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die englischen Delegirten bereits mehrere Konzessionen und steht zu hoffen, daß sie demnächst dem von den anderen Mächten aufgestellten vermittelnden Entwürfe einfach zustimmen werden. Der Verlauf der vorgestrigen Sitzung des englischen Unterhauses, durch welchen die jetzige Ministerkrisis hervorge- rusen wurde, war der folgende: Bei der zweiten Berathung der Einnahmebudget-Bill stellte das konservative Parlaments mitglied Beach einen Antrag, welcher die von dem Schatz kanzler Childers eingestellte Erhöhung der Spiritussteuer und Biersteuer als unbillig beanstandet, weil der Weinzoll nicht gleichzeitig erhöht und eine neue Besteuerung des Realbesitzes verweigert wird, bis die lokalen Steuern erleichtert worden find. Der Minister Gladstone nannte den Antrag einen ganz ungewöhnlichen und rechtfertigte die Steuererhöhungen, welche durch die nothwendigsten militärischen Vorbereitungen zur Ab wendung ernster Gefahren unerläßlich waren. Man hofft jetzt zwar, daß die Gefahr vorübergehen werde; jedoch könne die Regierung noch nicht sagen, daß jede Gefahr bereits vorüber sei. Die Opposition, welche erst den beantragten Kredit ein stimmig bewilligt habe, verweigere jetzt die Mittel zur Be deckung desselben, ohne andere Mittel vorzuschlagen. Er müsse daher aus der Entscheidung des Hauses über den Antrag Beach eine Kabinetsfrage machen, damit die Opposition, wenn sie siege, auch die Folgen zu tragen habe. Hierauf wurde die Einnahmebudget-Bill in^zweiter Lesung mit 264 gegen 252 Stimmen abgelehnt und hatte somit das liberale Ministerium eine Niederlage erlitten. Nach der Abstimmung wurde auf den Antrag des Premierministers Gladstone das Haus sofort vertagt und trat das Kabinet zu einer langen Sitzung zusammen, deren Ergebniß Gladstone gestern dem Unterhaus? mittheilte. Das Ministerium habe es für seine Pflicht erachtet, der in Balmoral verweilenden Königin über di? Sachlage Erklärungen zugehen zu lasten, deren Charakter augenscheinlich sei, obschon er ihn nicht näher bezeichnen könne. Der Minister beantragte die Vertagung bis Freitag behufs Abwartung der königlichen Entscheidung. Das Haus leistete dieser Aufforderung Folge und das Oberhaus wurde ebenfalls bis Freitag vertagt. In dem letzter» Hause hat vorgestern der Kolonialsekretär Derby aus eine bezügliche Anfrage erllärt, die im Zululand angesiedelten Boeren hätten eine Proklamation erlösten, in welcher sie gegen die seitens des Lieutenants Moore erfolgte Besitzergreifung von der St. Lucia-Bai protestiren, indem sie die britischen Rechte daselbst bestreiten und die Rechte der neuen Boerenrepublik behaupten. Bulwer habe keine Zeit verloren, diese Ansprüche zurückzuweisen, was die Regierung gebilligt habe. Was die Rechte Deutschlands auf die Lucia- Bai angehe, so glaube er sagen zu dürfen, daß die Sache durch diplomatische Aktion erledigt sei. Durch einen Ukas des russischen Kaisers ist die Zahl der in diesem Jahre auszuhebenden Rekruten für die Armee und Flotte aus 230000 Mann festgesetzt worden. — Aus Sebastopol berichtet man, daß die Befestigungen dieses Platzes durch enorme Erdwerke verstärkt und mit Geschützen vom schwersten Kaliber armirt werden. Alle Arbeiten werden so eifrig betrieben, daß man sich selbst an den strengsten russischen Feiertagen keine Rast gönnt. Desgleichen wird an der Fertig Schein und Sein. Roman von A. Marby. 14. Fort^pung. Nachdruck verboten. »Lieutenant Steinbach!? welcher gute Stern führte Sie mir in den Weg? Nein — so nicht — da — sehen Sie; so — so geht's!" Viktor legte sofort Hand ans Werk und da der Oberst nach Kräften nachhalf, auch Bayard, obwohl vergeblich, An strengung machte, sich zu erheben, war sein Herr binnen Kurzem aus seiner schlimmen Lage befreit: langsam, mit Viktor's Hilfe, erhob er sich. „Sind Sie verletzt, Herr Oberst?" Derselbe reckte und streckte sich, versuchte Arme und Beine zu bewegen, wobei ein leichtes Zucken in seinem Gesichte eine schmerzhafte Empfindung verrieth. „Bis auf ein wenig Steifheit in allen Gliedern und einen stechenden Schmerz in der rechten Schulter geht's ja so leid lich! Eigentlich ist's ein Wunder, daß die Knochen ganz ge blieben, aber freilich verdanke ich das Ihnen, denn wäre mir nicht so rasch Hilfe gekommen, hätte das Satansthier mich zu Brei gequetscht! Wie steht's denn mit dem „muckifchen" Racker?" Es stand mit Bayard besser, als sein Herr gefürchtet. Nachdem er erst glücklich wieder auf seinen Füßen stand, zeigte er außer einer leichten Beinvcrrenkung keinen weiteres Schaden. Viktor eilte zu dem nahen Bache, tauchte sein Taschentuch in die kühle Fluth und band es dem geduldig stillhaltenden Thiere um die wehe Stelle. „Sie entwickeln ja als Samariter ein wahrhaft be- wundernswerthes Geschick, lieber Steinbach," lobte Oberst von Kaminsky, der inzwischen vergeblich bemüht war, durch an haltendes Reiben mit seiner linken Hand dem steifen Arme die gewohnte Geschmeidigkeit wieder zu geben. „Wüßte nicht, waS ohne Ihr Dazukommen aus uns hätte werden sollen. Verwünschte Situation! Roß und Reiter invalid, wie kommen Wir denn nur hier fort?" „Auf die einfachste Art, Sie besteigen mein Pferd! Zuvor aber," fuhr Lieutenant Steinbach mit erhöhtem Eiser fort, „bitte ich auf Grund der chirurgischen Kenntnisse, welche ich mir durch dm Besuch der bezüglichen Vorlesungm erworben zu haben glaube, mir eine, wenn auch nur flüchtige Unter suchung Ihrer verletzten Schulter zu gestatten." „Nichts da, mein Bester!" wehrte der Oberst ab. „Die Ausführung Ihrer guten Absicht wäre wirklich zu unbe quem ! Wird mit der empfindlichen Schulter doch nicht gleich gar zu böse werdm." Aber eS Mußte doch schon recht böse sein, denn trotz Lieu tenant Steinbach's kräftiger Unterstützung vermochte der Oberst nur sehr langsam bis zu der Stelle zu humpeln, wo der feurige Odin längst ungeduldig den nassen Erdboden stampfte, und demselben den fremden Reiter aufzuoktroyiren, kostete erst rechte Mühe. Der Oberst mußte die Zügel mit der linken stellung der im Bau begriffenen Panzerschiffe „Tschesme" und „Sinope" fieberhaft, selbst in der Nacht bei elektrischem Lichte gearbeitet. — In Helsingsors verursachten die Studenten, welche die russisch-gesinnten Finnen verhöhnten, bedrohliche Straßenunruhen und machte sich bei einer dem Universitäts rektor gebrachten Katzenmusik das energische Einschreiten der Polizeiorgane nöthig. Nach den neuesten Nachrichten von der türkischen Insel Kandia sind die Konsuln der fremden Mächte ernstlich bemüht, die Differenzen der griechcnfreundlichen Repräscntanten-Ver- sammlung mit dem türkischen Gouverneur Savas Pascha ver söhnlich beizulegen; man hofft, daß dies in kürzester Frist ge lingen werde. Lokales und Sächsisches. Freiberg, dm 10. Juni. — Ihre Majestäten der König und die Königin beabsich tigen, die kgl. Villa zu Strehlen am Dienstag, dem 16. d. M. zu verlaffen, von welchem Tage ab das königl. Hoflager nach Schloß Pillnitz verlegt wird. — Laut Bekanntmachung der Königlichen Amtshauvt- mannschaft wird der von Niederbobritzsch nach Nieder colmnitz führende Kommunikationsweg wegen Massenschüttung vom 11. bis mit 19. d. M. für den Fährverkehr gesperrt und der letztere auf den nach der Haltestelle Niederbobritzsch füh renden Wirthschaftsweg bez. über Sohra verwiesen. — Nach dem gestrigen übermäßig heißen gewitterschwülen Tage war es eine herrliche Erquickung, im Freien unter blühenden Bäumen die kühle Abendluft zu genießen und dabei einem guten Gartenkonzert zuzuhören. Dazu war gestern Abend auf der hiesigen Brauhofterrasse und im Restaurant Otto in Freibergsdorf Gelegenheit geboten. In dem ersteren Gartenlokale konzertirte das Stadtmusikchor und erntete bei dem zahlreich anwesenden Publikum, besonders mit dem Hoch zeitsmarsch aus dem „Rattenfänger von Hameln" und dem Waffenruf des Kaisers von Clarens reichen Beifall. Kopf an Kopf standen während des Konzerts zahllose Musikfreunde außerhalb der Terrasse in den Promenaden, verhielten sich aber musterhaft ruhig. Fast ebenso zahlreich waren die Spaziergänger, welche die Chemnitzerstraße entlang wallfahr- teten und sich dabei gratis an den Leistungen der in Otto's Restaurant in Freibergsdorf spielenden Jägerkapclle ergötzten. Bei diesem Konzert war es von den Gesammtleistungen die Balfe'sche Ouvertüre zur „Zigeunerin" und von den Solo- vorträgen eine Hoch'sche Fantasie für Piston, die am meisten ansprachen. Um zehn Uhr zog ein neues Gewitter heraus und mahnte mit dumpfen Tönen an die Heimkehr. Heute früh war die Morgenluft, infolge der gestrigen zahlreichen elektrischen Entladungen, köstlich aufgefrischt. Das gestrige Hagel wetter dürfte trotz der gefallenen ansehnlichen Stücke nur ge ringen Schaden verursacht haben. — Schon seit mehreren Tagen kann man iu der Königs-Allee eine Art Baumwolle wahrnehmen, die von den beiden kanadischen Pappeln herrührt, welche am oberen Kreuzteiche stehen. Mitten unter den uralten Linden stehen zwei riesige Exemplare dieser aus Nordamerika Hand festhalten und dies konnte er auch nur unter großer Anstrengung; dabei war an ein schnelles Fortkommen nicht zu denken, denn jede heftige Bewegung verursachte dem halb ge lähmten Reiter unerträgliche Schmerzen, so daß nach wenigen Sekunden Viktor sich genöthigt sah, außer dem lahmen Bayard auch noch seinen Odin zu führen, der nur unter häufig er neutem Widerstreben sich in die erzwungene langsame Gang art fügte. „Wahrhaftig, eine höchst anmuthige Kavalkade, wir beiden Ritter von der traurigen Gestalt mit dem lahmen Gaule," lachte Oberst von Kaminski in bitterem Spotte, „kommt mir just vor, als trotteten wir hinter einem Leichenzuge her. Geben Sie Acht, unser lächerlicher Aufzug wird Sensation erregen und einen Schwanz Neugieriger, der in der Stadt bei jedem Schritte anwächst, hinter sich her ziehen." „Nun, dann trösten wir uns mit dein Sprichworte: Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. Uebrigens dürfte es nicht gar so arg werden, denn eh' wir die Stadt erreichen, haben wir völlige Dunkelheit." „Verwünschte Geschichte," brummte der Oberst, „mir im ganzen Leben noch nicht passirt. Scheut der Bayard vor 'ner Distanz, die er mehr wie hundert Mal schon spielend ge nommen hat. Will ihm die Mucken nicht durchgehen lassen, setzte ihm die Sporen ein und da — hopp! heisa! jagt er davon, wie vom Teufel regiert." „Ja, ich sah ihn dahergeflogen kommen, aber auch im selben Augenblicke zusammenbrechen. Gott sei Dank, daß es noch so glimpflich abgelaufen ist." „Freilich, freilich! konnten Beide um ein Haar Hals und Beine brechen. D'rum Gott und Ihnen, lieber Steinbach, ewigen Dank! Sagen Sie mir, welches glückliche Ungefähr führte Sie denn bei diesem Hundewetter mir iu den Weg?" „Ein heftiger Kopfschmerz veranlaßte mich, eine tüchtige Bewegung in freier Luft als probates Gegenmittel anzuwenden. Ich hatte schon," fuhr der junge Offizier lebhafter fort, „eine gute Strecke in der Hauptallee zurückgelegt, als mich plötzlich die Laune anwandelte, in den Seitenweg einzubiegen, bei dem Regenwetter hatte ich ja nicht zu befürchten, ahnungslose Spaziergänger zu inkommodiren. Dem unwiderstehlichen Impulse kurz entschlossen nachgebend, wandte ich mein Pferd und —" „Und erschienen gerade wie gerufen im rechten Augenblicke für mich und meinen Bayard," fiel der Oberst in ernster Bewegung ein. „Merkwürdig, oder nein, wunderbar! Wer möchte darin nicht mehr wie einen Zufall erkennen? Ja, wie hätten Sie wohl ahnen können, daß Ihr Ritt ein so unver hofftes, rasches Ende finden würde? Und nun diese Strapaze bei Ihrem Kopfweh! Sie Armer, bringen mir wahrlich ein nicht hoch genug anzuschlagendes Opfer; leider fühle ich mich ganz außer Stande, Ihnen Ihre schwere Hilfeleistung in Etwas zu erleichtern." „Sie schlagen dieselbe viel zu hoch an, Herr Oberst," be- stammendeu Pappel, welche der Botaniker unter dem Name» kopulus moniliksru, d. h. halsbandtragende Pappel kennt. Die Fruchtkätzchen sind mit fast kugeligen Früchten von der Größe des Bogelhanfes besetzt und ähneln einer Perlschnur. Daher hört man sie auch Rosenkranz-Pappel nennen. Zur Reifezeit platzt das zweiklappige Früchtchen auf und es quillt weiße Wolle hervor, die ein Samenkörnchen umschließt. Ber Windstille fällt die Baumwolle wie Schneeflocken herab. Es gewährt dies besonders bei Sonnenschein einen prächtigen Anblick. Oft sind die Promenadenwege und der Teich mit einer weißen Schicht bedeckt. — Wie wir bereits gemeldet haben, waren am Sonntag auch unsere hiesigen Radfahrer bei der im Kanzleihofe zu Dresden stattgefundenen Versammlung deutscher Radfahrer stattlich vertreten. Der bei der letzteren vorgetragene Kassen bericht erwies sich als ein recht günstiger; auch zeigte sich eine erhebliche Zunahme der Mitgliederzahl des 22. Gauverbandes. Man beschloß u. A. darnach zu streben, von der Direktion der Eisenbahnen dieselben Vergünstigungen zu erlangen, welche bereits andere Transportmittel haben, daß nämlich dem Aus geber der Maschine auf ein Tourbillet 25 Kilogramm Gewicht der Maschine als Freigepäck befördert werden. Bei Gelegen heit des Turnfestes werden aus Görlitz, Breslau rc. 200 Rad fahrer nach Dresden kommen. Für den 28. Juni ist eine Gaufahrt nach Oschatz geplant, bei der man mit den Leipziger Radfahrern in Hubertusburg zusammenzutreffen gedenkt. Die beiden Kolonnen würden sodann gemeinschaftlich in Oschatz ein fahren. Bei der in Dresden am Sonntag erfolgten Neuwahl dcs Gauvorstandes fiel die Wahl auf Lorenz-Freiberg, Hofmann-Dresden, Pantan-Dresden, Jessing-Kötzschenbroda. Ferner wurden 2 Delegirte bezeichnet, welche den Gau auf dem Radfahrerkongreß zu Nürnberg vertreten sollen. Nach, einer Festtafel im Versammlungslokal unternahmen die An wesenden eine in mehrere Gruppen getheilte Ausfahrt nach dem Waldschlößchen, um den Tag mit einem Kommers zu beendigen. — Reisende berichten, daß die im Laufe des gestrigen Tages verschiedene Landestheile berührenden heftigen Gewitter in der Nähe von Großenhain mit starkem Schloßenniedergange begleitet gewesen sind und daselbst recht bedeutenden Schaden verursacht haben. Auch bei uns kamen eine ziemliche Menge Schloßen, und darunter Stücken in der Größe der Lamberts- nüsse, zum Niedergange, doch war glücklicherweise Windstille eingetreten und die niederfallenden Stücke von sehr weicher Beschaffenheit mit einem nur ganz kleinen Eiskern. Diesen beiden Umständen ist es daher zu danken, daß hierdurch nur ganz wenig Unheil angerichtet wurde. In der vergangenm Nacht kamen diese Gewitter zum Abregnen und fiel das Wasser in der 12. Stunde in unsrer Gegend wirklich in Mafien herab, gewiß von großem Nutzen für unsere förmlich ausgedörrten Fluren und Felder. — Gestern Nachmittag in der 6. Stunde wurde ein auf der Branderstraße als Steinschläger arbeitender Mann, Namens- Ihle, vom Schlage gerührt und war in wenigen Minuten eine Leiche. — In der Nähe von Wilischthal wurden gestern Nach mittag durch einen Blitzschlag zwei Zugochsen getödtet. ruhigte Viktor mit liebenswürdiger Bescheidenheit. „Gewiß bedarf es nicht der Versicherung, daß ich mich glücklich schätze, Ihnen meinen geringen Beistand leisten zu können." „Schicken wir uns mit Geduld in die Umstände, lieber Steinbach," lächelte der Oberst in ein wenig gezwungen scherzen dem Tone. „Meine, es wäre undankbar, wollte ich noch murren! Ja, und was Sie da," fügte er in hörbarer Rührung hinzu, „von Ihrem „geringen" Beistände sagten, so — weiß es Gott! vergesse ich Ihnen denselben mein Lebelang nicht." Viktor hatte richtig prophezeiht; als sie endlich im lang samsten Tempo vor dem Hause des Obersten anlangten, war die abendliche Dunkelheit völlig hereingebrochen; unter ihrem Schutze und begünstigt von dem unfreundlichen Wetter hatte das befremdliche Erscheinen des Reiterpaares nur geringe Auf merksamkeit erregt. Die Wache salutirte, gleichzeitig stürzte auch der Reitknecht des Obersten, längst auf der Lauer stehend, diensteifrig herbei, prallte aber erschrocken wieder ein paar Schritte zurück, als er seinen Herrn auf einem fremden Pferde erblickte und den Bayard mit tief gesenktem Kopfe, wie ein Schuldbewußter — reiterlos, von einem fremden Offizier geführt. „Jesses! was is sich geschehen?" stammelte der junge Pole, mit stierem Ausdruck von seinem Herrn auf dessen Begleiter blickend. „Macht der Mensch erst einen Heidenlärm und gafft mnr wie eine Bildsäule, anstatt hilfreich Hand anzulegen," zürnte in gedämpftem Tone Oberst von Kaminsky. „Hier tritt her — noch dichter — und nun reiche mir Deine Hand — weshalb zitterst Du denn am ganzen Leibe? Fest gestanden, Petrowsky — alle Wetter!" Der Oberst konnte ein kurzes, schmerzhaftes Stöhnen nicht ganz unterdrücken, obwohl ihm der Bursche und Viktor so behutsam wie möglich vom Pferde herunter halfen. „Jesses — o Jesses, was is sich das mit dem gnädigen Herrn Oberst? Möcht' ich rufen noch den Friedrich." „Und das ganze Haus alarmiren und meine Tochter zu Tode erschrecken, wie?" „Gnädiges Fräulein unsriges hat gefragt schon vielmal, wo bleiben so lange der Herr Oberst," berichtete Petrowsky. „Kann's mir denken, daß das arme Kind schon ängstlich geworden ist, müssen darum so geräuschlos wie möglich mein Zimmer zu erreichen suchen, so lange nehme ich Ihre Güte noch in Anspruch, lieber Steinbach! Du führst zuerst die beiden Pferde in den Stall, Petrowsky, und läufst dann im Geschwindschritt zum Regimentsarzt. Was meinen Sie," wandte der Oberst sich wieder an Viktor, „wird der Bayard auch ärztliche Hilfe nöthig haben?" „Eine genaue kundige Untersuchung dürfte allerdings ge boten sein." „Nachher besorgen ich Alles!" versicherte der Reitknecht, der mit neuem Erschrecken jetzt erst gewahrte, daß Bayard, sein „Staat", seine „Puppe", schwer lahmte. Waren sicher Beide