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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 17.06.1896
- Erscheinungsdatum
- 1896-06-17
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189606178
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18960617
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18960617
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-06
- Tag 1896-06-17
-
Monat
1896-06
-
Jahr
1896
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 17.06.1896
- Autor
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188. Aretberger Anzeiger und Tageblatt. Sette S. — 17. Arml. « 188» OEches und Sächsisches. Freiberg, de» 16. Juni. — Se. Majestät der König ist gestern Vormittag 9 Uhr 30 Min. in Begleitung der Frau Oberhofmeisterin v. Pflugk, des Generallieuteuants v. Minckwitz, des Hofmarschalls v. Carlo witz, des Flügeladjutanten Majors v. Ehrenthal und des Hof kaplans Halm mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Sibyllenort abgereist. Der Monarch traf unter Benutzung eines Sonderzuges von Dresden-Neustadt aus Nachmittags 4 Uhr 15 Minuten auf Haltestelle Strehlen ein und nahm in der dortigen Königl. Villa bis zu der am 22. Juni erfolgenden Verlegung des Hoflagers nach Pillnitz Aufenthalt. — Angesichts des unserer Bergstadt bevorstehenden Gustav- Adolf-Festes möge darauf hingewiesen sein, mit welcher Freudig keit die alljährlichen Feiern in den betreffenden Festorten be grüßt zu werden Pflegen. In dem kleinen Bernstadt in der Lausitz, welches nur 1228 Einwohner hat, und in welcher die Hauptversammlung vom 8. bis 10. Juli vorigen Jahres stattfand, war der Schmuck der Straßen, die Theilnahme von Nah und Fern geradezu großartig, wie alle Festtheilnehmer einstimmig be zeugen. Namentlich bethätigten sich alle Kreise mit außerordent licher Opferfreudigkeit an dem Liebeswerke, wie aus dem nach folgenden Verzeichniß der Festgaben hervorgeht, die aus derFest- stadt im Hauptgottesdienst dargebracht wurden. Vom Zweig verein in Bernstadt: 1 Tauftisch mit Becken und Kanne, für die Gemeinde Jauernik in Schlesien. 1 Kruzifix aus Holz, für die Gemeinde Sacken in Schlesien. 2 Altarleuchter, für die Ge meinde Freudenthal in Oesterreichisch-Schlesien. 1 Kranken- kommunion-Etui, für die Gemeinoe Buk in Posen. 1 dgl. für die Gemeinde Niederkosel in Schlesien. 1 Hostienteller, für die Gemeinde Neustadt in Baden. Vom Stadtrath zu Bernstadt: 1 Kruzifix und 2 Altarleuchter, für die Gemeinde Oberdubenky in Mähren. Von der Hausgemeinde des Diakonats in Bernstadt: 1 Kruzifix, 1 Lesepult und 1 Altarbibel an die Predigtstation Lenzkirch bei Neustadt in Baden. Vom Frauenverein in Bern stadt: 1 Taufschüssel, 1 Taufkanne an die Gemeinde Zahradka ir Mähren. 1 Hostiendose, an die Gemeinde Grottau in Böhmen. 1 Hostienteller, an eine Gemeinde in Westpreußen. Vom evangelischen Männerverein in Bernstadt: 1 Kelch, an die Ge meinde Neustadt in Baden. 1 Krankenkommunion-Etui, an die Gemeinde Petersgrätz in Schlesien. Vom Jünglingsverein in Bernstadt: 1 Altarbibel, an die Gemeinde Ratschin in Posen. Vom Kirchenvorstand in Bernstadt: 1 Kelch, 1 Löffel, an die Gemeinde Neustadt in Baden. 1 Weinkanne, an die Gemeinde Niederkosel in Schlesien. Die Festkollekte in der Kirche zu Bern stadt, welche für die schwerheimgesuchte Gemeinde Laibach in Süd-Oesterreich bestimmt wurde, betrug 620 Mk. Bei der Jahresfeier in Dresden im Jahre 1894, wo Hofprediger vr. Frommel aus Berlin predigte, erreichte die Kollekte in der Frauen kirche die Höhe von 2485 Mk. 54 Pfg. — Die Kollekte, welche beim Festgottesdienst in unserm Dom am 1. Juli gesammelt werden soll, ist auf Beschluß des Freiberger Zweigvereins der Gustav-Ädolf-Stiftung nach Vorschlag des Dresdner Hauptvereins für eine alte Bergstadt Ungarns nämlich für die evangelisch- lutherische Diasporagemeinde Wagendrüssel im Zipser Komitat bestimmt. Diese Stadt, die von deutschen Einwanderern aus Thüringen vor 700 Jahren gegründet wurde, hat 1163 Seelen, welche sich zur Augsburgischen Konfession bekennen. Sie wurde am 7. Juni 1895 durch eine furchtbare Feuersbrunst heimgesucht, bei welcher nur 68 Häuser stehen blieben, während 323 Wohn häuser sammt Kirche, Pfarre und Schule niederbrannten, und 328 evangelische Familien an den Bettelstab kamen. Möge die Kollekte unserer altehrwürdigen Bergstadt Freiberg dieser alten 700jährigen Bergstadt Ungarns mit ihrer unglücklichen, urdeutschen und urevangelischen Bevölkerung eine reichliche Hiffe in^chwerster mehr al» einer pLtonische Wünsche formulirenden Resolutton zu bringen. Die entschiedenen Freihändler wollen von der ganzen Gache nichts wissen und erklären sie für ein Hirngespinst. DaS Bowstreet-Polizeigericht verwies die Angeklagten Jameson, Willoughby, Coventry, Grex und die beiden White vor die Ge schworenen. vr. Jameson und die übrigen Angeklagten sind gegen Sicherheitsstellung von je 2000 Pfund (40000 Mk.) und gegen weitere 1000 Pfund (20000 Mk.) persönliche Bürgschaft in Freiheit gesetzt worden. Allgemeines Interesse erregt in SvtMieit der Streit, der seit einigen Tagen zwischen der catalonischen Kaufmannschaft und der Postverwaltung ausgebrochen ist. Letztere hatte nämlich Ver bote», daß die Gespräche durch daS offizielle Telephon in katalanischer Sprache geführt würden, uno befohlen, daß man sich deS Spanischen bediene. Darüber allgemeine Entrüstung bei den Cataloniern. Diese richteten sofort ein längeres Beschwerde telegramm in deutscher (?) Sprache an die Königin und schickten eine Kommission nach Madrid um sich bei dem Minister des Innern zu beklagen. Man will in catalonischer Sprache mit dem Mimster verhandeln: aber dieser Herr versteht die Sprache nicht und verharrt darauf, daß die Verhandlungen in spanischer Sprache geführt werden. Deshalb wieder Berathung der catalonischen Kommission und Depeschenwechsel mit Barcelona in französischer, deutscher, italienischer u. s. w. Sprache, nur nicht spamsch! Ueber 200 Depeschen wurden am 1. Juni in dieser lächerlichen Streitsache zwischen Madrid und Barcelona gewechselt. Man weiß nicht, wie der Streit verlaufen wird; die Catalonier sind störrische Gesellen und wollen von spanischem Wesen und spanischer Sprache absolut nicht» wissen. Auf Kreta ist eine theilweise Einstellung der Feindseligkeiten erfolgt. Die Türkei hat dem Druck der Großmächte insoweit nachgegeben, daß sie die Truppen auS den Städten zurückgezogen hat, damit wenigstens die Küstenbewohner vor weiteren Metzeleien und Plünderungen befreit bleiben. In der am Mittwoch ver öffentlichten Proklamation des SultanS wird verkündet, daß Jedermann zu feinem Besitzthum frei zurückkehren könne, Plünderungen würden in Zukunft nach der Strenge des Gesetzes bestraft werden. ES wurde zugleich mitgetheilt, daß die Pforte den Zusammentritt der Nationalversammlung nunmehr gestatten wolle. Zugleich wird gemeldet: Konstantinopel, 15. Juni. Izzet Bey versicherte den Botschaftern in der FreitagSaudienz, eS seien wiederholt die gemessensten Befehle nach Kreta gesandt worden, Blutvergießen zu vermeiden, Gewaltthaten, ob von Christen oder Mohammedanern verübt, zu bestrafen. Die Botschafter erwiderten, die türkischen Interessen verlangten die schleunigste Beruhigung der Insel, da die kretensische Bewegung bereits ungünstig auf die makedonische Bevölkerung rückgewirkt habe. Die Räuberbande, welche eine Französin und die Nichte des französischen Dragomans gefangen hält, hat nach langen Unter handlungen das Lösegeld auf 10000 Pfund (200000 Mark) ermäßigt und den Termin für die Zahlung bis Dienstag ver längert. Die Pforte versprach, das Lösegeld bis gestern aufzu bringen. Noth bringen, und in der Kollekte ein fröhliche? „Glück auf!" von hier auS an sie erschallen! — Eine große Reisebequemlichkeit wirb vom 20. Juni ab in den Tagesschnellzügen zwischen Leipzig und Breslau—Mys- lowitz über Dresden geboten und zwar in Gestalt von Küchen wagen mit Büffetbetrieb. In den mit Seitengang versehenen Personenwagen aller drei Klassen erfolgt die Bedienung der Reisenden durch einen mit elektrischer Klingelvorrichtuna herbei zu rufenden Kellner. Eine reichhaltige Speisen- und Getränke karte wird auSgelegt. Die Wagen enthalten transportable Klapp tischchen und an den inneren Seiten Tischklappen, an denen die Mahlzeit (Frühstück, Mittagessen rc.) eingenommen werden kann. Der Fahrplan der Schnellzuge, welche die bei Reisen auf langen Strecken gewiß zu begrüßende neue Einrichtung erhalten, ist be kanntlich folgender: ab Leipzig, Dresdner Bahnhof 8 Uhr 26 Min. Vormittags, ab Dresden-Neustadt 10 Uhr 29 Min. Vormittags, in Breslau 8 Uhr 51 Min. und in Myslowitz 8 Uhr 49 Mm. Abends und in entgegengesetzter Richtung ab Myslowitz 5 Uhr 25 Min. früh, ab Breslau 10 Uhr 15 Min. Vormittags, in Dresden-Neustadt 3 Uhr 57 Min. und in Leipzig 6 Uhr 12 Min. Nachmittags. — Der Sächsische L-Nvesverba«d für Verbreitung Von Volksbildung wird seine diesjährige Hauptversammlung in Plauen i. V. am 28. Juni abhalten. Auf der Tagesordnung steht neben den durch die Satzungen vorgeschriebenen Berichten und Wahlen Vortrag deS Herrn Prof. vr. Ratzel aus Leipzig über Wissenschaft und Volksbildung. Der Sächsische Landesver band für Volksbildung zählt gegenwärtig 203 körperschaftliche und 253 persönliche (fördernde) Mitglieder. — Der Frauen-Berein wird demnächst wieder die übliche Dienstbotenprämiirung vornehmen. Näheres darüber ist aus der Bekanntmachung im heutigen Jnseratentheil zu ersehen. — Reiterschietzen der Schützengilde. Bei hem gestrigen Schützenauszug hielt am Eingänge zum Schützenplatz der Haupt- könig Herr Restaurateur Karl Kunze eine Ansprache, in der er des Königshauses, der königlichen und städtischen Behörden, der Stadt Freiberg und der Schützengilde gedachte. Sodann nahm das Schießen nach den Scheiben seinen Anfang. An der Fest tafel, welche ^2 Uhr im festlich geschmückten Saale deS Schützen hauses begann, betheiligten sich etwa 90 Personen. Das Hoch auf Se. Majestät den König brachte Herr Hauptscheibenkönig Kunze in trefflichen Worten aus, indem er der Verdienste unseres erlauchten Herrschers als Feldherr in der großen Zeit vor 25 Jahren im besonderen gedachte. Weiter feierte Redner den Landesfürsten als Friedensfürst, als Förderer von Handel und Gewerbe, als Beschützer der Kunst und Wissenschaft. An das Königshoch, das begeistert ausgenommen wurde, schloß sich der Gesang der Sachsenhymne. Als zweiter Redner begrüßte der Vorstand der Smützengilde, Herr Hofschneidermeister Opitz, die Vertreter der städtischen Behörden. Er wies dabei auf daS gute Einvernehmen hin, daS jederzeit zwischen den königlichen und städtischen Behörden und der Schützengilde bestanden habe. Redner schloß mit einem Hoch auf die Stadt Freiberg. Unmittelbar da rauf erhob sich Herr Bürgermeister vr. Beck zu einer mit stürmischem Beifall begrüßten Rede. Der Herr Bürgermeister dankte zunächst für den ihm und Herrn Stadtrath Steyer als Vertreter des Rathes der Stadt Freiberg gebotenen freundlichen Willkomm. Rednerhob hervor, daß es ihm zur ganz besonderen Freude gereiche, an dem heutigen Feste theilnehmen zu können, nachdem der Rath längere Zeit an dieser Stelle nicht vertreten gewesen sei. In knappen, charakterisirenden Worten hob der Redner weiter die Bedeutung der Schützenfeste in ihrer ausgleichenden Eigenschaft der Gegen sätze als Volksfeste hervor und schilderte die Aufgaben und Zwecke der Schützengilde früherer Zeiten im Gegensatz zur Gegen wart. Wenn in vergangenen Jahrhunderten Vie Schützen mit berufen waren, gegen äußere Feinde zu kämpfen, so sollen sie heute ein Hanptbcstreben darin erblicken, treue Kämpfer zu sein gegen gefährliche innere Feinde, die an Thron und Altar rütteln. Sein Hoch galt dem Blühen und Gedeihen der Schützengilde. Eine lange Reihe theils ernsten, theils mit trefflichem Humor ge würzter Trinksprüche folgte dieser mit langanhaltendem Bei- all aufgenommenen Rede. Zunächst erhob Herr Kaufmann Jahn sein Glas auf das Wohl der Gäste. Herr Handschuhmacher Bernhardt trank auf die Gastfreundschaft der Schützengilde, Herr Obermeister Fuchs auf die vier Schützenkönige. Weiter brachte Herr Literat Richter ein Gedicht zum Vortrag, das in drastischer Weise die Leiden und Freuden eines Reiterfestes schildert. Das Gedicht erfüllte seinen Zweck, Heiterkeit zu erregen, im weitesten Umfange. Nicht minder gelungen war ein Gedicht, welches Herr Stadtrath Steyer zu Gehör brachte und das sich in äußerst launiger Art mit den verschiedenfachen Angelegenheiten der Schützengilde in der Form der Frage: „Wieviel Dinge wohl geschehen?" beschäftigte. Herr Bezirksvorsteher Stohwasser, der Vertreter der hiesigen Militärvereine, brachte ein Hoch auf Herrn Bürgermeister vr. Beck in dessen Eigenschaft als Vertreter der Behörden und Gardeoffizier der preußischen Armee aus. Herr Stadtverordnetenvizevorsteher Braun widmete sein Glas den Vor händen der Schützengilde zu Freiberg, während Herr Ingenieur Fuchs des Gesammtausschusses der Schützengilde gedachte. Die Reihe der Redner schlossen die Herren Schornsteinfegermeister Hiller-Friedeburg und Herr Bauunternehmer Zemmrich. Nach 4 Uhr wurde die Tafel, in deren Verlauf auch mehrere Tafel lieder die Gemüther erheiterten, beendet. — Vorsicht am Telephon-Apparat bet Gewitter. Trotzdem bekannt ist, daß bei einem Gewitter die Telcphonbeamten die Leitung abstellen, werden doch häufig unnütze Versuche ge macht, Anschluß behufs Führung eines Gesprächs zu erlangen. Es sind schon verschiedentlich Fälle vorgekommen, daß Personen, welche sich bei elektrischen Entladungen am Apparat zu schaffen machten, die Wirkung eines Gewitters in nicht gerade angenehmer Weise an ihrem Körper erfahren mußten. — Die geringe Anzahl der Schwalben ist auch in diesem Jahre recht auffällig. Es müssen jedenfalls bei dem Zuge übers Meer enorme Mengen der Vögel umgekommen sein. Be reits im Vorjahre machte sich die Abnahme der Zahl der schnellen Vögel bemerkbar und es stellte sich später heraus, daß eine Menge von Schwalben auf ihrem Zuge nach der deutschen Hei- math umgekommen waren. Derselbe Fall scheint nun auch in diesem Jahre und leider noch mit viel größeren Verlusten einge treten zu sein, was im Interesse unserer Gärtner und Land- wirthe sehr bedauerlich ist. Denn gerade die Schwalben sind es, welche niit die besten Jnsektenvertilger abgeben. — Blitzschlag. Bei dem Gewitter am Sonnabend schlug der Blitz in den Essenkopf des Bäckermeister Straußschen Hauses auf der Frauensteinerstraße und demolirte den Essenkopf theilweise. — Frische Gemiise. In den frischen Gemüsen sind be sonders werthvoll die mineralischen Nährsalze, dieses wichtige Baumaterial für Blut- und Gewebsbildung. Sonst enthalten die grünen, pflanzlichen Nahrungsmittel fast keine nenuenswerthe Nährstoffe, sondern hauptsächlich Wasser, nämlich 80 bis 90 Proz. »Die nähMzreichen GemW dürfen nun nicht dadurch minder- werthig gemacht werden, daß man sie mit vielem Kochwasser auK» laugt und die löslichen Salze über den Spülstein schüttet. Zu nächst sollen alle Gemüse sauber geputzt und gereinigt werde», was zweckmäßig durch Abspülen und Abwaschen mit Wasser oder Abreiben mit sauberen Tüchern geschieht. Der Oberfläche dieser Nahrungsmittel haften nämlich alle möglichen Kleinlebewesen (Bakterien, Bazillen) an, die geradezu als gesundheitsschädlich z« erachten sind. Diese werden zwar mit zweifelloser Sicherheit nachher durch daS Kochen getöbtet, aber für diejenigen Pflanzen theile, die wir roh genießen, wie Salate, Radieschen mw Remge, ist die vorherige Entfernung der an der Oberfläche hastenden Mikroorganismen dringend geboten. Auch ist es kineSwegs appetitlich, die schon durch die vielen Hände von Bauern, Händlern und Käufern gegangenen Pflanzen ungereinigt zu essen, zumal man nicht weiß, ob nicht Mancher von diesen Leuten mit Haut krankheiten behaftet war. Wirklich nährende Stoffe enthaften die grünen Gemüse und Kräuter nur sehr wenige, z. B. Eiweis nur gegen ein Prozent. Daher Pflegen wir mit Recht zu den Ge müsen das nahrhafte Fleisch zu genießen und sie mit Fett zu kochen. An manchen Wurzelgewächsen sind noch besonders schätzens- werth die würzigen Substanzen, weshalb auch die Japaner zu ihrem ganz ungesalzenen uno ungewürzten Reis stets Rettige essen. Somit enthalten die frischen pflanzlichen Nahrungsmittel nament lich auf das Blut sehr günstig einwirkende Stoffe, wodurch sie zur Vorbeugung und Beseitigung von manchen Erkrankungen, besonders skorbutischen, die in einer schlechten Blutmischung und in „scharfen Säften" ihren Grund haben, sehr geeignet find. Viele Personen, auch „Gebildete", unterwerfen sich alljährlich i« Sommer einer sogenannten BlutreinigungSkur mit Pillen, Lat wergen und sonstigem Humbug, erschreckt durch die gruseligen Schilderungen von Rankheiten, welche die Kurpfuscher und medizinischen Charlatane für diese Unterlassungssünde prophezeihen. Weg mit diesem Unsinn! Was der gütige Schöpfer in Feld und Garten uns darbietet, daS genieße der Mensch mit Dank und Freuden, das bilde, zubereitet nach den Gesetzen der wahren hygieinischen Wissenschaft, seine naturgemäße Reinigungskur? — Ueber einen selbstthätigen Schutzzähler für Feuer Waffen aller Systeme, der nur bei Abgabe von scharfen Schüssen funktionirt und die abgefeuerten, 100 zu 100 genau feststellt, be richtet der „Waidmann". Der Apparat, der m Fachkreisen Er staunen hervorruft, da er unabhängig vom System der Waffe sich in jedem Jagdgewehr, sowie in jeder Kugelbüchse anbringen läßt, befindet sich eingeschloffen in einem metallenem, 7 om langen, 4 om breiten und 1 ew starken Kästchen und wird nach Abnahme des Kolbenbleches in daS ausgeböhlte Lager im Hinteren Schaft eingebettet, ohne daß dieser resp. der Kolben im Geringsten dadurch an Stärke oder Haltbarkeit verliert. Die Uhr, welche die Zahl der erfolgten Schüsse angiebt, befindet sich auf der entgegengesetzten Seite der Backenschästung, und der Zeiger derselben wird mittels eines Schlüssels wieder auf 0 gerichtet. Zweck deS zur Paten- tirung in Deutschland und in allen Kulturstaaten angemeldeten Apparats ist der, bei Jagden, hauptsächlich auf Fasanen, Hasen und Rebhühner, die Zahl der Schüsse zu ermitteln und hierdurch bei Besichtigung der Strecke oder nach Beendigung der einzelnen Triebe die Treffer von den Fehlschüssen ohne Muhe zu scheiden. Dieses Zählen der Schüsse ist bisher durch die zuweilen schnelle Folge derselben, zumal bei größeren Jagden und Bedienen zweier Gewehre, selten von Erfolg gewesen. Eine Kontrolle der mit genommenen scharfen Patronen wird durch den Schußzähler wesentlich erleichtert, der ferner so konstruirt ist, daß er nur dann in Funktion tritt, wenn man mit scharfen Patronen schießt. Der für gewöhnlich bei Abgabe von vielen Schüssen unangenehme Rückstoß der Gewehre wird durch den Schußzähler, der nur 100 Gramm wiegt, aufgefangen und um ein Viertel vermindert. — Erledigt: die 10. ständige Lehrerstelle in Ernstthal. Kollator: der Stadtgemeinderath daselbst. Einkommen: 1150 Mk. ür einen nnverheiratheten und 1250 Mk. für einen verheiratheten Zehrer, einschließlich Wohnungsgeld. Gehaltsstaffel eingeführt, Höchstgehalt 2100 bez. 2200 Mk. Bewerbungsgesuche mit sämmt- lichcn Zeugnissen bis in die neueste Zeit sind bis zum 80. Juni bei dem Stadtgemeinderathe in Ernstthal einzureichen. — Königliches Landgericht Freiberg. Der Schiefer, decker Heinrich Richard Donath, geboren den 25. Februar 1869 zu Pfaffroda, wohnhaft in Oberlochmühle, wurde gestern von der ersten Straskammer wegen Diebstahls unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren zu acht Monaten Gefängniß verurtheilt, wovon 1 Monat für verbüßt zu erachten ist. * Langenrinne, 15. Juni. Nachdem mit vieler Mühe und Noth die Schuttmassen, welche das letzte große Unwetter in die Häuser schwemmte, geräumt, die Schleusen ausgegraben, ge reinigt, gebessert und wieder zugeschanfelt, die Wege in Halbwegs ahrbaren Stand gestellt waren, machten die Gewitter vom Sonn abend alle Arbeit wieder zn nichts. Von Neuem ist der Haupt- gntsweg total zerrissen, der Wegschutt ist wieder abgespült, die Schleusen zerrissen und versandet. Dreimal drang daS Wasser mehr oder weniger in den Stall ein, trotzdem die Thür ver rammelt und versetzt war, und nahm wieder wie am 4. Juni einen Weg durch Stall, Gesindestube und Brennerei. Trostlos ehen Felder und Wege aus! Um weiteren Schäden, die bei edem stärkeren Regen eintreten werden, da das Wasser sich ein mal seinen Weg gebahnt, vorzubeugen, muß ein mindestens 300 Meter langer, metertiefer und breiter Schutz- oder Vorfluthgraben gezogen werden, der die Wassermassen von dem Gehöft ableitet irnd nach dem Obstgarten leitet, sodaß dann die Schleusen, Wege u. s. w. mit mehr Aussicht auf Erfolg gebessert werden können. Daß dazu bei den dringenden landwirthschaftlichen ülrbeiten fremde Hilfskräfte heran gezogen werden müssen, ist selbstverständlich. )-( Grotzwalters-orf, 15. Juni. Begünstigt vom herr lichsten Wetter nahm das Missionsfest, welches am Sonntag, zu gleich als Jahresfest des Eppendorfer Kreisvereins für kirchliche Liebeswerke, hier gefeiert wurde, einen schönen Verlauf. In stattlichen! Festzuge gingen unter Choralklängen eine Anzahl Geistliche, Kirchenvorstände, die Gemeindevertretung, die Vereine des Ortes, Schüler und Schülerinnen und Gemeindemitglieder nach dem geschmückten Gotteshanse zum Festgottesdienst. Die Predigt des Herrn Diakonus Herrmann-Döbeln zeigte aus Apostelgesch. 3, 1 ff., daß der Mission rechter Grund nur die aus dem Glauben stammende Liebe, die rechte Gabe, die sie den Heidenvölkern bringt, nur das Evangelium von Christo und ihr Ziel die Wiedergeburt der ganzen Menschenwelt ist. Nach dem Gottesdienst fand noch eine Nachversammlung in Dietzes Gasthof statt, in welcher die Versammelte» im Geiste hinansgeführt wurden an den Kilimandscharo, um dort die Anfänge der Missionsarbeit unserer Leipziger Gesellschaft zn schauen, und nach Kumbakonam in Indien, einer Stadt mit hoben Götzentempeln und vielen Brahmanenpriestern und einer kleinen evangelischen Gemeinde mit einem dürftigen gottesdienstlichen Ranme. Gesänge unter Leitung des Herrn Kirchschullehrer Gelbricht trugen in Gottes dienst wie Nachversammlung dazu bei, eine weihevolle Stimmung
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