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Das Wunder im Aeiher Fünfzehn Jahre deutscher Rundfunk. Vor fünfzehn Jahren in diesen Tagen ist in Berlin oer erste deutsche Rundfunksender eröffnet worden. „Antenne, siehe Fühlhörner.* Das ist alles, was man findet, wenn man in einem der großen Nachschlagewerke der Jahrhundertwende nach dem Wort Antenne sucht. Natürlich: denn im Jahre 1900 gab es ja noch keinen Rundfunk. Und auch 1914 noch nicht. Nein, tatsächlich: «S ist erst fünfzehn Jahre her, daß der erste deutsche Rund funksender in Berlin eröffnet wurde! Ein paar Jahre. Und die Welt hat sich verwandelt, verwandelt durch den Rundfunk. Gerade die Ereignisse der letzten Wochen und Monate haben das gezeigt. Rundfunknachrichten be herrschten die Welt. Millionen Menschen saßen an ihren Empfangsgeräten. Was wird die nächste Stunde bringen? Und dann wurden Entscheidungen getroffen. Und Sekun den später wußte die Welt von diesen Entscheidungen. — Um aber der historischen Wahrheit die Ehre zu geben:. Die Funkantenne wurde „bereits* im Jahre 1895 entdeckt? Und zwei Jahre später glückte es dem Italiener Marconi als erstem, mit Hilfe solcher Antenne — den Fühlhörnern des zwanzigsten Jahrhunderts! — eine Nachricht drahtlos in die Ferne zu übertragen. Dieser denkwürdige Versuch sand im Bristolkanäl zwischen der Insel Flatholm und dem Festland statt. Adolf Slaby von der Technischen Hochschule Berlin wohnte dem Versuch bei. Es tut gut, sich an solche Ereignisse, wie es die erste drahtlose Fernübertragung war, und an die stolze Freude jener ersten Funkpioniere gelegentlich zu erinnern. Weil nämlich ein Vergleich zwischen jenem „damals* und dem gewohnten „heute* dazu angetan sein kann, in dem „selbstverständlichen* Funktionieren des Empfangsgerätes, das uns heute, nach ein paar kinderleichten Handgriffen, mit der ganzen Welt in Verbindung bringt, all jene ersten Bemühungen wiederzufinden. Und gerade die Geschichte der Funktechnik in der Zeit bis zur Eröffnung des ersten deutschen Rundfunksenders, jene Spanne von einem Vier teljahrhundert, ist wahrhaft imponierend in der Folge richtigkeit, mit der hier die technische Forschung ihren Weg ging. j! Noch im gleichen Jahre, in dem der oben erwähnte versuch Marconis stattfand, konnte Slaby seine Versuche Weiler vervollkommnen. Als er seinen Sender im Säulen- .gang der Sakrower Kirche aufstellte und als Antennen- träger den Kirchturm benutzte, vermochte er bis zur Pots damer Marinestation, das heißt etwa drei Kilometer weit, Morsezeichen drahtlos zu senden. „Nur manchmal, wenn die Spreekähne mit ihren großen, aufgespannten Segeln in unmittelbarer Nähe der Kirche vorüberfuhren, gab es einige zerrissene Morsestriche.* — Dann aber, ebenfalls noch im Jahre 1897, benutzte Slaby einen Fesselballon als Antennenträger, und es gelang ihm, den Funkbereich seines Senders um das Siebenfache, das heißt auf 21 Kilo meter, zu erweitern. — Und schon im Jahre 1901 funkte dann Marconi von England nach Amerika! — Es ist hier nicht der Ort, die weitere Entwicklung der Funktechnik im einzelnen zu verfolgen und aufzuzeigen. Im übrigen aber erscheint es reizvoll, am fünfzehnten Geburtstage des deutschen Rundfunks nach ein Paar Er innerungen aus der Jugendzeit des ersten deutschen Sen ders zu kramen. Denn das liegt ja doch noch gar nicht so weit zurück. Wie sah das erste Programm aus? Nun, die tägliche Sendung begann vormittags mit den — Lebensmittel- preisen. Und dann der Kopfhörer. Und dann die „Radio- klubs*. Von diesen verspricht sich ein Radiofachschriftstel ler der damaligen Zett eine besondere Förderung des Rundfunks. Es wäre reizvoll, einmal unter der Ueberschrift „Tech- E in Kinderschuhen* solche persönlichen Erlebnisse zusam menzustellen. Und dazu brauchte man wahrlich nicht „alt* Vie tschecho-slowMch-ungaMe Greim nach dem Schiedsspruch M seinl Denn schon ein Zwanzigjähriger könnte davon Iberühten, wie er, als Kind von fünf Jahren, damals im mer auf den Mittwoch- oder Sonnlagnachmittag gewartet habe, wenn pünktlich um vier Uhr die „Kinderstunde* be gann. Und wie dann Mutter und Kind, beide ihre Kopf hörer umgeschnallt, dasaßen und lauschten. Und ein Lächeln ging von Augenpaar zu Augenpaar, ein verwun dertes, lächelndes Erstayyen über jene Stimme, die aus einer Entfernung von hundert Kilometern durch die Luft angeflogen kam, in den geheimnisvollen Radioapparat hineinschlüpfte und von da in die Kopfhörer. Und wenn sie auch ein wenig drückten, daß einem hinterher die Ohr muscheln ganz lahm waren, und wenn sich die gebogene Spange oben auf dem Kopfe auch gelegentlich mit dem Haar „in die Haare geriet* — das ertrug man! Denn es war ja ein Wunder, das erste Radio: In Berlin, „auf Welle 400*, erzählte jemand das Märchen von der Schnee königin; und hier, in der warmen Stube, im kleinen Städtchen, hundert Kilometer von der großen Stadt ent fernt, hörte man zu. — Und die Antenne oben auf dem Dach und die Sendeantenne dort in Beriro, dos Ware« die ZaudcrstSbe einer neuen Zett ..« . - ... — Offizier -es Beurlaubienstan-es Die neue Regelung. Das Oberkommando der Wehrmacht hat kürzlich für das Offizierkorps des Beurlaubtenstandes eine neue, einheitlich Regelung unter dem Titel „Bestimmungen für Ergänzung und besondere Dienstverhältnisse der Offiziere des Heurlaubten- ftandes* getroffen. Danach ergänzen sich die Reserveoffiziere aus Reserveofsizieranwärtern, aus Portepeeunterofsizieren, die nach mindestens' 12jähriger Dienstzeit ehrenvoll aus dem aktiven Wehrdienst ausscheiden, sowie aus aktiven Offizieren, die zur Reserve übergeiübtt werden. Die Ergänzung der Land- wehrofsiziere erfolgt durch Uebersührung von aktiven Offizieren und Reserveoffizieren sowie aus Portepeeunterofsi- zieren, die nach mindestens 12jähriger Dienstzeit aus dem akti ven Wehrdienst entlassen sind, den Bestimmungen für die Auf nahme in das Offizierkorps des Beurlaubtenstaudes ent sprechen. aber infolge ihres Lebensalters nicht mehr für die Reserve in Frage kommen. Zu Reserveofsizieranwärtern wer den Soldaten ernannt, die sich während ihrer aktiven Dienst zeit als geeignet zur Ausbildung zum Reserveoffizier erwiesen haben. Der erfolgreiche Abschluß einer höheren Schulbildung ist nicht erforderlich, dagegen ist vor der Ernennung zum Reserveofsizieranwärter der Nachweis der Abstammung von deutschem oder artverwandtem Blut zu erbringen, erforder lichenfalls auch für die Ehefrau bzw. Braut. Zur Wahl als Reserveoffizier dürfen nur solche Anwär ter gestellt werden, die den Dienstgrad eines Feldwebels oder einen entsprechenden Dienstgrad bekleiden. Die Uebungspflicht wird von den Reserveoffizieranwärtern, die nach mindestens zweijährigem aktivem Dienst bzw. viermonatiger Kurzausbil dung und weiterer einjähriger Dienstzeit als Feldwebel der Reserve oder mit entsprechendem Dienstgrad entlassen worden sind, durch Ableisten einer vierwöchigen Offizierubung beim Stammtruppenteil erfüllt. Im übrigen bestehen in den ein zelnen Wehrmachtteilen noch besondere Bestimmungen. Einstellung von Arbeiismai-en Meldungen bis zum 1. Dezember. Die Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes gibt kannt: Zum 1. April 1939 kann noch eine beschränkte Anzahl von Arbeitsmaiden in den Rcichsarbeitsdicnst pj« weibliche Jugend eingestellt werden. Die Meldungen find bis spätestens 1. Dezember 1938 abzugcben. Meldeformulare sowie Merkblätter mit den EinfieS- lungsbedingungen sind bei den Polizeibehörden kostenlos erhältlich. Abiturientinnen mit Studiumsabsichten fügen ihren Meldepapieren eine Bescheinigung des gesetzliche« Vertreters bei, daß er mit dem beabsichtigten Studium Urhidl,.^«chigchu,: vemlchn »»'m. k. 8,L r,ch>, (Lüäh-n) 11. Fortsetzung. Dann' erst sehen wir uns um. Das Turmzimmerchen ist altertümlich eingerichtet. Ein breiter Eichentisch, der mit vielen Gegenständen und dicken Büchern bedeckt ist, steht an der Wand, ein hoher Lehnstuhl mit verfallenem Samt gehört dazu Von der niedrigen Decke hängt ein wunderlicher Leuchter, und an der Schmalseite ist ein Kamin, der sicher mit einer der Schloßessen in Verbindung steht. Regale mit Büchern und Instrumenten vervollständigen das Bild Es ist alles verstaubt, wurmstichig und alt. Aber dennoch ahnt man, daß es das Studierzimmer eines Schloßbewohners gewesen sein muß. Aber warum war dieser Mensch vor mehr al« hundert Jahren heimlich seiner Wissenschaft nachgegangen? War es die schwarze Kunst der Zauberei, die ihn dort beschäftigte, hatte er in den Gläsern, die dort zerbrochen standen, aus Tollkirsche und Fingerhut einst Gift gemischt? Als Stotzenbach ein Buch aufschlägt, gibt die Titelseite uns Antwort auf alle Fragen. Denn dort steht in breiten Lettern zu lesen: „Die Kunst Gold zu machen* Einem heimlichen Goldmacher hat also dieser versteckte Raum im Turm gehört, und all die Gläser und Instrumente sollten ihm helfen, das Werk zu vollbringen. Wie viele Menschen haben nicht in solchen Büchern ge lesen, wie viele Menschen hofften nicht das gelbe Gold im Tiegel überm Feuer aus Kräutern und Steinen zu gewinnen? Gedankenvoll betrachte ich einen Schmelztiegel, in dem ein schwarzroter Rest zurückgeblieben war. Gold? Sicherlich nicht, vielleicht der Rest eines Kupfer». Damals und heute ... eines ist so geblieben: Die Sehn sucht der Menschen nach dem gelben Metall und die Unmög- keit, es anders zu gewinnen, als es die Erde schenken will. Neben dem Buche, das Stotzenbach aufgeschlagen hat, liegt neben anderen Dingen auch ein großer, geschmiedeter Schlüssel. Wo mochte die Tür sein, die er erschloß? Ich betrachte den Schlüssel genau, und als ich sehe, daß er mit einem ähnlich geschwungenen Stern verziert ist, wie ihn die Apotheke drunten im Städtchen seit Jahrhunderten führt, stecke ich ihn zu mir. Die Gedankenverbindung ist nicht zufällig, daß vielleicht einst ein Schloßherr den Apotheker seines Herzogtums be auftragt hat. hier oben Gold oder Gift zu machen. Sicher wird der Sternenapotheker gern etwas von seinem geheimnisvollen Vorgänger erfahren. Er kennt vielleicht auch die Tür, zu der mein alter Schlüssel paßt. Stotzenbach hat nur Augen für die Bücher. Der kleine Mann belädt sich mit den dicken Bänden und schleövt sie Stufe für Stufe die steile Turmtreppe hinab. Ich gehe mit Nero langsam hinterdrein. Und während der Schloßbibliothekar mit den Folianten, ohne ein Wort zu sagen, in seinen Gemächern verschwindet, gehe ich in das blaue Zimmer der Dorothee, setze mich in den Stuhl am Fenster und sehe gedankenverloren in den regengrauen Park hinaus. Der Schlüssel mit dem Stern. ... «nb es gibt wirklich beim Sternenapotheker eine Tür, zu der jener Schlüssel paßt, den wir mit Stotzenbach im Turmkämmerlein gesunden haben. Als ich mit dem Schlüssel zum Sternenapotheker komme, überlegt er lange. „Die Keller meines Hauses", sagt er, „sind so weitläufig gebaut, daß der Schlüssel wohl zu irgendeinem Gewölbe passen kann. Um einen Schlüssel meiner Sternenapotheke handelt es sich unbedingt, denn alle Schlüssel tragen hier das Sternenzeichen wie dieser." In den Räumen des Hauses hatte der Sternenapotheker überall neue Türen einsetzen lassen, als er die Apotheke über nahm. Nur im Keller waren die alten Türen geblieben. „Da unten sind sehr viele Pforten", meint der Sternen apotheker, „die ich noch niemals geöffnet habe. Es gibt da manchmal Nischen, in denen verstaubte Flaschen stehen, von denen ich den Inhalt nicht weiß, und darum lasse ich die Hände ganz davon, sonst kann es leicht ein Unglück geben." Ich bin doch ziemlich gespannt, zu welcher Tür der ge fundene Schlüssel passen würde und bitte den Sternen apotheker, mich hinunter in die Keller zu führen. Er tut mir sehr gern den Gefallen, nimmt ein Windlicht und steigt die alte knarrende Holzstiege vor mir hinab. Der Keller ist ein kühles, feuchtes Gewölbe, Spinnweben hängen überall hernieder, und man kann nur so weit sehen, wie das Licht den Schein wirft. Fenster scheint es überhaupt nicht zu. geben. Ich kann mir beim besten Willen keinen Eindruck von dem Grundriß der Gewölbe verschaffen, dazu sind die Mauern zu verwinkelt. Ich muß aber als bestimmt annehmen, daß er sich viel weiter erstreckt, als droben die Räume der Sternenapotheke. In den einzelnen Türen stecken die Schlüssel, und als ich einen davon herausziehe und mit meinem gefundenen ver gleiche. finde ich. daß er ihm völlig ähnlich ist. Überall in den Kellern stehen Fässer, Blechdosen und große Kisten. Mein treuer Nero tappt dazwischen umher, als wollte er alles genau untersuchen Der Sternenapotheker läßt mich mit meinem Hunde bald allein, er muß ja nach seinem Laden sehen. So stellt er das Windlicht auf eine nahe Kiste und geht davon. Mir Ist das offen gestanden auch lieb. In aller Ruhe kann ich nun durch die Gewölbe stöbern und alle Schlösser versuchen. Aber der Schlüssel paßt zu keiner Tür. Schon will ich mich zurückwenden und zum Sternenapotheker zurückkehren, als ich an einer Wand, die ich für eine Außenwand halte, in der ich keine Öffnung vermutet hätte, eine schwere Tür entdecke. (Fortsetzung siehe Rückseite -