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VN- Tageblatt angenommen. Preis für dir Tvaltzeil« 14 Pf-, ü I »uhrrdalb del LandgerichtSbeztrtS 1) Hsg. V132 AmlsiM W die lluigiichm md -Ldlilchcii Bchdrde« zu Freiberg und Sralld. vera«twortttch< Leitung de* Redaktion: Soor, Burtharvt« trickrillt jede» vockintag Pb wd» .Ihr für dm j ^^8^9- andnm Laa tret» virrtrljShrli» s M Lb Pfg. Sannattend den 10. Auni ,v«monatttck1Mt.bOVfg.u.«wmonatlich7»Vtg. W»UUVt»»V, Vtt» -t-V. ONtSS- Wegeelnziehnng. Bon dem Stadtraih ist auf Antrag beschlossen worden, denjenigen Theil der Hirtenplatz parzelle Nr. 1581 des hiesigen Flurbuchs, der zwischen der nördlichen Grenze der den Herren Gebrüder Heberlein gehörigen Gartenparzelle Nr. 1233 deS hiesigen Flurbuchs und deS den Genannten ebenfalls gehörigen Scheunengrundstücks Nr. 242 Abtheilung 8 deS Brand- BersicherungS-KatasterS für Freiberg liegt und beim Fuß- und Fährverkehr von der Annaberger- straße nach dem Hirtenplatz benutzt worden ist, einzuziehen, soweit er die Eigenschaft als öffentlicher Weg besitzen sollte. In Gemäßheit § 14 deS Gesetze- über die Wegebaupflicht vom 12. Januar 1870 wird Solches mit dem Bemerken veröffentlicht, daß etwaige Widersprüche gegen diese Einziehung längstens binnen drei Wochen, vom erstmaligen Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei dem unterzeichneten Stadtrath anzubringeu und zu begründen sind. Sntberg, am 8. Juni 18SS. Der Stadtrath. vr. 8vdro«U»r. Mllr. Kirschen-Berpachtung. Die diesjährigen Kirschennutzungen an der Meitzen-Rosfener Giraffe, Abtheilung 4 bis S, Nossen-Freiberger » »1 und 2, » »Oschatzer » »8 und . Colbitzer » »1 (Strecke zwischen Nossen und der «offen Freiberger Bahn) sollen Freitag, den 1«. Juni l. I. von nachm. S Uhr au im Gasthause »Zur Poft" in Stoffen im Wege de- MeistgebotS und gegen sofortige Baarzahlung, sowie unter den vor Beginn der Verpachtung bekannt zu gebenden sonstigen Bedingungen öffentlich verpachtet werden. Meitzen, am 6. Juni 1899. Königliche Straßen- und Waffer-Bauinspektion H Königliche vauverwalterei. Aas dem Reichstage. uL. Berlin, den 8. Juni. Di« zweit« Berathung der JnvalidenversicherungSnovelle ist leute ein tüchtiges Stück gefördert worden, so daß man wohl für scn morgigen Tag endlich ihre Beendigung erwarten darf. Nach dem eS fetzt entschieden ist, daß die Vertagung aus den Herbst in ganz kurzer Zeit rintreten wird, scheinen sich auch manche der schwänzenden Volksvertreter wieder auf ihre übernommenen Pflichten zu besinnen, denn heute war daS HauS ganz leidlich besetzt, ja, zuweilen, wenn eS zu Abstimmungen kam, machte eS sogar einen geradezu beschlußfähigen Eindruck. Freilich kam heute auch eine ganz besonders wichtige Angelegenheit zur Ent scheidung. Die 70 bis 80 Paragraphen, die heute erledigt wurden, ge- kangten zum überwiegenden Theile ohne Debatte zur Annahme, entsprechend den Beschlüssen der Kommission. Und bei einer Reihe weiterer Paragraphen, zu denen die Sozialdemokraten aus sichtslose Abänderungsanträge gestellt hatten, blieb eS bei einem Monologe Stadthagens oder MolkenbuhrS mit folgender obli gater Ablehnung gegen die Stimmen der äußersten Linken. Glück hatten die Sozialdemokraten nur ein einziges Mal. Ihr Antrag, die Zustellung der SchiedsgerichtSurtyeile innerhalb dreier Wochen erfolgen zu lassen, sand Annahme, nachdem ein Regierungskommissar erklärt hatte, daß Bedenken gegen diese Bestimmung nicht vorlägen. Einer gewissen Sympathie bis in vie Reihen der Rechten hinein begegnete auch der Antrag, die Marken in den OuittungSkarten nicht fortlaufend zu kleben, sondern die Felder mit Daten zu versehen, damit eine wirksame Kontrolle über die Beitragszahlung geübt werden könne. Auch Ministerialdirektor v. Woedtke erkannte die Nothwendigkeit emer ilenderung der Beitragserhebung an und stellte einen ent sprechenden Vorschlag der Regierung in Aussicht, worauf der sozialdemokratische Antrag abgclehnt wurde. Auch in Bezug auf die Rentenzahlung hat die Regierung ein einfachere- Verfahren in Erwägung gezogen, wie Herr v. Woedtke auf eine Anregung deS Grasen Bernstorff-Uelzen. (Welfe) mittheilte. Man darf also wohl in nicht zu ferner Zukunft eine neue Jnvalidenver- sicherungsnovelle erwarten. Annahme fand übrigens heute noch ein Antrag Lehr (nl.), wonach Streitigkeiten von grundsätzlicher Bedeutung zur Erzielung einer einheitlichen Rechtsprechung auf Antrag deS Anstaltsvorstandes dem Reichsversicherungsamt zur Verhandlung und Entscheidung überwiesen werden können. Der Hauptkampf entbrannte heute am Schluß der Sitzung. Hinter Z 130 hatte die Kommission 5 neue Paragraphen ein- gesügt, die ziemlich weitgehende Schutzvorschristen für Arbeiter enthielten. Es war aber, wie sich heute heransstellte, eine Zufalls mehrheit, die sich da in der Kommission zusammengesunden hatte. Einige Gegner hatten gefehlt, und der Vertreter der Freisinnigen, Abg. Schmidt-Elberfeld, war mit den Sozialdemokraten gegangen. Heute wurde er jedoch von seiner Partei desavouirt. Abg. Fisch beck übernahm es, darzulegen, daß die Kommissionsbeschlüsse in säst unerträglicher Weise in die Befugnisse der Unternehmer ein- grrifen würden; und als Singer (soz.) ihn darob in sehr erregter Weise angriff und seine Arbeitcrfreundlichkeit in Zweifel zog, sprang Richter kräftig seinem Parteigenossen zur Seite. Richter, der mit seinen Freunden wohl dutzende Male für die aussichts losen sozialdemokratischen Anträge gestimmt hatte, ergriff die Ge legenheit mit wahrer Inbrunst, auch einmal nach links zu wettern und zu konstatiren, daß er sich von den Sozialdemokraten unter scheide wie Feuer und Wasser. Nach langer freundnachbarlicher Pause kam heute wieder einmal der Engen Richter der „sozial demokratischen Irrlehren" zum Durchbruch. Bei den Parteien der Rechten erntete er deshalb starken Beifall, der den seines eigenen Fähnleins schier erdrückte. Abg. v. Löbell (k.) ersparte sich sogar eine ausführlichere Darlegung seines Standpunktes, indem er sich einfach den Ausführungen Richters anschloß. Nachdem auch Graf Posadowski sich mit großer Lebhaftigkeit gegen die Kommissionsbeschlüsse gewandt hatte, war deren Schicksal besiegelt. Für dieselben erhoben sich außer den Sozialdemokraten nur der größere Theil des Centruins unter Führung seines be kannten Sozialpolitikers vr. Hitze und — Herr Rösicke, der .wilde" Liberale. Politische Umschau. Freiberg, d«n 9. Juni. In seiner Rede bei Eröffnung der Wanderversommluna der Deutschen Landwirthschafts-Gcsellschast in Frankfurt a.M. gab der Minister Freiherr v. Hammerstein der Hoffnung Ausdruck, daß die schwersten Jahre für die Landwirtbschast vorüber seien. Er fuhr dann fort: Ich darf auch hoffen, daß von dieser Stelle, wo Nord und Süd unsere- deutschen Vaterlandes sich zusammen gefunden haben, wo die Mainlinie, die lange Zeit eine Scheide linie bildete in wirthschaftlicher und politischer Beziehung zwischen den deutschen Stämmen, daß zu einer Zeit, wo unser deutsche- Vaterland — Gott sei Lob und Dank! — durch die großen Thaten, die hinter unS liegen, geeint ist, daß von einem Orte, wo eine tausendjährige Kultur zeigt, was Energie und Fleiß zu leisten vermögen, daß von daher die Ueberzrugung über ganz Deutschland sich verbreiten wird, daß Einigkeit das Volk kräftigt und stärkt und daß die eigene Kraft vor Allem eS ist, die auS sich heraus schwierige Zeiten überwinden muß und überwinden soll. In Bezug auf die Regelung der Erbfolgefrage iu Koburg-Gotha verlautet in Berliner Hofkr«isen gerüchtweise, daß eine freundschaftliche Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und Herzog Alfred in der Richtung eingeleitet worden sei, zum Nachfolger deS regierenden Herzogs besten Schwiegersohn Erb prinz von Hohenlohe-Langenburg, Sohn de» Statthalter» von Elsaß-Lothringen, zu bestimmen. (??) Madrider Meldungen zufolge soll Deutschland auch den An kauf von Fernando Po (West-Afrika) beabsichtigen. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: .Die „Hamb. Nachrichten" geben in dem Artikel über oaS deutsch-spanische Ab kommen der Vermuthung Raum, Deutschland habe an England in Afrika Konzessionen gemacht, um englischen Einwendungen gegen den neuen deutschen Kolonial erwerb vorzubeugen. DaS Blatt fügt indessen selbst hinzu, eS nehme an, daß dies nicht zutreffe. Die „Nordd. Allg. Ztg." ist in der Lage, die Richtigkeit dieser Annahme bestätigen zu können. Jene Vermuthung von Konzessionen entbehrt der Begründung. Zum deutsch-spanischen Kolonialvertrag schreibt die „Tgl. Rdsch.": Der lebhafte Beifall, den am Dienstag im Reichs tage die Mittheilung des Herrn Staatssekretärs v. Bülow über den deutsch-spanischen Vertrag begleitet hat, hätte jedenfalls an einer Stelle einer gegentheiligen Kundgebung Platz machen sollen. Wir meinen den PassuS: „Deutschland wird auf den genannten Inseln den spanischen religiösen und Ordensgesellschasten dieselben Rechte und Freiheiten gewähren wie den deutschen religiösen und Ordensgesellschaften." Zu den spanischen Orden gehört vor Allem der Jesuitenorden, und dessen Ordensthätigkeit ist im deutschen Reichsgebiete, also auch in den deutschen Kolonien, gesetzlich aus- geschlosten. Die Frage drängt sich auf, ob die Reichsregierung daS Recht hat, sich über ein bestehendes und bis zur Stunde giltigeS Reichsgesetz in einem Vertrag mit einem fremden Staate derart wegzusetzen? Auch abgesehen von dieser Rechtsfrage kann man sich keine größere politische Unvorsichtigkeit denken, als eben den Ordensgesellschasten, welche notorisch die spanische Herrschaft auf den Philippinen heillos kompromittirt und unhaltbar gemacht haben, in deutschen Kolonien verwandter Art die Fortdauer ihrer Wirksamkeit nicht nur vorläufig zu gestatten, sondern durch StaatSvertrag für immer zu verbürgen. Man hat von dieser höchst überflüssigen Bestimmung den Eindruck, daß sie wieder einmal eine Bitte um Wohlwollen an da» Centrum sein soll. Wann wird unsere Regierung einmal aufhören, die Lebensinteresten Deutschland» der dienstwilligen Besorgung der Geschäfte deS Ultramontanismus unterzuordnen. Die Budgetkommission des Reichstages berieth den Nachtragsctat und bewilligte die erste Rate von 200000 Mk. für die deutsche Südpolarexpedition, sowie die Nachforderung von 359000 Mk. für die Betheiligung an der Weltausstellung. Die Kommission genehmigte ferner 120000 Mk. für die elektrische Lichtstation des NcichstagshauseS, 20000 Mk. für die römisch- germanische Alterthumsforschung bei dem archäologischen Institut unter Ablehnung der geplanten Sondercentratstellen solcher Forschungen. Die Kommission lehnte 100000 Mk. als erste Nate für den Bau des Generalkommandos des III. Armeecorps in Berlin ab und bewilligte 15000 Mk. für den Entwurf. Nach der amtlichen Streikstatistik wurden im ersten Vierteljahr 1899 191 AuSstände begonnen und davon 154 wieder beendet. Von diesen fielen 118 auf Preußen, 22 aus Sachsen, 20 aus Bayern, 7 auf Hamburg und 4 auf die Reichslandc; in den übrigen Staaten des Reiche- wurde die Zahl von 3 Streiks nicht überschritten. Unter den preußischen Provinzen stand, ab gesehen von Berlin, wo 36 Ausstände unternommen worden sind, da» Rheinland mit 15 Streik» obenan, dann folgten Branden burg und Westfalen mit je 11, Sachsen mit 10, Hannover und Hessen-Nassau mit je 9 Ausständen. Di« meisten AuSstände hatte daS Braugewerbe mit 36, daraus folgte die Textil- und die Maschinenindustrie mit je 21, die Holzlndustrie und da» Be kleidungsgewerbe mit je 20, di« Industrie der Stein« und Erden mit je 19 Ausständen. In sämmtlichen Betrieben waren bei Ausbruch de» Streik» 16 246 Arbeiter beschäftigt gewesen; di« Hvchstzahl der gleichzeitig Ausständigen betrug 8189. Kontrakt brüchig waren 3166 Streikende. Die Zahl der in demselben Zeitraum begonnenen Aussperrungen betrug 6, vyn denen 4 er ledigt wurden; in diesen Betrieben waren zusammen 512 Arbeiter beschäftigt; die Höchstzahl der gleichzeitig AuSgesperrten betrug 95. Ein richtiges Bild, der durch diese Ziffern gezeichneten Arbeiter bewegung wird man erst erlangen, wenn Vergleiche mit den Ziffern früherer Jahre möglich sein werden. Da die» abrr die erste amtliche Streikstatisnk ist, sind solch« Bergltich« nicht möglich. Auf die Haltung der Centrum-partei zur Vor lage gegen StreikterroriSmuS ist man in weiten Kreisen sehr gespannt. Die „Germania" und ander« dem demo kratischen Centrumsflügel zugehörigen Organe haben sich scharf ablehnend ausgesprochen, während andere Partecblätter vorsichtig laviren. Jedenfalls wird für das Centrum auch bei diesem Entwurf wieder der sachliche Inhalt für die Stellungnahme der „regierenden" Partei weniger maßgebend sein, al- die Rücksicht auf daS Parteiinteresse. Die „Germania" hatte bekanntlich —- so auS Kiel — die kräftigsten Beweise für da» Vorhandensein eines schändlichen StreikterroriSmuS beigebracht, so daß schon mit Rücksicht darauf gerade diese» Blatt hätte für die Vorlage ein treten müssen. „Aber, aber ... die Praxi»!" meint die „Köln. Volkszeitung"! Ja, da liegt der Has« im Pseffer! Inder „Praxis" ist daS Centrum in „Zweifelsfällen" immer aus d«r Seite der Sozialdemokratie. Männer derWissenschaftüberdieFrieden-kouferenz. Von der Berliner Wissenschaftlichen Korrespondenz eingtholte Gutachten über die voraussichtlichen Ergebnisse der Haager Friedenskonferenz sind soeben in einer Broschüre (Prei» 1 Mk.) vereinigt, in der Verlagsbuchhandlung von P. Stankiewicz, Berlin, Bernburgerstraße 14, erschienen. Im Allgemeinen ist die Stimmung in den deutschen Gelehrtenkreisen der Frltdenskonferenz gegenüber weitaus skeptischer, als in der französischen und russischen Gelchrtenwelt. So schreibt der bekannte Strafrechts lehrer, Geh. Justizrath Prof. vr. v. Bar in Göttingen: „Eine Abrüstung ist an sich selbstverständlich möglich; sie wird auch einmal in größerem Umfange eintreten, aber nur als allmähliches Ergebniß einer Periode, in welcher der Ehrgeiz der Nationen und Regierungen kemen Stoff zur Bethciligung findet, oder in welcher nach einem ungeheuren, die Kräfte verzehrenden Kriege zugleich eine allgemeine Abspannung und daS Bedürfniß nach Wiedersammlung von Kräften, mit elementarer Macht sich geltend macht, oder aber, wenn das Gefühl für Recht und Billigkeit und Moral in der gesammten Kultur-Welt einen Grad erreicht hat, von welchem wir jetzt noch recht entfernt sind, oder endlich, wenn die Rüstung allerseits geradezu unerträglich gefunden wird." — Der berühmte.Nationalökonom Hofrath Prof. v. Brentano er blickt in den internationalen Schiedsgerichten in erster Linie daS Mittel, die Wahrscheinlichkeit des Krieges zu Vermindern. — Der Kieler Chirurg Professor v. ESmarch glaubt, daß wohl eine Verringerung der „Greuel deS Krieges" möglich ist und. der Schutz deS PrivateigenthumS im Seekrieg, aber auch nicht mehr. — Professor Lavand schreibt: „Der Wettkampf der Nationen wird immer mehr ein wirthschaftlicher, und der wirtschaftliche Schaden, den ein Krieg dem Sieger wie dem Besiegten bereutet, ist ein so großer, daß er selbst das wirksamst« Schutzmittel argen Kriege bildet, die sich ohne „Selbst-Ausopferung der Nanonrn vermeiden kaffen". — Denselben Gedanken vertritt der Erlanger Staatsrechtler Prof. Rehm und der bekannte Nationalökonom Prof. Sombart, der in einem längeren, höchst interessant ge schriebenen Aussatze die Ansicht ausspricht, daß aus Gründen der wirthschaftlichenJnteressensolidaritätderKulturmenfchheitdieKriegs- wahrscheinlichkeit immer mehr abnimmt.— DerGreifswalderGtaa»- und Völkerrechtler Professor Stärk steht den Verhandlungen im Haag sehr skeptisch gegenüber und meint, daß ein internationales Schiedsgericht höchstens in beschränkten Fällen Kriege wird ver meiden können, welche Meinung Professor Strauch, Heidel berg und der Münchener Völkerrechtslehrer Professor Ull mann theilt. — Der bekannte Nationalökonom Professor