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sitzet-erZttzeiget und Tageblatt Amtsblatt flr die tiiniglichcn und Mischen Behörden zu Freiberg mb Brand. I Erscheint jeden Wochentag Abends '/.V Uhr sür den /l/a I anderen Tag. Preis vierteljährlich 2 Mt. 2b Psg. «/f- zweimonatlich 1 Mk. 50 Pfg. u. einmonatlich 7b Pfg. Inserate werden bi» Bormittag 11 Uhr -v-°s »eranIworUich-Lew»«gr »e-rg »«rkhardt. — SS. Jahrgang. i Sonntags den 2L. Oktober. Auf Folium 611 de» Handelsregisters für di« Stadt Freiberg sind heute die Firma , R. Hoppe in Freiberg, wd als deren Inhaber f Herr Wollwaarenfabrikant Paul Hermann Reinhold Hoppe in Freiberg eingetragen worden. Freiberg, am 28. Oktober 1896. Königliches Amtsgericht. - Schmidt. Auf Folium 610 des Handelsregisters für die Stadt Freiberg sind heute die Firma Paul Hammer in Freiberg, und als deren Inhaber Herr Kaufmann Paul Moritz Hammer daselbst eingetragen worden. Freiberg, am 28. Oktober 1896. Königliches Amtsgericht. O«8L«IS. Schmidt. Die rückständige Einkommensteuer für L. Termin 18W ist ohne Verzug zur Vermeidung der Einleitung de» Zwangsvollstreckungsverfahrens an die Stadtsteuereinnahme hier zu entrichten. Freiberg, am 28. October 1896. Der Stadtrath. Bgm. Bekanntmachung. Das Schulgeld für da» Gymnasium, Realgymnasium «rd die Bürgerschulen auf daS 4. Vierteljahr 1896, für die einfachen Volksschulen, sMvie die Fortbildungsschule und die Frtsch'sche Arbeitsschule auf daS 3. Vierteljahr 1896 ist zur Vermeidung der Zwangsvollstreckung spätestens bis 30. Oktober dieses Jahres an die Gchulgelbereinnahme. Stadthaus, zu bezahlen. Freiberg, am 18. Oktober 1896. Der Stadtrath. Rüßler. Fehmei. Der dem Hospital Sct. Johannis hie^ gehörige, mnen Theil»« dasM^ben^e^ fläche in Freibergsdorf bildende, bisher von dem Baumeister C. Börner daselvst venu-«, gesähr 45 ar große Zimmerplatz wird pachtsrei und soll vom 1. Januar 1897 ab wieder verpachtet wer en. Pachtliebhaber werden aufgesordert, ihre Gebote spätestens am 80. dieses Monat» im Rathhause — Zimmer Nr. 6 — schriftlich oder mündlich abzugeben. Freiberg, am 14. Oktober 1896. T-rZEary. Deckreifig-Berkaus findet statt: DienStag, den 27. Oc^b^md^Freitag, den 30. October c. von früh 8 bi» 10 Uhr im Forsthause an der Chemnitzerstraße. Freiberg, den 22. October 1896. Der «tadtrary. KLOMM» Mllr. Bekanntmachung. Während deS Aufziehens der Balken und des Dachstuhles beim Neubau der^Bergmännsiche» Bank" wird aus sicherheitspolizeilichen Gründen die Reitbahngasse für den Fahr- UN» Futzverkehr für den 27. bis 29. Oktober dieses Jahres gesperrt. Den Anweisungen der während der Ausführung der angegebenen Arbeiten an den M - qängen der genannten Straße ausgestellten Schutzleute ist Folge zu leisten. Freiberg, am 21. Oktober 1896. Die Stadtpolizeibeyorve. Oesfeutliche Zustellung. Die Näherin Auguste Emilie verehel. Bieler geb. Scheinert zu Hamburg klagt gegen den Arbeiter Fran» Bieler, zuletzt m Hainichen wohnhaft, zetzt unbelmruten Ausen^ Halts, auf Trennung der Ehe vom Bande wegen böslicher Verkostung, event. auf Herstellung d« ehelichen Lebens und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor die zweite Civilkammer des Königlichen Landgerichts zu Freiberg auf den SO. Januar 1897 vormittags 9 «hr mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelafsenen Anwalt zu bestellen. , Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. » Freiberg, den 21. Oktober 1896. t Der Gerichtsschretber des Kgl. Landgerichts. 7 Sekr Huimiuvr. Wißmanns Kolomal-rogramm. Gouverneur Major von Wißmann hat Mittwoch Abend in einer Versammlung der Internationalen Gesellschaft für ver gleichende Rechtspflege und Volkswirthschaftslchrc einen Vortrag „über die wirthschaftlichen Verhältnisse Deutsch-Ostafrikas" ge halten. Seines Gesundheitszustandes wegen hielt er seinen Vor trag sitzend. In seiner einleitenden Betrachtung über die Art und Weise der Kolonisation ging der Vortragende auf eine im Kolonial- rath gethane Aeußerung von der „nervös hetzenden Kolonial politik" ein. „In der That," sagte v. Wißmann, „wir werden durch die Fülle der Vorschläge und Wünsche und Meinungen, die sich auf uns häufen, und in denen so vielfach einfach Un mögliches von uns verlangt wird, wirklich zu einer hetzenden, überhasteten Arbeit da draußen angetrieben. Ein mehr langsam aber sicher und stetig fortschreitendes Kolonisiren entspricht aber, wie uns ein Blick auf die Kolonisation anderer Länder auch zeigt, besser dem Begriffsvermögen der Bevölkerung, als jene ner vöse Ueberstürzung mit der zu arbeiten wir jetzt gezwungen werden. Leider hält das Kapital, das sich zur Verfügung stellt, nicht Schritt mit den Anforderungen, die an uns gestellt werden." Der Vortragende ging nunmehr auf die Frage der Besiedelung Deutsch-Ostafrikas ein. „Vor einiger Zeit habe ich eine Reise in Indien gemacht und bin dort zu der für mich sehr überraschenden Ueberzeugung, gekommen, daß Indien nicht nur nicht zu große Hoffnungen berechtigt, sondern daß es mir sogar minderwerthigcr vorgekommen ist, als unser Ostafrcka. Wo liegt nun das Hinder niß für uns, daß wir aus Ostafrika noch nicht das machen konnten, was die Engländer aus Indien gemacht haben? Zu nächst in der Bevölkerung, in ihrer geringen Zahl, ihrer geringen ^Intelligenz und in ihrer außerordentlichen Bedürfnißlosigkeit. !Daß sich die Zahl der Bevölkerung heben wird, dafür bietet schon der Umstand Gewähr, daß wir uns überhaupt der Kolonie an genommen haben. Die vielen Kriege werden aufhören. Der Sklavenraub hat so gut wie aufgehört, und der Kindermord, der nicht zum Wenigsten eine Ursache der geringen Bevölkerungszahl ist, wird mit allen Kräften eingedämmt. Zur Erzielung einer stärkeren Bevölkerung könnte man einmal der Idee der Be siedelung mit Indern und malayischen Kulis näher treten. Indien ist in einigen Theilen bekanntlich enorm bevölkert. Ich glaube nicht, daß sich gerade in Zeiten von Hungersnöthen die Engländer diesem Vorschlag sehr abgeneigt zeigen würden. Es müßten allerdings nicht handeltreibende, sondern ackerbautreibende Inder aus dem Süden sein, die bei uns äußerst günstige Be dingungen für ihr Fortkommen finden würden. Es ist auch von Besiedelung durch Chinesen gesprochen worden. Dem steht aber der Umstand entgegen, daß der so wie so schon sehr sparsame Chinese mit seinen Ersparnissen wieder in die Heimath zurück kehrt, also aus der Kolonie nur Gewinn zieht. Eine höhere In telligenz kann man der Bevölkerung durch Heranziehung zur Arbeit anerziehen. Der schlimmste Gegner der Arbeit des Negers bleibt aber doch die Bedürfnißlosigkeit. Der Neger sorgt nur für das Allernothwendigste zum Leben. Als Mittel, diese Mängel zu be seitigen, wäre nun eine, von mir zwar noch nicht direkt vor geschlagene, Kops- oder Haus- oder Feuerstellensteuer geeignet, also eine direkte Steuer. Eine indirekte versteht die Bevölkerung nicht. Sie giebt ihr nur Anlaß zur Beun ruhigung. Die vorgeschlagene Steuer würde gern bezahlt werden. Denn Neger, Araber und Inder wissen sehr Wohl, daß wir für sie sorgen und sie schützen, und sie erkennen die Nothwendigkeit einer Gegenleistung an, wie ja überhaupt fast jeder Wilde ein äußerst feines Gefühl für Gerechtigkeit und für Nehmen und Geben besitzt. Die Durchführung dieser Steuer würde allerdings zunächst alle Kräfte der Regierung in Anspruch nehmen und in Anbetracht der uns jetzt zur Verfügung stehenden Regierungsorgane nur langsam von Statten gehen. Die Re gierungsorgane würden durch diese Steuer gezwungen, dem Neger näher zu treten. Jetzt kommen sie höchstens bei der Schlichtung von Streitigkeiten u. s. w. mit ihm in Berührung. Im Allge meinen ist der Neger jetzt sich selbst überlassen. Die eingeborenen Autoritäten müßten bei Einführung der Steuer möglichst in An spruch genommen werden. Am höchsten wären die Inder, weniger die Araber, am geringsten die Steger zu besteuern. Es giebt nur ein Erziehungsmittel für den Neger Afrikas, und das ist die Arbeit. Den größten Theil der Bewohner Ostafrikas bilder die Bantuneger, ein Volk mit sehr leichtem, oberflächlichem Charakter. Wie der Bantu ein schlechter Mohammedaner war, ist er ein schlechter Christ, und er hört auf Christ zu sein, sobald er den Missionar verläßt. Ich habe einmal darauf hingewiesen, wie die katholischen Missionen in dieser Beziehung richtiger vor gehen, indem sie sagten: Isadora et ora und nicht Oro, st labora! Es ist auch in vielen evangelischen Missionen in den letzten Jahren durchaus in diesem Sinne gearbeitet worden, was ich dankbar anerkenne. Ein Biittel zur Erziehung des Negers zur Arbeit ist jene Kopf- oder Haussteuer, die entweder in Baargeld oder in Naturalien oder in Form von Arbeit eingezogen werden kann. Leistet der Neger sie in Naturalien, so müssen doch Käufer dafür vorhanden sein. Handel und Verkehr werden sich beleben. Wenn der Steger erst sieht, daß wichtige Kulturpflanzen gut be zahlt werden, wird er nicht mehr bloß Mais, Kartoffeln rc. an bauen, sondern auch solche Kulturpflanzen. Er wird dann z. B. Erdnüsse, die wir ihm zur Anpflanzung übergeben haben, nicht mehr aufessen, uni sich auf möglichst bequeme 'Weise der Arbeit zu entziehen. Kann der Steger dann auch sein Vieh Vortheilhaft verkaufen, wird er sich mit größerem Eifer der Viehzucht hin geben. Die Forni der Steuer in direkter Arbeit würde sehr vvr- theilhaft sein für die Ausgestaltung der afrikanischen Verkehrs wege, für Anlegung von Eisenbahnen. Auch die jetzt mit Schrecken genannte afrikanische Landarbeiterfragc würde sich da durch besser regeln. Dem Plantagenbesitzer würde dadurch eine sehr wichtige Erleichterung erwachsen. Jetzt laufen ihm die un- stäten Reger aus der Arbeit, sobald sie einige Ruppies beisammen haben, und der Plantagenbesitzer ist auf die theuren Kuli ange wiesen." Major von Wißmann kam sodann auf die Besiedelung deutscherseits durch Europäer und Heranziehung europäischer Ar beitskräfte zu sprechen. „Ich habe mich schon mehrfach gegen die Kolonisation mit kleinen Landwirthen, Bauern u. s. w. ausgesprochen, aber stets nur vorläufig. Nach meiner Ueberzeugung sind wir auch jetzt noch nicht so weit, daß wir einen solchen Versuch machen könnten. Ich behaupte, daß wir in Ostasrika noch nicht einen Fuß breit Boden haben, von dem wir sagen können, er liege absolut gesund. Wir haben noch keine sicheren Mittel gegen Malaria undDissen- terie, jene Hauptfeinde des Europäers. Wenn wir 50 Bauern hinausschicktcn, die zwei Monate zu ihrem Platz zu marschiren und sich Holz zu schlagen hätten, wären binnen Jahresfrist 25 davon todt. Und dann würde Herr Eugen Richter im Reichs tage wieder sagen: „Ja, nun weiß ich, warum wir Kolonien haben, nämlich uin die Leute bequemer begraben zu können!" Und nicht mit Unrecht! Wenn wir erst bessere Verkehrswege und Eisenbahnen haben werden, wenn auch sonst gute Vorbereit ungen für den Empfang der Kolonisten getroffen sein werden, dann steht die Frage schon ganz wesentlich anders. Selbstver ständlich ist es, daß die Forschungen über gute Vorbedingungen zur Kolonisation fortgesetzt werden müssen. Für den Europäer bleibt nur 1. der Plantagenbau, 2. der Handel, 3. die Viehzucht und 4. die Ausnützung der Bodenschätze. Mit der Hacke kann er nicht arbeiten. Der Plantagenbau ist leider nur aus kleinere Bezirke deS riesigen Gebietes angewiesen, zunächst nur auf Gebirgsgegenden und aus das große Delta des Rufidji. Das Land Usambara ist bekanntlich im Sturm genommen worden sür Plantagenzwecke. Wir haben nur noch wenig frei. In Usambara kann nunmehr die Kultur de» Tabaks als gescheitert, die des Kaffees aber als vorzüglich gchrngen betrachtet werden. Für Tabak scheint aber ^^Mnoch Platz zu sein. Der fchwarze Boden des Rufidji- Deltas soll dem von ^uva gleichkommen. Die hier angestellten Versuche haben freilich, was die Qualität betrifft, enttäuscht: Kenner aber versichern, daß der Tabak hier viel verspreche. . Ten Handel, und zwar den Kleinhandel haben jetzt die Inder m den Händen. Es wird sich dagegen nicht aufkommen lassen. Der Europäer kann mit ihnen nicht kunkurirren. Bon wirklichem Elfenbeinhandel kann nicht mehr die Rede sein, da der Elefanten bestand bei uns gar zu gering ist. Bei Ausnützung der Reichthümer des Bodens, die noch für den Europäer in Betracht kommt, kann man große Hoffnungen auf gute Kohlenlager in Ostafrcka setzen. Ob und wie weit sie abbaufähig sind, ist freilich noch nicht erwiesen. Gold ist eben falls gefunden worden. Ich selbst habe dort einmal Gold ge waschen, aber in so geringer Quantität, daß an Abbau nicht zu denken ist. Ein gar nicht zu unterschätzender Reichlhum sind die Wälder. Besonders werthvoll ist das Mangroveholr das einriae das den Termiten widersteht, und das daher sehr viel al» Bau-