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105. und Tageblatt Amsvlau M die lömglicheu Md städttschea Behörden zu Fretüerg mv Braud, verantwortliche Leitung der Redaktion: Georg Burkhardt. Inserate werden bi« Bormrttag U Uhr angenommen. Preis für die Spaltzeil« IS Pfg. ^O v v» Luherbalb de« LandgerichtSbezirk« Ptg- l! — Erscheint jeden Wochentag Nb md« '/,V.Ihr für de» lf " Jahrgang. anderen Lag. Brei» vierteljährlich S Mt. 2b »sg. ,we,wonatli»1Mk.bvPjg. u.«mmonatlich7SPsg. TvttttlftA, Uett «. W-Az. Bekanntmachung. Gestohlen wurde in der 2. Hälfte des Monats April 189S in Sohra 1 Stück (7 ml -raubläuliches Turnerluch, das der Dieb vorauSsätzlich versetzt hat oder zu verkaufen Etwaige hierauf bezüglich« Wahrnehmungen wolle man umgehend dem nächsten Gendarm mrttherlen. . ffr-iberg, den 5. Mai 1899. Königliche Staatsanwaltschaft. dt. X. I 103/99. Zwangsversteigerung. Das im Grundbuche auf den Namen Moritz August Fritzsche in «üdisdors ein. getragene Grundstuch Folmm 34 des Grundbuchs für Müdisdorf, Nr. 53a, 53d 54 442 443 444, 445, 446, 449, 450, 451, 452, 453 und 470 --- 27 da 94,1 ar --- 50 Acker 147 LI Ruthen groß, mit 731,62 Steuereinheiten belegt, geschätzt auf 36000 Mark, soll im hiesigen Amts- gerichtsgebäude zwangsweise versteigert werden. Es ist der 1«. Mai 1899, vormittag- 10 Uhr als verstetgerungstermin, der 31. Mai 1899, vormittags 9 Uhr als Termin zu Verkündung des BertheilungsplanS anberaumt worden. Eine Uebersicht der auf dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres RangverhältnifseS kau» m der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Amtsgerichts eingesehen werden. Brand, den 28. März 1899. DaS Königliche Amtsgericht. . Ass. Hauer. Wgd. Auktion. Montag, den 8. Mai 1899, nachmittags 3 Uhr wird im amtsgerichtlichen Auctionslocal 1 Teschin, 1 Taschenuhr, 2 Uhrletten und 3 goldene Ringe unwiderruflich ver steigert. Weiter soll noch 1 Schleifwagen, 8 Plüschsophas, 2 große Wandspiegel mit Consol, 2 Büffetschränke, 1 Billard nebst Zubehör, 1 Bierapparat, 2 Waarenschränke, 3 Ladentische und weitere Möbels versteigert werden. Freiberg, den 6. Mai 1899. Solcr. N»u»r»1»ersx»r, G.-B. Auktion. Mittwoch, de« 10. Mai 1899, vormittag 10 Uhr kommen in Brand folgend- Gegenstände, als: 1 Wäschmangel, 6 Tische, 33 Stühle, 10 Kleiderhalter, 12 verschiedene Gardinen, 1 Tafel, 1 Büffettisch, 1 Bierapparat mit Zubehör, 1 Wanduhr, 2 Zuglampen, 1 Spiegel, 1 Luft-, 1 Wasser- und 1 Kesselspeisepumpe, 5 Zinkwannen, 6 Maffagebänke, 6 Fries decken. 15 Badetücher, 1 Injektor, 5 Wärmerohre, 2 Wasserreservoirs und 1 Leitung, bestehend aus Dampf-, Warm- und Kaltwasserrohren gegen Baarzahlung zur Versteigerung. Sammelort: Schützenhaus. Brand, am 5. Mai 1899. 8Ul»«rui»u», Gerichtsvollzieher. UMchmlsmutlm. Bon den Revieren deS Forstbezirks Grillenburg sollen in dem Gewervehaus (der früheren Debus'scheu Restauration) zu Montag, de« 15. Mai 1899, von vormittags 11 Uhr ab tim IM Meter weicher Nutzhölzer zum Theil in bereit- aufbereitetem, zum Theil in noch aufzubereitendem Zustande "distal- Stammholz in einzelnen Holzposten von 50 bi- 400 Festmetern unter den in der Auction bekannt zu machenden Bedingungen versteigert werden. Näheres darüber besagen die bei der unterzeichneten Oberforstmeisterei und dem Königlichen Forstrentamte Tharandt in Empfang zu nehmenden speciellen Auctions-Bekanntm^ungen sowie die von den Herren Forstrevierverwaltern zu beziehenden speciellen Auctionsverzeichmfse. Im Uebrigen ist auf die in den umliegenden Gasthäusern aushängenden Placate zu verweisen. Königliche Oberforftmeisterei Grillenburg, am 2. Mai 1899. Karl Tittmann, Oberforstmeister. Gemeindcsparkaffe zu Erbtsvors, ist jeden Montag, Nachmittags von 2 bis 6 Uhr geöffnet, verzinst Spareinlagen zu 3*/, "/o und gewährt Darlehen auf Grundstücke zu mäßiger Verzinsung. Der Semeinderath. Zsvnl»üa»»«i7, G.-Borst. Air Deutsche» im Auslände. In den letzten Jahren haben wir in immer steigendem Maße von den Fortschritten zu lesen und zu hören bekommen, welche die deutsche Industrie im Auslande gemacht hat. Insbesondere die englische Presse ist nicht müde geworden, das Aufblühen des deutschen Ausfuhrhandels in glühenden Farben zu schildern und bewegliche Klagen über den unangenehmen Wettbewerb anzu stimmen, den Deutschland allenthalben der englischen Industrie macht. Mit Genugthuung ist jede Stimme, die aus dem Aus lande herüberklang und von deutschen Erfolgen im Geschäftsleben zu erzählen wußte, bei uns vernommen worden, und an zahl reichen Stammtischen gilt eS heute als unumstößliche Wahrheit, daß wir eS heute überall auf dem Erdenrund in geschäftlicher Beziehung mit allen anderen Völkern aufnehmen können. Wir kommen aber mit eitler Selbstbespiegelung nicht weiter. Die Stimmen aus dem Auslande dürfen uns nicht dazu ver führen, selbstgefällig die erlangten Erfolge zu übertreiben und die Schwierigkeiten zu verkennen, die unserer noch harren, oder auch die Opfer zu vergessen, mit denen die errungenen Erfolge erkauft sind. Wenn die englischen Zeitungen fortwährend die siegreiche deutsche Konkurrenz beklagen, so thun sie es natürlich nicht, um uns damit eine Freude zu machen, sondern um die Industrie des eigenen Landes durch den Hinweis auf uns zu den größten Anstrengungen anzuspornen. Daß ihre Berichte, die ganz offenbar diesem bestimmten Zweck dienen, auf diesen Zweck auch zugeschnitten werden, Licht und Schatten nicht gleich vertheilen, deutsche Erfolge .mehr hervorheben und vergrößern, englische zurücktreten lassen oder verkleinern, das ist selbstver ständlich. Wir wollen aber den Engländern nicht den Gefallen thun, alles von ihnen Gesagte für baare Münze zu nehmen, sondern uns lieber ein wenig an die Kehrseite der Medaille halten. DaS ist nützlicher für uns, wenn es auch nicht ganz so angenehm klingt. Kein Zweifel, unsere wirthschaftliche Thätigkeit hat in den letzten 25 Jahren große Fortschritte gemacht, unser Export hat um etwa 40 Prozent zugenommen. Aber wir haben doch immer erst die Hälfte der Ausfuhr erreicht, die England erzielt; Kohle und Eisen, die Gradmesser der Industrie sind in der englischen Produktion auch heute noch mit ganz anderen Ziffern vertreten, wie bei uns Kohle etwa mit dem doppelten, Eisen um 50 Prozent höher. Einen solchen Kon kurrenten, wie den englischen, dem eine Jahrhunderte alte Er fahrung und Geschäftspraxis zur Seite stehen, der durch eine an allen Punkten der Erde bekannte und respektirte Flagge ge deckt wird, vom Markte zu verdrängen, ist nicht leicht. Es hat damit gute Wege und wir Deutschen müssen Anstrengungen machen, um nur schrittweise Terrain zu gewinnen, ja wir müssen gefaßt darauf sein, daß wir selbst das, was wir erlangt, fort während mit Ausbietung aller Kräfte zu Vertheidigen haben. Unsere Ausfuhr-Vermehrung ist übrigens schon jetzt nur da durch ermöglicht worden, daß unser inländisches Publikum dcr Industrie eine Export-Prämie gewährte, natürlich ohne daß es cmc Ahnung davon hatte. Die Kartelle der Groß-Industrie haben für den inländischen Markt andere Preise wie für den Export, und wo es Zoll und Frachten angezeigt erscheinen lassen, wird dem ausländischen Käufer weniger berechnet, als dem inländischen, nur um den fremden Markt nicht zu verlieren und die Produktion nicht einschränken zu müssen. Selbstverändlich treten solche Preisdifferenzen nicht dauernd auf, nur je nach den wechselnden Verhältnissen des Marktes, aber eine gesunde Erschei nung sind sie doch nicht, und einer durch solche Mittel erzielten Vermehrung des Exports kann man sich kaum freuen. Ein ferner zu erwägender Punkt ist der starke Antheil, den die Maschinenindustne an unserer Ausfuhr hat. Wir liefern damit dem Auslande die Waffen, mit denen eS uns eines Tages bekämpfen wird. Die Engländer haben in dieser Hinsicht ja auch mit uns ihre Erfahrungen gemacht. Als unsere Industrie noch in ihr-n Anfangsstadien war, da lieferte uns England mit größtem Eiser alle Maschinen, deren wir bedurften. Es dauerte aber nicht lange, so bauten wir uns die Maschinen selbst und unsere Fabrikate traten in Wettbewerb mit den englischen. Nicht anders wird cs auch uns mit den Ländern gehen, die wir heute mit unseren Maschinen versehen. Sie werden nicht lange gut- müthige Abnehmer unserer Maschinen sein und überdies mit den Fabrikaten, die sie auf den aus Deutschland bezogenen Maschinen Herstellen, unseren eigenen Fabrikaten beschwerlich werden. Endlich wollen wir auch nicht vergessen, daß mit der Zu nahme der deutschen Ausfuhr ein bedauerliches Aufgeben der Nationalität durch die Deutschen im Auslande Hand in Hand geht. Die so oft beklagte Vaterlandslosigkeit des Deutschen in der Fremde ist auch heute noch nicht verschwunden und wird wohl auch so bald nicht verschwinden. Schneller als irgend ein Anderer nimmt der Deutsche in der Fremde Sprache, Sitten und Gewohnheiten seiner Umgebung an, — nicht nur im Verkehr mit Fremden gleicher Kulturstufe, sondern auch mit minderwerthigen Ausländern fällt es ihm gar nicht schwer, sein Deutschthum ab zustreifen. Schon über gewissen Kreisen in unseren Seestädten liegt ein leiser englischer Hauch. In den Vereinigten Staaten geht mindestens die nächste Generation dem eingewanderten Deutschen dem Deutschthum ganz verloren, schon bei ein ge wanderten Deutschen selbst aber findet man vielfach das Be streben, so schnell als möglich ihre Herkunft vergessen zu machen. In Rußland und Polen kann man an den Bahnbrechern der Industrie, die dort aus Deutschland zugezogen sind, diebetrübende Beobachtung machen, wie schnell sich ein Deutscher in einen Russen oder Polen, je nach den Umständen umwandeln kann. So gehts leider überall, trotz aller deutschen Turn- und Sängervereine. Ehrenwerthe Ausnahmen giebts natürlich allenthalben, doch sie bestätigen nur die Regel. DaS Bewußtsein der Pflicht, sich jederzeit als Deutscher zu fühlen, die besten Seiten des deutschen Volkscharakters zu wahren und zu pflegen, schwindet gar zu schnell dahin. Die Handelsberichte der Engländer klagen darüber, daß die Deutschen sich beim Absatz ihrer Waaren überall den Ver hältnissen ihrer Abnehmer anzupassen verstehen, daß sie der Sprache und den Gewohnheiten der Käufer an den fremden Plätzen besser kundig sind und ihnen mehr Rechnung tragen, als die Engländer. Das hängt unstreitig mit der Schattenseite des deutschen Wesens, seiner Bereitwilligkeit zur Selbstentäußerung, eng zusammen; aber es sollte soweit nicht gehen. Selbst der materielle Vortheil, den das Mutterland durch (Erweiterung seines Absatzgebiets zunächst davon haben mag, zerfließt bei näherer Betrachtung in nichts. Dauernde Erfolge, und nur solche können unS erwünscht sein, werden auf solche Wels« für Deutschland nicht erzielt. Wer nicht an seiner Nationalität fest- hält, der wird auch kaum an der deutschen Waare festhalten, wenn es die Umstände mit sich bringen. Man muß gewärtig sein, daß er, wenn er Bortheil dabei findet, aus einem Pionier deutscher Industrie auch ein Vorkämpfer englischer Interessen wird und sein Deutschthum auch auf dem geschäftlichen Gebiete ebenso verleugnet wie anderwärts. Nicht herabsetzen sollen solche Erwägungen, was wir erreicht, sondern darauf hindeuten, daß wir noch viel Arbeit vor unS haben. Es klingt nicht erfreulich, ist aber doch heilsam. Politische Umscharr. Freiberg, den 6. Mai. Der Kronprinz des deutschen Reiches, Wilhelm, vollendet am heutigen Sonnabend sein 17. Lebensjahr. Nachdem die Hohkönigsburg durch Schenkung der Stadt Schlettstadt als Zeichen der Treue und Unterthänigkeit in den Besitz des Kaisers übergegaugen ist, nennt der Kaiser insgesammt 52 Schlösser und Burgen sein Eigenthum. Der Reichstag nahm gestern die erste Berathung deS Gesetz entwurfs betreffend die Gebühren für die Benutzung deS Kaiser- Wilhelm-KanalS vor. Staatssekretär v. PosadowSky führt aus, die Art des Schleppverkehrs, der Umfang und die Art der treibenden Kraft einerseits, und andererseits die RichtungSlime und die Entwickelung des Verkehrs unterliegen einer fortwährenden Veränderung. Diese Veränderung der Verhältnisse macht eS aber nothwendig, daß wir in der Lage bleiben, diesen Ver änderungen auch noch fortgesetzt Rechnung zu tragen. Die gegen wärtigen Verhältnisse auf dem Kanal gediehen bisher nicht zu einem Beharrungszustande. Wir wollen versuchen, durch neue Tarifirung diesen Zustand zu erreichen. Wir haben die Frist auf 5 Jahre bemessen, damit die Interessenten unS mit ihren Erfahrungen für Verbesserungen zur Verfügung stehen. Ich bitte, den Entwurf in der vorliegenden Fassung zu genehmigen. Abg. Broemel (fr. Vgg.) hält den Tarif im Ganzen für zweckmäßig, wünscht aber die Dauer der Vollmacht nnr für zwei Jahre. Abg. Hahn wünscht ein Entgegenkommen für kleinere Schiffe in der Festsetzung der Gebührensätze und warnt vor einer Erhöhung der Schlepvgebühren. Geheimer Rath von Jonquieres bemerkt, die Herabsetzung der Schleppkähne werde nur den Verfrachtern zugute kommen. Abg. Müller ist mit der Vorlage einverstanden und hält es nicht für angemessen, die von der Regierung geforderte Vollmacht zu beschränken. Abg. von Machahn stimmt der Vorlage zu und kann einer Herabsetzung der Tarife mcht zustimmen. Der Kanal ersülle im Allgemeinen mH die aus ihn gesetzten Hoffnungen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg Hahn, Brömel und Müller schließt die erste Lesung. Es folgt die zwecke Berathung deS Gesetzentwürfe» be- Flaggenrecht derK a uffa hrteischiffe- Abg. Frese (fr. Vgg.) berichtet über die Kommission-Verhand lungen. Unterstaatssekretär Rothe erklärt, daß die RAi-rungen wahrscheinlich gegen die Abänderungen der Kommission nicht»