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»7. «fern tief« Uhr vn« «nckt. ihereS da- »»r, terlassmen. 1887. ir nach: Sasth. das. Minister k. 1887. erbost en garten. s8Uhrw rftavd. b. er thrurm c, LI» stiedmam, durch den i dem Be er, ckinano, r nah und Ruhestätte Walter Grabe. Freiberg. 19,6'». 11,, »L 16 epött!. t, Abends sschüfie. die Ab» ngskursus. he» ve- ührer. ft-, rstag, «tvtto, gsdorf. bend. hen »rath. 17Juli, Ms. i> Benefiz idel «Ü , Sonu- ömühl«. :benst ein ttio». berschön» Das ftanzöfische Rationalfeft Mit ernster Besorgniß sieht man dem Verlauf der Natio nalfeier entgegen, die an diesem Donnerstag in Paris in besonders erregter Stimmung begangen wird. Die jämmer liche Mederlage, welche die radikale Partei am Montag in der Kammer erlitten hat, veranlaßte deren Organe zu den wüthendsten Ausfällen gegen die Regierung und zu der nicht zu unterschätzenden Drohung, daß das souveräne Volk am Donnerstag der Kammer die Antwort nicht schuldig bleiben werde. In der festen Ueberzeugung, auf parlamen tarischem Wege dem jetzigen Regierungssystem nichts an- habrn zu können, möchte der Anhang Clömenceaus und Rocheforts den Kampf auf die Straße verlegen und rechnet dabei auf die Unterstützung der Patriotenliga, die es kaum mhig hinnehmen wird, daß die Minister und die Kammer- Mehrheit ihren Abgott Boulanger so herunterzogen, daß derselbe kaum noch im Stande rst, sein Kommando zu be halten. Seit Montag haben sich die Gegensätze derart ver schärft, daß die Radikalen und die Patriotenliga alle Be deutung verlieren müssen, wenn es der Regierung gelingt, durch umfassende Sicherheitsmaßregeln dafür zu sorge», daß das Nationalfest ohne ernste Zwischenfälle verläuft. Die mangelnde Energie der Regicrungsoraane den Skandal- szenen gegenüber, welche Rochefort und seine Freunde am Sonnabend bei der Abreise Boulangers veranstaltet hatten, ließ da- Kabinet Rouvier so schwach erscheinen, daß die Radikalen bereits gewonnenes Spiel zu haben glaubten. Um so größer war ihre Enttäuschung, als das Ministerium am Montag in der Kammer die Gelegenheit vom Zaune brach, die Boulanger-Frage zum Austrag zu bringen. Der Erfolg hat das Vorgehen Rouviers gerechtfertigt; die Früchte seines am Montag in der Kammer errungenen Sieges würden aber sofort wieder verloren gehen, wenn er nicht auch mit derselben Energie am Donnerstag den radi kalen Gegnern begegnet, sobald dieselben^ ihre Drohung wahr machen und den Kampf auf die Straße verlegen sollten. Es läßt sich hoffen, daß das Ministerium Rouvier sich seiner Aufgabe, die Ordnung und die gesetzmäßige Republik aufrecht zu erhalten, gewachsen zeigen wird. DaS Auf treten des Unterrichtsministers Spuller, der am Sonntag bei einer Preisvertheilung die Boulanger dargebrachten Ovationen als Erniedrigung vor einem Götzen bezeichnete, den vergötterten General aber .den Triumphator einer Stunde- nannte, zeugt von entschlossenem Muth. Nicht geringere Festigkeit bewies am Montag der Konseilpräsident Rouvier, als er, den radikalen Lärm auf der Tribüne und der Gasse mißachtend, sich feierlich gegen alle Zweifel an der republikanischen Gesinnung der Regierung verwahrte und den Radikalen vorwarf, daß sie sein Ministerium nur deshalb anfeindeten, weil er Boulanger beseitigt habe nach dem dessen Name zu ungesetzlichen Kundgebungen mißbraucht worden war. Rouvier gina dabei so geschickt vor, daß sich der radikale Führer Clsmenccau dadurch veranlaßt fühlte, zwar die Verdienste Boulangers um die Republikanisirung der Armee herauszustreichen, aber gleichzeitig seine über große Vorliebe für den Lärm und für die Popularität zuzugestehen. Dabei wiederholte Clemenceau fortwährend die sattsam bekannten Anschuldigungen der radikalen Presse und ermüdete die Geduld der Kammer so sehr, daß er, stürmisch unterbrochen, schließlich die Tribüne verlassen wußte, ohne seine Rede beenden zu können. Sein Freund Laisant wollte diesen mißlichen Eindruck verwischen, indem er das Ministerium beschuldigte, die patriotischen Verdienste Boulangers zu verkennen und damit eine werthvolle Kraft zu vernichten. Als er hinzufügte, das jetzige Ministerium sn unter dem Druck von außen entstanden, erhob sich ein andauernder Tumult und nun machte es der Konseil- Präsident Rouvier dem Vorsitzenden zum Vorwurf, daß er das Ministerium gegen eine solche Beleidigung nicht durch den Ordnungsruf schütze. Der Präsident Floquet rügte daraus nachträglich die Aeußerung Laisants, war aber von der seiner Geschäftsleitung ertheilten Zurechtweisung so winlich berührt, daß er sein Amt niederlegen wollte, eine Absicht, auf die er erst am andem Tage auf Wunsch der gejammten Kammer verzichtete. DaS Ergebniß der Mon- lagsabstimmung, bei der sich 357 gegen 111 Stimmen für den von Rouvier verlangten Uebergang zur einfachen Tages-Ord nung erklärten, kann aber erst dann als ein entscheidender ^"8 angesehen werden, wenn die ftanzöfische Regierung entschlossen ist, dem kühnen Wort auch die kraftvolle That folgen zu lassen. Das Kabinet Rouvier muß die ernste Gefahr ins Auge fassen, daß der Funke der Erbitterung aus den parlamen tarischen Reihen der geschlagenen Radikalen auf den zu Ausschreitungen geneigten Theil der Bevölkerung von Pans überspringt. Bon der deutschen Reichsregierung aus wohl erwogenen Gründen mit Mißtrauen betrachtet, darf sich das jetzige französische Kabinet nicht von seinen Gegnern in Frankreich den Borwurf mangelnder nationaler Gesinnung und die Bezeichnung .deutsches Ministerium" gefallen lassen. Das an diesem Donnerstag in Paris gefrierte Nationalfest mit seiner Ansammlung gewaltiger Volksmengen bietet aber der radikalen Opposition die erwünschte Gelegenheit zu neuen Kundgebungen, deren Tragweite sich im Voraus gar nicht ermessen läßt. Dieselbe Menge, welche am Sonnabmd auf dem Lyoner Bahn Hofe die Fenster zerschlug, die Schie nen besetzte, um dm Abgang der Züge zu verhindern und neben stürmischen Hochrufen auf Boulanger auch gehässige Drohrufe gegen die Bewohner des ElysvepalasteS laut wer den ließ, ist auch fähig, am Donnerstag die Fesseln der Ordnung zu sprengen, wenn nicht die radikalen Führer selbst aus Furcht vor dm unberechenbaren Folgen die Be- wegung noch zügeln und wenn nicht die Regierung durch Aufbietung einer starken Truppen« und Polizeimacht die Massen von Ausschreitungen zurückhält. Eine furcht- bare Schwüle bedrückt Paris; weil aber Niemand ahnen kann, wie sich die elektrische Gewalt entladen wird, scheint die größte Vorsicht geboten. Oh« sich um die Mißbilli gung der Regierung zu kümmern, hat die Patriotenliga in Paris massenhaft Prospekte verbreitet, in welchen ihre Genossen aufgeboten wurdm, Donnerstag früh bei der Statue von Straßburg auf dem Konkordimplatz die ge wohnte Kundgebung, allerdings stillschweigend und ohne Provokation, vorzunehmen und in eorpors zur Revue sich einzufindm. Jedenfalls wird diesmal die Polizei strenge sein. Die gemessensten Befehle sind gegeben. Die Presse warnt eifrig vor allen lärmenden Demonstrationen und fordert alle guten Bürger auf, gegen etwaige Ruhestörer und Agitatorm Selbstjustiz zu üben. Lärm wird es am 14. Juli in Paris genug geben, wenn auch die Gefahr eines Putsches ernstlich kaum vorhandm sein dürfte. Das in dem letzten Landesverrathsprozesse zu Leipzig vielgenannte Blatt .L'Alsacim-Lorrain- fordert mit folgen den Worten zu dieser Demonstration auf: .Die Kund gebung der elsässisch-lothringischen Vereine in Paris wird auch dieses Jahr wieder stattfindm. Die Präsidenten und Delegirtm der Vereine haben letzten Montag beschlossen, die bisherige Stunde und dm Ort der Zusammenkunft bei zubehalten und auch an dem Wege, den der Zug einschla gen wird, nichts zu ändern. Mögen daher alle unsere Freunde nächsten Donnerstag (14. Juli) sich um V,9 Uhr Vormittags auf der klaoa äs la IsicleUte (nahe dem Ost bahnhofe) der Kirche St. Laurent gegenüber einfinden. Um der Kundgebung einen noch großartigeren Charakter zu ver leihen, als voriges Jahr, soll das Defils unter tiefem Schweigen ohne irgend welche Borträge der Mufikvereine stattfindm. Wir empfehlen unserm Kameraden der elsaß- lothringischen Gesellschaften die Ruhe und Würde, wie sie den Brüdern Derer ziemm, die daheim für Frankreich lei den. Es ist von höchstem Belang, daß die Protestpattei an jenem Tage austrete als eine große nationale starke, in sich gefestigte Pattei, welche die Verwirklichung ihrer Hoff nungen nur von der Stärke ihres gutm Rechts fordert." Die stumme Kundgebung, die sich an diesem Donnerstag durch das trauernde Vorübreziehen zahlreicher nach Frank reich verzogener Elsaß-Lothringer vor dem Standbild der Stadt Straßburg auf dem Pariser Eintrachtsplatze vollzieht, ist nur zu geeignet, die durch die letzten Verurteilungen elsäs sischer Verräther in Deutschland hinreichend erbitterte Pariser Volksmenge zu wilder Wuth zu reizen. Hoffentlich behäbigen die in der französischen Hauptstadt lebenden Deutschen dm ihnen von vielm Setten ertheilten und von der „Nordd. Allg. Ztg." bekräftigten Rath, sich bei der Nationalfeier am 14. Juli nicht öffentlich zu zeigen und ihre besonders durch die Blätter Rocheforts und Boulangers der Wuth des Pöbels dmunzirten Lokale an diesem Tage geschlossen zu halten. Der Tag des Bastillmsturms eignet sich nur zu sehr zu einer neum Katastrophe. Der gedankenlose urü> schranken lose Ehrgeiz der nach Gewalt lüsternen Führer der radi kalen Partei und der Patriotmliga findet leider einen frucht barm Boden in einem großm Theil der Pariser Bevölke rung, dessen Sinnen und Gebahrm lebhaft genug an die Zeit vor hundert Jahren erinnert. Tagesschau Freiberg, den 14. Juli. Das deutsche Kaiserpaar machte Dienstag Abend und Mittwoch Vormittag eine halbstündige Ausfahrt nach den Rhein-Anlagen. Die Abfahrt Sr. Majestät deS Kaiser« nach der Mainau erfolgte gestern Abend 9*/, Uhr, die Ankunft daselbst heute Vormittag 9 Uhr. VorauSfichÜich wird der Kaiser bis Sonntag oder bis zum nächst» Montag auf der Mainau verbleiben und dann seine Reise nach Gastein antreten. — DaS deutsche Krouprinzenpaar ist gestern Nachmittag einer erufft» Gefahr au-gesetzt gewesen. Als die königliche Jacht .Victoria and Albert', auf welcher sich der Kronprinz und die Kronprin zessin von Deutschland, sowie drei Töchter deS Prinzen von Wales zur Fahrt nach Towes auf der Wightinsel befand» gestern Nachmittag abgiog, dampfte di« Jacht in Folge eines mißverstandenen Signals i» Maschinenraum rückwärts statt vorwärts und kollidirtr mit eine« Transportschiff. Die Jacht konnte, obgleich beschädigt, dennoch die Reise fottsetzm. Der deutsche Kronprinz usd die Kronprinzessin werden einige Zeit im Schloß NorriS in Ost-Cowes ans der JnsA Wight verwetten, welches Schloß vom Herzog von Bedford zu ihrer Verfügung gestalt und besonders zu ihrer Aufnahme herge richtet wordm ist. — Die Sprache, welche die Berliner Regie rungsblätter gegen Frankreich führen, ist seit dem Bekanntwerden der Einzelheiten der Prozesse Köchliu mid Klein eine tief gereizte. Besondere Beachtung verdient folgende Bemerkung der .Nordd. Allg. Ztg." über dm letzt» LasdeSverraths-Prozeß: .Die Aeußerung deS Angeklagt» Klein, daß er auS Patriotismus Spionage getrieben habe, ist bereits von dem SmatSprSfideutru Drenkmaun mit der Bemerkung zurückgewies» Word», daß niemals ein größerer Mißbrauch mit dem Worte .Patriotis mus" getrieben Word» sei. Nichtsdestoweniger nehm« die französischen Zeitung» von der Aeußerung d«S Angeklagten mit Geungthuung Akt. Selbst der .lloivers," welcher fried licher gesinnt erscheint und ebenso gegen die Patriotmliga wie gegen Boulanger Partei genommen hat, freut sich anläßlich der Heldmthat Kleins, .daß die Assimilirung der gewaltsam annektirten Provinzen nicht vollendet ist und daß dieGemüther zerknirscht Widerstand leisten." Es ist eine vollständige Per version der moralisch» Grundsätze in Frankreich eingetreteu, wenn so wenig Sch» getragen wird, ein» um Geld bezahlt» Spion — er hat 200 Fr. monatlich erhalt» — als Held und Märtyrer zu preis». AuS dem amerikanisch» Unab- hängigkeitsftieg ist ein Spion von Cooper verherrlicht Word», allein dieser Mann hat ausschließlich aus Vaterlandsliebe spionirt und sich niemals Geld oder ander» Vortheil zu- wmden lass» Es ist Frankreich Vorbehalt» geblieben, de» bezahlt» Spion über die Stufe ehrlicher Männer hinaus als Gegenstand der Verehrung zu bezeichn»" — Wie auS Weimar berichtet wird, ist dieser Stadt ein Kapital vou sechzigtausend Mark überwiesen Word» zur Begründung einer Stiftung, der» Zinsertrag in erster Linie dm Angehörig» des Buchdruckergewerbes in Weimar zu Gute kommen soll. Bou dm Zins» soll» zwei Drittel des Betrages zur Unter stützung nothleidmder Schriftsetzer, Buchdrucker und io Buch- druckerrien beschäftigter Personen verwendet werd» ein Drittel zur Unterstützung anderer nothleidmder Personen, in erster Linie nothleidender, hilfsbedürftiger Buchdruckerwittw» allein stehender Frauen und Mädchen. — Der Reichstag hat am 12. Febr. 1886 dm Beschluß gefaßt, die verbündeten Re gierungen zu ersuch», dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor zulegen, welcher die Unterstützung der Familien der zur llebung »berufenen Reservisten und Landwehrleute regelt. Die Aus arbeitung dieses Gesetzentwurfs wäre längst zum Abschluß ge langt, wmn dabei nicht die Frage zur Erwägung gekommm wäre, ob auch die Unterstützung der Familien der zum Kriegs dienst »berufenen Mannschaft» reichsgrsetzlich zu regeln sei. Hierüber in der Sitzung vom 28. Fär. 1878 interpellitt, ließ die Reichsregierung die Erklärung abgebm: .Der Gesetz entwurf geht von dem Gesichtspunkte aus, daß für Deutsch land eine gleichmäßige Regelung dieser Frage erforderlich sei, nicht nur für Reserve und Landwehr, sondern auch für die Ersatzreservm, die Seewehr und dm Landsturm; außerdem soll eine angemessene Erhöhung der Unterstützungssätze herbei- gefühtt werd» Die Emzäregierungm haben sich im Ganzen zustimmend ausgesprochen, ob aber, da noch einzelne Erötte- rungm gepflogen werden müssen, derselbe noch in dieser Srsfiou vorgelegt werd» kann, ist nicht zu versprechen." Es wird jetzt beabsichtigt, die Frage der Unterstützung der Familie« der zur Uebung »berufenen Reservisten und Landwehrleute und diejmige der Unterstützung der Familien der zum Kriegs dienste »berufenen Mannschaften des Bcurlaubtenstandes und 44»4 > LrscheiMiedmWochemag .Uv Hlil. ! andern Tag. Preis vierteljährlich r«att W Pf-, E-S-» V«-» ! zweimonatlich 1 M. SO Pf. und etumanatlich 7V Pf. SO Jahr,»,- Freitag, den 1». Juli. UN- Tageblatt. Amtsblatt für die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg mb Brand. -- Verantwortlich« Redakteur: Julis» Vran« in Freiberg. Inserate werd» bi» Bormittag 11 Uhr angeuam- OOMf mm und beträgt der Preis für die gespaltene Zeile lOO » » »der deren Raum IS Pf.