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MM! MibergerAttzei^ und Taaeblatt nnd Tageblatt I «rschedttjckm Wochentag «bmd» »/.7 Uhr für dm /V0 I I anderm Tag. Prri, vierteljährlich 2 M. SbPsa. a/ zweimonatlich L Mk. 50 Pfg. u. einmonatlich 7bPfg. ferner sowie Fretderg, am 8, Juü18! Lsx. V. 166./S6. o. Freiberg, am 7. Juli 1896. 2a. 8./9S Nr. 12. Herr! Inhaber der Firma sind und der 14. ««-«ft 1«««, vormittags 11 «hr, al- Anmelvetermtn, der 1. September 1899, Vormittags 1« «hr, al» Berfteigerungstermin, Königliches Amtsgericht, Abth. I. Nr ILmmmr. Nicolai. Kaufmann Nriuio SlitmLiror daselbst and infolgedesse« deS Letzteren bisherige Procura erloschen ist. . ^ 1896. - Königliche» Amtsgericht. OestolS. Schmidt. AmtAM siir die kSmglichcn und Müschci Bchiirdm z« Kelberg M Brand Vera«ttvortliche Lettmtgt Geor- »«rkhardt. Inserat« werden bi» vormittag 11 lyr . angenommen. Preis für die Spaltzetle 13 Pfg. Außerhalb de» LanogerichtSbezirkS 15 Pfg. K.WVo Auf Folium 212 des Handelsregisters für die Stadt Freiberg, die Firma Earl Appelt in Freiberg betreffend, wurde heute verlautbart, daß nicht mehr Herr Kaufmann Earl Attguft Gotthold Appelt, welcher verstorben ist, sondern Herr Landwirth FosopI» von »rnSrIan-HVorlrnrs in Freiberg und Bekanntmachung. Das dem Hospitale Sct. Johannis gehörige vormals Neubert'sche Grundstück, Brand cataster Nr. 36 für Freibergsdorf, soll vom 1. October dieses Jahres ab im Ganze« ander weit verpachtet werden. Dasselbe besteht aus Wohngebäude, Stall- und Schuppengebände, Garten und Feld. Im Wohngebäude befinden sich drei zur gesonderten Vermiethung geeignete heizbare Stuben und vier Kammer, außerdem ist für jede der drei Miethparteien besonderer Bodenraum im Dachgeschoß vorhanden. Pachtliebhaber werden aufgefordert, ihre Gebote in dem auf Montag, den SO. Juli 1899, Vormittags 11 Uh* anberaumten Verpachtungstermine im Rathhause — Anmeldezimmer — abzugeben. Freiberg, am 4. Juli 1896. Der Stadtrat h. Nr. Wgr. O Revidirte Städteordnung^ 8 17. Zum Erwerbe des Bürgerrechts berechtigt sind alle Gemeindemitglieder, welch« 1 ., die Sächsische Staatsangehörigkeit besitzen; 2 ., daS fünfundzwanzigste Lebensjahr erfüllt haben; 3 ., öffentliche Armenunterstützung weder beziehen, noch im Laufe der letzten zwei Jahre bezogen haben 4 ., unbescholten sind; 5 ., eine direkte StaatSsteuer von mindestens SM. — Pf. entrichte» ; 6 ., auf die letzten zwei Jahre ihre StaatSsteuer und Gemeindeabgaben, Arme«- und Schulanlagen am Orte ihres bisherigen Aufenthalts vollständig berichtigt haben; 7 ., entweder » »., im Gemeindebezirk ansässig find, oder d., daselbst seit wenigstens zwei Jahren ihren wesentlichen Wohnort haben, oder o., in einer anderen Stadtgemeinde deS Königreichs Sachsen bis zur Aufgab« ihres bisherigen Wohnsitzes stimmberechtigte Bürger waren. Dagegen find zum Erwerbe des Bürgerrechts Verpflichtet, diejenige« zur Bürgerrechts- «rwetbMj berechtigten Gemeindemitglieder, welche männlichen Geschlechts sind, L., seit drei Jahren im Gemeindebezirke ihren wesentlichen Wohnsitz haben nnd 6., mindestens 9 Mark — Pf. un direkten Staatssteuern jährlich zu entrichte» haben. Bekanntmachung, die Erwerbung de» Bürgerrechts betreffend. Unter Hinweis auf die nachstehenden Bestimmungen in 8 17 der Revidirte« Städte« Ordnung unter O werden alle diejenigen Einwohner hiesiger Staot, welche in Gemäßheit dieser Vorschriften zur Erwerbung des Bürgerrechts berechtigt beziehentlich verpflichtet find, hierdurch aufgefordert, sich spätesten» bi» zum 31. J«N ds». Jahres in unserer Rathskanzlei — Zimmer Nr. 6 — zur Bürgerrolle anzumelden. Freiberg, am 7. Juli 1896. Der Stadtrath. Nr Sootc. Erörterung der Möglichkeit veranlaßt haben, künftig bei diesen offiziellen Gelegenheiten geschlossen im Saale zu bleiben und das Aufstehen beim Kaiserhoch zu unterlassen." —- Der Wunsch, mit einer solchen frechen dreisten Kundgebung im Großen — die Sozialdemokraten verfügen nunmehr über 48 „Sitzplätze" — den breiten Massen zu „imponiren", mag vorhanden sein. Ebenso lebhaft aber ist in den Kreisen der sozialistischen Führer der Wunsch, von den anderen Parteien als prinzipiell gleichberechtigt anerkannt zu werden; und darum wird man klug genug sein, die systematische Verletzung der nationalen Gefühle nicht auf den Höhepunkt zu treiben. Zum Fall Kotze ist abermals eine Flugschrift erschienen, dieses Mal unter dem Titel „Die anonymen Briefe der H ok- gesellsaft und ihre Opfer" bei Hermann Risel u. Co. in Hagen. Der ungenannte Verfasser ist sichtlich mit dem garten Prozeß und den Hofkreisen genau vertraut. Er macht Mit- theilungen, die bisher der Oeffentlichkeit unbekannt wäre«, beispielsweise, daß der Polizei angezeigt worden sei, sie werde im Boudoir der Gräfin Fritz Hohenau in einem besttmmten Schrän^ chen Briefe finden, die den Namen des Derfaffers dtt anonymen Schmähbriefe enthalten, und daß thatsSchsich lene Schreiben au der bezeichneten Stelle gefunden wurden, ferner, daß einzelne Briest mit der Einleitung „äkiguelnus äixit« den Fmanzmimster zu verdächtigen suchten, als habe er geheime Wtenstucke an de« der 11. September 1«««, Vormittags 11 Uhr, als Dermin -« Verkündung des BertheilungSplanS anberaumt worden. Die Realberechtigten werden aufgefordert, die auf dem Grundstücke lastenden Rückstände an wiederkehrenden Leistungen, sowie Kostenforderungen, spätestens im Aumeldetermine anzumelden. Eine Uebersicht der auf dem Grundstücke lastenden Ansprüche und ihres Rangverhältnisses kann nach dem Anmeldetermine in der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Amtsgerichts ein gesehen werden. Industrie kann daraus nur Anlaß nehmen, ihre Anstrengungen zu möglichst großer Vervollkommnung zu verdoppeln, denn eng lisches Lob ist nicht ungefährlich; anoerseits aber wird ihr aufs eindringlichste zur Wicht gemacht, allen demagogischen Arbeiter- Verhetzungen geschloffen und mit vereinten Kräften entgegen zu treten. Das englische Beispiel zeigt deutlich die Gefahren der sozialistischen Volksbeeinfluffung, selbst für die freisten, reichsten und wirthschaftlich fortgeschrittensten Nationen. Die sozialdemokratische Demonstration im Reichstage. Der Schluß des Reichstages ist, wie seinerzeit mitge- theilt worden ist, durch einen Mißklang getrübt worden, den wieder einmal das ostentative Sitzenbleiben eines sozialdemokratischen Abge ordneten während des Hochs auf den Kaiser hervorgerufen hat. Der Parlamentsbericht hatte den Vorfall mit folgenden kurzen, in eine Paranthese zusammengedrängten Worten notirt: „Die Anwesenden erheben sich von den Plätzen und stimmen dreimal lebhaft in den Ruf ein. Bon den Sozialdemokraten ist nur der Abg. Schmidt-Frankfurt im Saal und sitzen geblieben; großer Tumult, unwillige Rufe: Raus!" Es mußte schon auffallen, daß die amtliche „Berliner Korrespondenz" in ihrem üblichen Sitzungsberichte von dieser skandalösen Demonstration des sozial demokratischen Abgeordneten nichs erwähnte, aber, noch weit be fremdender ist der Umstand, daß der soeben zur Ausgabe ge langte amtliche stenographische Bericht, in welchem sonst jede Beifalls- oder Mißfallenskundgebung dar Volksvertreter gewissen haft verzeichnet wird, mit keiner Silbe von dem Zwischenfalle Notiz nimmt. Er enthält lediglich die Bemerkung: „Der Reichs tag hat sich erhoben und stimmt begeistert in oen dreimaligen Hochruf ein". Als sich der Abg. Liebknecht am 6. Dezember 1894 dieselbe Dreistigkeit zu Schulden kommen ließ, hatte der Bericht den Vorfall wenigstens durch folgende Zwischenbemer kungen angedeutet: „Große Bewegung und Unruhe — andauernde Unruhe. — Glocke", und später folgten die Tadelsworte des Präsi denten von Levetzow. Der gegenwärtige Präsident des Reichs tages, von Buol, hat aber kein Wort der Rüge geäußert. Die „Staatsbürgerzeitung" tadelt mit Recht dieses schlaffe Verhalten des gegenwärtigen Präsidenten und stellt die Frage, wer die Streichungen an dem stenographischen Berichte vorgenommen habe; denn es sei nicht anzunehmen, daß die amtlichen Steno graphen die Unruhe und die Zwischenrufe, welche das unwür dige Betragen des Abgeordnetn Schmidt hervorgerufen habe, nicht verzeichnet hätten. Uebrigens sind auch innerhalb der sozial demokratischen Fraktion verschiedene Urtheile laut geworden; einerseits sucht man nach Entschuldigungen, andererseits gefällt man sich in Androhungen weiterer Demonstrationen. Dem „Hau- noverschen Courir" wird darüber geschrieben: „Im Allgemeinen wird der Zwischenfall in der sozialdemokratischen Partei bedauert, schon weil man gern mit den übrigen Parteien im äußerlich guten Verhältniß zu stehen wünscht. Nach den Angaben dieser Kreise war der Vertreter von Frankfurt a. M. an dem bezeichneten Zwischenfalle „unschuldig". Schmidt ist auf dem einen Beine lahm, was- auch äußerlich sehr merkbar zum Ausdruck kommt. Er sei mit den Parteigenossen bei den Schlußworten wie üblich hinausgegangen, dann aber mit ihnen wieder in den Saal ge treten, um den vor dem Sitz befindlichen Klapptisch aufzuräumen; Plötzlich sei dann das Kaiserhoch gekommen, und der lahme Mann habe nicht mit den Genossen rechtzeitig zum Saale hinausgelangen rönnen. Soweit die „Entschuldigung", die hier rein referirend mitgetheilt wird, ohne daß man sie auf ihren Werth untersuchen wollte, in welchem Falle sie die Probe vielleicht auch nicht be stehen würde. Das „Pfni" und „Hinaus" der übrigen Parteien gegen den Abg. Schmidt soll andererseits sehr verdrossen und zur Stadtverordnete«^«»» de« 1». Juli 139«, Abends 9 Uhr. 1. Entlassungsgesuch deS Herrn Bürgermeisters vr. Beck und Zuwahl zu einer die Neuwahl vorbereitenden gemischten Deputation. 2. Wahl eines Mitgliedes in den Abschätzungsausschuß an Stelle des an der Annahme der Wahl behinderten Herrn Sekretär Frege. 3. Bericht der Rechnungsdeputation über 9 verschiedene Rechnungen. 4. Raths^chluß, Ankauf des Lohse'schen Grundstücks am rothen Weg um den Preis von 5. Desgleichen, Ankauf der Göhler'schen, Weißgerber'schen und Brann'schen Grundstücke an der Buchstraße betr. 8. Desgleichen, anderweite Herstellung der Klosterstraße und Verwilligung von 1600 Mk. hierzu betr. k. Desgleichen, Beschlußfassung über vorläufige Verlängerung der HundStagSferien an der Knaben- und Mädchenbürgerschule betr. Freiberg, am 9. Juli 1896. Zwangsversteigerung. DaS im Grundbuch« auf den Name« des Tapezierers Friedrich OSWald Max Schmieder allhier eingetragene HauSgrundstück unter Nr. 583 des Brandkatasters, Abth. Nr. 644 und 1865 des Flurbuchs und Folium 414 des Grundbuchs für die Stadt Freiberg, geschätzt auf 14150 M. — Pfg-, soll im hiesigen Königlichen Amtsgerichte zwangsweise versteigert werden mrd «S ist 49. Jahrgang. r Freitag, dea10. Juli. , Politische Umschau. Freiberg, den 9. Juli. Industrieller Aufschwung. Die Segnungen des nationalen Wirthschaftssystems, dessen wir uns in Deutschland erfreuen, treten immer deutlicher hervor. Di« deutsche Industrie hat "Er den Einwirkungen desselben die schwere wirthschaftliche Knsis der letzten fünf Jahre verhältnißmäßig gut überstanden, gleichzeitig aber eine solche innere Vervollkommnung erfahren, daß sie fast jedem Wettbewerb nicht nur auf den heimischen Märkten, sondern auch auf dem Weltmarkt ebenbürtig gegenüber steht. Das lange Zeit so hochmüthig unterschätzte Deutschland wird plötzlich als ein höchst unbequemer Nebenbuhler gefürchtet. Man muß nicht nur mit der deutschen Konkurrenz als einer gegeben Thatsache überall rechnen, sondern man muß vielfach auch ihre Ueberlegenheit anerkennen und sich in den einsichtigeren Ländern sogar entschließen, die deutsche Produktion an ihren Urquellen, in den deutschen Betriebsstätten selbst aufzusuchen, um die Betriebsart und die Bedingungen der Güter-Erzeugung kennen zu lernen und daraus Lehren zu ziehen. Die von den englischen Schiffsbau-Ingenieuren vor Kurzem unternommene Reise nach Hamburg, Berlin, Stettin und anderm Jndustrieorten diente diesem Zweck, und ein soeben von ihnen erstatteter Bericht bezeugt, daß ihre Wahrnehmungen über den industriellen Auf schwung Deutschlands bei Vielen Bewunderung, im Allgemeinen aber das Gefühl der Beklemmung erregt haben. Von der deutschen Industrie, insonderheit von dem Schiffsbau wird u. A. gesagt, daß die maschinelle Ausrüstung voll auf der Höhe der Zeit stehe, die sämmtlichen Arbeitsbetriebe unter den günstigsten Bedingungen, was Sicherheit und Komfort anlange, sich vollzögen und das Arbeitspersonal durch Geschicklichkeit, Fleiß, Beharrlichkeit, Nüchtern heit und in Fleisch und Blut übergegangene Disziplin ausgezeichnet sti. Die Frage, ob England im Stande sei, seinen bisherigen Rang in der Industrie und selbst im Schiffsbau behaupten zu können, wird nicht unbedingt bejaht. Technisch und geschäftlich sei England noch immer das erste Land; aber — die englischen Arbeiter! Diese „von demagogischen Agitatoren im Sinne sozial demokratischer Wahnideen bearbeitet, leben in den Tag hinein, lernachlässigen ihre technische Vervollkommnung, verachten Autorität und Disziplin und machen jede geschäftliche Berechnung für längere Zeit im Voraus unmöglich." Es ist sehr schmeichel haft für Deutschland, aber zugleich sehr lehrreich, was hier von ausländischen Fachmännern ausgesprochen wird. Die deutsche —