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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 19.07.1896
- Erscheinungsdatum
- 1896-07-19
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189607198
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18960719
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18960719
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- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Bemerkung
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- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-07
- Tag 1896-07-19
-
Monat
1896-07
-
Jahr
1896
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 19.07.1896
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Freiberger Anzeiger und Tageblatt. Seite 3. — IS. Jutt 1893. 4 Freiberg, Dom . . St. Petri . St. Nicolai. 35 tt 45 50 80 50 11 05 48 22 20 50 22 87 13 88 60 SO 8V 20 63 46 95 11 20 50 34 56 20 90 82 77 53 14 66 35 20 10 4 5 8 6 3 7 6 4 2 10 1 4 1 7 5 8 3 5 11 2 12 S 10 3 18 7 8 9 7 12 2 6 6 9 7 18 18 14 5 6 6 - 10 12 20 eintreten, vermeide man daher jedes Ankleben van Zettel« «» Telegraphen- bez. Telephonstangen. — Die am 5. post. Trin. den 5. Juli d. I. für den Airchenba« zu Cunnersdorf b. Annaberg gesammelte Kokette hat m der Ephorie Freiberg einen Ertrag von 503 Mk. 05 Pfg. ergeben Dieser Betrag vertheilt sich aus die einzelnen Parochien folgender matzen : Fil. Oberschaar. . . Langenau..... LanghennerSdorf . « Lichtenberg .... Fil. WeigmannSdors . Mulda . . . . . Naundorf Neuhausen . . . . Niederbobritzsch. . . Niederschöna.... Oberbobritzsch ,. . . Oberneuschönberg . . Oberschöna . . . . Fil. Wegefarth . . Pfaffroda Fil. Hallbach. . . . Sayda...... Seiffen Tuttendorf . . . . Voigtsdorf . . . . Weißenborn . . . . Zethau Bräunsdorf (LandeS- anstalt) . . . . „ St. Jacobi . „ St. Johannis Berthelsdorf. . . . CämmerSwalde. . . ClauSnitz. . . . . Colmnitz . . . . ConradSdorf. . . . Deutschneudorf . . . Dörnthal. . . . Dorfchemnitz . . . . Erbisoorf Fil. St. Michaelis. . Großhartmannsdorf . Fil. Gränitz . . . . Großschirma. . . . Fil. Rotbenfurth . . Großwoltersdorf . . Helbigsdorf . . . . Hilbersdorf . . . . Kleinwaltersdorf . . Fil. Kleinschirma . . Krummenhennersdorf. Gewaltthaten der türkischen Soldateska die weitere Theilnahme an den Landtag-Verhandlungen eingestellt. Diese Bermuthung erhält eine gewisse Stütze durch eine Drahtmeldung anS Kanea, wonach alle Berichte der Konsuln und christlichen Notabeln auS den einzelnen Bezirken darin übereinstimmen, daß die Militär behörden absichtlich die Waffenruhe offenbar in der Erwartung gebrochen hätten, hierdurch die Verhandlungen in Kanea unmöglich zu machen. Die Anordnungen deS Gouverneurs Berowitsch seien überall durch die Weisungen deS MilitärgouverneurS unv seiner Unterbeamten durchkreuzt worden, weShalb die Mohammeoaner auch schon die baldige Abberufung Berowitsch PaschaS ankündi'gten. Andererseits sei di« Aufrechthaltung der Ruhe unmöglich, da die türkischen Soldaten keinen Sold erhielten und überall Plünder ungen vornähmen, wobei eS fortwährend zn Brandstiftungen und Mordthaten komme. Im Bezirk RethymnoS sei sogar daS be rühmte ArsanioSkloster von türkischen Soldaten geplündert und nur auf die telegraphische Beschwerde deS Bischofs bei den Konsuln seien die entwendeten Schätze theilweise zurückerstattet worden. In allen Städten, auch in Kanea zeigten die afrikan ischen Bengazi-Mohammedaner eine sehr drohende Haltung. Da die Kreter deren Entfernung von der Insel fordern, erklären sie, Alles in Brand stecken zn wollen, wenn die Pforte auf diese Forderung eingehe. Die mohammedanischen Abgeordneten hätten auch in aller Form beschlossen, im Landtage gegen jede Forderung der Kreter zu stimmen, welche die bisherigen Rechte der Mohammedaner beeinträchtigen würde. Da nach dem Landtags statut für solche Beschlüsse eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sei, so seien die Verhandlungen sehr gefährdet. Aus Allem geht hervor, daß die Hauptschuld an der bedrohlichen Entwicklung der Dinge ans den Milttärgouverneur Abdullah Pascha fällt, und eS ist nur'natürlich, daß die Konsuln in Kanea den Botschaftern in Konstantinopel empfohlen haben, auf Abdullahs Abberufung hin- zuwirken. Auf den gleichen Punkt dürfte auch eine ueuerliche Note der griechischen Regierung Hinweisen, die nach einer Athener Meldung an die Mächte abgesandt worden ist, nm deren Auf merksamkeit auf die neuesten Vorgänge auf Kreta zn lenken. Unterdessen dauern die Kämpfe bei KalyveS ununterbrochen fort. Am Donnerstag setzten die Türken ihre Angriffe fort, 'offenbar in der Absicht, in den Bezirk von Apokorona, die Schlüsselstellung der Christen, einzudrinaen. Sie wurden bis jetzt aber mit großen Verlusten zurückgeworsen. Aus der nächsten Umgebung deS NeguS von Abessinien, Menelik, werden jetzt allerdings mit Vorsicht aufzunehmende Mit- theilungen des abessinischen Offiziers, Betha AmonoS, veröffent licht, auS denen hervorgeht, daß die italienischen Gefangenen bei Verschönerung der Residenz deS NeguS, Addis-Ababa, die besten Dienste leisten. Neue Straßen mit Trottoir werden angelegt und führen die Namen von Amba-Aladschi, Amba Raio, Makalle u. s. w. Vor dem Palaste MenelikS hat ein italienischer Offizier eine Fontaine errichtet, deren Wasser anS den Mäulern zweier Löwen springen, die unter ihren Tatzen zwei große Schilde mit den Portraits Meneliks und seiner Gattin Taitu aufweisen; auch ein großer Garten soll angelegt werden. Die italienischen Sol daten arbeiten, wie eS heißt,^o fleißig und erweisen sich so ge schickt, daß die Gattin oeS MajorS für die Tüchtigsten eine be sondere Belohnung ausgesonnen hat. Ihre Ehrendamen stickt;» verschiedenfarbige Handarveiten, die dann als Ehrenpreis^ (!) ver theilt werden sollen. „Und man wird", heißt es in dem merk würdigen Berichte deS abessinischen Offiziers, „diese Arbeiten so beschleunigen, oaß sie vollendet sind, eh« die Gefangenen über Land zurückgeschickt werde«. Di« Schatten zu dieser allzu rosig gefärbten Idylle wird man sich unschwer ergänzen können. Die japanische Regierung ertheilt jetzt in Menge armen Eltern die Erlaubniß ihre Töchter zu verkaufen, damit die Familie Brod in das Haus bekomme. Die zur Zeit in Japan herrschende HungerSnoth ist so groß, daß die Regierung diesem Handel sogar Vorschub leistet. Die japanische Reisernte ist überall mißrathen. Spekulanten benutzen die Noth, um die Preise, so viel sie können, hinaukuschrauben. Diese Nothlage hat zum Massenverkauf von japanischen Mädchen geführt. Jedes Opfer für die Eltern zu bringen, um sie vor Entbehrung zu bewahren, ist in Japan etwas Selbstverständliches. Das Mädchen verkauft sich als zweite Frau an einen reichen Japaner. Ihr Minimal-Alter muß zwölf Jahre betragen. Der Kaufpreis ist jetzt nur 20 Mark. Unter gewöhn lichen Verhältnissen ist er 800 Mark. Der Kauflontrakt wird übrigens gerichtlich abgeschlossen. Dann trägt der Käufer alles Geld, welches er auf das Mädchen verwendet, in ein Buch ein, in welchem ihr auch genau ihre Pflichten mitgetheilt werden. Nach drei Jahren muß der Käufer daS Mädchen freilassen, falls das Geld, welches er für dasselbe verwendet hat, ihm zurückgezahlt ist. Nach sechs Jahren ist daS Mädchen überhaupt frei, ohne irgend welche Zurückzahlung. Die „New York Tribune" meldet, daß der Entwurf des Schiedsoertrages zwischen England und den VereinigtenStaaten Nordamerikas festgestellt sei und in einigen Tagen zur Vor lage gelangen werde. Der Vertrag enthalte Bestimmungen über die venezolanische Streitfrage. Die hauptsächlichsten Punkte desselben seien von beiden Mächten angenommen. Cuba. Die Aufständischen verursachten in der Nähe von Sagua die Entgleisung eines GüterzugeS, welcher vollstänoig zer trümmert wurde. Der Lokomotivführer wurde getödtet, zwei Heizer wurden verwundet. — Die Polizei entdeckte in Havanna ein Depot von Waffen, welche für die Aufständischen bestimmt waren. Zehn Personen wurden verhaftet. Oerttiches und Sächsisches. Freiberg, den 18. Juli. — Herr Superintendent Hässelbarth ist vom 18. d. M. ab beurlaubt und wird im Ephoralamt vom Herrn Pastor vr. Friedrich, im Dompfarramt von Herrn Domdiakonus Hanitzsch vertreten. — Zur Erleichterung des Besuchs der Sächsisches» Handwerks- und Gewerbeausstellung in Dresden be absichtigt die Staatsbahnverwaltuug am Donnerstag, den 30. dss. Mts., einen Sonderzug von Neuhausen, Olbernhau, Marienberg, Zöblitz, Pockau-Lengefeld, Grünhainichen, Flöha, Oederan und Freiberg nach Dresden verkehren zu lassen. Zu diesem Sonder- zuae sollen Fahrkarten mit viertägiger Giltigkeitsdauer zu außer ordentlich ermäßigten Fahrpreisen verausgabt werden. Weitere Mittheilung über die Fahrzeiten und sonstigen Bedingungen wird noch erfolgen. — An der Fahrt deS ersten Alpensonderzugs, welcher heute Mittag 2 Uhr 35 Minuten unseren Bahnhöf passirte, be- theiligten sich von Freiberg aus 35 Personen. — Es soll neuerdings, namentlich in Landorten, wiederholt beobachtet worden sein, daß die Lekearaphenstange« zum Ankleben von Zetteln benutzt worden sind. Zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten für die betreffenden Personen sei darauf hin gewiesen, daß dies unzulässig ist und event. mit Geldstrafe von 5—60 Mark geahndet werden kann. Damit nicht erst Strafen zuvor hatte Graf Sztaray auf einer benachbarten Besitzung gejagt. In der Frühe fand ihn ein Diener todt im Bette. Allgemein wisch angenommen, daß eS sich um einen Aararmord handle. Graf Stefan Sztaray hatte stets gegen die Anfeindungen der Bauern der Umgebung anzukämpfen. Er war in einen Besitz streit mit ihnen verwickelt, in dem er obsiegte. Die Bauern ver suchten schon vor zwei Jahren ein Attentat gegen ihn, indem sie durch daS Fenster eine Dynamitpatrone in die Wohnung warfen. Durch die dadurch entstandene Explosion wurden nur die Ein richtungsgegenstände beschädigt. Anderseits richtet sich der Ver dacht der Thäterschaft gegen einen entlassenen WcrthschaftSbeamten. Graf Sztaray war erst im Jahre 1893 nach dem Tode eines Onkels in den Besitz der Güter Sztara und Nagy-Mihaly gelangt. Die letzte italienische MinisterkrifiS ist noch immer nicht vollständig überwunden. Die sehnlichst erwartete Zustimmung von DiScontt-Benosta zu seiner Ernennung zum Minister deS Auswärtigen läßt länger auf sich warten als di Rudini angenehm ' Lin wird. Die angesagte Audienz VenostaS bei König Humbert hat nicht stattgesunden, dieser hat vielmehr auf einige Tage die Hauptstadt verlassen. ES erregt Befremden, daß König Humbert am Donnerstag nach Monza zu dem erst am Montag statt- /findenden Geburtstag der Königin abgereist ist, ohne vorher ViSconti-Venosta empfangen zu haben. Dieser hatte am Donners tag eine lange Unterredung mit di Rudini, eine zweite Unter- redung sollte gestern Freitag folgen. Die offiziösen Blätter behaupten, daß eine Einigung zwischen Rudini und Visconti sicher sei. Die italienischen Blätter beginnen angesichts dieser Umstände bereits mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Kandidatur MSconti-BenostaS nicht zu Stande kommen könnte, wenngleich sie ihrer Brsorgniß offenen Ausdruck zu geben noch vermeiden. So schreibt die Italia: Man begreift, daß ViSconti-Venosta nicht der Mann ist, der sich zum Eintritt inS Kabinett bereit erklärt, ohne sich vorher über da- Programm zu verständigen, welches man sowohl in der äußeren wie in der inneren Politik zu ver folgen gedenkt. Es liegt daher kein Grund zur Verwunoerung vor, wenn ViSconti-Venosta nicht gleich, nachdem er den Eisen bahnzug verlassen, sondern erst, nachdem er eine lange Unter redung mit dem Ministerpräsidenten Rudini gehabt hat, das Portefeuille annimmt. Man hat neuerdings mancherlei Zeichen dafür wahrnehmen wollen, daß in Frankreich die Russenbegeisterung Nachlasse und die Neberschätzung des Einvernehmens mit Rußland einer nüchternen Auffassung Platz mache. In der Tbat ist es offenbar, daß das sogenannte Bünoniß bisher Rußland mehr praktische Vortheile geboten hat als Frankreich, wenn auch für dieses schon die ein- mche Thatsache von erheblichem Werthe war, daß eS durch seinen Anschluß an Rußland auS seiner früheren Jsolirung herauSkam. ES können auch Zeiten kommen, in denen sich die trennenden Interessen zwischen beiden Ländern stärker geltend machen, zum Beispiel dann, wenn die Liquidation der Türkei in Fluß käme und Rußland bis inS Mittelmeer vordränge. Allein daS kann noch gute Weile haben, da die gegenwärtige russische Politik, wie man bn den armenischen und kretensischen Wirren beobachten konnte, im Gegensätze zu dem englischen Drängen nach emer Zerschlagung der Türkei vorläufig die Erhaltung deS Mstns quo betreibt. Der Senator und Akademiker Herzog v. Broglin, ehe mals unter Mac Mahon Minister deS Auswärtigen, hat kürzlich gegen die Uebertreibung deS Werthes des RussenbündnisseS seine Stimme erhoben, und der Radikale Clemenceau schrieb dieser Lage in seinem Blatte: „Wir haben unsern Freunoen mächtig geholfen, in Ostasien bedeutende Erfolge zu erlangen, und weil ne den Sultan in ihren Schutz genommen, haben wir wortlos 50000 Armenier niedermetzeln lassen. . . . Haben wir nicht das Recht, endlich die Rechnung der gegenseitigen Leistungen aufzu stellen und, um eine werthvolle Freundschaft ohne Enttäuschungen zu bewahren, sie so anzusehen, wie sie sich darstellt, uns vor einem Ueberschwang der Ergüsse hütend, dem schmerzliche Er nüchterung folgen könnte?" Der Herzog v. Broglm vertritt die Klasse der gebildetsten und reichsten Franzosen, die sonst in ihrem Friedensbedürfniß mit den chauvinistischen Lärmmachern des TageS nichts gemein hat. Umsomehr Beachtung verdient sein Urtheil. WaS aber stellt sich als Grund seiner kritischen Stellung zu dem Ruffenbündniß heraus? Nichts anderes, als daß es für die einzige Frage, die eS in Frankreich geben dürfe, nichts leiste, nämlich für die Rückeroberung von Elsaß-Lothringen. Der Hauptfehler der Verbindung mit Rußland sei, daß Rußland keine Miene mache, den Franzosen zur Erfüllung ihres Herzenswunsches zu verhelfen. In dasselbe Horn wie der Vertreter der konser vativen Interessen in Frankreich, stößt der Radikale Clemenceau; beide tadefn auch die überseeischen Unternehmungen, weil sie Frankreich von seiner Hauptaufgabe ablenken. Mariueininister Admiral Besnard theilte in der gestrigen Sitzung des MinisterratHS mit, daß wegen der Fortdauer der Unruhen auf Kreta der Kreuzer „Loinois" sich mit dem Kreuzer „Cosmao" in den kretensischen Gewässern vereinigen werde. — Der Ministerrach beschloß, den General Jamont ohne Rücksicht auf die Altersgrenze im aktiven Dienst zu belassen. JuleS Guichard, Senator des DepaÄements Donne, Präsident des Verwaltungsraths der Suez-Kanal-Gesellschaft, ist in der Nacht zum Freitag auf Chateau Forge, im Departement Seine et Marne, plötzlich gestorben. Nach einer von der türkischen Regierung veröffentlichten Statistik über die bei den vorjährigen Unruhen in Armenien ge- tödteten uiü> verwundeten Einwohner der einzelnen VilajetS haben in dem Bilajet Diarbekir die Unruhen di« meisten Opfer gefordert; 523 Mohammedaner wurden getödtet und 254 ver wundet, »nährend die Zahl der getödteten und verwundeten christlichen Armenier 1641 und 379 betrug. Wie auf dem Drahtwege auS London gemeldet wird, hat nach einer dort ein- aegangenen Mittheilung aus Konstantinopel in Elgin, das zum Vilajet Diarbekir gehört, eine neue Metzelei stattgefunden; 400 Personen wurden gÄödtet, die Stadt geplündert. Auch im Vilajet BitliS, wo im vergangenen Jahre 152 Muselmanen getödtet und 180 verwundet wurden, während an Armeniern 229 ihren Tod fanden und 117 Verwundungen davontrugen, ist es neuerdings zu ernsten Zusammenstößen zwischen der muselmännischen und christlichen Bevölkerung gekommen. Fast jedes Dorf im Kreise Bittis soll zerstört sein. Auch in Aintab im Bilajet Aleppo werden neue Metzeleien erwartet. Serbien. Der Zustand deS ernstlich erkrankten Ministers des Innern Manukowitsch ist unverändert, jedoch entbehren die Gerüchte, daß er demissionirt habe, der Begründung. Der Spannungsnachlaß auf Kreta ist, wie vorausznsehen war, nur Vorübergeheno gewesen, heute ist die Lage so gefahrvoll, wie vor der Gewährung oer bekannten Zugeständnisse der Pforte. Nach einer Meldung aus Athen sei die Wiederaufnahme der auf Verlangen der Christen auf kurze Zeit vertagten Nationalver sammlung unmöglich geworden. Den Grund dafür dürfte die ablehnende Haltung der mohammedanischen Abgeordneten bilden, wenn man nicht annehmen will, ein Theil oder die Gcsammthcit der christlichen Abgeordneten habe in Folge der fortdauernden — Das BranbunglüS in Frauenstein erweist sich leider als so bedeutend, wie man nach den ersten, durchaus nicht übertriebenen Nachrichten vermuthen durste. Wenn auch daS Feuer glücklicher Weise nicht die Dimensionen d«S letzten großen Brandes in jenem freundlichen Gebirgsstädtcheu ange nommen hat, so werden doch seine Folgen in vielfacher Hinsicht noch lange bemerkbar bleiben. Wie unser nach der Brandstätte entsandter Berichterstatter meldet, wäre der Schaden noch viel größer geworden, wenn die Windrichtung eine etwas mehr süd liche gewesen wäre. In diesem Falle mußten die zahlreichen mit Stroh gedeckten Scheunen nach dem Kuttelberge zu unbedingt ein Raub der Flammen werden. Die Brandstätte erstreckt sich in der Hauptsache auf den HLuserkomplex, der zwischen de» Böhmischen Gasse und einem im rechten Winkel von dieser Baffe nach links abzweigenden Gartenweg liegt. Auf der Böhmischen Gasse selbst find sowohl die Häuserreihe nach dem Mittelpunkt der Brandstätte zu, sowie die aeaenüberliegenoen, theilweise mit hohem Vorgarten versehenen Gebäude vollständig niedergebrannt. W»e die brandgeschwärzten traurigen Urberreste erkennen lassen, sind eS meist ganz alte mit viel Hol» und wenig Stein errichtete Bauten gewesen, die heute eine große rauchende Trümmerfiütte bilden. Das einzige große Gebäude darunter war die Fröbe,che Färberei. Im Ganzen sind 13 Häuser abgebrannt, wodurch 26 meist arm«, aber reich mit Kindern gesegnete Familien obdachlos wurden. DaS Feuer ist zwischen 12 bis 1 Uhr NachtS aus bis jetzt noch unaufgeklärte Weise im Hause deS Schuhmachers Loui- Wolf ausgekommen. Mit rasender Geschwindigkeit wuchs daS wüthende Element zu einem Flammenmeer an, da einmal da- in den letzten Tagen erst eingebrachte Heu, das fast überall auf dem Oberboden lagerte, einen reichlichen und guten Brennstoff bot, und weil anderseits die Wasserverhältnisse sehr ungünstige waren, Das Wasser mußte auS Brunnen heibeigeholt oder mittel- sehr langer Schlauchleitungen herangezogen werden; die Wasserfässer konnten nur geringe Dienste leisten, da sie i» Folge der Hitze zusammengedörrt waren. So kam eS, daß da- Feuer sich rasch nusbreiten konnte. Außer dem Vieh konnten die armen Leute nichts rette», manche haben alle ihre Habseligkeiten verloren. Viele der Frauen mußten sich durch Nähen ernährt haben, denn ast in jeden» Hause bemerkte man die Eisentheile verbräunter Nähmaschinen. Abgebrannt sind die Häuser deS Schuhmachers LouiS Walther, Fleischermeisters Oswald Wolf, Waldarbeiter» August Ferdinand Bellmann, Schuhmachermeisters Ernst Fröbel, Handarbeiters Gottlieb Hänel, Waldarbeiters Moritz Göhler, Waldarbeiters Ernst Ludwig Ullmann, die dem Lederhändler Wilhelm Scadock gehörige sogenannte „Martinschmiede", sowie die Häuser des Korbmachers Hermann Püschel, des Färbermeisters Bernhard Fröbe, des Postkutschers Ernst Hermann Walther, deS Postkutschers Ernst Flade und der Geschwister Kotte. Mit größter Mühe gelang es dem weiteren Umsichgreifen des Feuers enwegen zu treten und die schon brennende Scheune desHaus- undFeldbefitzers Herm. Heeger und die ebenfalls schon von den Flammen ergrissenen Häuser des Ferdinand Göhler und Andreas Lehmann zu retten. Auch die seit dem 1869er Brande neugebauten Häuser schwebten in größter Gefahr. In den nächstliegenden Häusern sind sämmt- liche Dach-, Stuben- und Kammerfenster vor Hitze gesprungen. Zur Hilfeleistung waren außer der Frauensteiner Feuerwehr die Feuerwehren von Reichenau, Nassau und Pretzschendorf, sowie die Spritze» von Kleinbobritzsch, Hennersdorf, HerniSdorf, Burkers dorf, Dittersbach und Hartmannsdorf herbeigeeilt. Die Feuer wehr Reichenau erschien zuerst auf dem Brandplatze, sodann die Spritze von Kleinbobritzsch. Die Brandkalamitoseu sind doppelt zu bemitleiden, da Viele, wie schon gesagt, nichts als das nackte Leben gerettet haben. Sie werden auch keinen Ersatz für die verbrannten Mobttien durch eine Feuerversicherungs-Gesellschaft finden, da wegen der Feuergefährlichkeit die Abgebrannten von keiner Versicherungs-Gesellschaft ausgenommen worden sind. Nur ein einziger der Abgebrannten, der Fleischermeister Wolf, hat versichert. Die Wittwe Weichelt ist erst erwacht, als daS von »hr bewohnte Haus des Schuhmacher Walther schon in vollem Brande stand. Sie hat durch herabstürzenoe Feuermassen schlimme Brandwunden an der Brust erhalten. Dem Korb macher Püschel, dem schon früher vielfaches Unglück heimgesucht hat, ist eine Geldsumme von 300 Mark, die er erst zu einem nothweudigen Renovationsbau geliehen hat, mit verbrannt. Der Fleischermeister Wolf hat auch 400 Mark baares Geld durch die Flammen verloren. Viele Vieser Leute sind durch den Brand bettelarm geworden, sodaß die Noth bei ihnen groß ist und Hilfe noth thut! — Ein alter verwittweter Handarbeiter wurde heute Mittag in seiner Stube auf der Nonnengasse todt aufgefunden. Der selbe ist schon seit mehreren Tagen nicht gesehen worden, sodaß man Verdacht schöpfte und die Wohnung behördlich öffnen ließ. — Das Färbe« der frischen Rosen. Die so aefuchten und beliebten gelben Theerosen werden sehr leicht au» Nisten Rosen in der Zeit von einer Stunde hergestellt. Zu 1 Liter warmen Wassers werden S bis 10 Gramm Pikrinsäure oderauch
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