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24 Saison: M. Amtsblatt für die königliche» nab städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand Verantwortlicher Redakteur: Iuliu» Braun in Freiberg. M.--, ZU? Erscheint jeden Wochentag Nachmm. ^/.ö Udr für den V0 ZT »Tb andern Tag. Preis viertel,ährlich 2 Mark 2S Ps., v»-- ' zweimonatlich 1 M. SO Ps. und einmonatlich 7b Pf. este der »eften, erobe» er e«. k. an satz! ter Zeit an, an. «»e» ttücher k. M. M. arbett. »Pf. an. iOPf.w M. an, M. an, Lack und mi und l)N8 M. au, 0M.au, essinS Pf. -m, rage«, hlipse, Stoff« M. au, s. an, ZM.au Tagesschau. Freiberg, den 9. Mai Der deutsche Kaiser beabsichtigt am 5. Juni nach Kiel zu reisen, um am Tage darauf der Grundsteinlegung der Holtenauer Schleuse beizuwohnen, die de« Beginn des großartigenNord-Ostsee-KanalS darstellt. Wie der „Hamburger Aorresp." erfahren hat, erwartet man in Kiel zu dieser Feier außerdem den deutschen Kronprinzen und zahlreiche deutsche Fürstlichkeiten, besonders auch den deutschen Reichskanzler. Das Stadtverordneten - Kollegium in Kiel hat bereits einen Empfangsausschuß gewählt. — Aus Berlin wird mitgetheilt, daß dort der russische General von Kaulbars am Donnerstag bei dem deutschen Reichskanzler eine zweistündige Audienz hatte. — Das bekannte Organ des Fürsten Bismarck schreibt: Die „Nowoje Wremja" bestreitet die Richtigkeit der von uns zur Vorgeschichte des Berliner Kongresses gegebenen that- siichlichen Erläuterungen zwar nicht, behauptet aber trotzdem mit unlogischem Eigensinn, „Deutschland habe Rußland auf dem Kongreße verrathen" — allerdings ohne auch nur den Schatte» eines Beweises dafür beizubringen. Dies würde auch unmöglich sein. Wenn die „Nowoje Wremja" die Ergebnisse des Berliner Kongresses als „Verrath an Rußland- bezeichnen will, so trifft dies nur den Fürsten Gortschakow als damaligen Verantwortlichen Leiter der russischen Politik und dessen politische Gesinnungsgenossen, die bei den Verhandlungen von 1876 Md 1877 thätig waren. Unter ihnen befinden sich, wenn wir nicht irren, gerade die Gönner der „Nowoje Wremja". Es ist ein geschichtliches Faktum, daß der Kongreß auf Rußlands Wunsch uud auf einer dem Fürsten Gortschakow im Voraus mit anderen Mächten vereinbarten Grundlage zu sammenberufen wurde, und daß jeder offizielle russische Wunsch auf demselben die Unterstützung Deutschlands gefunden hat. Wir können cs uns genügen lassen, den Insinuationen des panslawistischen Blattes gegenüber von neuem hierauf hinzu weisen, und haben im Uebrigen auf seine deklamatorischen Schmähungen nichts zu erwidern." — Im preußischen Abgeordnetenhause fand am Sonnabend die zweite Lesung der Vorlage über die Thcilung mehrerer Kreise der Provinzen Wcstpreußen und Posen statt. Der Minister von Puttkamer, welcher wiederholt daS Wort ergriff, führte aus, die Vorlage sei eine reine politische und bezwecke die Auf rechterhaltung der Unverletzlichkeit Preußens gegenüber dm immer weiter greifmden polnischen Agitationen, die auf Her stellung des Königreichs Polen abzielten. Der Minister wider legte namentlich die Behauptung, daß die Polen 181b ge machten Zusagen nicht gehalten wurden, dieselben hätten zur ausgesprochenen Voraussetzung gehabt, daß die Polen gute Preußen seien und bleiben würden. Das Haus genehmigte schließlich die Theilung, resp. die Neugestaltung der Kreise Adelman, Birnbaum, Fraustadt, Lissa, Gostyn, Grätz und Neutomischl nach den Kommissionsbeschlüssen. Bei der am Sonnabend im österreichische« Herren hause stattgefundenen Berathung des Schmerling'schen Antrages, betreffend die Prazak'sche Sprachenverordnung, suchte vr. Unger nachzuweisen, daß der von der Regierung aufgestellte Unter schied zwischen innerer Dienstsprache und Gerichtssprache nicht rxistire. Die Geltung der deutschen Amtssprache beruhe auf dem Gewohnheitsrechte, in Böhmen sei die deutsche Sprache sogar gesetzlich Amtssprache. Ein Gesetz vom Jahre 1644 bestimme, daß die rslatio fuatorum deutsch geschehen müsse. Die Berufung auf Artikel 19 der Staatsgrundgesetze sei irrele vant, denn Urtheile würden nicht Namens des Landes, sondern Namens des StaateS erlassen. Bestände die Verordnung zu Recht, so müßte man LaS oberste Gericht in so viel Senate theilen, als es Landessprachen gebe. Selbst das Oktober- Diplom spreche von dem authentischen Gesetzestext, nämlich dem deutschen; es gebe also eine deutsche Amtssprache. Redner nnd seine Gesinmmgsgmossen hätten zwar keine Aussicht, durch zudringen, aber sie kämpften für die Einheit der Sprache, der Justiz, des Staates. — Der nächste Redner, Professor Maaßen, erklärte, er wolle die Verordnung, deren Gesetzmäßigkeit außer Frage sei, von ihrer politischen Seite betrachten. Durch den Krieg von 1866 sei Oesterreich aus Deutschland ausgeschlossen, eine Vereinigung der Deutschen Oesterreichs mit dem deutschen Reiche sei politisch und moralisch unmöglich; eS bleibe den Deutschen Oesterreichs also Nichts übrig, als diese Trennung als ein definitives, politisches Faktum anzusehen. Oesterreich sei fortan auf sich allein angewiesen und müsse trachten, seine Völker auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu einem harmonischen Ganzen zu gestalten, um so mehr, als der na tionale Ehrgeiz in unserer Zeit besonders lebhaft sei. Ein Von echt der deutschen Sprache existire nicht. Die historischen Niemand sei unfehlbar. jNach einem Schlußwort des Referen ten v. Conrad wurde über jeden Antrag absatzweise abgestimmt. Nachdem von dem Anträge der Majorität der erste Absatz, für den sich nur 8 Stimmen erklärten, sowie der zweite Absatz mit 72 gegen 47 Stimmen abgelehut war, wurde von den An trägen der Majorität der Antrag Schmerling ebenfalls abge lehnt und al-dann der Antrag Falkenhayn mit großer Majori tät genehmigt. — Im ungarischen Unterhaus« bracht« Cuny eine Interpellation darüber «in, ob die Angab« der „Nordd. Mg. Ztg - begründet sei, daß zwischen Oesterreich- Ungarn und Rußland hinsichtlich der Okkupation Bosniens und der Herzegowina am 13. Januar 1877 eine» Konven tion abgeschlossen wurde. Helfy interpellirte übet die Stellung der Regierung gegenüber der Pariser Ausstellung 1889. Aus eine Anfrage DezerbiS antwortete in der italieni scher» Deputirtenkammer der Ministerpräsident Depretis, bei der geplanten Okkupation eines Gebietsteils an der afrika nischen Küste im Rothen Meere seitens Spaniens hqndele «S sich nicht um eine vollzogene Thatsache, sondern einfach nur um ein Projekt; auch beziehe sich daS letztere auf ein Gebiet, daS außerhalb der italienischen Aktionssphäre und der italienischen Kolonialintcressen liege. Dezerbi erllärte sich durch die Antwort des Ministerpräsidenten zufriedengestellt. Wahrscheinlich wird der französische Finanzminister Dauphin in Folge der Haltung der Budgrtkommission zurück- tretrn und durch den Präsidenten der Budgetkommission, den ehemaligen HandelSminister Rouvier ersetzt werden, welche Aussicht an der Pariser Börse einen günstigen Eindruck machte. — Die in der „Lohengrin"-Affaire verhafteten Tumultuanten sind von dem Pariser Korrektions-Tribunal abgeurtheilt und mit ein bis vier Wochen Gefängniß bestraft worden. — Bei einem ihm zu Ehren in Havre veranstalteten Festmahl sprach der Ministerpräsident Goblet am Sonnabend der öffentlichen Meinung, welche die Regierung bei den jüngst« Zwischenfällen durch Klugheit und patriotische Einigkeit unterstützt habe, seine Anerkennung aus. Er hob hervor, wie Frankreich unter dem Einflüsse der Freiheit sich ein neues Temperament angeeignet habe, in welchem Kaltblütigkeit und Entschlossenheit jene Ner vosität, jene etwas unstete Hitze ersetzten, welche den Franzose« häufig vorgeworfen worden sei. Frankreich könne ohne Hinter gedanken und ohne neue Sorge di« Beschäftigung mit seinen inneren Angelegenheiten wieder aufnehmen. Die Haupt- schwierigkcit bestehe in der Spaltung der Republikaner. Es sei nothwendig, ein wirkliches Gleichgewicht im Budget wieder herzustellcn. Die letzten Budgets seien nicht befriedigend ge wesen, aber es würde nicht möglich sein, lediglich durch Er sparungen das Gleichgewicht wiederherzustellen, vielmehr er scheine eine Erhöhung gewisser Steuern nothwendig.— In Havre hob bei der Eröffnung der maritimen Ausstellung der Minister präsident Goblet hervor, daß unter der Republik sich große Fort schritte vollzogen hätten. Die Ausstellung in Havre sei eine neue Kundgebung der wahren Gesinnungen Frankreichs, welches den Wunsch hege, in gutem Einvernehmen mit den anderen Ländern zu leben und seine kommerzielle und industrielle Größe in Ent wicklung zu bringen. Möge diese Ausstellung den Weg bahnen für die von 1889. Ein Volk, welches von solchen Sorgen in Anspruch genommen sei, könne nicht in dem Verdacht stehen, als ob eS Angriffspläne nähre. Im englischen Unlerhause wurde der Antrag Gladstone's auf Ernennung eines Komitös des Hauses zur Untersuchung der Anklage der „Times", welche dm Deputirten Dillon als Lügner bezeichnete, mit 317 gegen 233 Stimmen abgelehnt und hierauf der Antrag der Regierung angenommen, in welchem erklärt wird, der Artikel der „Times" involvire keinen Bruch der Parlamentsprivilegien, und die Regierung sei bereit, die Angelegenheit durch eine Vcrleumdungsklage vor Gericht zum Austrag zu bringen. Ein neues von der russische« Regierung erlassenes Gesetz erhöht den Einfuhrzoll auf Roheisen, Eisen, Stahl, Eisen- abrikate und Stahlfabrikate. Der Domänenminister und der Zinanzminister sind zugleich beauftragt, eine Gesetzvorlage über Maßnahmen für die westlichen Grenzgebiete auszuarbeiten, damit dort der weiteren Entwicklung der bestehenden und der Gründung neuer Gußeisen-Schmelzereien und Eisenwerke, die mit ausländischem Material und ausländischen Arbeitern arbeiten, vorgebeugt werde. Die Königin Natalie von Serbien reist unter dem Namen einer Gräfin Takova mit dem Kronprinzen von Serbien am 12. d. mittelst Schiffes nach Tum-Severin und am Abend mit Bahn nach Bukarest, „ wo sie zwei Tage verweilen wird. Dann begiebt sich die Königin über Jassy und Odessa nach Jalta in der Krim. )M.my OPf.a», M. an, Blum« 75 Pf. an, . au, )Pf.an, N. an, lette« M. an, Man, M. an, an, i 9 M, R.. )M.au, itr, Pf. an, Pf.a«, ch«Sr« 1Pf.au, r«opft au, WM.« Inserate werde« bi« Vormittag ll Udr angenom- l UHFUM mm und beträgt der Preis für die gespaltene Zeil« 10O « oder deren Raum 1b Pf. 40. Jahr,««-. -> Dienstag, den 1v. Mai Momente hätten durch die Umstände ihre Realität verloren ; die Deutschen gälten in Oesterreich fortan nur soviel, als ihrer jetzigen Stellung entspreche. Die angegriffene Verordnung be ruhe auf dem richtigen Prinzip«, denn die Gerichte seien für das Volk da, nicht umgekehrt. Er werde daher gegen den Theil des KommissionSantrageS stimm«, welcher die Regierung auffordert, dm bisherige« Bestand der deutschen Sprache als mnercer Dienstsprache fortan unverändert aufrecht zu erhalten. Der Minister v. Prazak bemerkte zunächst, daß die Aus legungen, welche Unger der Regierungserklärung vom 22. April gegeben habe, unrichtig seien. Die Regierungen HSttm sich bestrebt, die Reichseinheit mit den verschiedenen Arten der Länder und der Völker zu vereinigen, wodurch sie auch dem Willen des Kaisers entsprachen. Deshalb sei im Jahre 1867 die Gleichberechtigung gesetzlich festgestellt worden und er schienen seit 1868 viele Verordnungen, welche sich auf den Gebrauch anderer Sprachen als der deutschen beziehen. Die Verordnung vom 22. April 1872, welche von dem Ministerium, dem Unger angehörte, erlassen wurde, regelte die Anwendung der serbisch-kroatischen Sprache in Dalmatien. Das Recht der Regierungen, solche Verordnungen zu erlassen, sei niemals an gezweifelt worden. Mitbestimmend für dm Erlaß der ange griffenen Verordnung war daS Bestreben, dm Gang der Ge schäfte in Prag zu vereinfachen. Was Unger über das Ge wohnheitsrecht gesagt, stimme nicht mit der erwähnten Ver ordnung für Dalmatien überein, woselbst italienisch die ge- wohnheitSmäßige Amtssprache gewesen s«i. Den Unterschied zwischen der inneren Dimstsprachr und der Gerichtssprache (Verkehrssprache mit den Parteien) halte die Regierung be stimmt aufrecht. Dieselbe habe Diesen Unterschied nicht er funden, sondern derselbe beruhe in den Thatsachen; ein so entwickeltes Volk wie das czechische könne nicht immer mit Uebersetzungen abgefertigt werden. Der innere Dienst aber, wie der Verkehr mit den Oberbehörden sei deutsch, selbst in den Zuschriften aus Galizien. Wenn die Opposition aus ihren patriotischen dynastischen Sinn Hinweise, so erinnere die Regie rung daran, daß der Kaiser keme bevorzugten Nationalitäten kenne und mit gleicher Liebe alle Völker umfasse, was auch in der Thronrede auSgedrückt wurde, welche Oesterreich als den Hort des Rechtes seiner Länder und Völker bezeichnete. Der Minister schloß mit den Worten: „Wahrheit und Gerechtigkeit." — Nachdem noch Plener und Randa gesprochen, wurde die Sitzung auf Abends vertagt. In dieser zweiten Sitzung erklärte Fürst Carlos Auersperg, daß di« Prazaksche Verordnung Beunruhigung in die deutsche Be völkerung getragen habe. Wenn das Haus dem Anträge Fal kenhayn zustimme, so wäre dies ein Freibrief für die Regierung, und Gefahr vorhanden, daß dem Partikularismus noch weitere Opfer gebracht würden. Fürst Lobkowitz begründete, warum er mit dem Anträge der Kommission nicht einverstanden sei, obwohl er denselben gcschäftsordnungsmäßig als Obmann unterschrieben habe. Er bezweifele nicht das Recht der Re gierung, dir Vcrordnungzu erlassen und führte aus, daß dieOrdnung der Sprachenfrage nur länderweise geschehen könne. Immer müsse die Gleichberechtigung bewahrt und dem praktischen Bedürfniß Rechnung getragen werden, Redner berief sich auf seine Er fahrungen als Vorsitzender des böhmischen Landesausschusscs, wo der Geschäftsgang trotz der Zweisprcchigkeit einfach und geregelt sei. Der Ruf nach Zweitheilung Böhmens werde im Hause keinen Anhänger haben, weil er die Zertrümmerung Oesterreichs bedeute. Er und seine Gesinnungsgenossen würden stimmen gemäß ihrem warmen, aufrichtigen, von den Vätern ererbten österreichischen Patriotismus. Der Ministerpräsident Graf Taaffe trat der Aeußerung Auerspergs von dem Frei brief entgegen; die Regierung eines konstitutionellen Staates halte sich an Verfassung und Gesetze. Der österreichische Staatsgedanke habe stets der Regierung vorgeschwebt und werde ihr immer Vorschweben; andernfalls wäre sie nicht würdig, auf diesem Platze zu sein. Die Regierung lege Verwahrung ein gegen den Antrag Schmerling, da sie schon in der Kom mission die Gcsetzigmäßkeit der Verordnung nachwies. Der KommissionSautrag greife in die Exekutivgewalt der Regierung ein, wogegen der Antrag Falkenhayn ganz der Rechtsüber zeugung der Regierung entspreche. Der Referent Falkenhayn verzichtete auf Vas Wort. Präsident von Schmerling bemerkte, daß er in diesem Hause nicht als Vorsitzender des obersten Gerichtshofes, sondern als Mitglied spreche und Anträge stelle. Der Vorwurf, daß sein Antrag eine Anklage gegen die Ne gierung enthalte, sei ungerechtfertigt: die Konstatirung einer abweichenden Meinung sei keine Anklage. Die rechtliche Seite der Frage sei zweifelhaft, die Behauptung, die Regelung der Sprachcnfrage gehöre der Exekutive an, sei ein zweischneidiges Schwert. Auch die jetzige Regierung wolle das Beste, aber BeMHyeiG und Tageblatt.