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V Erscheint jeden Wochenrao N^chmv^ '„SUHrfÄ den Io andern Tag. Pret» virrteljährltS L «tack «-Pf., LW» zweimonatlich I M. ÜO Pf. und tkniEtltch 7SPs. LtL den Prinz verblieb vierundzwanzig Stunden in Koburg, jämmtlicha kenntlich. » KU M I»»r. s^Utzr, ' sonstig istaltet wü ngenomma schäft, dmih «ständ« die mild» kstand 1«r. nsdei nur selbst« den Dena nn Ldrxt rater der merplatz i» tlert»««. chwüch« ic Pie« i» fionen mb Somit«, Borstellm» f Plätze: atz 60 Ps, nsttof. Mor, tfg., «I. 40. Jahr,-»,. Dienstag, de« 12. Juli Inserat« »erden bi« Vormittag 11 ULr angenam- ! » FHOM men und betriigi der Preis für die gefpaltrne Zell« ö ^OO G < »der deren Raum Id Pf. und Tageblatt. Amtsblatt für die königliche« Md städtische« Behörde« z« Freiberg Md Brand Verantwortlicher Redakteur: Julius Brau« m Freiberg. Die Fürftenwahl in Tirnown. Mit der am 7. d. M. in Timowa vollzogenen Fürstm- vahl ist die Orientfrage in ein neues Stadium zetteten. Sollte es sich bestätigen, daß die Wahl des Prinzen Ferdi- band von Koburg wirklich einstimmig erfolgte und daß unter den zustimmenden 370 Mitgliedern der bulgarischen Cobranje sich auch 120 sonst zur Opposition gezählte Kimmen befanden, so würde dies beweisen, daß die Partei Zanlow der Zauderpolitik Rußlands überdrüssig geworden ist und ebenso wie die Anhänger der Regentschaft um jeden Meis dem jetzigen Zustand in Bulgarien ein Ende machen KM. Sicher ist, daß dieser Zustand völlig unhaltbar ge worden ist, seitdem ernste Mißhelligkeiten zwischen dem Re nnten Stambulow und dem Ministerpräsidenten Rados lawow. sowie zwischen dem Freunde des Letzteren, dem »Mellschen Oberst Mutkurow und dem Kriegsminister Nilolajew die Schwächen der bulgarischen Regentschaft mt- Mtm. Die Sobranje beschloß deshalb mit dem Muthe ber Verzweiflung, daß sie, falls die Mächte der Wahl des Minzen Ferdinand ihre Zustimmung versagen sollten, sich Mr Artikel 3 des Berliner Vertrages hinwegsetzen und die Unabhängigkeit Bulgariens proklamiren wolle. Was die wahrscheinliche Stellungnahme der Mächte anbelangt, ko ergirbt sich aus den Verwandtschaftsverhältnissen des «rinzen Ferdinand von Koburg als das Wahrscheinlichste, daß er als Bulgarenfürst in Wien und London ebenso an- venehm, wie in Petersburg unwillkommen sein dürfte. Frankreichs Regiemn g wird ihm schon aus Liebedienerei »egm Rußland, aber auch als dem n«hm Verwandten der Orleans kein freundliches Gesicht zeigen. Das Interesse der Pforte verlangt eine Festigung der bulgarisch-ostrume- lnchen Verhältnisse, sofern ein selbständiges Bulgarien ihr »lr Vormauer gegen Rußland dienen kann und die Zahl der fürstlichen Rivalen auf der Balkanhalbinsel vermehrt. Veber die Stellung der deutschen Reichsregierung zur Wahl «s Prinzen von Koburg zum Fürsten von Bulgarien ver lautet noch nichts Bestimmtes. In Berlin ist man der Schicht, daß die deutsche Politik, entsprechend ihrer nüchter nen Auffassung der Orientdinge, sich mit der Stellung nahme nicht beeilen, sondern zunächst eine abwartende Hal- Wing einnehmen werde, so lange nicht die Zustimmung der Morte vorliegt. Als gewiß bezeichnet man, daß Deutsch- W»d in dieser Frage das größte Gewicht auf die Ueber- Winstimmung mit Oesterreich lege und seine Ent- Icheidung so treffen werde, wie es am meisten im Jnte- lesse des Weltfriedens zu liegen scheine. Von Wen Zeitungsstimmen ist besonders die Bemerkung der WKreuzzeitung" beachtenswerth, daß, wenn nicht unerwar- lete Ereignisse dazwischen treten und Rußland in seiner WiSherigen Passivität verharrt, wie das bisherige Provi- Wiium, auch die Herrschaft eines neuen, wenngleich von den Mächten nicht anerkannten Fürsten sich für längere Zeit In Äulgarien erhalten könnte. Prinz Ferdinand dürfte die Schwierigkeiten der über- Dommenen Aufgabe leicht unterschätzt haben; wenigstens Deutet die „Deutsche Zeitung" darauf hin, daß er bei der Mnkunst in Tirnowa eine Partei Nikolajew, eine Partei Wtambulow, eine Partei Zankow, aber keine Partei Koburg Dorfinden werde. Die „Neue freie Presse" erblickt in der Antwort des Prinzen von Koburg den nothwendigen Ver- Dch, die bulgarischen Wirren im Geiste des Berliner Ver- Dages zu schlichten; sie vermißt aber den Entschluß desselben, M Dämme des Berliner Vertrages zu durchbrechen, wenn Die Zwietracht der Mächte die Beendigung des Provisoriums Mhmdem sollte. Die Antwort des Prinzen auf die tele- MPhische Mittheilung seiner Erwählung hatte folgenden Wortlaut: „Empfangen Sie meinen Dank für die erhabenen Morte, die Sie an mich gerichtet habm bei der Anzeige Wn dem Beschluß der großen Nationalversammlung und Wn meiner Erwählung auf den Thron von Bulgarien. Ich W bereit, der bulgarischen Nation meine Dankbarkeit zu Mägen, indem ich ihr mein Leben weihe. Ich rechne auf Mam Eiser, Eure Umsicht, Eure Ergebenheit, mich in dem Wchreben zu unterstützen, das Glück oes Landes zu sichern. Mobald meine Erwählung durch die Hohe Pforte bestätigt M von den Mächten anerkannt ist, werde ich dem Rufe Mr bulgarischen Nation entsprechen, indem ich mich in ihre Wte begebe. Prinz Ferdinand von Sachsen-Koburg." W Bulgarien nahm man diese Antwort für eine bündige »sage und prangte deshalb nach dem Bekanntwerden derselben W Stadt Timowa in Flaggenschmuck. Die Stadt Sofia »die dem künftigen Fürsten von Bulgarien telegraphisch sehens dieses Stücks kommt das Gutachten zu dem nachfolgen den Ergrbniß: „DaS rxzidtrte Stück hat sich daher in noch höherem Grade, als die bet der vorletzten Operation gewon nenen, als »ine, von einer mäßig gereizt« und verdickte« Oberfläche auSgegangene, harte, zusammengesetzte Warze ergeben, u»d dir Basis dersäben hat auch nicht de« entferntesten An halt für die Annahme einer in doS Gewebe eindringrnde« Neubildung geliefert." — Sonnabend Vormittag traf der fiamrsische Prinz Dwawongse in Berlin ein, welcher nn Auf trage dem Kaiser d« höchsten siamesischen Orden „Maha Chakri", der nur au Souveräne verliehen wird, «ud dem Prinzen Wilhelm von Preußen ebenfalls eine hohe siamesische OrdenSauSzeichmmg überbringt. Zugleich mit dem Prinz« langt« von Part» auf der Reise nach Kopmhagm auch die vier siamesisch« Prinz« Kitegtker, R«bi, Pravit und Chirä in Baclin an. In der Begleitung der vier siamesisch« Prinz« befind« sich die Hauptleute Pltan und Phra Darnn Raksa und die Lieutenants Saat, Khoon Vichit und Nat Chit. — Der „Reichs-Anzeiger" veröffmllicht eine auS EmS vom 8. d. M. datirte k-iserliche Verordnung, wonach da» Pferde- AuSfuhrverbot mit der Verkündung der Verordnung außer Kraft tritt, ferner die Gesetze über die Abänderung der Gewerb^Ordmmg, sowie über di« Verwendung gesundheits schädlicher Färb« bei Nahrungsmitteln. — Dir „Köln. Ztg." schreibt: „Mit gerechtem Stolz« darf daS deutsch« Reich die Thatsach« verzeichn«, daß di« R«ichSanleth« von 100 Million« Mark, mit nur 3^/, Prozent verzinslich «ud nahezu zum Neunwerth aufgelegt, mehr als sieben Mal grzeichnet Word« ist Bekundet diese Thatsach«, wie fest da» Vertrauen der Geldmäoner auf die Sicherheit de» Reiches Ist so beweist sie auch in der erfreulichst« Weise, daß die Vorliebe der Deutschen für fremde Werth« aufgehört hat Bei der Mehr zahl der Deutsch«, die sich etwas erspart hab«, scheint die Ueberzeugung durchgedrungen zu sein, daß man ruhiger schläft aus Anlage «iueS deutsch« RelchSpapierS, daS 3'/, Proz. bringt, als eines russisch« Besitzes, der auf 4^/, Proz. lautet, aber plötzlich gar nichts mehr bring« könnte. Nachdem wir gesehen hab«, wie in Rußland daS lieg«de und werbende Eigenthum der Ausländer behmdelt wird, daS de« russischen Staat doch hohe Steuern bringt, werden wir unS kaum wundern dürfen, wenn eine- schönen TageS ein Ukas mit dm Staatsgläubigern, die zum größt« Theil nicht Ruff«, sondern Ausländer find, ebenso umspringt. Die „Nowoje Wremja" ist erbost, daß wir die deutschen Sparer vor russisch« Papieren gewarnt habm, vermag aber die Begründung unserer Warnung nicht anzutasten, und so könnten wir seine lange Auseinandersetzung aus sich beruhen lassen, wenn darin nicht der Vorwurf gegm unS erhob« wäre, wir mischt« imS in innere russische Angelegenheit«. Das liegt uns fern. Der Kaiser von Rußland kann aus seinem Lande verweis«, wm er will, und die Zins« der Staatsschuld verkürz«, wie immer es ihm beliebt; — daS ist eine rein innere russische Angelegenheit. Die deutsche Regierung aber würde gegen ihr« Pflicht handeln und jedenfalls würde die deutsche Presse ihren Lesern nicht gerecht werden, wenn sie ihrerseits nicht davor warnte, gutes deutscher Geld in russische Werthe zu steck«. Diese Warnung ist eine rein innere deutsche Angelegenheit. Die Deutschen, welche Geld tu russische» Grundbesitz gesteckt hab«, sind durch dm Schaden gewitzigt; diejenigen, welche eS in russischen Papieren angelegt habm, sollen wenigstens ge warnt fein." Bei dm Warnnngm scheint es aber nicht be« wende» zu soll«, da -usDarmstadt mitgethetlt wird, sdaß daS dortige Amtsgericht die Vormünder und Kuratoren, in derm Verwaltung sich russische Werthpapiere befind«, auf gefordert hat, innerhalb acht Tagm beim Gericht zu einer Besprechung über die Anlage der vormundschaftlich« Ler« mögm sich einzufindm. — Herr Oberbürgermeister vr. Miquel in Frankfurt am Main erläßt folgende Be kanntmachung: „Das S. deutsche Bundes- und Jubiläums- Schießen in unserer Stadt ist glänzend und zu Aller Befrie digung Verlauf«. Nach dem Beschluß des Zentralausschusses wird dasselbe am Montag Abend 10 Uhr definitiv geschloffen. DaS schwere Unglück, welche» die Gemeinde Zug in der Schweiz traf, hat auch in Deutschland die größte Theilnahm« erregt. Wir glaubten daher im Sinne unserer mildthätigm Bürgerschaft zu handeln, wenn wir anS diesem traurigen An laß beschlossen, am Dienstag von 4 Uhr ab bis Abends 11 Uhr für unsere Bürgerschaft gegen ein Eintrittsgeld von 1 Mark alle Veranstaltung« deS Festes noch offen zu halten. Wir habm die Absicht, alle Einnahmen ohne jeden Abzug dm Opfern der Katastrophe in Zug zu widmen und find sicher, daß der bewährte WohlthätigkeitSfinn unserer Bürgerschaft diese» Entschluß billigen und durch rege Theilnahme bethätigen 1887 IHV». -gebenst ei» pPöktz« s dazu w Tagesscha« Freiberg, den 11. Juli. Heute Nachmittag 4 Uhr verläßt der deutsche Kaiser die freundliche Badestadt Emk, um sich zunächst auf etwa zwei Tage zum Besuch bei der Kaiserin nach Koblmz zu begeben. Von dort auS beabsichtigt der Monarch «n Donnerstag in der laufenden Woche die Reise nach der Insel Mainau anzw- ketm, um daselbst wieder für einige Zeit Aufenthalt zu neh men. Von der Mainau aus find weitere Reise-Dispositionen noch Vorbehalte«. Das Befinden deS Kaisers ist ein ganz vorzügliches; ebenso befriedigend laut« die Nachricht« über dm Gesundheitszustand deS deutschen Kronprinzen. Di« „Berl. Klin. Wochenschrift" veröffentlicht daS Gutachten deS Geh. Rath Prof. vr. Virchow über die Natur deS durch dm letzten operativen Eingriff aus dem Halse des Kronprin zen entfernten Fragmentes der warzenartigen Neubildung. Nach einer genauen Beschreibung der Struktur und des Aus- ihre Glückwünsche; die Straßen Sofias wurden geschmückt und viele Privathäuser beflaggt; am Freitag Abend fand dort eine Illumination statt. Auch in vielm Orten der Provinz wurde die Nachricht von ver Wahl des Prinzen Ferdinand mit großem Enthusiasmus ausgenommen. Das ministerielle Wiener .Fremdenblatt" rühmt an dem künftigen Fürsten von Bulgarien ein lebhaftes In teresse an dm Naturwissenschaften, seine musikalische Be gabung, seine gute militärische Ausbildung und Fähigkeit, sein gewinnendes, elegantes Aeußere und sem lieSmswürdiaes Wesen. Im klebrigen weist es auf seine verwandtschaftlichen Be ziehungen hin, besonders darauf, daß der Erwählte der Bulgaren ein Neffe der Königin Victoria, und daß sein jüngerer Bruder, der Prinz Philipp von Koburg, em Schwager des Kron prinzen Rudolph von Oesterreich ist. Der Prinz besitzt neben anderen Orden auch das ihm vom Zaren Alrxander IÜ. 1884 verliehene Großkreuz des russischen Stanisl«us-Or- dens. Der Zar soll ihn damals, als er anläßlich der Vermählung des Großfürsten Sergius in Petersburg war, und auch im Jahre zuvor, bei der Krönungsfeier in Mos kau, durch seine persönliche Gunst sehr ausgezeichnet haben. Prinz Ferdinand kmnt Bulgarien durch eigene Anschauung; er hat dieses Land schon im Jahre 1882 auf seiner großen europäischen Rundreise besucht und ist damals mit einigen der leitenden Staatsmänner in persönliche, wenn auch nur flüchtige Beziehung getreten. Im Gegensatz zu der Nach richt, daß der Prinz nach London gereist sei, berichtet das Wiener „Fremdenblatt", daß sich der Prinz am Montag nach Koburg begab, um dort mündlich mit seinem Oheim, dem Herzog Emst II. von Sachsen-Koburg und Gocha, dem Oberhaupte der Familie Koburg, wegen der Annahme der bulgarischen Fürstenwürde zu konferiren. Nach Familienstatuten entscheidet Herzog Ernst über alle das HauS Koburg berührend« politischen Angelegenheften. Der a, schreit«, otograph« ilette. Alk zu dürft», scherzweise alle Kunst« di« Hälfte. Prinz verblieb vierundzwanzig Stunden in Koburg, traf Donnerstag früh in Wien ein und setzte dann mit der Nordbahn die Reise nach Schloß Ebenthal fort, woselbst die Mutter des Prinzen, Prinzessin Marie Klemmtine, wohnt. Die übrigen Mittheilung« desselben Wimer mini steriellen Organs lauten so, als ob das plötzliche Auftauchen des Prinzen in Bulgarien zu erwarten wäre. In seinem Wiener Palais ist man über seinen derzeitigen Aufenthalt in Unkenntniß. Nach anderer gerüchtweiser Darstellung wäre die Ankunft des Prinzen in Bulgarien erst etwa in drei Wochen zu erwarten, da er vorher auf diplomatischem Wege die Zustimmung aller Mächte zu erlangen versuchen wolle; Rußlands Weigerung werde ihn schließlich nicht ab» Halim, nach Sofia zu gehen. Ueberraschende Vorgänge in Bulgarien selbst wird man immerhin als Möglichkeit noch mit in Rechnung nehmen" müssen. Die baldige Ankunft des neuen Fürstm scheint dort um so wünschmswerther, als die bulgarische Regentschaft ihre Stellung selbst für nicht mehr haltbar erachtet. Bekanntlich hat das Mini sterium Radoslawow seine Entlassung eingereicht. Wie die „Agmce Havas" meldet, zeigte aber am 9. d. M. auch die Regentschaft der Sobranje ihren Rücktritt an und stellte es derselben anheim, ihre Demission oder diejenige des Kabinets anzunehmen. Es verlautet, daß die Sobranje beide Demissionen ablehnm und zwischen beiden Regierungs organen eine Verständigung herbeizusührm suchen werde. Jedenfalls ist die Stellung des neuen Fürsten angesichts solcher zerrütteten Zustände in Bulgarim keine beneidens- werthe und gehört ein großer Jugendmuth dazu, sich in solche Wirrnisse freiwillig zu begebm.