in allen Einzelheiten auszudenken. Die Hauptsache blieb, daß Vater und Mutter von ihrem Vorhaben nichts merkten; doch dafür wollte sie schon sorgen. — Als am darauffolgenden Morgen die Sonne hell von einem willenlosen Himmel glänzte, bat sie die Mutter um Erlaubniß, iin wenig in den Garten gehen zu dürfen. «Ich glaub'", sagte sie, „ich werd' schneller zu Kräften kom- Nu in der frischen Luft, und wenn mich die Sonn' wieder an- scheint. 's leidet mich schier nimmer in der Stuben und im Haus." Die Bäuerin konnte dem einzigen Kind ohnehin nur schwer Ms abschlagen; dennoch machte sie einige Einwendungen. „Wenn's Dir nur nicht schad't, Rosl; es ist heut' erst der sechste Tag, und Deine G'sundheit ist noch ganz neubacken!" „Mußt kein' Angst haben um mich, Mutterl", schmeichelte sie. „Führ' mich nur selber 'naus in den Hinteren Garten und such' mir ein gut's Platz! aus. Ich spür' ja fast keine Schmer zen mehr in in meinen! Dein, und wenn's Mittag läutet und der Wer mit den Ehehalten*) heimzieht aus dem Feld, holst mich wieder ab. Früher brauchst nicht zu kommen. Laß Dich mei- nelwegen ja nicht aufhalten in Deiner Kocherei! Du weißt, der Vater wird leicht unwirsch, falls das Essen nicht punkt zwölf Uhr auf dem Tisch steht." — So saß denn die Rosl auf einem Bänkchen hinter dem Haus in einen, Garten, den der Bauer seinen Bienengarten hieß, weil er eine stattlche Anzahl Bienenstöcke darin stehen hatte. Da das Dorf, wie ich schon oben bemerkte, halbmondförmig gebaut ist, und das Gut des Vorstehers sich so ziemlich in der Mitte der Ortschaft befand, konnte Rosl von ihrem Sitz aus fast sämmt- liche Häuser überblicken, aber nur ihrer Rückseite entlang; die Vorderfront hielten alle der Dorfstraße zugekehrt. Das Mäd- chm konnte daher, weil auch es hinter dem elterlichen Anwesen fotz, von keinem Haus aus gesehen werden; höchstens vom Dache nm Scheune oder aus einem Stallfenster hätte dies geschehen limnen, doch war dies zu einer Zeit, wo sich die meisten Leute auf dem Felde befanden, höchst unwahrscheinlich. Darauf, daß Rosl unbeobachtet blieb, hatte sie ihren Plan gebaut; denn sie hatte einen Gang vor, der, wenn er entdeckt und ialsch gedeutet wurde, sie selbst den Lästerzungen des Dorfes preisgab. Nachdem die Bäuerin in's Haus zurückgeqangen war, saß die Dirne zuerst eine Weile und horchte. Alles war still und ruhig, rings um sie herrschte ein tiefer Frieden; man hätte an einen Feiertag denken können. Das Geräusch der im Feld und auf den Wiesen arbeitenden Leute drang nicht bis zu ihr; nur die Bienen summten um die Stöcke, die Vögel, welche in der Krone des sie beschattenden Holzbirnbaums nisteten, zwitscher ten auf den Zweigen, und eine Lerche sang hoch in der Luft ihr Morgcnlied. Aber die Last, welche Rosl's Brust bedrückte, ließ sie nicht zum erquickenden Genuß der schönen Stunde gelangen; eine innere Unruhe trieb sie, was sie im Sinne hatte, schnell auszu- siihren. Vielleicht schlug ihr Herz weniger qualvoll, wenn ge schehen war, was doch geschehen mußte. Und deshalb erhob sie sich entschlossen von dem Bänkchen, ging zur Gartenthüre, öffnete sie und schritt in's Freie. Um, wenn sie dennoch bemerkt werden sollte, nicht den Verdacht zu erregen, daß sie einen bestimmten Gang vorhabe, wandelte Rosl nur ganz langsam auf dem Feldweg längs der Gebäude hin; wo eine Hecke stand, blieb sie stehen, bog die Zweige nieder und streifte vom einen oder anderen die Blätter ab; wo ein Blümlein im Gras blühte, bückte sie sich, um es zu pflücken. Man konnte bei ihrem Benehmen nichts anderes denken, als daß sie einen Spaziergang mache, um behufs schnellerer Genesung die frische Morgenluft auf sich einwirken zu lassen. Dabei hielt sie aber stets die Richtung inne, die nach der „Bingges-Hütten" führte, und da Pirk durchaus keine Groß stadt ist, stand sie trotz ihrer langsamen, zögernden Schritte nach verhältnißmäßig wenigen Minuten an der Rückseite des kleinen Häuschens, dessen Wände schon lange kein Mörtel mehr be- lleidete und die da und dort große Sprünge zeigten. Das nie drige überaus schadhafte Dach war mit Moos und Hauswurz überwuchert, der unsaubere Stall war leer; das konnte man ge nau sehen, denn die verrosteten Angeln und Bolzen hatten nicht einmal die verfaulten Bretter der Thllre mehr zu tragen ver mocht. Diese lag auf dem Boden und gönnte Jedermann den trostlosen Einblick in's Innere. Rosl seufite tief auf: in diesem verlumpten, verwahrlosten Haus wohnte der Mann, dem ihr Herz gehörte! Ach — ach, welche Scbande! Nein, es durfte nicht ^»in! Sie mußte die Neigung, die sich verstohlen, ihr selbst kaum bewußt, in die un bewachte Brust eingeschlichen hate, Herausreißen mit Stumpf Md Stiel! Wenn's auch weh that — es mußte verwunden werden! Um diese Zeit war der Schmied gewiß zu Hause, und die Dirne überlegte, auf welche Weise sie ihm ihre Anwesenheit lundgeaeben könnte. Denn über die Schwelle der „Bingges- Hütten" trat sie nicht; — so viel stand fest bei ihr. Sie brauchte jedoch nicht lange zu überlegen; — plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, sah sie den Schmied vor sich, der gelleidet, wie er ihr das erste Mal begegnet, mit der Militär- miitze auf dem Kopf, mit übergehängtem Bündel und einem Reisestock in der Hand hinter der von ihr abgekehrten Ecke des Häuschens in's Freie getreten war. Das Mädchen war so überrascht, daß den bleich gewordenen Lippen ein leiser Schrei entfloh. „Jesus, Maria!" hauchte sie. Der Bursch schien im ersten Augenblick über das unerwartete Zusammentreffen nicht weniger bestürzt zu sein. Allein er faßte sich schnell und während ein Heller, freudiger Schein sein hübsches Gesicht, noch mehr verschönte, ließ er den Stock zu Bo den gleiten, ergriff mit beiden Händen jene des Mädchens und flüsterte innig: „Rosl, Du bist's? Du? — Hast 'leicht gar mich aufsuchen, hast zu mir kommen wollen?" Das war ja ihre Absicht gewesen, — gewiß, sie hatte ihn aufsuchen und ihm drei, ihrer Sparbüchse heimlich entnommene *) Dienstboten. * Auf Ver Hochwilvjagd. Die Grazer Tagespost erzählt folgendes Geschichtchcn: Bei einer vor ein paar Tagen in Ober» stelermark stattgefundenen, durch die Unbilden der Witterung leider sehr beeinträchtigten, Hochwildjagd war unter anderen Jagd gästen auch der Prinz von Orleans anwesend, der in fremden Zonen schon unterschiedliches Wild, sogar Elefanten, erlegt, aber noch nie Gelegenheit gehabt hatte, in den Alpen einen Hirsch zu erlegen. Natürlich wendete sich das allgemeine Interesse dem remden Jagdgast zu, und die Worte „Prinz" . . . „Prinz von Orleans" gingen von Mund zu Mund. Nach einigem Zögern wendete sich ein obersteirischcr Jäger, mit der bekannten gemüth- lichen Zutraulichkeit auf den fremden Jagdgast zutretend, mit der Frage an ihn: „Nix für ungut, Euer Gnaden! San Sö - " der Jungfrau von Verschiedenes. * Ein Record in der Bergbesteigung. Wie die „Daily News" berichten, haben Dr. W H. Workman und Mrs. Fanny Bullock Workman in Begleitung des bekannten Schweizer-Führers M. Furbriggen in dieser Saison den Kora- korum im Himalaya bestiegen. Nach einem Aufenthalt von 18 Tagen auf oem großen Biafoglctscher in Nord-Baltistan kreuz ten sie den Snow Lake (16 000 Fuß hoch) und überschritten den schneeigen Hispar-Paß (17 500 Fuß), den man vor ihnen erst einmal zu besteigen gewagt hatte. Sir Martin Conway und seine Gesellschaft mit dem Führer Zurbriggen hatte diesen Paß zum ersten Mal 1891 überschritten. Durch den Schneesturm gehindert, hatte Conway aber kein klares Bild von dieser vorher unzugänglichen Eiswelt gewinnen können. Die Workman-Ex- ledition hat daher zum ersten Mal die unbenannten, uner- orschten Eisriesen, welche Snow Lake und den Paß begrenzen, -holographisch aufnehmen können. Bei der Rückkehr nach As- kole wurden neue Kulis für einen Ausflug nach der Gruppe der den Skoro-Ja-Paß (17 000 Fuß) begrenzenden Schneegipfel angeworben. Hier wurde auf der Moräne und auf dem Gipfel gelagert, 16 000 und 17 400 Fuß hoch, und zwei neue Schnee- spitzen bestiegen. Auf dem höchsten Gipfel einem weißen Horn, wurden Photographien ausgenommen und auf einem etwas niedrigeren Felsgipfel ein Steinhaufen zum Andenken errichtet. In diesen that man eine Flasche, die die Namen derBesteigenden den Namen, den man dem Gipfel gab, „Siegfriedhorn", seine Höhe von 18 600 Fuß und die Einzelheiten der Besteigung ent hielt. Drei Tage später wurde vom oberen Lager ein noch höherer Schneegipfel bestiegen. Zwei Träger gingen mit der Gesellschaft, die vom Lager aus angeseilt war, mit. Nach einer kurzen Gletscherwanderung wurde der ganze Anstieg zu dem schmalen Gipfel über tiefe Schneefelder gemacht. Die Höhe wurde zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags erreicht .und die größten bekannten und unbekannten Spitzen dieses Theils des Himalaya wurden sichtbar: Nange Parbat (26 600 Fuß), Mafherbrun und Gusherbrun (jeder 26 000 Fuß), der liebliche Golothron des Baltorogletschers und die endlosen, unbenannten und ungeheueren Schneekönige der Biafo- und Hunza-Region. Keiner aus der Gesellschaft litt an der Berg-Krankheit, obgleich in jener Höhe (19 450 Fuß), jede plötzliche Anstrengung Athem- noth herbeiführte. Der Gipfel wurde „Mt. Bullock Workman" genannt. Die Höhe beider Spitzen wurde im Durchschnitt von zwei kürzlich konstruirten Aneroid-Barometern registrirt, und man schätzt fie annähernd richtig im Vergleich mit der amtlich gemessenen Paßhöhe (17 000 Fuß). Mrs. Workman aber hat über alle früheren Bergsteigerinnen den Rerord (um 3000 Fuß) davon getragen. * Die Pest in Ver Blechbüchse. In einem Pariser Blatt erzählt ein bekannter französischer Journalist folgende hübsche Geschichte: Ich befand mich dieser Tage einmal im Ne- dakiionssaale des Figaro und plauderte mit Kollegen über dies und das . Plötzlich öffnet sich die Thür und ein neuer Gast er scheint, dem wir alle entaegeneilcn, um ihn herzlich zu begrüßen. Es war der Doktor Calmette, der junge, bereits berühmte Ge lehrte, der soeben von Oporto angekommen war, wo er sich die Pest etwas genaue« besehen wollte und der, bevor er nach Lille
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