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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 14.01.1899
- Erscheinungsdatum
- 1899-01-14
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189901144
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18990114
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18990114
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1899
-
Monat
1899-01
- Tag 1899-01-14
-
Monat
1899-01
-
Jahr
1899
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 14.01.1899
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I84S. ^en. - > Berg» nnv HLttettwesen. 6- Vel der Berg- und Hüttenverwaltung wurde ernannt: Oehmichen, zeither Bergingenieur, als Assistent für Geologie bei der Bergakademie zu Freiberg. 2 I« Hedwigschacht zu Oelsnitz wurde kürzlich in einer Tiefe von 800 Ellen ein versteinerter Baumstamm und m dessen Nähe zahlreiche nußartige Steinknollen aufgefunden, welch letztere unzweifelhaft als die Früchte jenes Baumes, als versteinerte Nüsse - auzusehen sind. Arelverger Anzeiger und Tageblatt. Sette L. — 14. Jannur Verschiedenes. D * Wie Herrscher schlafen. In einem ausländische» Blatte s , erschien kürzlich ein interessanter kleiner Artikel, der in wenig discreter Wese Enthüllungen in Bezug auf die nächtlichen Ge- wohnheiten kaiserlicher und königlicher Schläfer machte. Danach W soll unser Kaiser die Nacht in einem schmalen Bett zu bringen,> ' I das säst einem Feldbett, wie es unser alter Heldenkaiser Wilhelm I. W zu benutzen pflegte, ähnlich ist. Das Bettzeug muß jedoch vom L feinsten Leinen und die Steppdecke von schwerer Seide sein. Wie,. A-, man schon oft gehört hat, begiebt sich Kaiser Wilhelm II. füo» q gewöhnlich um 11 Uhr zur Ruhe und steht um 5 Uhr auf.- I Dem Zaren von Rußland wird nachgesagt, er fürchte die Nacht M und vor allen Dingen die Dunkelheit. Strahlende Helle muß ihn W stets umgeben, wenn er sich einigermaßen wohl fühlen soll, und W so bleibt auch sein Schlafzimmer während der Nachtstunden mit M mehreren elektrischen Flammen erleuchtet, deren Licht nur ganz W wenig durch weißseldene Schirme gedämpft wird. Außerdem be- W hauptet man, daß der äußerst nervöse und sehr an Schlaflosigkeit leidende junge Herrscher selten sein luxuriöses Lager aufsucht, ohne vorher eine Dosis Chloral zu nehmen. Trotzdem findet Nikolaus II. meist erst gegen Morgen die ersehnte Ruhe, weshalb er auch in der M Regel zu sehr später Stunde das Bett verläßt. Eines äußerst ge sunden und — „hörbaren" Schlafes, den er 8 Stunden ohne Unter brechung fortsetzt, soll sich König Humbert von Italien erfreuen, der mit einer ziemlich harten Matratze nebst groben Laken und behauptet von diesem Schläfer, daß er entweder ein sehr robustes Gewissen oder gar keins haben müsse. Auch „Felix I." ist nicht vergessen. Das Oberhaupt der französischen Republik legt sich allnächtlich auf zartfarbige Seidenkissen nieder, aber ein wirklich erquickender Schlummer senkt sich nur selten auf die müden Augenlider, denn das elegante moderne Bett ist zu häufig der Sammelplatz allerlei boshaften Gesindels, das sich ein Vergnügen daraus macht, „Seine Majestät" mit allen Spielarten des sog. Albdrückens zu unterhalten. Treiben es die nächtlichen Spnk- gestalten gar zu arg, dann läßt Monsieur Faure mitten in der Nacht die elektrische Klingel ertönen und befiehlt dem schlaftrunken hercintaumelnden Diener, sofort — das Bettzeug zu wechsel«. ' * Der »Geheime Nath". Anläßlich der Erörterungen» ' welche in letzter Zeit das System des „Geheimen Raths" in der Decken ohne irgend ein Federkissen zufrieden ist. Der König von z Belgien dagegen liebt es, sich in einer Unmenge von leichten I Daunenbetten förmlich zu vergraben, er empfindet nämlich vor I dem kleinsten Luftzug eine wahre Todesfurcht, die ihn selbst im Sommer verfolgt und außerordentlich ängstlich macht. Da Leopold II. nicht gern am Tage arbeitet und auch kaum Zeit dazu finden würde, ist er gezwungen, bis spät in die Nacht hinein seine Briefschaften durchzusehen. Die junge Königin von Holland hat fast die gleichen Gewohnheiten wie der deutsche Kaiser. Sie geht um 11 Uhr zu Bett und erhebt sich sehr früh, um ohne Hilfe eine flüchtige Toilette zu machen und zu Pferd oder auf dem Stahlroß einen erfrischenden Ritt resp. eine Fahrt durch den Park zu unternehmen. Bei dieser Exkursion trägt „Ons Willemintje" stets eine echte holländische „Manie" aus ' « rauher Wolle und von demselben Schnitt, wie sie die Bäuerinnen in Friesland tragen. Nach der Rückkehr bringt man ihr eine Tasse Chocolade in das Ankleidezimmer und gleichzeitig erscheinen zwei Zofen, mit deren Hilfe eine sehr umständliche Toilette be- . I gönnen wird, die selten in weniger als 2 Stunden beendet ist. ' I Wie man behaupten will, sollen die beiden Kammerfrauen - diesen Morgenstunden, die der Verschönerung ihrer jungen I Herrscherin gewidmet sind, nicht gerade den Vorzug vor ihren anderen Tagesbeschäftigungen geben. Wilhelmina besitzt eilt wahrhaft monumentales Bett, das fast ebenso breit wie umg ist und einen höchst pompösen „Himmel" aufweist, unter dessen duftigen Spitzen- und Atlaswolken die jüngste Königin Europas nicht ganz lautlos schlummert. Die prächtigste und kostbarste Schlafeinrichtung ist die des Sultans. Abdul Hamids Lager besteht aus Ebenholz, Gold und Seide, und zwischen all dem märchenhaften Glanz, mit dem sich der mächtigste Fürst des Morgenlandes selbst im Schlaf umgiebt, ruht er sanft und süß wie ei» Kind, das von den Engeln des Paradieses träumt. Man derartiger Vorkommnisse vorsichtig werden und die Arbeitnehmer ' mehr nach dem tobten Buchstaben der bestehenden Bestimmungen, als nach den Gesetzen der Humanität behandeln. Eine große Freude wurde einem 82 Jahre alten Weber in Lichtenstein dadurch bereitet, daß ihm an RathSstelle eröffnet wurde, ihm werde die Altersrente vom 1. Januar 1891 ab mit einem Betrage von 1319 Mk. 20 Pfg. nachgezahlt und ihm auch eine monatliche Rente von 13 Mk. 60 Pfg. zugebilligt worden sei. Eine Nachzahlung in derartiger Höhe dürfte wohl selten Vor kommen. Ein eigenartiger Fall von Blutvergiftung ereignete sich m' Nennersdorf bei Stolpen. Der Musikant L. biß sich in die Zunge und beachtete dies nicht weiter, sondern ging am Abend zum Mufikspielen. Am andern Tage war die Zunge so dick an- geschwollen, daß der Mann nicht im Stande war, Speisen zu sich, zu nehmen. Der zugezogene Arzt konstatirte Blutvergiftung. Dieselbe gab zu schweren Bedenken Anlaß. Glücklicher Messe st kam die in Eiterung übergegangene Wunde zum Aufgehen. In folge dessen trat die Geschwulst zurück, so daß der Bedauerns- werthe vor dem ErstickungStode bewahrt wurde. In der großen Bigognespinnerei von Zeumer u. Schumann in Leitelshai« bei Glauchau entstand gestern Abend ein Brand./ In Folge des großen Wassermangels konnte die Fabrik nicht ge rettet werden. Etwa 800 Arbeiter sind brodlos. Der Schaden ist sehr groß. Die angesehene Firma Moritz Merkel in Mylau hat den zwei ältesten Webermeistern Mylaus die Mittheilung gemacht, sie- möchten von jetzt an die Weberei einstellen und als Ersatz ihres geringen Verdienstes allwöchentlich bis an ihr Lebensende im Kontor der betreffenden Firma den Betrag von je 10 Mk. in Empfang nehmen. Als kürzlich eine Frau in Schönheide kochendes Wasser in einen anderen Behälter gießen wollte, rannte das 2*/, jährige Töchterchen derselben direkt gegen den Topf, daß sich der Inhalt desselben über das arme Kind ergoß, dem alsbald das Fleisch in Fetzen vom Leibe hing. Ein schneller Tod endete die entsetzlichen Q ualeu der Kleinen. auL Boston, abgestiegen war, in dem Juweliergeschäft von Mau in Dresden erschienen, hat sich Schmucksachen vorlegen lassen, einen Brillantschmuck im Werthe von 10000 Mk., bestehend auS Collier, Armband und zwei Paar Ohrringen, auSgewählt und sich diese» sofort in das bezeichnete Hotel bringen lassen, um ihn dort angeblich seiner Dame vorlegen zu können. Dort hat er dem lleberbringer den Schmuck in dem von ihkn ermietheten Zimmer abgenommen und ist unter Zurücklassung der EtuiS in daS Nebenzimmer gegangen, wo er anscheinend mit einer Dame ein Zwiegespräch geführt hat. Als der Fremde nach einiger Zeit in daS erste Zimmer nicht zurückgekehrt war, mußte sich der Beauftragte des Juweliers beim Betreten des Nebenzimmers davon überzeugen, daß der Schwindler mit dem Schmuck ver schwunden war. Der Unbekannte, in dessen Begleitung eine Frauensperson sich überhaupt nicht befunden hat, ist etwa 30 Jahre alt, ungefähr 170 Crntimeter groß, schlank, hat dunkelblondes Schnurrbärlchen, schmalen Kopf, hageres Gesicht und war bekleidet mit gelb-braunem, langem Ueberzieher und blau- und schwarz gestreifter Hose. Er dürfte Cylinderhut oder schwarzen steifen Filzhut tragen, hat Kravattennadel mit milchweißem, von Brillanten umgebenem Opal und an einer Hand einen doppelten Schlangen ring, an dessen beiden Köpfen sich je ein kleiner Brillant befand, getragen, gut deutsch gesprochen und sehr feines Auftreten gehabt. Das Collier bestand aus 11 Brillanten im.Gesammtgewicht von 9"/^ Karat, das Armbandaus 9 Brillanten im Gesammtgewicht von 6*^ Karat, während die beiden Brillanten des einen PaareS Ohrringe 4^/^ Karat, die des anderen 2^>/^ Karat wogen. Vorgestern hat in Dresden unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Beutler eine Besprechung einer größeren Anzahl auswärtiger Bürgermeister stattgefunden über die vom Kgl. Justizministerium geplante Errichtung eine? Landgerichts in Riesa und die Abzweigung verschiedener Amtsgerichte vom Dresdner Landgericht. Vor dem königlichen Langericht Dresden begann gestern die auf mehrere Tage anberaumte Hauptverhandlung gegen den französischen Sprachlehrer Charles August Moppert wegen Be leidigung und versuchter Erpressung. Der Ange klagte war über 18 Jihre französischer Sprachlehrer an der Mochmannschen Privatschule in Dresden. Dieselbe ist im Jahre 1894 durch Kauf in den Besitz des Direktors Palm übergegangen. Dieser kündigte dem Angeklagten seine Stellung für Ostern 1898. Am 8. Januar 1898 übersandte Direktor Pal.» dem Angeklagten seinen Gehalt bis Ostern mit der Bitte, daß Moppert seine Lehr- thätigkeit an der genannten Schule sofort einstelle. Ein Gesuch Mopperts, noch bis Michaelis 1898 in seiner Stellung bleiben zu können, wurde abschläglich beschieden. Dem Angeklagten wird nun beigemessen, nach jener Zeit an die Schüler, an deren Eltern, sowie an die vorgesetzte Behörde, theils anonyme, thecks mit falschem Namen unterzeichnete Briefe gesandt zu haben, die chwere Beleidigungen in Bezug auf den Direktor Palm ent halten. Außerdem soll Moppert letzterem in einem Schreiben den Vorschlag gemacht haben, bis 1. April 1898 an die Ferien kolonie die Summe von 1000 Mark zu zahlen, wenn diese Zahlung nicht erfolge, so werde mit der Gratlsvertheilung einer Broschüre begonnen werden, die von 62Personen, Freunden und Gönnern der genannten Schule herausgegeben worden sei und worin die Thätigkeit des Zeugen Palm als Schuldirektor ge schildert und die Mißwirtschaft, die in der Schule herrsche, be leuchtet werde. Moppert stellte in Abrede, der Verfasser der be treffenden Briese zu sein, behauptete jedoch, deren Inhalt beruhe auf Wahrheit. Er gab weiter an, es habe sich;in ihm nicht un bekanntes Comitü gebildet, das sich vorgenommen habe, die in der betreffenden Schule herrschenden llebelftänd« zu veröffentlichen, da die vorgesetzte Behörde hierüber getäuscht worden sei. Eine Klagsache gegen einen Militärverein in Plaue« i. B., welche mehrere gerichtliche Instanzen und auch das Oberlandes gericht zu Dresden beschäftigt hat, ist nunmehr zu Ende geführt worden und zwar zu Gunsten deS genannten Vereins. Zu der im Jahre 1896 auf dem Albertplatze in Plauen abgehaltenen Vorfeier deS SedansesteS waren 12 Mitglieder des Schützenzugs des Vereins kommandirt worden. Statt, wie es zu den Dienst obliegenheiten gehört, die Fahne mit der geschlossenen Abtheilnng nach Beendigung der Feier am Kriegerdenkmale nach der Restau ration zum „Prater" zurückzubegleiten, haben drei Mitglieder dieser Deputation noch auf dem Albertplatze sich heimlich, ohne Erlaubniß deS Kommandanten, entfernt. Deshalb wurde einer der Betheiligten von einem Schiedsgerichte des Vereins auf Grund der Statuten mit gänzlichem Ausschluß aus der Schießabtheilung bestraft. Diese Bestrafung wollte der Kläger nicht gegen sich gelten lassen. Die Klage wurde aber abgewlesen und der Kläger verurtheilt, die Kosten des Rechtsstreites zu tragen. Es wurde als begründet angesehen, daß das Auftreten des uniformirten SchützenzugeS unter Wahrung der militärischen Form erfolgen soll. Daß beliebiges Weggehen einzelner, zum Dienste ver sammelter Personen im schärfsten Widerspruche mst militärischem Wesen stehen würde, sei offenkundig. In Bezug auf die zwischen den Krankenkassen und Aerzten in Crimmitschau schwebenden Differenzen wegen der Honorar frage wird berichtet, daß nicht alle Krankenkassen daran betheiligt sind. Die Ortskrankenkasse HI (Handwerke) z. B. ist in be sondere Verhandlungen mit den Aerzten getreten und hat mit denselben einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem das Honorar 2 Mark 50 Pfg. pro Kopf und Jahr beträgt. Dieser Vertrag ist auch vom ärztlichen Bezirksverein zu Zwickau genehmigt worden. Auch die Jnnungskrankenkassen suchen sich auf gütlichem Wege mit den Aerzten zu verständigen. Ein halbes Jahrhundert in ein und derselben Wohnung zu logiren, dürste in den Städten gewiß als ein seltenes Borkommniß zu bezeichnen sein. Ein Jubiläum solcher Art zu feiern war einer Frau in Grotzenhatn vergönnt. Die Dame wurde in dem betreffenden Haufe am 9. Januar 1849 geboren, hat während dieses langen Zeitraumes in diesem Gebäude ununterbrochen gewohnt und ist darin Gattin, Mutter und auch Großmutter geworden. Von Seiten ihrer Verwandten, Bekannten und ihres Haus- wirthes wurde sie durch allerlei willkommene Geschenke erfreut und geehrt. Der durch den Brand tn der Wünscheschen Fabrik photo graphischer Artikel zu Reick bei Dresden entstandene Schaden beziffert sich auf 150 000 Mk. Er ist durch Versicherung gedeckt. In einer größeren Fabrik in B« hho z wurde kürzlich ein Arbeiter eingestellt, der bei dem Antritt seiner Beschäftigung das Arbeitsbuch nicht mit zur Stelle hatte. Er wurde an die Noth wendigkeit desselben wiederholt erinnert, wußte aber den Ver- , treter des Chefs einige Tage mit dem Borgeben, daß er das - Buch nur vergessen habe, zu vertrösten. Die freundliche Nach- 1 sicht gegenüber dem Arbeiter hat letzterer nun dadurch gelohnt, : daß er nach seinem freiwilligen plötzlichen Austritt aus der Arbeit - in Folge von Differenzen mit einem anderen Arbeiter die Firma , bei der Behörde anschwärzte, daß sie ihn ein paar Tage ohne Arbeitsbuch beschäftigt habe. Zum Glück gehören derartige : charakterlose Arbeiter zu den Seltenheiten. Man wird sich aber i nicht zu wundern brauchst, wenn di« Arbeitgeber auf Grund genauer Angabe der Herstellungszeit erbeten. DaS ist erfreulich. Wenn auch der Knabenhandarbcitsunterricht keineswegs den Zweck verfolgt, Knaben für einen bestimmten Beruf vorzubereiten, so ist doch nichüzu verkennen, daß durch ihn dem Gewerbestand schätzenS- wertheS Material zugeführt wird. — Echülerherberge« im Erzgebirge. Die auf Kosten deS Erzgebirgsvereins eingerichteten Schülerherbergen im Erzge- bim« sind während der Zeit ihre- Bestehens von zusammen 1270 Schülern besucht worden. Zu den im Jahre 1894 ge gründete» beiden Herbergen in Schwarzenberg und Marienberg Wurde im Jahre 1898 noch eine dritte in Eibenstock inS Leben gerufen. Im Gründungsjahr wurden die erwähnten Herbergen Von 48, 1895 von 433, 1896 von 320, 1897 von 150 und 1898 bo» 824 Schülern besucht. Gewährt wird außer freiem Nacht- auartier ein Frühstück und Abendbrot zu ermäßigten Preisen. Im Ganzen bestehen gegenwärtig 16 solcher Schülerherbe^en. — Reichsdeutsche Ezechenkriecherei. Die „Brüxer Volkszeitung" schreibt: Wahrhaft schämen muß man sich, wenn Wan sieht, wie oft reichsdeutsche Geschäftsfirmen vor den Czechen scherwenzeln und hofiren, nur um des lieben Geschäftes willen. So meldet die „R. B.-Z." wieder, daß die Firma Fritz Schulz in Leipzig czechische Reklamezettel über Putzpasta versendet. Ein bezeichnender Fall aber von reichsdeutscher Speichelleckerei und Czechrnkriech-rei wird unS auS Freiheit bei Trautenan von einem Freunde unseres Blattes mitgetheilt. Der dortige deutsche Turn verein, der eine Turnhalle zu bauen beabsichtigt, sandte u. A. auch an die „Deutschen Elektrizitätswerke Lahmeier u. Co. in Aachen", ivelche in der Trautenauer Gegend elektrische Beleuchtungs-Anlagen einrichtrten, sogenannteSchuldjchelnemit derBitte, einen Beitragzum Turmhallenbau zu widmen. Statt deS erwarteten Beitrages langte aber ei» Schreiben von der genannten Firma mit einer ge- l schraubte» Erklärung an, in welcher eS u. A. hieß: „— wenn gleich wir der deutschen Sache gewiß sympathisch gegenüberstehen, ist eS unS doch nicht wohl möglich, in der Ihrerseits vorge- , schlagen«« Weise die gute Sache zu unterstützen, weil wir auch in f czechlschen Gegenden unsere Kundschaften haben und auf diese I Rückficht nehmen müssen. Wir würden daher Gefahr laufen, 1 diese ohne Weiteres zu verlieren, wenn es bekannt würde, daß fvic aus diese Weise eine Propaganda machen, die von diesen Kreisen als eine feindselige betrachtet werden müßte!" Mit einem Worte, die reichsdeutsche Firma in der alten KrönungS- ' stadt der deutschen Kaiser kriecht vor blasser Czechenfurcht, um ! des lieben Mammons willen, in ein Mauseloch. i — Offene Stellen für Militäranwärter. Beim Amts gericht Dresden 1. Februar Lohnschreiber, 2—3 Mk. täglich; , desgleichen beim Amtsgericht Reichenbach i. V., beim Amtsgericht Reichenau, 25—30 Mk. monatlich; beim Amtsgericht Döhlen, 1,50—3 Mk. täglich, je nach dem Alter und den Leistungen des LohnschreiberS; bei der Oberpostdirektion Chemnitz 1. April Post- schaffner, 860 Mk.; 6. Februar bei der Staatsanwaltschaft Bautzen Lohnschreiber, niedrigster Satz 1.50 Mk. täglich; beim. Landgericht Chemnitz sofort 3 Lohnschreiber, je 1.50—3 Mk täglich. — Al» besetze«: die Kirchschulstelle in Nauenhain bei Geit hain. Kollator: das K. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts. Einkommen neben freier Wohnung im Schulhause mit Gatte» 1000 Mark vom Schuldienste, 100 Mart persönliche Zulage biS zum Eintritt der 1. Alterszulage, 273 Mark vom Kirchendienste, 72 Mark für den Fortbildungsschulunterricht und 36 Mark für den Turnunterricht. Bewerbungsgesuche nebst den erforderlichen Beilagen sind bis zum 16. Jan. bei dem K. Bezirks schulinspektor vr. Putzger inBorna einzureichen; — l.dieLehrerstelle in LeuterSbach bei Kirchberg. Kollalor: das K. Ministerium des KultuS und öffentlichen Unterrichts. Einkommen: Neben freier Wohnung und Gartennutzung 1150 Mark Gehalt und 60 Mart 6 Pfg. kirchendienstliche Bezüge: 2. die neuzugründend« 6. ständige Lehrerstelle in Hartenstein. Kollator: daS K. Ministerium deS KultuS und öffentlichen Unterrichts. Einkommen: 1000 Mark Grundgehalt, 210 Mark unwiderrufliche persönliche Zulage und 210 Mark Wohnungsgeld für einen verheiratheten, 150 Mark für eine» unverheiratheten Lehrer. Gesuche sinv unter Beifügung simmtlicher Prüsungs- und Amtsführungszeugnisse biS zum 16. Januar 1899 bei dem K. Bezirlsschulinspektor Schulrath Lohse in Zwickau einzureichen. " Lichtenberg, 5. Januar. In der Gemeinde Lichtenberg- WeigmannSdors wurden im Jahre 1898 geboren: 109 Kinder und zwar in Lichtenberg 81, nämlich 48 Knaben und 33 Mädchen, 70 eheliche und 11 uneheliche, in Weigmannsdorf 15 »ämlich 2 Knaben und 13 Mädchen, 12 eheliche und 3 uneheliche, in Niedermüdisdorf 13, nämlich 7 Knaben und 6 Mädchen, 11 eheliche und 2 uneheliche. Confirmirt wurden 58 und zwar 40 auS Lichtenberg, 12 auS WeigmannSdorf und 6 aus Nieder müdisdorf. Aufgeboten wurden 45 Paare, nämlich 24 aus Lichtenberg, 18 aus Weigmannsdorf und 3 aus Niedermüdisdorf. Getraut wurden 34 Paare und zwar 20 in der Kirche zu Lichtenberg und 14 in der Kirche zu Weigmannsdorf. Gestorben find 65 Personen, nämljch 50 aus Lichtenberg, 13 auS Weigmanns- dorf und 2 aus Niedermüdisdorf, es befanden sich darunter 2 Selbstmörder und zwar 1 aus Lichtenberg und 1 aus Weig mannsdorf. Commnnicirt haben in Lichtenberg 7 mehr als im Vorjahre, nämlich 1590, darunter 40 Neuconfirmirte und 29 Hauscommunicanten, ferner in Weigmannsdorf 34 mehr als im Vorjahre, nämlich 597, darunter 18 Neuconfirmirte und 8 Haus communicanten. Die 9 Kirchencollecten ergaben 150 Mk. 65 Pfg. und zwar in Lichtenberg 114 Mk. 73 Pf. und in Weig mannsdorf 35 Mk. 92 Pf. Die Hauscollecte für die Heiden mission betrug 100 Mk. 19 Pf. In Weigmannsdorf wurde ein Fest des lutherischen GotteskastenS abgehalten, es konnten, nach Abzug der Reisekosten für den Prediger aus Waldsassen, im Ganzen 90 Mk. 90 Pf. abgeliefert werden, welcher Betrag sich aus den Gaben der Confirmanden und der Klrchenärare von Lichtenberg und Weigmannsdorf, aus der Festcollecte von Weig mannsdorf, sowie aus Beiträgen der Sayvaer, Großhartmanns dorfer, Bobritzfcher und Freiberger Conferenz zusammensetzt. In Lichtenberg wurde von Herrn Missionssecretär Jnst aus Dresden ein apologetischer Vortrag gehalten; die sich an denselben schließende Collecte für den Frauenverein ergab 21 Mork. Die Kirche von Lichtenberg empfing von einem ungenannten Herrn 2 versilberte Altarleuchter und von der politischen Gemeinde Lichtenberg zwei kostbare Altar- und Kanzelbekleidungen, ausgeführt m grünem Tuch und in rothem Sridendamast. In dem Getreidefeimen eines Gutsbesitzers in Döbeln, der etwa 150 Schock Weizen im Werthe von üver 3000 Mk. enthält, entdeckte man ein leeres Cigarrenkistchen, in dem sich, mittels einer Nadel befestigt, ein Lichtstumps befand. Eine nähere Besichtigung ergab, daß das Licht, bevor das Kistchen in den Feimen gebracht worden war, gebrannt hatte und nur durch einen glücklichen Um stand verlöscht war. Die Polizei fahndet eifrig nach dem Thäter, der offenbar den Feimen hat in Brand setzen wollen. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr ist ein Unbekannter, welcher vn „Emwpiischen Hofe" unter dem Name» C. Willink, Kaufman«
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