Volltext Seite (XML)
I! Erscheint jeden Wochentag Nechmkt. '/,s Nhr für -cn N0 Kandern Tag. Preis vierteljichrli» »Mark A Pf., L W, N zweimonallich 1 M. SO Ps. und e^nunaüich 7b Pf. . " tü. Jahrgang. Freitag, den 8. Juli. s^887^ Inserat« »erden bi» Bormittag 11 Uhr angenom men und beträgt der Preis für dir gespaltene Zeil» »der deren Raum 1b Pf. BergerMM^ und TWMM. Amtsblatt für dir kömglichen nnd städttscheu Behörden zn Freiberg und Brand. Beravtwortlicher Mdaste«: Juki«» Brann in Freiberg. Der 15. deutsche Aerztetag. Als Vertreter von 8217 Aerzten traten Montag früh zu Dresden in Meinholds Sälen 105 Delegirte zu dem 15. deutschenAerztetag zusammen, welchen Sanitäts- rath vr. Graf aus Elberfeld mit dem Hinweis eröffnete, daß auf Anregung eines sächsischen Arztes, Hermann Eber hard Richter, vor fünfzehn Jahren in Leipzig der Grund zu der jetzigen Organisation des Aerztestandes gelegt wurde. Nachdem die Versammlung von dem Geh. Medizinalrath vr. Günther im Namen der sächsischen Staatsreaierung und von Stadtrach Hendel im Namen der Stadt Dresden begrüßt worden, erstattete vr. Berthold-Dresden Be richt über den?Antrag des ärztlichen Bezirksvereins Dresden- Stadt auf Einreichung einer Petitton an den BundeSrath und dm deutschen Reichstag um Abänderung der deutschen Gewerbeordnung in der Richtung, daß die Behandlung von Kranken durch nicht approbirte Aerzte mit Strafe bedroht wird. Wie der Berichterstatter ausführte, ist die Folge des Er lasses der Gewerbeordnung die Ueberhandnahme der Kur pfuscherei besonders auf dem Lande gewesen. Alle War nungen seien dagegen unwirksam, denn kein Volk könne so gebildet werden, daß es medizinisch richtig denke. Wie der Staat durch den Impfzwang als Hüter der öffentlichen Gesundheit aufgetreten sei, habe derselbe auch die Verpflich tung, Maßregeln zu ergreifen gram die Kurpfuscherei. Maßgebend sei für die Antragsteller der Wunsch, das ur- theilslose Publikum von einem Feinve fernerhin zu be wahren, der von Tage zu Tage frecher und kühner die Nothlage der Kranken ausbeute und der unzähligen Schaden bereits angerichtet habe! (Lebhafter Beifall.) Der Korreferent vr. Hartmann-Berlin sucht da- aeacn nachzuweisen, daß bei energischer Handhabung der bestehenden Gesetzgebung auch jetzt schon der Kurpfuscherei mit Erfolg entgegengetreten werden könne. Den Rechten müßten auch Pflichten gegenüberstehen und wenn die minderbemittelten Wasim vor Kurpfuscherei geschützt werden sollten, so würde daraus die Verpflichtung für den ärztlichen Stand entstehen, die Minderbemittelten für eine niedrigere Taxe zu behandeln und überhaupt unter allen Umständen ärztliche Hilfe zu leisten, vr. Hartmann stellte hiernach folgende Anträge: „A. Der Aerztetag hält für erforderlich, 1) die strengere Bestrafung der unbefugten Bezeichnung als Arzt oder mit ähnlichem Titel, 2) eine Revision der Verordnung vom 4. Jan. 1875, betreffend den Verkehr mit Arzneimitteln, 3) ein Verbot der Kon- zessionirung von Heilanstalten, an welchen die Kranken- behaudlung durch nicht approbirte Aerzte stattfindet. L. Der Aerztetag empfiehlt femer den Vereinen die Einsetzung von Kommissionen zur Bekämpfung deS Geheimmittelun wesens Md der Kurpfuscherei. Die Vereinsgenossen setzen diese Kommissisnm in Kenntniß: 1) von Zähl und Cha rakter der in ihrem Bezirke befindlichen Pfuscher, 2) von der Ausdehnung Md der Art der Verbreitung der Geheim- mittel, 3) von Vorfällen, welche eine gerichtliche Belangung von Kurpfuschern ermöglichen. Die Kommissionen haben die Ausgabe, die eingelaufenen Mittheilunarn zu sammeln und nach Gutdünken dm entsprechenden Behörden vorzu legen, event. Strafanträge zu stellen. Etwaige Kosten tragen die Vereine." Sttm entspann sich ein lebhafter Wortkampf, der her über und hinüber wogte, und in dessen Verlauf vr. Aub die Annahme der folgmden Resolution empfahl: „Die Wiederherstellung des gesetzlichen Verbots der Ausübung der Heilkunde durch nicht dazu approbirte Personm ist an- zustreben unter der Voraussetzung, daß die vom 10. deut schen Aerztetage in Nürnberg 1882 bei Berathung der Grundzüge einer deutschen Aerzteordnung als fundamental bezeichneten Rechte der approbirte« Aerzte (Freizügigkeit, die Freiwilligkeit der HLfeleistung Md der freien Verein barung des ärztlichen Honorars) ungeschmälert aufrecht erhaltm werden." Mit diesem von ihm als eine vorläufige Abschlagszahlung bezeichneten Antrag erklärte sich der Berichterstatter vr. Berthold einverstanden. Nachdem der Anttag Dresden-Stadt mit 61 gegen 34 Stimmen ab- gelehnt worden war, fand die Aub'sche Resolutton gegm 18 Stimmen Annahme. Die mit bezeichneten Anträge des Korreferenten vr. Hartmann wurdm dem Geschäfts ausschuß überwiesen, ebmso ein Ms der Mitte der Ver sammlung emgebrachter Antrag, welcher kräftigere Maß regeln gegen das Geheimmittelunwesen forderte. Die An- träge des Korrefermten unter L wurden jedoch abgelehnt. Nach einer größeren Pause beschäftigte sich die Versamm lung mit der in Chemnitz vorgekommenen Zulassung eines Kurpfuschers zur Behandlung von Krankenkassen-Mitgliedern und nahm nach längerer Berathung folgenden Antrag an: „Der Aerztetag beauftragt den GeschäftsauSschuß, die An gelegenheit unter Zuziehung eines rechtskundigen Beistandes dem Reichstage in emer Denkschrift zu unterbreiten." Die an einen von vr. Denecke-Flensburg erstatteten Vortrag über .Kunstfehler der Aerzte" sich knüpfende Debatte wurde bald darauf mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit abgebrochen Md die weitere Behandlung dieses Gegenstan des auf den nächsten Aerztetag verschoben. Im Namen der niedergesetzten Kommission zum Krankenkassengesetze erstattete vr. Busch- Crefeld eingehenden Bericht über die während des verflossenen Jahres angestellten Erörterungen. Der Referent versicherte, daß die m Eisenach festgestellten Sätze in keiner Weise zu hoch gewesen seien Md daß die Kranken- kassrngesetzgebung dem ärztlichen Stande nicht den mindesten Vortheil gebracht, ihn vielmehr pekuniär geschädigt habe. vr. Wallichs-Altona beruhtete darauf über ärztliche Unter- stützMgslafsen und dann begründete vr.L o hm an n-Han nover den Anttag des ärztlichen Vereins Hannover auf Einführung gleichmäßiger nach Kubikzentimeter einaetheilter Gemäße in den Apotheken. Nachdem darauf ausmerkfam gemacht worden, daß solche Gemäße bereits vielfach im Ge brauche seien Md billig verkauft würden, fand der Anttag Annahme. Ohne jede weitere Debatte wurde folgender durch vr. Brenner begründete Anttag des Berliner Zentral- ausschusses angenommen: .Der Aerztetag möge thunlichst zeitlich Md örtlich im Anschluß an die Versammlung der Naturforscher und Aerzte stattfinden." Der Anttag des Vereins Vkinden-Lippe: „Der Aerztetag möge geeignete Schritte thun, um dem Unwesen, welches sich immer mehr breit macht und das Ansehen des ärztlichen Standes empfind lich schädigt, in öffentlichen Bekanntmachungen die Praxis einem Kollegen zum Kauf anzubieten, ^u steuern," wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil ein Vertreter deS anttag- stellenden Vereins nicht erschienen war. Nachdem noch bekannt gegeben wordm war, daß aus der Wahl des Geschäftsaus schusses für das nächste Jahr die Herren vvr. Aub, Barde leben, Brauser, Cnyrim, Graf, Heinze, Pfeifer, Sigl und Wallichs hervorgegangen seien, wurde die Versammlung nach 8'/«stündiger Dauer geschlossen. Tagesschau Freiberg, den 7. Juli. Seit gestern weilt der deutsche Kaiser zum zwanzigsten Male als Gast in der reizende« Badestadt Ems, welche ans Anlaß dieses festlich« Ereignisse» reichen Flaggeuschmuck an gelegt hat. Zum Empfang deS Kaisers waren die Bahnhof straße und die Bogendrücke zu einer via ttiumpdulis umge- fchaffcn worden, in welcher eine große Menschenmenge nebst dm Spalier bildenden Schulen mit sehnsüchtigem Auge der Ankunft deS geliebtm Monarchen entgegensahen. Die stat^ liche Kinderschaar bildete ein gar liebliches Bild. Auf aller höchsten Befehl war jeglicher andsce Empfang unterblieben und nur Herr Bade-Kommissar Kammerherr v. Lepel-Gnitz mit Gemahlin, sowie Frau Gräfin Schltppenbach zur Be grüßung aus dem P«rron deS Bahnhofes erschienen. Seine Majestät der Kaiser befand sich bei der Ankunft in Uniform und geruhte beim Betreten deS Fürstm-Empfangtsalous de» Bahnhofes von den beidm Damm prächtige Blumensträuße entgegenzunehmen. Auf der Fahrt nach dem Kurhaus«, in dessen oberem Flügrlbau sich, wie immer, die kaiserlich« Woh nung befindet, wurde der Kaiser fortwährend von jubelnden Zurufen begrüßt. Die Fahrt erfolgte in Begleitung des Generals Grafen Lehndorff ia offenem Wagen, welcher sich in ganz langsamem Trabe bewegt«, so daß Alle reichliche Muße hattm, dm geliebten Monarchen sehen zu können. Der Kaiser dankte fortwährend in huldvollster Weise für die ihm seitens deS Publikums bereiteten Huldigungen. Auch als der Kaiser im Kurhaus angelangt war und auf einige Augenblicke an dem bekannten Eckfenster sichtbar wurde, brachte die freudig erregte Menge ihm in ermuten Hoch- und Hmcrahrufcn den Zoll der Verehrung dar, vorauf Se. Majestät noch mehr« mal- am Fenster erschien und dankend sich verneigte. Zur größten Enttäuschung der Bewohner von EmS wird der Kaiser diesmal dort nur einen kurzen Aufenthalt nehm« Md auch leine Kur gebrauchen, da er schon am 11. ds. MtS. über Koblenz Md Konstanz nach Gastein reist. Gestern empfing Se. Majestät den Statthalter von Elsaß - Lothringen, Fürsten Hohenlohe, und den Hof marschall deS deutsch« Kronprinz«, Grafen RadoliuSlt. — Mehr und mehr tritt in den der deutschen ReichSregieruug nahestehenden Blättern eine tiefe Verstimmung gegen Frankreich zu Tage, so daß di« in dm Wiener Md Pester Iourualeu fignalisirte Verdüsterung des westlichen Horizonts sich kaum noch abstreiten läßt. So schreibt die „Köln. Ztg.": „Hat schon di« Verhandlung gegm Köchlin Md Genossen vor dem Reichsgericht ergeben, daß der wahrhaft Schuldige bei dm hochverräterischen Umtrieben niemand anders als di« franzö sische Regierung war, so hat jetzt die Berhandlung gegm Klein Md die Mitangeklagten die ganze Einrichtung Md da» ganze Gewebe der von der französisch« Regierung amtlich betrieb«« Verleitung deutscher Uotcrthanen zum Landesverrat bloßgelegt. Richt etwa hat ein entarteter Sohn Deutschlands sich dem Ausland« verkauft, um sei« Land zu verrath«, sonder« di« französisch« Regierung hat ihre Grmzbeamtm beauftragt, nach D«tschlMd Hu geh« md dort, wo immer r» möglich sei, Leute zum Verbrech« zu überred«, zum Verrat an ihrem Lande zu verführ«. Französische Beamte warm die Letter dieser Berrätheret, sie gabm Ratschläge Md Aufträge, ver« mittelten Briefe Md Geld und wies« ihre Opfer an ihre Be stimmung." — Dieselbe Stimmung prägt sich auch in eine« Artikel der „Nordd. Mg. Ztg." au», in welchem diese» Lieb- ltngSblatt des deutschen Reichskanzlers etwa Folgendes sagt: .ES ist eiu allgemein anerkannter Grundsatz, daß Ausländer, welche sich in einem dtrsietttgm Staatsgebiete aufhaltm, die Vorteile aller inländisch« Einrichtung« genieß«, aber auch die Last« der Inländer Eugen. Eine» aber steht unter all« völkerrechtlich« Lehr« ftß, daß die Ausländer an allen Leistung«, die mit ihrem RechtSverhältniß zum Vaterland« unvereinbar, wie der Militärdienst, beftcett sein müssen. Bo« einem Fremden darf daher auch keine Steuer dafür gezahlt werden, daß er frei vom Militärdienste ist. Diesem Grund sätze widerspricht die in der französischen Kammer eingebrachte Vorlage, welche mit leicht durchsichtiger Tmdmz die zum Heeresdienst nicht beizuziehmdm Fremd« für ihre Befreiung davon besteuern will. Tritt diese Vorlage in Kraft, so bricht Frankreich mit dem eingangs erwähnt« völkerrechtlich« Grundsätze Md provozirt damit andere Staat«, ein« Fran« zosm, einfach weil er Franzose ist, einer besonder« Steuer z» unterwerfen. Für Deutschland scheint somit da» Moment gekommen, zu erwägen, ob nicht all« in Frankreich zur Ausführung gelangende» deutsch-feindlichen Bestimmungen auch in Deutschland, namentlich in deuReichSlandeu mit voller Reziprozität anzuwenden seien. — Der Erfolg der Zeichnung« auf die 3'/, proz«tige neue deutscheRetchsanleihe scheint die gehegten Erwartung« weit zu übertreffen. Berliner Blättern zufolge belaufen sich die Zeichnungen auf über 700 Million« Mark, während nur 100 Millionen gebraucht werd« Der Repartitionsmodu» ist noch nicht festgestellt; die Zntheiümg bleibt angeblich dm ein zeln« Zeichneustellen überlast« — Das Frankfurt er Schützen fest hat dm österreichischen Thetlnehmern manche brüderlich« Huldigung gebracht. DaS .Wimer Fremdenbl." nimmt davon mit Genugthuung in folgender Form Vermerk: „Die Schütz« aus dem deutschen Reiche und die Deutsch-Oesterreicher fanden sich bei der Scheibe und bei festlicher Gelegenheit in treuer StammeSgmossenschast und Schützenbrüderlichkett zusammen rmd kündete manch' schwungvolles Wort das Bewußtsein der innigen Bundesgenostenschast beider Reiche. Bei dem Fest« banket erhob der Frankfurter Oberbürgermeister Miquel sei« GlaS auf unserm Monarch« Md pries in der Waffen brüderschaft das starke Bollwerk gegm „dm Ansturm von Ost und West". Dieser Toast wurde Sr. Majestät telegraphisch übermittelt. In Gegenwart de» Kaisers von Oesterreich, der Erz« hrrzöge Karl Ludwig Md Ferdinand von Oesterreich-Este, der Erzherzogin Maria Theresia, welche die Kaiserin Elisa beth als Taufpathin vertrat, de» Kriegsministers, deS Marine- Kommandanten u. A. hat gestern in Pola der Stapellauf deS Thurmschiffe» „Kronprinz Rudolph" stattgefunden. Der Marine-Kommandant von Sterneck hielt eine Ansprache an dm Kaiser. In seiner Erwiederung sagte der Letztere, daS er« hebende Fest habe sür die österreichische Kriegsmarine ein« ernste Bedeutung, da dos neue Thurmschiff die Seemacht der Monarchie namhaft verstärk« solle. „Möge es, wmn e» ja Gottes Rathschluß wäre, im Moment deS Kampfes auch fernerhin Sieg Md Ruhm an unsere glorreiche Flagge fesseln!" — In einem Handschreiben de» Kaisers an den Marine-Kom mandant« heißt eS, er habe währmd seines Aufenthaltes in Pola die erneuerte Beruhigung und Ueberzeugung gewonnen, wir sehr die Marine von dem pflichttreuen, ernst« Streb«