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Amtsblatt sür die königlichen Md städtischen Behörden zu Freiberg und Brand. Verantwortlich« Leitung: Georg Burkhardt. , 48. Jahrgang.' » > > > Erscheint jeden Wochentag Abends */,7 Uhr für den Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr . Äl7 anderen Tag. Preis vierteljährlich 2 Mk. 25 Pfg. Neil le angenommen. Preis für di- Spaltzeile 13 Psg. 1 ^L ß » zweimonatlich I Mk. 50Pfg. u. einmonatlich75Psg. LW V* Bekanntmachung. Dre Zkegekeibesitzerin Frau «malte Marie verehel. Enge in Kleinwaltersdori beabsichtigt, in dem unter Nr. 63L des Brandversicherungs-Catasters, Folium 139 im Grund- und Hypothekenbuche und Nr. 362 des Flurbuchs für Kleinwaltersdorf eingetragenen Grundstücke an Stelle des zum Abbruch kommenden Ziegelofens einen Ringziegelofen Ml errichten. In Gemäßheit F 17 der Reichsgewerbeordnung wird die- mit der Aufforderung hierdurch bekannt gemacht, etwaige Einwendungen hiergegen, soweit sie nicht auf privatrechtlichen Titeln beruhen, bei deren Verlust binnen 14 Tagen, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, allhier anzubringen. Freiberg, am 14. September 1896. Die Königliche Amtshauptmannschaft. 8t«1i»«rt. Bekanntmachung. Herr Rittergutsbesitzers Emil Müller auf Wegefarth hat um nachträgliche Genehmigung der in den achtziger Jahren an seinem in der Striegisbach in Wegefarth befindlichen Wehr vor genommenen Veränderungen sowie der in diesem Frühjahr erfolgten Erhöhung des Wasser rades nachgesucht. In Gemäßheit ß 17 der Reichsgewerbeordnung wird dies mit der Aufforderung hierdurch bekannt gemacht, etwaige Einwendungen hiergegen, soweit sie nicht auf privatrechtlichen Titeln beruhen, bei deren Verlust binnen 14 Tagen, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, allhier anzubringe». Freiberg, am 14. September 1896. Die Königliche Amtshauptmaunschaft. Vr Bekanntmachung, die AuSloosung von Freiberger TtadtschMdscheinen betreffend. Bei der am 23. dieser Monats stattgefundenen Ziehung der am 1. Oktober 1896 einzu- lösenden Freiberger Stadtschuldscheine sind folgende Nummern ausgeloost worden: ». von der Anleihe vom Jahre 1872: Lit. Nr. 1, 12, 58, 239 L 500 Thlr. — Pfg. - 1500 Mk., Lit. 8. Nr. 198, 243, 318, 472, 476, 495, 560, 613, 1012, 1033, 1269 L 100 Thlr. — Pfg. - 300 Mk. Lit. 6. Nr. 150, 228 L 50 Thlr. — Psg. -- 150 Mk., l>. von der Anleihe vom Jahre 1880 r Lit. Nr. 39, 169, 206 ü 1000 Mk. Lit. 8. Nr. 104 zu 500 Mk., Lit. 6. Nr. 48, 137, 203, 263, 277 L 300 Mk., Lit. v. Nr. 96 zu 100 Mk. Der Nennwerth dieser Schuldscheine kann gegen Abgabe derselben sowie der dazu gehörigen AnSleiften und Zinsscheine vom 1. Oktober 1896 ab, mit welchem Tage die Verzinsung der Schuldbeträge aufhört, bei der hiesigen Stadthanptkafsenverwaltung oder der Allgemeinen Deutschen Ereditanstalt in Leipzig erhoben werden. Don den früher ausgeloosten Freiberger Stadtschuldscheinen sind bisher noch nicht zur Auszahlung vorgelegt worden: ». von der Anleihe vom Jahre 1872: Lit. 8. Nr. 1190, zahlbar gewesen am 1. April, Nr. 928, zahlbar gewesen am 1. Oktober 1894, Nr. 730, zahlbar gewesen am 1. Oktober 1895 ü 300 Mk.; 1». von der Anleihe vom Jahre 1886 r Lit. Nr. 142 über 1000 Mk., zahlbar gewesen am 1. Oktober 1895. Freiberg, am 28. März 1896. Der «tadtrath. Kßlg. Die rückständigen Gemeindeanlage« für S. Termin 1896 find ohne Verzug zur Vermeidung der zwangsweisen Sin- Hebung an die Stadtsteuereinnahme hier zu entrichten. Freiberg, am 10. September 1896. Der Stadtrath. Bgm Königlich Sächsische Staatseisenbahnen. Am 1. Oktober dS. Js. tritt auf den sächsischen Staatseisenbahnen und den mitverwalteten Privateisenbahnen der Winterfahrplan in Kraft. Nähere Auskunft ertheilen vom 16. ds. Mts. ab die Stationen und Auskunftsstellen. Bei diesen ist auch der neue Fahrplan zu dem Preise s von 5 Pfg. (Buchform) und von 30 Pfg. (Plakatform) zu erhalten. Dresden, am 10. September 1896. Königliche Generaldirektion der Sächsischen StaatSeisenbahne«. 8726 0 I LoLannni». Koh-Hersteigerung auf dem Nassauer Staatssorstreviere. Im Gasthose zu Bienenmühle sollen am 24. und 25. September dsS. Js., jeden Lag von Vormittags '/,1O Uhr an folgende im Nassauer Forstreviere in den Abth. 3 bis 6, 11 bis 13, 15, 17, 18, 20, 25 bis 27, 32, 33, 36 bis 39, 40, 51, 53, 61 bis 63, 67 bis 69, 72 bis 74, 77, 79, 80 bis 88 ausbereitete Nutz- und Brennhölzer an die Meistbietenden versteigert werden, und zwar: Donnerstag, den 24. September: 343 w. Stämme, 21108 w. u. 6 h. Klötzer, 7179 w. Stangenklötzer, 41^ rw w. Nutzscheite und 14»/, rw w. Nutzknüppel; Freitag, den 25. September: 194 rw w. Brennscheite, 602 rw w. Brennknüppel, 327 rw w. Zacken und 216 rw w. Aeste. Näheres ist aus den bei den Ortsbehörden und in den Schankstätten der umliegenden Ort schaften aushängenden Placaten zu ersehen. Königl. Forstrentamt Frauenstein und König!. Forstrevierverwattung Nassau zu Bienenmühle, am 14. September 1896. Die weltliche Macht des Papstes Die folgende bemerkenswerthe Zuschrift geben der Wieder auch in der selbstverständlich nur in Uebereinstimmung mit Italien gefunden werden könnte. Andererseits ist man auch im Königreich Italien nicht mehr so, wie früher, geneigt, jede von auswärts kommende Kritik der gegenwärtigen Lage des Papstes gleich als eine unzu lässige Einmischung zurückzuweisen. Das Bewußtsein, das; die gestimmte katholische Christenheit ein Recht hat, von Italien die vollständige Unabhängigkeit des Papstes zu verlangen, hat offen bar Fortschritte gemacht. Diesem Bewußtsein ist ja auch un mittelbar nach der Einverleibung des Kirchenstaates das italienische Garantiegesetz entsprungen; und wenn im vorigen Jahre beider Jubelfeier des 20. September Crispi eingehend nachwies, wie Die folgende bemerkenswerthe Zuschrift geben die „Hamb. Nachr." wieder, ohne ihren Inhalt in allen Theilen vertreten zu lvollen: von einem Primat Italiens über alle Völker — so mächtig die Gemüther eines ganzen Volkes ergriffen wie diese. Pius IX. war ihr unmittelbar nach seiner Thronbesteigung sehr zugänglich; hätte er den politischen Sinn und die unbeugsame Energie eines Julius II. besessen, so wäre der Bundesstaat unter seiner Führung zur Verwirklichung gelangt. Man sieht also, die weltliche Souve- ränetät ist nichts weniger als eine Garantie gegen eine einseitig- nationale Politik des Papstes. Wie die Dinge heute liegen, muß man sogar sagen, daß sie ihn geradezu zwingen würde, italienisch nationale Politik zu treiben; denn gesetzt, es käme im Wege güt licher Verständigung zur Wiederherstellung eines Kirchenstaates, so würde dies Staatswesen aus Rücksicht auf feine Bevölkerung nicht allein in den engsten wirthschaftlichen Beziehungen zum Königreich Italien bleiben, sondern auch dessen politische Haltung nach innen wie nach außen nachahmen müssen, wenn anders eine alsbaldige Revolution verhütet werden sollte. Unter den heute bestehenden Verhältnissen würde das Konklave in der Lage sein, den Papst aus jeder beliebigen Nationalität zu wählen; soll der Papst aber als weltlicher Souverän über Millionen von Italienern herrschen, so kann er nur Italiener sein. Es ist also schlechter dings nicht einznsehen, welches Interesse das katholische Universum als solches an der weltlichen Herrschaft haben könnte; eher erkennt man das Gegentheil. Die Resolution der ultramontanen Versammlungen und die Konklusionen der klerikalen Publicistik bleiben auch heute noch dabei, daß eine wirkliche Unabhängigkeit des Papstes nur durch dessen auf den Besitz eines eigenen Staatsgebietes, sich stützende Souveränetät verbürgt werden würde. Man geht sogar so weit, zn erklären, daß, selbst wenn der Papst mit den gegenwärtigen Zuständen zufrieden wäre, doch die katholische Christenheit, zum Mindesten die nichtitalienische, ihm darin nicht würde folgen können; denn, sagt man, ein mit der italienischen Regierung zusammen wirkender Papst würde leicht in die Lage kommen, bei inter nationalen Konflikten zu anderen Mächten in Gegensatz zu gerathen, also seines universalen Amtes nicht frei walten zu können. Nun lehrt aber die Geschichte, daß die weltliche Souveränetät des Papstes nicht allein kein Schutz gegen solche Gegensätze, sondern im Gegentheile nur zu oft die Ursache derselben gewesen ist. Man kann freilich einwendcn, die internationalen Verhältnisse des Mittelalters und der nächstfolgenden Jahrhunderte seien mit der heutigen Zeit großer Nationalstaaten nicht zu vergleichen. Aber erinnert man sich nicht, daß in der italienischen Giuheits- ( bewegung das Papstthum eine Zeit laug an der Spitze gestanden hat? Man redet heute, wenn man auf die Einheitsbestrebungen von 1848 zurückblickt, noch zuweilen von den mazzinistischen Vcr- ' schwörungen, der Giobertische Plan des italienischen Bundesstaates unter dem Präsidium des Papstes aber scheint vergessen zu sein. Wäre es aber auch anders, wie denkt man sich denn ein güt liches Abkommen mit Italien über die Herstellung eines päpst lichen Territoriums? Daß das Königreich das ganze Gebiet des ehemaligen Kirchenstaats aus seinem Staatskörper herausschneiden könnte, scheinen selbst die eifrigsten Parteigänger des Vatikans sür unmöglich zu halten. Man will sich mit weniger begnügen. Die Einen verlangen Rom, die Anderen nur den auf dem rechten Tiberufer gelegenen Theil der Stadt, Beide aber einen Streifen Landes bis zur Küste und einen Seehafen. Daß dem Königreich Italien eine härtere Zumuthung gar nicht gestellt werden könnte, als diejenige, das Ideal, die Krone der Einheitsbewegung, die Ewige Stadt, wieder preiszugeben, begreift man auch im kleri kalen Lager. Ein findiger Kopf — es scheint ein Amerikaner gewesen zu sein — ist deshalb vor Jahresfrist auf den Gedanken gekommen, man solle durch Sammlungen in der ganzen katho- liicben Cbristenbeit die Summe von 200 Millionen Pfund LlingÄ^ sie Italien als Lösegeld für Rom mit dem erwähnten Annex anbieten. Der Eifer, mit welchem die,er Vorschlag seiner Zeit namentlich in der englischen Presse er- »r,.. S" örtert worden ist, köwltc fast vermuthen lassen, daß er wirklich Und doch hat kaum je eine phantastische Idee - Gioberti träumte (ernst gemeint gewesen sei. Dasur schemt freUrch der praktische unter dem Schutze dieses Gesetzes das Papstthum freier und an gesehener dastehe, als je zuvor, so geschah daS selbstverständlich nicht in derHoffnung,daßdasKönigreich Italien den Dank, weichender Redner dafür von der Kirche beanspruchte, wirklich erhalten werde, sondern in der Empfindung, der Welt über die Entwicklung des durch das Garanfiegesetz geschaffenen Verhältnisses Rechen schaft schuldig zu sein. Kein Unbefangener kann bestreiten, daß dem damaligen Ministerpräsidenten der Nachweis ehrlicher Er füllung der von Italien übernommenen Verpflichtungen voll kommen gelungen ist. Aber die Achillesferse des Verhältnisses blieb und bleibt bestehen, der Umstand nämlich, daß das Garantie gesetz jederzeit durch einen Akt der italienischen Staatsgesetzgebung geändert oder gar aufgehoben werden kann. Natürlich bietet dieser Umstand den Klerikalen aller Länder immer neuen Anlaß, über eine unwürdige und unerträgliche Lage des Papstes zu klagen und man darf annehmen, daß auch die italienische Regierung sich dem Körnchen Wahrheit in diesen Klagen nicht verschließt. Die Frage ist nur, ob und wie man zu einer alle Theile befriedigenden Verständigung gelangen könne. Die auf den Katholikentagen übliche Forderung Herstellung der weltlichen Macht des Papstes hat neulichen Dortmunder Versammlung nicht gefehlt; sie ist aber in der Oeffentlichkeit viel weniger als sonst beachtet worden. Zum Theil mag sich das dadurch erklären, daß die allgemeine Auf merksamkeit zu sehr durch die Zarenreise und die Vorgänge in der Türkei in Anspruch genommen war. Noch mehr aber mag wohl die Ansicht bestimmend gewesen sein, daß die sogenannte römische Frage nachgerade zum eisernen Bestände jener Schau stücke gehöre, die man bei feierlichen Anlässen hervorholt, um sie, nachdem sie ihre Schuldigkeit gethan, in die Rumpelkammer zurückzubringen, ohne ihnen einen praktischen Werth beizumessen. Diese Ansicht erscheint unS nicht begründet. Es ist den Katholiken- Versammlungen zweifellos durchaus Ernst mit der römischen Frage, und man würde die Zeichen der Zeit schlecht verstehen, wenn man leugnen wollte, daß die praktische Bedeutung dieser Angelegen heit in den letzten Jahren eher größer als geringer geworden ist. So lange die Klagen über die „unerträgliche Lage des Ge fangenen im Vatikan" bei Licht besehen auf das Ansinnen an die Mächte hinausliefen, das Königreich Italien gewaltsam zu zertrümmern und den Kirchenstaat wiederherzustellen, war jede Möglichkeit eines positiven Erfolges ausgeschlossen. Welche Macht wäre des Wahnsinns fähig gewesen, um dieser Sache willen einen Weltbrand zu entzünden! Vollends erst, seitdem der Dreibund die Integrität Italiens sicherte, konnte von einer Verwirklichung der Nestaurationshoffnungeu keine Rede sein. Heute sprechen die nltramontanen Redner nur noch von einer friedlichen Lösung und betonen nachdrücklich, daß eine solche