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Mich«, rsr Vr. »1887. »MLafie alle da das Rv- Depot- , Preist tzei«« > »i»«« 2,»'k 0,«»» iikal. 1«».: 06. 107, lgm voa kelodien), dein »er. ck«rndeit > Jüan". ' ' Braud ——— u. - - - 40 AidrgmtA ———^^— U2747s^ZM^^WMsSö«ääve«d. d« SS. Rovemver ncdm bi» Bormittag 11 Uhr angenom- I FUFMiM Loos. oder oeren Raum Io Pf. 8 alle« Inserat« >v«dm bi» Bormittag 11 Uhr angenom men und beträgt der Prei» für die ' " kaiserlichen Postanstatte«, sowie von den be kannte« Ausgabestelle« u«d der unterzeichnete« Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. Amtsblatt für die Nützliche« uud städtischen Behörden zn Freiberg Verantwortlicher Redakteur: Iuliu- Brauu iu Freiberg. Nachbestellungen ans de« Monat Dezember werde« z«m Preis! vo« 75 Psg. vo« Tagesschau. Freiberg, den 25. November. Nach der EröffnungS-Ceremonie im Berliner Schlöffe traten gestern die Mitglieder de» deutsche« Reichstage- zur ersten Plenarsitzung in ihrem SitzuugSsaale zusammen. Prä sident von Wedell.Pie-dorf richtete folgende Worte au die Versammlung: „Se. Kaiser!. Hoheit, unser geliebter Kron prinz, dem Deutschland so großen Dank schuldet, und aus dm unsere Hoffnung für die Zukunft gesetzt ist, weilt, heimgesucht von schweren leiden, in der Ferne. Der Schmerz wegen des traurigen Geschicke» unseres Kronprinzen, die bange Sorge um sein Leben erfüllen ganz Deutschland und drängen jedm ander» Gedanken in dm Hintergrund. Ich meine deshalb, eS ist uns Bedürfniß, vor allen anderen Dingen unserm tiefm Kummer über daS Leiden unsere- geliebten Kronprinzen sowohl Sr. Majestät dem Kaiser gegenüber, wie Sr. Kaiserlichen uud Königlichen Hoheit selbst auszudrücken und auszusprechen, wie wir unser Verträum allein auf GotteS Gnade und Barm herzigkeit setzen. Ich bitte Sie deshalb, daS Präsidium zu beauftragen, diesen Gefühlen gegenüber Sr. Majestät dem Kaiser Ausdruck zu geben. Ich bitte Sie, ferner zu genehmigen, daß folgmde Depesche an Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kronprinzen abgesendet werde: „An Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit dm Kronprinzen deS deutschen Reichet und von Preußen in San Remo. Der Reichstag gedenkt in tiefster Ehrerbietung und herzlicher Liebe Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit. Möge Gott das theure Leben unseres geliebten Kronprinzen beschirmen und zum Heile deS Bater andes erhalten. Im Austrage des deutschen Reichstage-: v. Wedell-Piesdorf." Meine Herren, Sie haben sich von Ihr« Plätzen erhoben; ich darf annehmen, daß Sie dadurch dem von mir gemachten Vorschlag Ihre Zustimmung haben gebm wollen. Ich stelle das hiermit fest." Zu provisorische» Schriftführern ernannte der Präsident sodann die Abgg. Graf v. Kleist, vr. Porsch, vr. Bürklin, und vr. Hermes. Der jierauf vorgenommene Namensaufruf ergab die Anwesenheit von nur 187 Mitgliedern, das HauS war somit nicht beschluß- ähig. In Folge dessen beraumte der Präsident die nächste Sitzung auf heute (Freitag) 1 Uhr an und setzte die Präsidentenwahl auf die Tages-Ordnung. — In den Kreisen der Reichstagsabgeordneten wußte man im Voraus, daß ein auf dem Landsturm bezüglicher Ent wurf eingebracht werden soll, war aber von dem Satze der Thron rede überrascht, daß sich derselbe auch auf die Landwehr be ziehen und bestimmt sein wird, „eine wesentliche Erhöhung »er Wehrkraft des Reiches herbeizuführen." DaS Nähere über die Art und Weise, wie die- erreicht werden soll, ist noch Geheimniß. — Im ReichsheereS-Etat ist auch eine Ausgabe von 21 Millionen eingestellt zur Vervollständigung >eS deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der LandeSver- theidigung, darunter ein Zuschuß zum Bau von zweigeleisigen Eisenbahnbrücken über die Weichsel und Nogat. — Unser Kaiser, dessen vorzügliche- Befinden anhält, hatte am Mitt woch eine lange Unterredung mit dem Kriegsminister General Bronsart von Schellendorf. Die Kaiserin dürfte vorauS- ichtlich am 29. d. M. wieder in Berlin eintreffen, um ihren Wiuteraufrnthalt im König!. Palais zu nehmen. Für dieselbe Zeit wird auch der Besuch des Großherzogs und de? Groß herzogin von Baden bei den Kaiserlichen Majestäten in Aus sicht gestellt. AuS San Remo wird gemeldet, daß Mittwoch in der Villa Zirio wieder eine längere Konferenz der Aerzle stattgefunden hat, und daß darauf General von Winter feld nach Berlin abgereist ist, um dem Kaiser Be richt zu erstatten. Die letzten Tage war in San Remo ungünstiges Wetter, so daß der deutsche Kronprinz sich ge- nöthigt sah im Zimmer zu bleiben. Mittwoch aber unter nahm der Kronprinz mit der gesammten Familie eine lange, schen Charakter fremd und die Verfassung sowohl wie die Heereseinrichtungen des Reiches sind nicht darauf berechnet, den Frieden unserer Nachbam durch willkürliche Anarjffe zu stören. Aber in der Abwehr solcher und in der Ver« theidigung unserer Unabhängigkeit sind wir stark und wolle» wir mit Gottes Hilfe so stark werden, daß wir jeder Ge fahr ruhig entgegensehen können." Die ersten Sätze der Thronrede wurden schweigend an gehört. Erst als die auswärtige Politik an die Reihe kam, wurde Beifall laut, der sich von Satz zu Satz verstärkte und bei dem Schluß zu einer in diesem Saale selten ge hörten Stärke anschwoll. Als Herr von Bötticher geendet, trat er mit einer Verbeugung zurück. Der Präsident der vorigen Session, Herr v. Wedell, brachte nun ein Hoch auf den Kaiser aus, in daS die Versammlung dreimal begeistert einstimmte. schaftliche Thätigkeit der gesammten Bevölkerung ungünstig zurück. Unter diesen Umständen ist eine weitere Erhöhung der Getreidezölle von den verbündeten Regiemngen ins Auge gefaßt worden. Ein dieses Ziel verfolgender Ge setzentwurf wird dem Reichstag zugehen Die Vorsorge Seiner Majestät des Kaisers und der verbündeten Regierungen ist unausgesetzt auf die weitere Entwickelung des Heerwesens gerichtet. Ein Ihnen vorzu legender Gesetzentwurf, welcher die Landwehr und den Landsturm betrifft, ist bestimmt, eine wesentliche Erhöhung der Wehrkraft des Reichs herbeizuführen. Schon in der Allerhöchsten Botschaft vom 17. No vember 1881 ist der dringende Wunsch Seiner Majestät des Kaisers ausgesprochen, dm Arbeitern, welche durch Alter und Invalidität erwerbsunfähig werden, das berech tigte Maß staatlicher Fürsorge durch die Gesetzgebung zu sichern und damit eine weitere Gewähr für die Befestigung des sozialen Friedens und für die Stärkung der nationalen Arbeitskraft zu gewinnen. Nach der schrittweisen Weiter führung der für die genossenschaftliche Gliederung unseres Erwerbslebens grundlegenden Unfallversicherungs-Gesetz gebung ist es nunmehr möglich gewordm, die mit beson deren Schwierigkeiten verknüpfte Aufgabe ihrer Lösung soweit näher zu führen, daß die Ausarbeitung eines Gesetz- Entwurfs über die Alters- und Invaliden- Versicherung der Arbeiter vorliegt. Seine Majestät der Kaiser hofft, daß der Entwurf, nachdem die Grundzüge für denselben der öffentlichen Erörterung unterstellt und der besonderen Prü fung sachverständiger Kreise übergeben worden sind, Ihnen noch in dieser Session wird vorgelegt werd.-n können. Daneben wird nicht verabsäumt, die weitere Ausdehnung der, wie mit Genugthuung hervorgehoben werden darf, je länger desto segensreicher wirkenden Unfallversicherung auf die derselben bedürftigen Theile der Bevölkerung im Auge zu behalten. Das gegenwärtig geltende Gesetz über die Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschaften beruht auf dem Grundsätze der vollen Gesammthaft aller Mitgliedcr. Die Erfahrung hat ergeben, daß die Nothwendigkeit, sich dieser Haftform zu unterwerfen, der wünschenswerthen Fortentwickelung des Genossenschaftswesens hinderlich ist und die beitretenden Mitglieder nicht selten einer unverhältnißmäßigen Gefähr dung ihrer wirthschaftlichen Lage und Selbständigkeit aus setzt. Demzufolge und da auch die Einzelbestimmungen des Gesetzes in manchen Punkten einer Aenderung und Ver vollständigung bedürfen, wird Ihnen ein Gesetzentwurf zu gehen, welcher die Verhältnisse der freien Genossenschaften regeln und insbesondere die Bildung von Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht der Mitglieder ermöglichen soll. Die Anwmdung des Nahrungsmittelgesetzes auf den Verkehr mit Wein begegnet in der Praxis mannigfachen Schwierigkeiten. Dieselben sind bereits wiederholt im Reichstag Gegenstand der Verhandlungen gewesen. Es wird Ihnen ein Gesetzentwurf vorgrlegt werden, dessen Zweck es ist, diese Frage in gesundheitspolizeilicher Hin sicht zu regeln. Der bevorstehende Ablauf unseres Handelsvertrages mit Oesterreich-Ungarn hat den verbündeten Regierungen Ver anlassung geboten, der Frage der Neugestaltung des Ver- tragsverhältuisses ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Verbündeten Regierungen können sich die Schwierig keiten nicht verhehlen, welche einer befriedigten Lösung dieser Frage zunächst noch entgegenstehen, glauben sich aber zu der Hoffnung berechtigt, Jhnm rechtzeitig ein Abkommen mit der Kaiserlich und Königlich österreichisch-ungarischen Regierung zur verfassungsmäßigen Zustimmung vorlegen zu können, durch welches der bestehende Handelsvertrag vorläufig verlängert und der Eventualität eines vertrags losen Zustandes vorgebeugt wird. Verträge behufs Regelung der Handelsbeziehungen des Reiches mit einigen amerikanischen Staaten werden Ihnen zur verfassungsmäßigm Beschlußnahme vorgelegt werden. Die auswärtige Politik Seiner Majestät des Kaisers ist mit Erfolg bemüht, den Frieden Europas, dessen Erhaltung ihre Aufgabe ist, durch Pflege der freundschaftlichen Be ziehungen zu allen Mächten, durch Verträge und durch Bündnisse zu befestigen, welche den Zweck haben, den Kriegsgefahren vorzubeugen und ungerechten Angriffen ge meinsam entgegenzutreten. Das deutsche Reich hat kerne aggressive Tendenzen und keine Bedürfnisse, die durch sieg reiche Kriege befriedigt werden könnten. Die unchristliche Neigung zu Ueberfällen benachbarter Völker ist dem deut- und Tageblatt, o Die Thronrede. Die zweite Session der 7. Legislatur-Periode des deutschen Reichstages wurde gestern Mittag durch den Staatssekretär von Bötticher eröffnet. Die Ceremonie hlelt sich in rein geschäftsmäßigen Formen. Der Saal war elektrisch erleuchtet, an den Wänden brannten in silbernen Armleuchtern Wachskerzen Etwa 120 Abgeordnete aller Fraktionen mit Ausnahme der Polen, Welfen und Sozial demokaten hatten sich im Halbkreise gruppirt, als 12*/« Uhr die Mitglieder des Bundesraths den Saal betraten und in der üblichen Reihenfolge zur Linken deS verhüllten Thron- srssels so Aufstellung nahmen, daß neben Herrn v. Bötticher der bairische Bevollmächtigte, Graf Lerchenfeld, stand, neben diesem Herr von Puttkamer, dann Graf Hohenthal, May bach, Graf Zeppelin, vr. Friedberg, von Neidhardt, und so fort derart, daß stets ein preußischer und ein nicht- preußischer Bevollmächtigter auf einander folgten. Herr von Bötticher trat einen Schritt vor und verlas nach einer Ver beugung gegen die Anwesenden die folgende von uns bereits gestern unter Depeschen im Auszuge mitgetheilte Thronrede: „Geehrte Herren! Die Wiederaufnahme der Arbeiten des Reichstages fällt in eine ernste Zeit. Das schwere Leiden, von welchem Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz heimgesucht ist, erfüllt nicht nur Seine Majestät den Kaiser, sondern auch Allerhöchstdesselben hohe Verbündete und das ganze deutsche Volk mit banger Sorge. Was menschliche Wissen schaft und Kunst, was sorgsame Pflege zu thun vermögen, um die drohende Gefahr zu bekämpfen, wird nicht ver säumt werden. Unsere Blicke und Gebete aber richten sich zu Gott, nach dessen Rathschluß die Geschicke der Völker, wie des einzelnen Menschenlebens sich erfüllen. Festes Gottvertrauen und treue Pflichterfüllung sind zu jeder und besonders in schwerer Zeit die bewährten Stützen unseres Volkes gewesen. Sie werden uns auch heute befähigen, den Aufgaben, welche den gesetzgebenden Körpern des Reichs bevorstehen, gerecht zu werden. Voran steht unter diesen Ihre verfassungsmäßige Mit wirkung bei der Feststellung des Reichshaushalts-Planes. Der Etat ist wiederum unter Bethätigung strenger Spar samkeit und Zurückstellung der nicht unaufschieblichen Aus gaben aufgestellt worden. Er zeigt eine erfreuliche Besse rung der Finanzlage. Obwohl die Wirkungen der in der vorigen Session des Reichstags vereinbarten ausgiebigeren Besteuerung des Zuckers und Branntweins in ihrem vollen Umfange erst den späteren Etatsperioden zu gute kommen werden, so läßt doch schon das nächste Rechnungsjahr einen Ueberschuß aus dem Reichshaushalt erwarten, wel cher — selbst nach Gegenrechnung der Matrikularbeiträge — sich annähernd auf etwa fünfzig Millionen Mark beziffert. Angesichts dieses Ergebnisses wird mit der Aufbesserung der im Dienste des Reichs stehenden Personen ein Anfang zu machen und zunächst der vom Reichstag befürwortete Wegfall der Wittwen- und Waisengeldbeiträge der Offiziere und Beamten in Aussicht zu nehmen sem. Eine ent sprechende Vorlage befindet sich in der Vorbereitung. Fehlt es auch auf einzelnen Gebieten des nationalen Erwerbslebens nicht an Zeichen eines zu erhoffenden Auf schwungs, so befindet sich doch die wichtigste Quelle unseres wirthschaftlichen Wohlstandes, die Landwirthschast, in einer bedrohlichen Nothlage. Die Preise unserer landwirthschaft- lichen Erzeugnisse, namentlich des Getreides, sind unter dem Drucke des Angebotes aus fremden, billiger produ- zirenden Wirtschaftsgebieten, obwohl wir uns reicher Ernten zu erfreuen gehabt habm, so tief gesunken, daß jede Ertragsfähigkeit der Arbeit des deutschen Landmannes gefährdet erscheint. Die bestehenden Getreidezölle haben diesem Drucke nicht ausreichend zu begegnen vermocht. Die bedrängte Lage unserer Landwirthschast wirkt auf die Wirth-