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rMgerIiyeiger Md Tageblatt. 38. Jahrgang. 207 »es. läge. isgasse, He. !Ng. orftagh. dunsnuguta üer, dw pas Eulitz, a»t hirtuich» 885. temba, mch lw^M u.Schwuga> v»ll, i- mber 18N. erlasse»«. tglUhrstck s-l5> -s-10, t tschlies «ach an ihm K, und Ursch Ikalml« LebmSjchr, VewaMa -K, lnsaug da blichst ch, ! usurth. erlasst»«, eibtrg, 5. »tag ligch' uyr, n, Ulis, cinju- nua»». Amtsblatt für die königlichen nnd städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand Berautwortlicher Redatteur: Julius Braun iu Freiberg. tembtt, Tagesschau. Freiberg, den 5. September. Der deutsche Kaiser hat sich gestern nach Pritz walk in der Priegnitz begeben, wo bereits am Donners tag in Anwesenheit des deutschen Kronprinzen, der Prin zen Wilhelm und Albrecht von Preußen sowie deS Prinzen Arnulph von Baiern die großen Manöver des dritten preußischen Armee-Korps in wahrhaft glänzender Weise begonnen haben. Zu diesen Ucbungen sind auch Fürst Bismarck und Graf Moltke eingetroffen. Charakteristisch für die Manöver sind die sich aus der Beigabe selbständiger Kavallerie-Divisionen ergebenden Wechselwirkungen zwischen Infanterie und Kavallerie. Die letztere hatte schon am Donnerstag einige glänzende Momente, da das leichtwellige Terrain ebenso die freieste Bewegung gestattete, wie es den Anmarsch verdeckte. — Dem Vernehmen nach treten die kaiser lichen Majestäten nach der Rückkunft des Kaisers von dem Manöver, also schon in der nächsten Woche, ihre Reise nach Baden an, woselbst dieselben, wie alljährlich, mehrere Wochen verbleiben. In der Schlußsitzung der katholischen Generalversammlung zu Münster faßte der Abgeordnete vr. Windthorst als Haupt redner die Ergebnisse der abgeschlossenen Berathungen in einer anderthalbstündigen Rede zusammen, in welcher er besonders auf die Einigkeit der Katholiken hinwies, von der diese Ver sammlung erneut Zeugniß abgelegt habe, und dann zu dem sogenannten Kulturkampf übergehend, vor allzu sanguini schen Hoffnungen warnte, da keine Aussicht vorhanden sei, mit dem Kulturkampf rasch zu Ende zu kommen. Bei den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen dürf ten weder Nationalliberale noch Freikonservative gewählt werden. Die Rede Windthorst's schloß mit einem Hoch auf den Papst. Die Versammlung beschloß Resolutionen gegen die Beraubung des päpstlichen Stuhles und der Propaganda, eine Resolution für die Freiheit der Erziehung der Geistlichkeit, eine solche für die Erneuerung des prinzipiellen Kampfes um die Schule und eine für Aufhebung des Ordensgesetzes. Außer dem verdienen noch die in Betreff der sozialpolitischen Fragen gefaßten Beschlüsse Erwähnung. Die gesetzliche Sicherung der Sonntagsheiligung erklärte die Versammlung für eine Pflicht der christlichen Obrigkeit. Das Verbot der Kinderarbeit und der Arbeit verheiratheter Frauen wurde als dringlich be zeichnet; ferner wurde die Nothwendigkeit ausgesprochen, der Trunksucht durch die Pfarr- und Mäßigkeits-Brüderschaften Einhalt zu thun. Hinsichtlich der Handwerkerfrage erklärte sich die Versammlung mit den Ackermann'schen Anträgen, welche den Befähigungsnachweis verlangen, einverstanden und verlangte dementjprechend auch Vorrechte für die Innungen. Be deutsam sind auch die folgenden zuletzt in Münster gefaßten Beschlüsse: „1. Die Gründung von Wochenblättern in der Die deutschfeindlichen Demonstrationen in Spanien, denen die Regierung entgegentritt, soweit sie es vermag, richten ihre Spitze weit weniger gegen Berlin als gegen das spanische Königthum. Die Republikaner verbergen es nicht länger, daß sie den Moment gekommen glauben, mit französischer Hilfe wieder einen Freistaat aufzurichten. Wie Königinhof sind anticzechische Demonstrationen in der deutschböhmischen Stadt Reichenberg gefolgt und immer lauter erhebt sich in Nordböhmen der Ruf nach einer Theilung der Landesverwaltung in deutsche und czechische Distrikte. Wie wenig die italienische Regierung daran denkt, ihre Stellung am Roihen Meere wieder aufzugeben, geht u. A. auch daraus hervor, daß laut Uebereinkunft mit der cgyptischen Regierung nun auch die Leitung des Zollamtes in Massauah an Italien übergegangen und zum Direktor desselben ein höherer italienischer Zollbeamter, Namens Stefanoni, ernannt worden ist. — Nebenher ist aber auch wieder von einer italienischen Expedition nach Tripolis die Rede und wird behauptet, daß Sir Drummond Wolff in Konstantinopel bemüht sei, die Pforte für diese Angelegen heit günstig zu stimmen. Die für das Jahr 1889 in Paris geplante Weltaus stellung gilt den meisten Franzosen als Ehrensache, so daß kein Geld geschont werden soll, diese Ausstellung mit Glanz in's Werk zu setzen. Allein für Vorstudien zu dem genannten Unternehmen hat die Finanzkommission des Senats einen Kredit von 100000 Franks bewilligt. Sollen aber die Bedenken schwinden, die jetzt noch der Betheiligung auswärtiger Monarchien im Wege stehen, so muß vorher der Radikalismus in Frankreich wieder mehr als jetzt in den Hintergrund treten. Dazu ist um so mehr Aussicht, als der Vertreter des gemäßigten republikanischen Systems, Jules Ferry, bei seiner Rundreise durch Frankreich über raschende Erfolge erringt, welche die Ultraradikalen sehr einschüchtern. Ferry ist wahrhaft unermüdlich: kaum hatte er seine große Rede in Bordeaux gehalten, als er schon wieder in Libourne einem ihm zu Ehren gegebenen Banket präsidirte, an welchem 980 Personen theilnahmen, die seiner Vertheidiaung der opportunistischen Friedenspolitik den größten Beifall zollten. In St. Emilion wurde der ge wandte Staatsmann von den städtischen Behörden feierlich empfangen und sowohl bei der Ankunft als bei der Abfahrt von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. mit«, iltmtns. D. 8. Heer für ihre Ziele zu gewinnen, läßt sich noch nicht be- urtheilen. Thatsache ist aber, daß die Sympathien für die französische Republik immer mehr zur Schau getragen werden. Ueberall wird bei öffentlichen Aufzügen die fran zösische Fahne entfaltet, an der dann Abzeichen irgend welcher Art angebracht werden, um auf die Zusammenge hörigkeit beider Völker hinzuweisen. Der Kundgebung von Valencia beispielsweise widmet ein dortiges Blatt eine Be sprechung, in der es heißt: „Das Banner der französischen Kolonie trug auf der einen Seite die Farben Spaniens, auf der anderen die Frankreichs, was unter den Zuschauern allgemeine Genugthuung hervorrief." Das genügt! In den deutschen Ostseestädten werden die Ausweisungen besitzender russischer Unterthanen fortgesetzt, trotzdem das kommerzielle Interesse dieser Städte darunter sichtlich leidet. Dagegen beschränken sich die angeblichen Massenausweisungen Deutscher aus Rußland auf die Zurückschiebung weniger aewerbsunfähiger Personen. Um so schärfer aber geht die Regierung des Zaren gegen die deutsche Sprache und die protestantische Religion m den russischen Ostseeprovinzen vor. Nach einer Meldung der „Nowoje Wremja" ist das Gesuch der Ritterschaften von Livland, Kurland und Esth- land, sowie der Städte der baltischen Gebiete um Bestäti gung ihrer Privilegien durch alle russischen Regierungen zurückgewiesen worden. Das erwähnte Blatt bemerkt dazu: „Im Hinblick auf die völlige Verschmelzung der baltischen Gouvernements mit dem Reiche haben die dortigen örtlichen Privilegien alle staatliche Bedeutung verloren." Nach der selben Quelle stehen übrigens noch andere „wichtige" Maß nahmen bezüglich der russischen Ostseeprovinzen in Vor bereitung. rwaltE^ edttio«. ge bctr. u unsern . Ameigh Das deutsche Geschwader, dessen Erscheinen vor Zanzibar kn Sultan Bargasch sofort anderen Sinnes machte, soll Machst noch nicht aufgelöst werden, da die Erwerbungen ostafrikamschcn Gesellschaft noch nicht abgeschlossen zu M scheinen und auch wohl noch keine Klarheit darüber Kuscht, welche Gebiete der Somali-Küste der bekannte Kapitän Cccchi auf seiner Forscherfahrt auf dem Schiff -öarberigo" für Italien erworben hat. Das durch den Neuen Schutzvertrag mit dem Sultan Tambo von Pangani Üblich von Usagara vervollständigte Besitztum der deut- ,g—- Ichen ostasnkamschcn Gesellschaft besitzt bereits einen solchen weit ihre Erwartung berechtigt ist, durch den Marschall ümsang und eine so hohe Bedeutung, daß für die nächste Serrano, dessen Haltung allerdings sehr seltsam scheint, das Session des deutschen Reichstages eine Vorlage behufs Errichtung einer subventionirten Postdampferlinie nach Ost afrika ziemlich sicher in Aussicht steht. Ein altes Studentenlied sagt: In Münster ist es finster! Von dort kam diesmal auch der einzige dunkle Flecken, der auf die Helle Sedanfreude fiel, indem der Bischof Brinkmann gleich in der Eröffnungssitzung der dort tagenden katholischen Generalversammlung die Verbitterung der kirchenpolitischen Verhältnisse in Preußen mit der Wiedererrichtung des deutschen Kaiserreichs in Verbindung brachte und sowohl der Domkapitular Moufang als auch der ultramontane Abg. v. Schorlemer-Alst für die Wieder zulossung der Jesuiten eintraten. Hoffentlich wird es den in Münster versammelten Klerikalen nicht gelingen, die von ihnen erfreulicher Weise selbst konstatirte Versumpfung des Kulturkampfes zu bannen und das endlich nahezu nieder gebrannte Feuer des Kirchenstreites neu emporlodern zu lassen. Gegenüber den Meldungen verschiedener Blätter, welche die innere Politik Oesterreich s mit der Kaiser-Zusammen kunft in Kremsier in Verbindung brachten, betheuertcn die Wiener Regierunqsorgane, daß es Rußland ebenso fern liege, sich in österreichische Verhältnisse zu mischen, wie Oesterreich sich um die inneren Angelegenheiten des Zaren reiches zu kümmern. Von derselben Seite wurde auch die Mittheilung, daß bei der bevorstehenden Anwesenheit des Kaisers Franz Josef in Kroatien Deputationen aus dem Okkupationsgebiete um Einverleibung ihres Landes bitten würden, als willkürliche Erfindung bezeichnet. Das aber können sie nichts in Abrede stellen, daß von russischer Seite das jetzige Uebcrwiegen des slavischen Elements in der österreichischen Provinz Mähren mit sehr großer Befriedi gung bemerkt worden ist. Jedenfalls ist seitdem auch der Nationalitätenzwist in Böhmen nur noch verschärft worden. Auf die czechischen Mißhandlungen deutscher Turner in Die Woche. Durch das ganze deutsche Volk geht ein tiefer mo narchischer Zug. der nichts Erkünsteltes, nichts Knechtisches an sich hat und gegen dessen Macht alle Aufwiegeleien sich mgeblich erweisen. Haben Römer schon in alter Zeit einen Stolz darin gesucht, nichts zu bewundern, so scheint es da gegen den Germanen ein Herzensbedürfniß, der wahren Größe Anerkennung zu zollen und von der Hochachtung zur Nachahmung zu gelangen. So sehen wir auch heut zutage romanische Nationen selbst unter trefflichen Regenten in fortwährender Unruhe der Volksherrschaft zustreben, während germanische und keltische Völker, die wie die Eng länder und Skandinavier sich einer fast freistaatlichen Ver fassung erfreuen, für ihre Monarchen stets die treueste Ver ehrung bekunden. Wie der Deutsche seinen Kaiser und seine Landessürsten ehrt, das zeigt sich besonders an natio nalen Festen und hat sich an dem letzten Sedantage wieder überall im Deutschen Reiche glänzend bewährt. Als am Mittwoch der deutsche Kaiser von seinem Berliner Palais unter den Lüden nach dem Tempelhofer Felde fuhr, um dort die Parade der Gardetruppen abzunehmen, strömten nicht nur Hunderttausende zu diesem militärischen Schau spiel hinauss sondern auch auf dem ganzen Wege, von Haus zu Haus, von Straße zu Straße begrüßte den greisen Mo narchen ein unbeschreiblicher Jubel, der tief ergreifend wirkte. Es war, als gälte es ein Wiedersehen nach jahre langer Trennung, eine Begrüßung nach überstandener Krank heit, einen Empfang nach siegreichem Feldzug, so aus inner stem Herzen kommend klang dieser Jubelgruß einer unab sehbaren Volksmenge, der die vielen fremden Würdenträger, welche denselben vernahmen, in unverkennbares Staunen setzte. Ein militärischer Berichterstatter des Pariser „Figaro" schrieb kürzlich, er habe mit den Gefühlen bitterster Eifer sucht in Deutschland die Macht der monarchischen Idee schätzen lernen. Dieses feste echtgermanische Band, das im Denlschcn Reiche Fürst und Volk und Heer umschlingt, verleiht eine Kraft, gegen die so leicht kein Feind ankommen kann; es flößt dem Auslande eine Achtung ein, welche die Rechte und den Frieden Deutschlands so lange sichert, als es keiner List gelingt, dieses Band zu lockern. Wenn jetzt anläßlich der Besetzung der Karolincninseln duck Deutschland eine große Partei in Spanien sich in deutschfeindlichen Demonstrationen ergeht und Anschluß an die französische Patrioten-Liga sucht, die von einem Revanche- kricg gegcn Deutschland träumt, kann dies für das des Friedens bedürfende spanische Königthum und das jetzige Madrider Kabinet Canovas recht gefährlich werden, auch in Paris dem Ministerium Brisson große Angelegenheiten bereiten, Deutschland aber weiter keine Sorgen machen. Nicht aus Angst vor der Madrider Demonstration, sondern nur aus freundlicher Rücksicht für den König Alfons, dessen Beseitigung die spanischen Republikaner durch den jetzigen Knegslärm zu erzielen hoffen, hat sich die deutsche Negierung erboten, die Karolinen-Streitfrage dem Schiedssprüche einer be freundeten Macht zu unterbreiten. Die deutsche Heeresmacht genügte wahrlich, den Franzosen eine wirkliche Parteinayme für ihre Stammverwandten jenseits der Pyrenäen gründlich zu verleiden und die rasch aufgeblühte deutsche Marine würde von der in nicht sonderlichem Zustande befindlichen spanischen Armada kaum verhindert werden können, den deuWxjMjchcn Demonstranten an der langen iberischen > Küste „einmal spanisch zu kommen". Es ist übrigens be- Mchnend für den Stand der Dinge, daß hervorragende Frankfurter Firmen an den Fürsten Bismarck eine Petitton abjandten, in welcher der deutsche Kanzler ersucht wird, sich der deutschen Besitzer von Madrider Loosen anzunehmen, I solche von dem Munizipium der spanischen Hauptstadt ge- I Mdigt würden, und besonders dahin zu wirken, daß die I Wuna, welche ordnungsmäßig am 1. Juli hätte statt- I Huden tollen, bis jetzt aber verschoben wurde, sofort vorge- I °°!nmen werde. er, MbM Win«. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr angcnvm- O O kl men und beträgt der Preis sür die gespaltene Zeile 1 FH oder deren Raum 1S Pf. Erichen« jeden Wochentag Abend» '/,7 Uhr sür den Sonntag, den 6. September