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Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 15.09.1896
- Erscheinungsdatum
- 1896-09-15
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1878454692-189609153
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1878454692-18960915
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1878454692-18960915
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Freiberger Anzeiger und Tageblatt
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-09
- Tag 1896-09-15
-
Monat
1896-09
-
Jahr
1896
- Titel
- Freiberger Anzeiger und Tageblatt : 15.09.1896
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stattfanden. Letztere sollen in diesen Gefechten 46 Tobte und zahlreiche Verwundete gehabt habe». Ruhland. Nach einer der „Pol. Korr." auS St. Peters burg zugehenden Meldung soll der Zustand des Generalgouverneurs Von Warschau, Grafen Schuwalow, bedauerlicher Weise ein weit ernsterer sein, als dies in den amtlichen Bulletins, bei deren Abfassung gewisse Rücksichten obwalten, konstatirt wird. Durch kaiserliche Ordre ist dem Adjunkten des Polizeigroß meisters von Moskau, Obersten Rudnew, ferner dem Polizei meister von Moskau, Obersten Baron Budberg und dem der Person deS Polizeigroßmeisters attachirten Oberstlieutenant Po- meranzew ein strenger Verweis ertheilt worden, weil sie, wie die Untersuchung über daS Unglück auf dem Chodinskyfetde ergeben hat, ihre Pflichten vernachlässigt hatten. — Ein „strenger Ver weis" in der einen,und Tausende von Leichen in der anderen Wagschals — da dürfen sich die Schuldigen nicht über allzugroße Strenge beklagen! Türkei. DaS armenische Comitö machte vorgestern den Botschaftern die Mittheilung, daß es, falls die nächtlichen Razzias und Bernichtungsmaßregeln gegen die Armenier fortdauern, aufs Neue deutliche Lebenszeichen geben werde. Es sind Vorsichts- maßregelu getroffen worden. — Marschall Schakir Pascha ist zum Chef der kaiserlichen Militärkanzlei und zum Präsidenten der Kommission für die Heimsendung der Armenier ernannt worden. Den Sitzungen dieser Kommission werden die Drngo- mane der Botschaften beiwohnen. Inzwischen dauern die Massen- verkaftungen und Abschiebungen fort; alle Arrestlokale, die Polizeigebäude sowie mehrere Kasernen sind mit Verhafteten überfüllt. DaS Wiener offiziSse „Fremdenblatt" tritt den in auswärtigen Blättern verzeichneten Gerüchten entgegen, daß die Mächte sich ernstlich mit der Frage der Absetzung des Sultans beschäftigen. Das Blatt glaubt nicht, daß in der englischen Regierung nahe stehenden Kreisen so abenteuerliche Gedanken erwogen werden und sagt, die Unterschiebung solcher Absichten bei den festländischen Kabinetten werde bei Niemandem Glauben finden. Der Prozeß gegen die des Mordes an deni bulgarischen Staatsmanne Stambulow Angeschuldigten soll in Sofia im Oktober zur Verhandlung kommen. Die Anklage ist gerichtet gegen Bone Georgiew als direkten Mörder und gegen Naum Tüfektschiew und Mirtscho Atzow als Mitschuldige. Atzow ist der Kiüscher des Wagens, der die Mörder Stambulows nach Ballführung der That weggeführt hat. Gegen ihn und Tüfektschiew ist die Klage auf Grund der W 170 und 40 des osmanischen Strafgesetzes, gegen Georgiw, den gewesenen Sekretär Panitzas, auf Grund des Z 170 erhoben. In der Verhandlung werden 127 Zeugen und Sachverständige vorgeladen werden, unter ihnen Dim. Grekow, Dim. Petkow, Jo. Salabaschew, P. Slawkow (gewesene Minister), D. Resow, Nik. Schiwkow u. s. w. Gegen die direkten Mörder Halju (Michael)Stawrew und AthanasZwetkow, welche flüchtig geworden sind, ist das Verfahren eingestellt worden. Tüfektschiew befindet sich gegen eine Bürgschaft von 20 000 Fr., Georgiew gegen eine solche von 15 000 Fr. auf freiem Fuße. Atzow befindet sich in Haft. Die Wiederernennung Berowitsch Paschas zum Generalgou verneur von Kreta durch den Sultan auf Grund der neuen Zugeständnisse, d. h. also auf 5 Jahre, ist als ein gutes Zeichen zu begrüßen. Es kommt jetzt Alles auf die Art und Weise an, wie die den Kretern bewilligten Zugeständnisse zur Ausführung gelangen, und in dieser Hinsicht bietet der Genannte, soweit er in Betracht kommt, eine gute persönliche Bürgschaft. Aufrichtiger guter Wille, Unparteilichkeit und Ausdauer sind bei ihm voraus zusetzen. Es ließe sich auch kein besseres Mittel, den türken feindlichen Hetzereien der englischen Radikalen die Spitze abzu brechen, denken, als wenn die türkische Regierung in der weiteren Regelung der kretischen Verhältnisse ihren guten Willen unzwei deutig bekundete und dadurch den Beweis lieferte, daß sie weisen Rathschlägen und vernünftiger Einsicht nicht unzugänglich ist, daß also eine Besserung des Looses der türkischen Christen auch ohne Gefährdung des allgemeinen Friedens bei ihr sich auswirkcn lassen dürfte. Gegen die erwähnte Hetzerei erheben sich indessen in England selbst bereits konservative Stimmen. Die „Pall Mall Gazette" kehrt sich wider dieselben mit einer Darlegung, welche etwa dieselben Gedanken entwickelt, wie der kürzliche offiziöse Artikel in der „Nordd. Allg. Ztg." Es kann nicht Wunder nehmen, daß die der englischen Okku pation widerstrebenden Kreise in Aegypten, deren Mittelpunkt die französische Kolonie bildet, dem Sudanfeldzug ein trübes Ende Voraussagen; bei ihnen ist der Wunsch der Vater des Ge dankens. Aber auch nicht ganz in die französischen Vorein genommenheiten eingesponnene Beobachter sind bezüglich des Er folges des Sirdars Kitchener nicht so hoffnungsselig, wie die englischen Berichte. Unleugbar ist, daß das englisch-ägyptische Expeditionscorps bisher von manchem Mißgeschick betroffen worden ist. Durch die Cholera hat es mehr gelitten als amtlich zuge standen wird, die furchtbare Hitze, die fast ununterbrochen, Tage lang in Verbindung mit erstickenden, glühenden Sandwindcn, herrschte, lähmte durch Wochen jede Bewegung und machte den Truppen das Leben förmlich zur Qual. Wochenlang stieg das Thermometer Tag für Tag auf fünfzig Grad Celsius im Schatten, und noch nie ist in jenen Breiten eine derartige, lang andauernde Hitze und eine derartige Hartnäckigkeit der entsetzlichen Staub winde beobachtet worden. Auch die Regenstürme, die in der letzten Zeit wiederholt niedergingen, und von denen der letzte den größten Theil des; Lagers) fortriß, mehr als die Hälfte der gesammelten Vorräthe wegschwemmte oder vernichtete und eine große Strecke der kaum fertiggestellten Eisenbahn zerstörte, sind dort, wo man den Regen als Naturwunder anzustaunen Pflegt, in dieser Häufigkeit bisher unbekannt gewesen. Noch mehr Bedeutung als durch die unmittelbaren Schäden, die sie ange richtet haben, besitzen diese Unbilden und Mißgeschicke dadurch, daß sie den abergläubischen Sudanesen ein Beweis dafür sein werden, daß Allah selbst gegen das Unternehmen sei, und der Chalifa wird es verstehen, diese Handhabe zu seinem Vortheile anzuwenden. Der Aegypter selbst ist ebenfalls abergläubisch und gewöhnt, in allem den Finger Gottes zu sehen; auch auf ihn, seine Unternehmungslust und das Vertrauen zur Sache wird das beständige Unglück, wovon die Expedition verfolgt wird, nicht ohne Einfluß bleiben. Andererseits ist zu bemerken, daß aus mahdistischer Seite die Cholera bisher noch nicht erschienen ist, was den Mohammedanern anfs Neue ein Beweis dafür sein wird, daß Allah mit den Derwischen und gegen die von Un gläubigen befehligte Armee sei. Trotzdem ist nicht daran zu zweifeln, daß das Expeditionskorps sein nächstes Ziel, Dongola, erreichen wird. Dann aber werden erst die eigentlichen Schwierig keiten beginnen, da jeder Schritt weiter die Armee von ihren Hilfsquellen entfernt und der Gefahr, an Nahrungsmangel zu Grunde zu gehen, näher bringt. Die Sklavenfrage auf Zanzibar und Pemba macht der englischen Regierung viele Sorge. Sie hat sich verpflichtet, die Sklaverei dort möglichst bald abzuschaffen. Aber die Ausführung — Ihre Majestäten der König und die Königin haben nach Aufhebung des königlichen Sommerhoflagers zu Pillnitz Sonnabend Nachmittag die königliche Villa Strehlen bezogen. — Se. König!. Hoheit Prinz Johann Georg ist zum Mawr und Bataillonskommandeur im Schützenregiment Nr. 108 befördert worden. — Se Excellenz der Herr Staats- und Finanzminister V. Watzdorf hat einen mehrwöchentlicheu Urlaub angetreten, nachdem er zuvor seinen Wohnsitz von Loschwitz in die Dienst wohnung im neuen Finanzministerium verlegt hat. — Zu Generalen der Infanterie ernannt wurden der Kriegsminister Generallieutenant Edler v. d. Planitz und der Emil Lange, Ernst Werner (sämmtlich bei Herrn Stadtrath Loh- gcrbercibesitzer Stecher), Robert Max Brendel (Herrn Sattler meister Lindner), Friedrich Wilh. Gelbricht, Albert Franzke und Franz Rich. Große (Herrn Nake), Aug. Heinrich Fischer, August Ferd. Hosmann und Gustav Lappe — zur Zeit ortsabwesend — (sämmtlich bei Herrn Stadtrath Dekorationsmaler Breitfeld). — Zehn weitere Urkunden für Schneider- und Malergehilfen sind auf ihren Wunsch den Herren Obermeistern der betreffenden Innungen übergeben worden und sollen in anderer Weise zur Aushändigung gelangen. — Nachdem sodann Herr Oberlehrer Trommer den beiden Gewerbsgehilfen des Herrn Tischlermeister Dehne noch ein von diesem gestiftetes Geldgeschenk übermittelt hatte, gab er am Schlüsse seiner warm empfundenen Ansprache dem Wunsche Ausdruck, daß der Besitz dieser künstlerisch schön aus geführten Urkunden ein Sporn zu weiterer gesegneter Thätigkeit sein möge, daß ihr Vorbild in weitere Kreise eindringe und Jeder an seinem Theil mithelfen solle, aufzubauen, zu erhalten und zu versöhnen. — ^Hierauf drückte Herr Seilermeister Globig in kurzen, kräftigen Worten der Gewerbekammer zu Dresden, die bekundet hat, daß sie reges Interesse an dem einmüthigen Zu sammengehen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat, herzlichen Dank aus und widmete ihr ein !sreudig aufgenommenes „Glück auf" ! — Im Namen dieser Körperschaft dankte Herr Bäcker- Obermeister Fuchs und brachte sein Hoch den treuen und ver dienten Arbeitern und dem Gewcrbeverein, dessen Bemühungen die gewordene Auszeichnung zu danken sei. Herr Gewerbein spektor Hübener feierte die Treue, die alte deutsche Tugend, die auch hier bewährt worden sei und wünschte, daß Gott den treuen Arbeitern allezeit Segen und Gesundheit verleihen wolle. Sein Hoch galt den Ausgezeichneten. Für diese sprachen die Herren Palitzsch und Lindner ihren Dank aus. Dank auch _ den Herren Arbeitgebern, die ihnen ein sorgenfreies Heim gegründet und sic dauernd an sich gefesselt. Dank dem Gewerbeverein, der Königl. Gewerbckaiumer zu Dresden für die genossene Nus- u-ichnlma nnd Dank endlich der konigl. sächsischen Staatsregierung, die unablässig auf das Wohl aller Unterthancu bedacht ist. — Hiermit fand die einfache Feier ihren Abschluß. Kommandeur der 24. Infanteriedivision, Generallieutenant Frei^ Herr von Hodenberg. — Eine neue Prägung von Fünfzigpfennigstücke« wird, wie aus Berlin gemeldet wird, zur Zeit in der dortigen königlichen Münze hergestellt und bereits in den nächsten Tagen zur Ausgabe gelangen. Die neuen Münzen zeigen auf der Münzbezeichnungsseite einen Eichenkranz und ebenfalls einen solchen auf der Rückseite. Der Adler ist bedeutend kleiner, als bei den bisherigen Fünfzigpfennigstücken, und mit schräg abfallen den Flügelfedern. Die Kette des Brustschildes wird durch kleine Adler gebildet. — Der gestrige Sonntag Nachmittag bot am hiesigen Bahn hofe ein buntbewegtes militärisches Leben «Nd Treibe«. Nachdem schon am Sonnabend Nachmittag ein Vorläufer zu dem 5 Uhr 55 Min. von Dresden nach Zwickau hier durchgehenden Persouenzuge dem Rücktransport eines Detachements Freiberger Jäger aus dem Manövergelände, sowie dem Dresdner Wach kommando vom Zwickauer Regiment Nr. 133 gedient hatte, passirten gestern Nachmittag in 4 Sonderzügen hier durch: 1 Uhr 14—44 Min. der Stab und das 1. und 2. Bataillon des Zwickauer Infanterie-Regiments Nr. 133 in 46 Wagen, 2 Uhr 44—52 Min. der Stab und die 1. Compagnie der Unteroffizier schule zu Marienberg, sowie das 3. Bataillon des Infanterie- Regiments Nr. 133 in 30 Wagen. 4 Uhr 20—43 Min. der Stab und die zwei ersten Bataillone des Infanterie - Regiments Nr. 104 in Chemnitz in 46 Wagen, sowie 6 Uhr 49 Min. bis 7 Uhr das 3. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 104 und unser Freiberger Jägerbataillon in 44 Wagen. Es haben unseren Bahnhof mit diesen 4 Sonderzügen, welche von je 2 Lastzug- Maschinen befördert wurden, in insgesammt 166 Wagen zusammen 158 Offiziere, 4613 Mannschaften und 84 Pferde mit annähernd 20 000 kx Gütern Passirt, welche direkt aus dem Manövergebiete kamen. Eine zahlreiche Zuschauermenge hatte sich nach und nach am Bahnhofe eingefunden, welche namentlich der Ankunft unserer Jäger sehnsüchtig entgegensahen. (Fast sämmtliche Frei berger Dienstmädchen waren zumEinpfange der Jäger mobilisirt.) Mit den Jägern langte auch in einem der Mannschaftswagen der langjährige treue Manöverheld des Freiberger Jägerbataillons, Herr Buchhalter Schubert der Königl. Schrotfabrik, wieder an, um den Einzug mit seinen geliebten Jägern zusammen nach den überstandenen Strapazen des Felddienstes und Lagerlebens in Reih und Glied hier zu halten. — Heute Mittag begann erstmalig das Sprengen beim hiesigen Bahnhofserweiterungsbau während der Zeit von */. bis u/z1 Uhr. Das Sprengen wird bis auf Weiteres täglich zu dieser Zeit fortgesetzt. Die bisherigen abendlichen Sprengungen fallen nunmehr weg, da die Dunkelheit in den Abendstunden solche Arbeiten nicht mehr gestattete. — Die Ueberreichung der von der Gewerbekammer zn Dresden verliehenen Anerkennungsurkunden, die auf Antrag des „Grwerbevereins" vorläufig vierunddreißig Gewerbsgehilfen hiesiger Stadt zugesprochen werden konnten, fand gestern Sonn tag Vormittag 11 Uhr cm „Kasinosaale" des „Gewerbehauses" statt. Sie gestaltete sich in Anwesenheit deS Königl. Gewerbe inspektors Herrn Hübener, der Mitglieder der Gewerbekammer zu Dresden, der Herren Obermeister Fuchs und Witt, sowie des Ehrenmitgliedes Herrn Schuldirektor Richter und zahlreicher Mit glieder des „Gewerbevereius", zu einer schlichten, aver würdigen Feier. Herr Oberlehrer Trommer begrüßte in seiner Eigenschaft als Vorsteher des Vereins die Erschienenen und insbesondere die Herren, die im Sinne der Stiftung der zn verleihenden Urkunde länger als zehn Jahre an einem Platze gearbeitet und sich in ihrer Thätigkeit durch Treue und Gewissenhaftigkeit ausgezeichnet haben. Er hob hervor, wie im Geiste des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm I. Regierung und gesetzgebende Faktoren unablässig be müht seien, die Lage der arbeitenden Klassen zu heben und manche scharf zugespitzten politischen und sozialen Gegensätze auf zuheben. Die Gewerbekammer zu Dresden hat durch Stiftung lieser Anerkennungsurkunde für langjährige und treue Arbeit einen wichtigen praktischen Schritt gethan. Sie hofft durch Ver leihung derselben zur Erhöhung der Berufsfreudigkeit, zur Auf munterung für ferneres Streben beizutragen und zahlreiche Nach folge zu erwecken. Dem „Gcwerbeverein" gereicht es zu hoher Freude, auf Grund empfehlender Zeugnisse das schöne Geoenk- blatt in Gegenwart und zur Freude ihrer Herren Arbeitgeber aushändigen zn dürfen und zwar an: Osw. Köhler (bei Herrn Möbelfabrikant Heinrich), Emil Palitzsch (Herrn Glasermstr. Hau- child), Carl Aug. Schmieder (Herrn Seilermstr. Globig), E-Wilh. Liebscher, Joh. Traug. Walther, Herm. Schmidt, Ernst Julius Walther, Friedr. Aug. Lippmann (sämmtlich bei Herrn Baumstr. Göpfert), Alfred Wold. Lindner (Herrn Obermeister Gersten berger), Herm. Louis Uhlmann und Otto Robert Käppler (Herrn Tischlermstr. Dehne), Karl Weißbach (Herrn Klempnermeister Juhrs), Carl Aug. Lange, Jul. Imhof, Wilh. Schier, Ernst deS Versprechens erweist sich als sehr schwierig. Sie würde die arabische Bevölkerung aufS Tiefste erregen, wenn nicht mit der äußersten Vorsicht verfahren wird. Kenner der Verhältnisse ver sichern, eine rasche und durchgreifende Aufhebung der Sklaverei würde den ganzen Ackerbau lahmlegen; man müsse die Eigen thümer von Ackersklaven reichlich entschädigen und die letzteren überdies anhalten, noch mindestens 5 Jahre gegen Lohn weiter zu arbeiten. An einen Eingriff in die Haremsverhältnisse, also an eine Befreiung der in diesen gehaltenen Sklavinnen, sei ohne hin in absehbarer Zeit nicht zu denken. OertNches und Sächsisches. Freiberg, den 14. September. — Se. Majestät der Kaiser ist am Sonnabend gegen Mittag auf dem Bahnhofe zu Löbau in ernster Gefahr gewesen, aber ohne Unfall glücklich ans ihr hervorgegangen. Als am Sonnabend der kaiserliche Sonderzug, in welchem der Kaiser bereits Platz genommen hatte, kurz vor 12 Uhr Mittags auf dem Geleise, welches sonst für den Ebersbacher Zug bestimmt ist, zur Abfahrt nach Görlitz bereit stand, ragten die beiden Lokomotiven des Zuges über die Weiche hinaus, welche der um 11 Uhr 55 Min. von Dresden nach Görlitz fällige Schnellzug zu durch- chneiden hat. Der Schnellzug fuhr nun, da ihm angeblich das Einfahrtssignal gegeben war, ein und konnte auch trotz wieder holten Abwinkens und mehrfacher Nothsignale nicht mehr recht zeitig zum Stehen gebracht werden. Die Schnellzugs-Lokomotive fuhr in die zweite Maschine des kaiserlichen Sonderzuges hinein und demolirte diese vollständig. Ebenso wurde die Maschine des Schnellzuges defekt. Der König von Sachsen und Prinz Georg hatten ebenfalls bereits einen zur Abfahrt nach Dresden bereit stehenden Sondcrzug bestiegen, den sie sofort, nachdem sie von dem Unfälle Kenntniß erhalten, wieder verließen, uni an den Wagen des Kaisers zu eilen. König Albert und Prinz Georg zaben sichtlich ihrem lebhaften Unwillen über den Vorfall Aus- >ruck, namentlich der König von Sachsen, welcher längere Zeit mit dem Kaiser sprach, war sehr erregt. Nachdem eine neue Maschine requirirt worden war, konnte der kaiserliche Sonderzug mit einer halben Stunde Verspätung, nachdem er zunächst auf ein anderes Gleis überführt worden war, abgclassen werden, während der Schnellzug erst um 1 Uhr weiterfuhr. Verletzt wurde Niemand. — Der Zusammenstoß erfolgte unmittelbar vor dem geplanten Abgang des kaiserlichen Sonderzuacs. Einen Moment später und der Schnellzug wäre dem kaiserliche» Sonder zug in die Flanke gefahren, und ein unabsehbares Unglück wäre die Folge gewesen. Ueber die Ursache dieses Unfalles fehlen zunächst nähere Angaben, nur soviel steht fest, daß der Hvfzng anfangs die Weiche nicht berührte. Erst als der Kaiser einsteigen wollte, hatte der Hofzug auf Anordnung eines Beamten um ca. zwei Wagenlängen weiter vorfahren müssen. Da aber der kaiser liche Sonderzug vor dem Schnellzog abfahren sollte, so hätte auf alle Fälle die Einfahrt des letzteren in den Bahnhof so lange unterbleiben müssen, bis der kaiserliche Sonderzug abgefahren war. Die Schuld an dem Unfälle trifft also zweifellos denjenigen, der fälschlicher Weise das Signal zur Einfahrt des Dresdner Schnellzuges gegeben hat. — Mit König Albert beklagt ganz Sachsen, daß das Haupt des Reiches auf sächsischem Boden in solche Fährniß gerieth, und dankt der gütigen Vorsehung, die Uebleres abwendete. Selbstverständlich wird strenge Untersuchung eingeleitet werden, nm die Ursache des Zusammenstoßes sestzustellen. Für ebenso selbstverständlich ist aber zu erachten, daß lediglich Uebereifer, der gerade bei besonderen Anlässen pflichtgetreuer Männer sich leicht bemächtigt, den beklagenswerthen Vorfall herbeigeführt hat. Daß dieser für den Kaiser keinerlei nachtheilige Folgen gehabt hat, scheint aus der folgenden Depesche hervor zugehen: Siegersdorf, 12. September. Lebhaft begrüßt, traf )er Kaiser heute Nachmittag gegen 2'^ Uhr auf dem hiesigen Bahnhofe ein und wurde vom Grafen Solms-Laubach empfangen. Der Kaiser bestieg sofort den bcreitstehenden Jagdwagen und begab sich über Thommendorf zur Jagd nach dem Klitschdorfer > Revier. Kriegervereine, Schulen und die Arbeiter der Siegers- dorfer Werke bildeten vom Bahnhofe an Spalier. —Von anderer Seite wird über den Unfall berichtet: Auf dem Löbauer Bahnhof, auf welchem sich der Zusammenstoß ereignete, laufen von drei ' Seiten Züge ein; erstens aus der Richtung Dresden-Bautzen, zweitens Görlitz und endlich Weißenberg. Der kaiserliche Hvfzng hielt kurz vor 12 Uhr Mittags auf dem südlichen Gleise amOsl- rande des Stationsgebäudes. Der Kaiser hatte sich nach dem Abschied vom König Albert mit seinem Gefolge unter dem Jubel des Publikums, das nur mit Mühe von den sächsischen Gendarmen zurückgehalten werden konnte, in den Zug begeben, und gerade sollte die Abfahrt erfolgen, als der Dresdner Schnellzug in den Bahnhof fuhr. Seine Lokomotive faßte die quer über seinem Einfahrtsgleise stehende zweite Maschine des kaiserlichen Zuges, riß einen klaffenden Spalt in den Tender und legte sich, schwer beschädigt, neben die Lokomotive des Extraznges. Da der Bahn hof abgesperrt war, beschränkten sich die direkten Wahrnehmungen des Publikums, welches in großen Schaaren außerhalb desselben stand, auf das Hören eines plötzlichen Krachs; aber bald ver breitete sich die im höchsten Grade alarmirende Nachricht von dem Zusammenstoß. Sämmtliche Bahnhofsbeamten und sremdherr- lichen Offiziere eilten an die Unfallstelle, und bald konnte dem aufs Höchste erregten Publikum mitgetheilt werden, daß der Kaiser keinerlei Schaden genommen habe, und daß auch sonst Niemand verletzt sei. Eine Erklärung des Unfalls- könnte lediglich darin gefunden werden, daß die Beamten von Löbau durch die für eine so kleine Station ungewöhnlichen Umstände, wie sic in der Ab fassung zweier Extrazüge, des kaiserlichen Zuges und des für die Gäste des Monarchen bestimmten, liegen, in Aufregung versetzt wurden und so vielleicht an der ihnen sonst eigenen Vorsicht und Uebersicht es haben fehlen lassen. — Se. Majestät der König ist Sonnabend Nachmittag nm 1 Uhr 54 Minuten von den Kaisermanöveru aus der Lausitz nach Dresden zurückgekehrt. Gleichzeitig mit Sr. Majestät dem Könige kam Se. Königliche Hoheit der Prinz Albert von Belgien, Herzog zu Sachsen, welcher zur Theilnahme an den Kaiserma- uövcrn in Görlitz anwesend war, zum Besuche Ihrer Königlichen Majestäten in Villa Strehlen an.
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