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!87. BerautworUicher Redakteur: Iuliu» Braun in Freiberg , , Erscheint jeden Wochmtag Nachmitt.'/.S Uhr für den H o , andern Tag. Preis vierteljährlich LMatt 25 Pf., V»-- w « zweimonatlich 1M. so Pf. und emmonatltch 7S Pf. il 1887 r e, rwaltuus« 1« >1« und mit dem worden. aft". k. MajM hohen P«,! 23. April, l««g w wozu dH Üngehörig« »rut»»». Lor. 4«k«r. il 1887: tattung, xVV.VLr, Ar- ii. Walter, ger. Die Woche Die parlamentarische Arbeit in der deutschen Reichs- hauptsiadt ist in vollem Gange; der deutsche Reichstag md der preußische Landtag, welche am Dienstag gleich zeitig wieder zusammentraten, stehen vor großen und wich tigen Entscheidungen. Im preußischen Abgeordnetenhause scheint die Annahme der den Kulturkampf abschließenden Krchennovelle durch eine konservativ-klerikale Mehrheit ge sichert ; dagegen entzieht sich der Verlauf der Steuerreform- Angelegenheit und dre Bewilligung des Nachtragskredits 40. Jahrgang. ——— Sonntag, den 24. April Tagesschau Freiberg, den 23 April. Der deutsche Reichskanzler griff auch bei der gestrigen Fortsetzung der Berathung des preußischen Abgeord netenhauses über die Kirchenvorlage wiederholt in die Debatte ein. Fürst BiSmarck bekämpfte die Ausführungen deS Abg. v. Hammerstein und Bruel, welche die Verhältnisse der evangelischen Kirche in Beziehung zu der Vorlage brachten. Er führte aus, daß diese Dinge nicht mit der vorliegende« Frage zusammenhängen und wandte sich besonders scharf gegen Bruel und besten welfische, reichsfeindliche Tendenzen, die ein Interesse an der Fortsetzung deS Kulturkampfes hätten. Er selbst habe die Maigesetze stets nur als Kampfgesetze be ttachtet und sei immer zum Frieden bereit gewesen, jetzt hoffe er auf dauernden Frieden. In dem kirchenpolitischen Kampfe handle es sich nicht um die Stärkung der Staatsautorität, sondern um den Schutz gegen die Eingriffe staatsfeindlicher Elemente, wie der Welfen. Er sei für das Ansehen und die Selbständigkeit Preußens und des Reiches in dieser wie in allen Fragen eingetreten. Abg. Stöcker sprach gegen die Vor lage. Abg. v. JazdzewSki erklärte im Namen der polnischen Fraktion, dieselbe füge sich der Kundgebung des Papstes und werde daher tn die materielle Behandlung der Vorlage nicht cintrcten, falls sie nicht dazu gereizt werde. „Um die in Aussicht gestellten weiteren Unterhandlungen in keiner Weise zu stören, beabsichtigen wir," so fuhr Redner fort, „auch nicht, Abänderungsvorschläge zu machen." Es erfolgte hierauf der Schluß der Debatte. Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Abgeordneten v. Eynern, Bruel, Windthorst, Richter und v. Hammerstein wurde der vom Abg. Gneist gestellte Antrag auf Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mit gliedern gegen die Stimmen der Nationalliberalen und einiger Freikonservativen, u. A. der Abzg. Kennemann und vr. Arendt, abgelehnt und die Wciterberathung der Vorlage im Plenum beschlossen. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. (Dritte Berathung kleinerer Vorlagen; zweite Berathung des Schul- lcistungs-Gesetzcs). — Graf Kanitz und Genossen haben im Abgeordnetenhaus den Antrag eingebracht, die Regierung zu er suchen, im deutschen Bundesrathe dahin zu wirken, daß der Einfuhr zoll auf gekämmte Wolle von 2 auf 20 M. per Doppelzentner erhöht werde. — Wie gestern unter Depeschen mitgetheilt wurde, beläuft sich der im Reichstage vertheilte Nachtragsetat auf 176085950 Mk., davon 19408019 Mk. an fortdauernden und 156677 931 Mk. an einmaligen Ausgaben. Die fort dauernden Ausgaben setzen sich zusammen aus 18658019 Mk. Kosten der Erhöhung des Präsenzstandcs nach dem neuen Militärgesetz und 750000 Mk. für Verzinsung der Reichs schuld. Die einmaligen Ausgaben vertheilen sich folgender maßen: Verwaltung des Reichsheeres: Ordentlicher Etat: a. Preußen rc. 62912157, b. Sachsen 5389134, e. Württem berg 2643 444, ä. an Baiern 9280342 Mk. Außerordent licher Etat: Zu Garnisonbauten rc. in Elsaß - Lothringen 6943065, zur Ergänzung und Verstärkung der Festungen be ziehungsweise der Vertheidigungseinrichtungen in denselben dererseits wird vorgeschlagen, den Herausgeber der „TimeS" Buckle, vor einen Ausschuß d«S Unterhauses zu ladm, da mit er seine Anschuldigungen beweise. Die Sprache der irischen Journale anläßlich dieses Vorfalles wird täglich stärker und zügelloser. Am russischen Osterfeste sollte, nach der Ankün digung verschiedener Petersburger Korrespondenten, der von Katkow so schwer beleidigte russische Minister von Gier» einen hohen Orden und ein Handschreiben des Zaren er halten, welche der vollen Zufriedenheit des Kaisers mit der bisherigen auswärtigen Politik Ausdruck geben würde. Das Fest ist leider ohne solche friedensfreundlicht Kund gebung vorübergegangen. Mit Spannung erwartet man nun, ob trotzdem GierS auf seinem nicht sehr beneidenS- werthen Posten ausharren wird. Inserate »erden bi» Bormittag 11 Mr angenom- men und beträgtdie gespaltene Zeile lOV U und Tageblatt. Amtsblatt für die kimiglichm und städtischen Behörden zu Freiberg und Brand Stages Sr. ügs Altert cil, Abends Saale zm siieder nebst reunde und üblichst ei» dm Hern, Untermach , Schneid» siestauratm «tze, Bah» find «»pu sied plötzlich i'/t Jahren- !87. Familie 1,0 oU der deutschen Reichstages zunächst noch jeder Berechnung. Der im Bundcsrath streng vertraulich behandelte Nachtrags etat ist endlich am Freitag an den Reichstag gelangt, wobei die Höhe der gestellten Forderung die schlimmsten Be- firchtunaen rechtfertigte. In Anbetracht der Bedeutung der Vorlage für die militärische Sicherheit des Reiches wünscht die Reichsregierung eine sehr belchleunigte Er ledigung, dennoch wird der Reichstag die Angelegenheit einer Kommission überweisen, in der weit eher als im Plenum die militärischen Aufklärungen gegeben werden 8nnen, die für neue Heeresausgaben in der Höhe von 176 Mill, doch unerläßlich scheinen. Vor Allem handelt es sich solchen Ausgaben gegenüber darum, dem Reiche neue Einnahmequellen zu eröffnen, damit wir nicht in Deutschland in unerträgliche finanzielle Bedrängnisse ge- rathen. Die Zusammensetzung des Reichstages ist zum Sluck für die Lösung großer nationaler Aufgaben, zu denen gewiß die finanzielle Befestigung des Reiches ganz besonders gehört, so günstig wie lange nicht. Hoffentlich werden aber dei der jetzigen dringlichen Lage alle unberechtigten For derungen und Sonderinteressen zurückgedrängt, welche bis- hn eine Verständigung über die Steuerreform erschwerten. Für die Entscheidung des Reichstages ist es hochwichtig, daß noch vorher im preußischen Abgeordnetenhaus die An nahme der Kirchenvorlage erfolge, von welcher Fürst Bis- mack einen dauerhaften kirchenpolitischen Frieden und eine bedeutende Abschwächung der grundsätzlichen Oppo sition des Zentrums auch im Reichstage erwartet. Mit großem Eifer trat Fürst Bismarck am Donners tag im Abgeordnetenhaus? für die Annahme dieser Vorlage ein, die er zur Kabinetsfrage machte. Im Falle einer Ablehnung erklärte Fürst Bismarck nämlich, nn preußi schen Staatswesen nicht länger mitwirken zu können und »ur noch dem Reiche seine Dienste widmen zu wollen. Am Schlüsse einer eindringlichen Rede sprach der Reichskanzler die bedeutungsvollen Worte: „Wir können schweren Prüfungen entgegengehen in auswärtigen und innerm Wuchsen, gegenüber den Umsturzparteien der verschiedenen Kategorien. Mein Bedürfniß war es, ehe wir diesen Prüfungen ausgesetzt wären, alle inneren Streitigkeiten von uns abzuthun, die entbehrlich für uns sind, und für ent behrlich halte ich für Preußen den kirchenpolitischen Streit, denn er mit dieser Vorlage beseitigt werden kann." Ob diese Beseitigung in der Weise möglich ist, wie Fürst Bis- niarck denkt, das wird selbst von vielen seiner treuesten An hänger angezweifelt. Auch ohne die Drohung mit seinem Rücktritt durfte er aber die Genehmigung der Kirchennovelle als gesichert betrachten, nachdem Papst Leo XIII. in einem Sendschreiben an den Erzbischos Krementz von Köln die preußischen Katholiken aufgefordert hatte, freudiger Hoffnung ich hinzugeben, dem Papste unbedingt zu vertrauen, das «Rede stehende Gesetz als den „Zugang" zum Frieden unzuerkennen und zu erfüllen und dann, „nach Beseitigung der Ursachen der Zerwürfnisse" eines Sinnes mit den Bischöfen zu bleiben. Gewiß ist es hocherfreulich, daß der Papst so warm für den Frieden eintrat und dem deutschen Kaiserthum volles Vertrauen und Achtung zollte; trotzdem »egt Grund genug zu der Befürchtung vor, daß das Zentrum sich dem Willen des heiligen Vaters jetzt nur scheinbar unterwirft, wenn es das bisher bekämpfte Kirchengesetz durchbringen hilft. Die verbitterte Sprache der deutschen oentrumsblätter, die sich nur anscheinend gegen die Gouverne- uientalen, in Wahrheit aber gegen das Oberhaupt der Uöholischxn Kirche richtet, verspricht nichts Gutes. Dazu kommt eine wahre Vergötterung des Parteiführers Windt- W, der jetzt noch immer offen der Reichsregierung und Mt dem Papste trotzt. Bei Besprechung der Sammlung dir m diesem Zentrumsführer zugedachtes Ehrengeschenk W die „Germania": „Wir werden den Herren zeigen, daß »Prestige" Windthorst's, trotz ihres Zweifels, noch be- ' "cht, Arm und Reich wird dazu helfen." Zwischen den österreichischen und ungarischen Quoten-Deputationen ist eine Vereinbarung zu Stande ge kommen, wonach die Beitragsleistung der beiden Reichs hälften zu den gemeinsamen Angelegenheiten für die nächsten 10 Jahre auf der bisherigen Höhe verbleibt. Die Wiener Blätter erachten den raschen Erfolg der Unterhandlungen als einen erfreulichen Beweis für die Vertiefung der duali stischen Staatsform und für den Fortschritt, welchen das gute Einvernehmen zwischen dm beiden Reichshälften in den letzten Jahren gemacht hat. Man erhofft nun auch eine baldige freundliche Lösung der übrigen zwischen Oester reich und Ungarn noch schwebenden Fragen. Die Fach referenten der beiderseitigm Regierungen für die Spiritus- steuer sind unausgesetzt mit ihrer Aufgabe beschäftigt. Ende dieser Woche nahm auch der österreichische ReichSrath seine Thätigkeit wieder auf und beschäftigte sich daS Herrenhaus zunächst mit dem Anttage von Schmerlings auf Ein- setzung einer Kommission behufs Prüfung des Prazak'schen Sprachenerlasses. Anläßlich deS sechzigjährigen Dienst jubiläums des Erzherzogs Albrecht von Oesterreich fanden am Sonnabend in Wien mehrere hervorragende militärische Festlichkeiten statt. Dem am Montag wieder zusammengettetenen italie nischen Parlament theilte der leitende Staatsmann DepretiS die erfolgte Neubildung des KabinetS in aller Form mit, bezeichnete ein besonderes Programm des Mini steriums als überflüssig und unthunlich, gab aber doch einige Erklärungen über den Standpunkt deS KabinetS ab. Darnach ist das Letztere fest entschlossen, die militärische Expedition in Ost-Afrika mit aller Entschiedenheit fortzu führen. DepretiS betonte, daß die muthvoll bei Dogali gefallenen italienischen Soldaten nicht ungerächt blewen sollen, daß aber andererseits die Regierung sich nicht zu unüberlegten Handlungen hinreiben lassen dürfte, da ein derartiges Unternehmen gehörig vorbereitet und zur geeig neten Zeit ausgeführt werden müsse. Nicht geringes Aufsehen erregte in Frankreich der Rücktritt des Revanchedichters Döroulöde von der Leitung der Pattiotenliga. Der exaltirte Deutschenfeind konnte es angeblich nicht ertragen, daß während der Wahlen für den deutschen Reichstag und angesichts der Pression in Elsaß- Lothringen Niemand in Frankeich protestirte. Das schien ihm eine förmliche Verzichtleistung. Aus einem Briefe Dsroulvde's theilte der jetzige Präsident der Pattiotenliga, Sansboeuf, folgende Stelle mit: „Freunde, es ist Alles vorbei. Wird man jemals den Krieg wagen ? Wird Elsaß- Lothringen uns je wieder erstattet werden? Wird unser Werk jemals von Erfolg gekönt sein?" Diese Hoffnungs losigkeit des ehemaligen Patriotenführers ist für die Chauvi nisten geradezu niederschmetternd. Der Frieden zwischen Deutschland und Frankeich wird nicht gestört werden, trotz dem in Paris in diesen Tagen die Kourse in Folge eines „Metzer Vorfalls" stark zurückgingen. Damit ist die an gebliche Thatsache gemeint, daß ein französischer Grenzpoli zeikommissar mit dem nicht sehr französischen Namen Schnäbele auf deutschem Gebiete vom Polizeikommissar Gautsch aus Ars verhaftet und ins Untersuchungsgefäng- niß eingeliefert worden sein soll. — Der am Montag von einem französischen Handlungsreisenden Namens Hillairand gegen den früheren Marschall Bazaine in Madrid verübte Mordversuch wird allgemein als die bedeutungslose That eines Wahnsinnigen angesehen. Nach langen und heftigen Debatten ist im englischen Unterhause die irische Zwangsbill in zweiter Lesung durch gegangen. Die Zusammensetzung der Mehrheit, welche den auf Ablehnung der Bill gerichteten Antrag Samuellon zu Fall brachte, zeigte deutlich, daß sich das Kabinet Salis bury in seinem Streben nach Aufcechthaltung der Ordnung und des Gesetzes in Irland auf eine ebenso große wie feste Gefolgschaft stützt. Von den 669 Mitgliedern des Hauses der Gemeinen betheiligten sich 639 an der Abstimmung über diesen Antrag. Die Mehrheit von 370 bestand aus 306 Konservativen und 64 liberalen Unionisten, die Minder heit von 269 aus 1W Gladstonianern, 83 Parnelliten und 3 liberalen Unionistem Ein von der „Times" veröffent lichter Brief Parnej/s an Egan, in welcher der Führer der irischen NatioMpartei den Mord im Phönixpark zu Dublin billigt, erregt die Gemüther in England um so mehr, als die^Times" trotz Parnell's bestimmtester Ab leugnung aus^ihrer Behauptung von der Echtheit des Briefes beMrrt. Es ist die Rede davon, daß Parnell deshM^snen Verleumdungsprozeß anstrengcn wolle; an- Msr, i'Arrougt- rlÄuseder. LtlOV Leige. April» k nds 8 Uhr »IL lorstrud. M. Sr. Maje. und Hoh» en To«», id Abend en »ifthif 7 Uhr mi ladet alle an Vorsteher. Wenn auch noch nicht gerade gefährlich, so ist doch die Lage in Mittel-Asien entschieden eine sehr ernste. An eine militärische Unterstützung des von den Ghilzai- Bergstämmen hart bedrängten EmirS Abdurraham von Afghanistan scheint England nicht zu denken. Unverkennbar verzichtet das Kabinet Salisbury im Voraus darauf, Afghanistan selbst gegen eine etwaige russische Invasion zu schützen. Indiens Vertheidiaung soll nicht in Afghanistan, sondern an der indischen Grenze selbst stattfinven. Zu diesem Zwecke sind die schwachen Punkte derselben befestigt Hinterlande durch Eisenbahnen verbunden