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diese Be- «Ilsel» vormittag hierdurch frau. arb nach me«. 66, 67, lvtagS: ind ruhig tenalicn- , unseres so reich März: 62, 63, h 9 Uhr in statt. , ° ü. frau. g Nach- Schöne- c Ruh längerem hwägerin tusto genossen, i unseres d Groß- Hesse, rlassenen Th. und »er, e. n«, während und Be- >en. Ja Lieben, zahlreiche durch lrch Herz. Gesänge, ntheuren unserer Erscheint jeden Wochentag Abends '/,7 Uhr sür den andern Tag. Preis vierteljährlich 2 Mark 2b Pf., zweimonatlich 1 M. bO Pf. und einmonatlich 7b Pf. 37. Jahrgang. Dienstag, den 3. März. und Tageblatt. Amtsblatt sür die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: Julins Braun in Freiberg. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angenom- OO men und beträgt der Preis sür die gespaltene Zeile I oder deren Raum lb Ps. w Nachbestellungen auf den Monat Mär; werden znm Preise von 75 Pfennigen von allen kaiserlichen Postanstalten sowie von den be kannten Ausgabestellen und der unterzeichnete» Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. Die Vereine zum Rothen Kreuz. Unter den echt humanen Bestrebungen, die unserer Zeit zur höchsten Zierde gereichen, nehmen die Vereine zum Rothen Kreuz eine hervorragende Stellung ein. Sie ver danken ihren Ursprung der unter dem Namen Genfer Kon vention am 22. August 1864 zu Genf abgeschlossenen inter nationalen Uebereinkunft, welche die vom Kriege unzertrenn lichen Uebel möglichst zu mildern und das Loos der auf den Schlachtfeldern verwundeten Militärpersonen zu lindern sucht. In Folge einer von dem menschenfreundlichen Genfer Moynier begründeten Gesellschaft vereinigte sich auf eine Einladung der schweizerischen Regierung eine große Anzahl von Vertretern moderner Kulturstaaten in Genf und kam überein, daß die zur Pflege von Verwundeten im Kriege bestimmten Verbandsplätze und Depots nebst dem sie lei tenden Personal unbedingte Neutralität genießen sollten. Das äußere Zeichen der Verwundetenpflege sollte bei Ge bäuden und Verbandplätzen eine deutlich erkennbare und übereinstimmende Fahne und bei Personen eine von der Militärbehörde verabfolgte und abgrstempelte Armbinde sein, welche beide, Fahne und Binde, ein rothcs Kreuz auf weißem Grunde tragen. Die Ratifikationsurkunden der Genfer Konfention wurden am 22. Juni 1865 aus- gctauscht. Die Bestimmungen derselben gelangten im deutsch österreichischen Kriege von 1866 zum ersten Male zur prak tischen Anwendung und sind unter dem 20. Oktober 1868 mit fünfzehn Zusatzartlkeln bereichert worden, wodurch die Konven tion auch auf die Marine und den Seekrieg ausgedehnt wurde. Im deutsch-französischen Kriege, im russisch-türkischen und in anderen Kriegen hat das Rothe Kreuz eine wichtige Rolle gespielt. Der Dresdner Albertverein rüstete einen besonderen Rettungszug nach dem türkischen Kriegsschau plätze aus, welcher vielen Verwundeten unvergeßliche Dienste geleistet hat. Seit der Beendigung des deutsch-französischen Krieges hat das Rothe Kreuz einen weiteren Siegeszug auch für die Krankenpflege im Frieden angetreten, da zahlreiche Krankenpflegervereine zum Rothen Kreuz entstanden sind, welche die Ausbildung von Krankenpflegerinnen in Vereins krankenhäusern zum Rothen Kreuz und die Anstellung von sog. „Schwestern vom Rothen Kreuz" als Krankenpflege rinnen der Gemeinde bezwecken. Die erwähnten Krankenpflegervereine stellen Schwestern zum Rothen Kreuz nnt festem Gehalt an, welche Ge- meindcpflege, d. h. Pflege von unbemittelten Kranken zu üben haben. Diese Krankenpflege wird unent geltlich gewährt. — Privatpflege, d. h. Pflege von bemittelten Kranken dürfen die Schwestern nur in dem Falle üben, wenn die Gemeindepflege ihre Thätigkeit nicht aus füllen sollte. Selbstverständlich ist geleistete Privatpflege dem Vereinsvorstand je nach Zahlungsfähigkeit freiwillig zu vergüten. Diese Pflegegelder werden an die Vereins kasse abgeführt. Was die Vereine zum Rothen Krenz vor Allem brauchen, sind tüchtige Krankenpflegerinnen. Während die Heran bildung derselben in erster Linie Sache der Aerzre ist, müssen gleichzeitig alle übrigen Volkskreise dahin wirken, daß der schöne ideale Beruf der Krankenpflege immer all gemeiner anerkannt und nicht nur für die Gesundheit und würdige soziale Stellung, sondern auch für die Zukunft der Krankenpflegerinnen überall ausreichend gesorgt wird. Die Vereine zum Rothen Kreuz richten darauf auch ein Haupt augenmerk, und cs hat am 27. Februar d. I. in Leipzig in der Aula der Universität eine Konferenz von Vertretern und Vertreterinnen der Männer- und Franenvereine zum Rothen Kreuz getagt, in welcher speziell über die Für sorge für die Gesundheit unsererSchwestern eingehend verhandelt worden ist. Möge die öffentliche Meinung auch diesen edlen Be strebungen ihre Sympathien zuwenoen! Das Krankenkassen gesetz allein ist nicht ausreichend. Wir brauchen Kranken pflegerinnen in jeder größeren Gemeinde und müssen nament lich auch Mädchen und Frauen der höheren und mittleren Stände für diesen schönen Beruf zu gewinnen suchen! Tagesschmr. Freiberg, den 2. März. Nachdem der deutsche Reichstag dem preußischen Ab geordnetenhause eine achttägige Frist zur Abwickelung der Kultusdebatte gegönnt hat, vertagte sich die preußische Volks vertretung, um dem Reichstag den nöthigen Spielraum für die Etatsberathung und die Diskussion der wichtigen Dampfer- Vorlage zu lassen. Diese letztere Vorlage soll dem deutschen Kanzler besonders am Herzen liegen und ihre etwaige Ab lehnung ihn ernstlich bekümmern. Fürst Bismarck ist überhaupt jetzt, trotz der ihm zu seinem Jubelfeste zugedachten Huldigungen, nicht besonders frohgestimmt. Aus dem eng lischen Blaubuch scheint sich zu ergeben, daß der deutsche Bot schafter in London, Graf Münster, nicht immer die Anord nungen des Reichskanzlers genau befolgt hat, waS nicht nur Mißverständnisse auf dem Gebiete der Kolonialpolitik herbei führte. sondern auch die Stellung des Grafen Münster erschüttert haben soll. Die Anwesenheit des Fürsten Sulkowski in Roni, der privatim wegen Besetzung des Erzbisthums Posen verhandeln soll, hängt nach Ansicht klerikaler Blätter mit der Thatsache zusammen, daß auch der preußische Gesandte von Schlözer, trotz der letzten scharfen Aeußerungen des Kultus ministers von Goßler im preußischen Landtage, seine Thätigkeit im Vatikan wieder aufnimmt. Das „B.Mtgsbl." schreibt darüber: „Nachdem Fürst Bismarck mit dem römischen Fechter längere Zeit schon im Kampfe gelegen, hat sich ergeben, daß nicht der Vatikan, sondern der Kanzler an Terrain verloren, und wenn die neuesten Nachrichten aus der ewigen Stadt sich be wahrheiten, steht unser Held wieder vor einer kleinen Einbuße, die er vielleicht diesmal durch einen erhofften Gewinn auf dem Gebiete unserer Zollpolitik, wo er der Hilfe des Zen trums nicht zu entrathen vermag, auszugleichen im Stande ist. Die Wiederanknüpfung der Verhandlungen mit der Kurie ist als Thatsache allein schon einem Erfolge des Vatikans ziem lich ähnlich, zumal nach all' den Höflichkeiten, welche die Herolde beider Parteien gerade in jüngster Zeit in nicht eben sehr gewählten Worten gegenseitig ausgetauscht halten. Und noch ein anderes Gebiet scheint allen Ernstes für unseren Reichskanzler eine kleine Niederlage bergen zu wollen: die braunschweigische Erbfolgesrage. Man meldet von verschiedenen Höfen die energischsten Anstrengungen, welche gemacht werden, um sich für das lÄcbrecht des Cumberländers einzulegen. Da man in Braunschweig diesen Strebungen ziemlich apathisch gegenüberzustehen scheint, überdies der Sohn König Georgs V. sich zu Konzessionen anschickt, so wird Fürst Bismarck zu guterletzt wohl die Neuerrichtung einer Welfen-Dynastie über sich ergehen lassen müssen." — Auch in der Zolltarif- wie in der Kolonialpolitik ist mancher Grund zu der jetzigen Verstim mung des leitenden deutschen Staatsmannes vorhanden. Im Bureau des deurschen Reichstages haben die Petitionen gegen die Getreidezoll-Erhöhung, welche in den letzten Wochenin immer stei gendem Maße eingegangen sind, schon jetzt die Petitionen für die Erhöhung in der Zahl der Unterschriften weit überholt. Bei Beginn der Getreidezolldebatten im Reichstage standen den 89700 Unterschriften „für" erst 60200 Unterschriften „gegen" gegenüber. Seitdem sind zu elfteren noch 5 b 700, zu letzteren aber 126900 hinzugekommen, so daß jetzt 145400 Unter schriften „für", aber 187100 Unterschriften „gegen" die Er höhung angesammelt sind. Ein Rückschlag der Stimmung ist unverkennbar. Heute tagen in der deutschen Reichshauptstadt die Delegirten von 600 Holz-Industriellen aus 65 deutschen Städten und Ortschaften, um eine gemeinsame Petition gegen die Erhöhung der Holzzölle zu vereinbaren. — In den letzten Tagen hielt sich auch der Bremer Schiffsrheder Lüderitz in Berlin auf, um größere Kapitalien zur Ausbreitung seines Besitzes in Angra Pequena aufzunehmen, da er zu der Ueber- zeugung gelangt ist, daß das großangelegte Unternehmen seine eigenen Kräfte übersteigt. Es ist im Werk, eine Aktiengesell schaft zur Ausbeutung der Mineralien in Lüderitzland zu gründen; der in's Auge gefaßte Betrag wird auf 900000 M. angegeben, jedoch scheint nur ein verhältnißmäßig kleiner Bruchtheil bis jetzt dafür gesichert. Nachtheilig für den Fort gang des Unternehmens des Herrn Lüderitz war auch das Scheitern einer von ihm befrachteten Brigg, wobei die sür die Arbeiten der von Freiberg aus nach Angra-Pequen« gegangenen Bergleute hochwichtigen Apparate für artesische Brunnen verloren gingen, was einen Zeitverlust von mehreren Monaten bedeutet. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonn abend die Berathung des Kultusetats fort und genehmigte zunächst die auf Antrag des Abg. von Schorlemer in die Budget kommission verwiesene Position über die Vermehrung der Be amten im Kultusministerium. Bei dem Kapitel der Schul- auffichtskosten klagte Abg. Lassen über die Zurückdrängung der dänischen Sprache aus den Elementarschulen. Die Abg. v. d. Reck und Wüsten führten Beschwerde über die über große Belastung der Gemeinden mit Schullasten. Namentlich bezüglich der Schulbauten werde vielfach übertrieben. Abg. Windthorst suchte die Ursache der Klagen der Gemeindm in der neuen Berufsschulaufsicht; man könnte ganz gut den Landrath oder den Amtsvorsteher mit der Aufsicht betrauen. Der Kultusminister v. Goßler trat der Behauptung Windt- Horsts von der Entchristlichung der Schule entgegen. Es sei un möglich, so viele geistliche Kräfte für die Schulaufsicht zu ge winnen, um diese in die Hände von dazu befähigten Geist lichen zu legen. Dem Wunsche des Vorredners, die Schul aussichtskosten zu svaren und sie den Lehrern zuzuwendm, könne er nicht zustimmen. Der polnische Abg. Kantak stellte in Abrede, daß die Polen an den schlimmen Zuständen in der Provinz Posen Schuld trügen. Nachdem dieser Titel be willigt worden, kam bei dem folgenden Titel (Schulaufsichts kosten und Reisevergütungen) Abg. Windthorst darauf zurück, daß die Schule längst cntchristlicht wäre, wenn nicht die christ lichen Lehrer dem entgegenwirktm. Ferner klagte der Redner über den Mangel einer gleichen Behandlung gegenüber den katholischen Schulkindern. Abg. Weis (Hirschberg) bestritt dagegen entschieden, daß die Schule cntchristlicht sei; die Rück gabe der Schule an die Kirche dürfe nicht zugegeben werden. Sodann wurde nach unerheblicher Debatte der Rest des Ka pitels Elcmentarunterrichtswesen, ebenso das Kapitel Kunst und Wissenschaft genehmigt. — Das preußische Herrenhaus nahm am Sonnabend in einer Spezialberathung das Kommunalnoth steuergesetz meist nach den Beschlüssen der Kommission an. Unser Kaiser verlieh dem Prinzen Albert Viktor Vox Großbritannien und Irland, Herzog von Sachsen, den Schwarzen Adler-Orden, entband serner den Kommodore Paschen seiner Stellung als Chef des ostasiatischen Geschwaders und ernannte denselben dafür zum Chef eines aus der gedeckten Korvette „Stosch", der Glattdeckskorvette „Marie", den Kanonenbooten „Albatroß" und „Hyäne" zu bildenden Kreuzergeschwaders für die Südsee. Den Befehl über das ostasiatische Geschwader übernimmt bis auf Weiteres Kapitän Schering. Dem österreichische» Reichsrathe dürfte der neue er höhte Zolltarif schon morgen zugehen und steht auch zu er warten, daß dieselbe Vorlage fast gleichzeitig dem ungarischen Reichslage übermittelt wird. — Der elsstündige Normal arbeitstag, das Verbot der Frauen- und Kinderarbeit und die Sonntagsfeier sind in der letzten Sitzung des österreichischen Herrenhauses nach den früheren Beschlüssen des Abgeordneten hauses angenommen worden. Das Herrenhaus Hal damit einem großen und sicher folgenreichen gesetzlichen Akt seine Zustimmung ertheilt. — Zu Pest ist am Sonnabend der ungarische Deputirte und ehemalige General Garibaldis, Eber, gestorben und zwar in Folge eines Sturzes über das Treppen geländer, welcher einer Gehirnerschütterung herbeiführtc. Die italienische» Regierungsblätter setzen auseinander, daß selbst ein Rücktritt des englischen Ministers Gladstone das jetzige Einverständniß zwischen Italien und England nicht be einträchtigen könne, weil dieses Zusammengehen beider Staaten ebensowohl den englischen Konservativen werthvoll erscheine wie den Liberalen. Die zweite italienische Expedition ist am Freitag in Assab eingetroffen und am Sonnabend ausgeschifft worden. Die Truppen werden auf Assab und Beilul vertheilt. In Rom ist man von den bisherigen Erfolgen am Rothen Meere durchaus nicht erbaut, da die Aussichten auf eine Aktton nach Tripolis dadurch noch mehr geschwunden sind. Die „Rasscgna" schreibt: „Italien müsse stets Tripolis vor Augen behalten und sich darüber vergewissern, ob Verpflichtungen gegen England ihm angesichts der zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden Abmachungen nicht schaden könnten. Italien dürfe also nichts unternehmen, falls es Deutschlands nicht sicher sei." Das Wohlwollen der Mächte scheint jetzt den Italienern um so unerläßlicher, als die Türken auf der Insel Candia 8000 Mann stehen haben, welche im Nothfalle rasch nach Tripolis geschickt werden können.