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Lst «haust, lrtikel. den Tischler tzten Riche- ii Sarg mit und durch nder Liebe ich zugleich rnd memer Dank. Hör«. tiger Theil- indes sag« ) Frau. > Bekannte« daß gestern ßaitl nach , ist. Nitzsche. Gott uns« n Alter von 85, d Frau. ictDounerr- 4 Uhr statt d Frau. »ter. pril 1885: Stagsfeier verehrte« «. rrn Hos- vom «gl. nd Frä«- snneme«t eert. irl Gutzkow. Gastspiel Bassist«« iczeck vom und des x Lebrecht lm. Zum ame. be. Musil Direktor. in 23. April: , 129, 130, reiveMIyeiqer md Tageblatt. Amtsblatt für die kömglichen und städtischen Behörden zn Freiberg nnd Brand. Verantwortlicher Redakteur: Julius Braun iu Freiberg. -i/» FHO I Erscheint jeden Wochentag Abends Y.7 Uhr sür den ! 38. Jahrgang Inserate werden bis Vormittag l 1 Uhr angenom- il FHFU Jr vs. Freitag, Sen 24. April. 188». Nachbestellungen auf die Monate Mai und Jnni Verden zum Preise von 1 M. 5V. Pf. von allen kaiserlichen Postanstalten sowie von den be- kaunten Ausgabestelle« und der unterzeichneten Expedition angenommen. Expedition des Freiberger Anzeiger. Ulrich von Hutten Bei den Luther-Jubelfesten, die in ganz Deutschland eine so große und nachhaltige Begeisterung erregten, ist vielfach eines Mannes gedacht worden, der als einer der edelsten Vorkämpfer der Reformation, der geistigen und der bürgerlichen Freiheit angesehen zu werden verdient. Es ist dies Ulrich von Hutten, der Dichter und Held, der den von Luther nur mit Waffen des Geistes bekämpften Römlingen nach Ritterart den Fehdehandschuh hinwarf und seinen kühnen Muth mit dem Tode in der Verbannung gebüßt hat. Sein Andenken ist in vielen deutschen Herzen vin Mittwoch wieder aufgefrischt worden, denn am 22. April 1488 wurde Hutten als Sprößling eines altadligen Ge schlechts auf dem drei Meilen von Fulda entfernten Schloß Steckelberg in Kurhessen geboren. In drei Jahren wird also der vierhundertjährige Geburtstag Hutten's gefeiert werden und weil es zu wünschen steht, daß dann die Nach welt eine Schuld abträgt an den Mann, den seine Zeitgenossen bei seinem Kämpf mit den Dunkelmännern hilflos zu Grunde gehen ließen, deshalb ist es gut, schon jetzt dessen zu gedenken, was er war und geleistet hat. Kein Stein bedeckt Hutten's Grab, das er in der Verbannung auf der Insel Ufnau im Züricher See gefunden, aber der berühmte fromme Dichter Gottfried Herder schrieb von dieser verschollenen Ruhestätte: „Schiffe hinüber, Reisender, und sage: Hier liegt der Sprecher für die deutsche Nation, Frei heit und Wahrheit, der für sie mehr als Sprecher sein wollte." Als Ulrich von Hutten zehn Jahr alt war, sandte ihn sein Vater von der Burg Steckelberg iu das nahe Stift Fulda, damit er sich dort für den geistlichen Stand vor bereite. Ulrich lernte etwas Tüchtiges, aber das Mönchs- leben behagte ihm so wenig, daß er 1504 nach Erfurt entfloh, wo der 16jährige feurige Jüngling in einen regen Verkehr mit Gelehrten und Dichtern trat. Ein Jahr darauf ging er nach Köln, wo er sich dem geistesfreien Lehrer Rhagius innig anschloß und demselben bei dessen Ausweisung 1506 nach Frankfurt a. O. folgte, wo eben eine neue Hochschule ein geweiht wurde. Kaum von der Pestkrankheit, die ihn schwer gepeinigt hatte, genesen, ging Hutten 1509 nach Greifs wald und Rostock, wo er freundliche Aufnahme und für seine geistigen Arbeiten Anerkennung fand. Zwei Jahre später befand er sich in Wittenberg, wo sein Werk über die Berskunst Aufsehen erregte, ihn selbst aber so wenig be friedigte, daß er sich mit seinem Vater dadurch wieder aus zusöhnen versuchte, daß er nach Pavia ging, um dort Jurisprudenz zu studiren. Unglücklicherweise wurde diese Stadt während seines dortigen Aufenthaltes von den Schweizertruppen des Kaisers Maximilian erstürmt, wobei er seiue ganze Habe verlor. Aus Noth trat er in kaiser liche Dienste, verließ dieselben aber 1514 wieder und ging nach Deutschland, wo er den Herzog Ulrich von Württem berg, der einen seiner Vettern erschlagen hatte, in scharfen Reden und Gedichten angriff und bald darauf dem Domini kaner Hoogstraten gegenüber die Partei Reuchlin's nahm. Im Jahre 1515 weilte Hutten wieder in Italien, lernte in Rom ebenso wie Luther die Mönchswirthschaft genauer kennen und fand in Bologna eine Schrift des Laurentius Valla auf, durch deren Herausgabe er in bewußten Gegen satz zu dem Papstthum trat. In dieser Schrift Valla's — Os k-üso crslit». st smsvtita ckvEiono OEtiUltini — wurde die Unechtheit des angebli chen Ediktes des Kaisers Konstantin nachgewiesen, durch welches dieser dem römischen Bischof Sylvester und seinen Nachfolgern als Zugabe zum kirchlichen Primat Nom und ganz Italien überlassen haben sollte. Hutten besaß die Kühnheit, diese gegen die weltliche Herrschaft des Papstes gerichtete Streitschrift dem damalige» Papste Leo X. zu widmen. Trotzdem genoß er als Schriftsteller bereits solches Ansehen, daß bei seiner Heimkehr nach Deutschland Kaiser Maximilian ihn 1517 zu Augsburg zum Ritter schlug und ihm durch Konstantia Peutinger einen Lorbeer kranz aussetzen ließ. Ebenso trug der Erzbischof Albrecht von Mainz kein Bedenken, ihn in seine Dienste zu nehmen, trotzdem Hutten in seinen berühmten „Dunkelmänner- Briefen — Lpwtalas obsourarum viroram — gemeinschaftlich mit einigen Gesinnungsgenossen den beißendsten Spott über die Mönche ausgoß. Der freisinnige Kirchenfürst betraute Hutten 1518 mit einer Mission nach Paris und sandte ihn dann nach Augsburg, wo er den Verhandlungen zwischen Luther und dem Kardinal Kajetan beiwohnte und selbst in einer glänzenden Rede die deutschen Fürsten zum Kriege wieder die Türken anfeuerte. Den muthigen Ritter trieb es aber zu Thaten, desyalb zog er mit dem schwäbischen Bund gegen seinen alten Feind, den Herzog Ulrich von Württem berg, und verband sich mit Franz von Sickingen, der ihm auf der Ebernburg eine Zuflucht gegen seine zahlreichen Gegner bot, bis er selbst in Folge seiner Fehde mit dem Erzbischof von Trier des Schutzes bedürftig wurde. Hutten's Lage gestaltete sich immer mißlicher; in diesem Bewußtsein dichtete er das berühmte Lied: „Ich Habs gewagt mit Sinnen vnd trag des noch kam rew: Mag ich nit dran gewinnen noch muß man spüren trew!" Sein Schicksal blieb nicht ohne Theilnahme, davon zeugt ein Lied seines Zeitgenossen Kunrad Löffel, in dem es heißt: „Huttenus halt sich veste; er wolt gern thun das beste der frummen Christenheit!" Verbittert zog sich der Held nach seiner väterlichen Burg Steckelberg zurück, wo er eine eigene Buchdruckerei einrichtcte, weitere Streitschriften ausstreute und sich immer neue Feinde machte. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig als die Flucht aus Deutsch land nnd ein Asyl auf der Insel im Züricher See, wo am 31. August 1523 gebrochen und lebensmüde der Mann die Augen für immer schloß, der ehemals das anbrechende Zeitalter der Reformation jubelnd mit den Worten begrüßt hatte: „0 saoouluw, juvut vivoro! O Jahrhundert, jetzt ist's eine Lust zu leben!" 45 Schriften zeugten von der Kraft, seiner Feder; zumeist waren dieselben in dem treff lichsten Latein geschrieben, bis die Reformation ihn ver anlaßte, sich in deutscher Rede unmittelbar an das Volk zu wenden und zu sagen: „Latein, ich vor geschrieben hab, Das war ein Reden nicht bekannt, Jetzt schrei' ich an das Vaterland!" Sein Ruf an das deutsche Vaterland ist nicht verklungen und jetzt, wo es einig geworden ist und sich muthig der Dunkelmänner erwehrt, jetzt wäre es an der Zeit, dem Vorkämpfer der deutschen Geistesfreiheit als DankeSzeichen ein Denkmal zu setzen. Man hat dazu die steile Höhe an den Ufern des Rheins und der Nahe vorgeschlagen, auf der ehemals die Ebernburg stand, in der Hutten bei Franz von Sickingen längere Zeit Schutz fand. Es wäre ruhm voll für Deutschland, wenn ein solches Denkmal am 22. April 1888 enthüllt würde, an dem Tage, an welchem 400 Jahre seit der Geburt Ulrich von Hutten's verflossen sein werden. Tagesschau. Freiberg, den 23. April. Gestern wand sich im deutsche« Reichstage die zweite Lesung der Zolltarifnovelle mühsam fort, während das In teresse aller politischen Kreise durch die fast gleichzeitig im preußischen Abgeordnetenhause stattgefundene Kulturkampf debatte abgezogen wurde. Im Verlaufe der gestrigen Reichs- tagsberathung schlug der Abg. Trimborn wegen der Nothlage der Halbseiden-Industrie vor, die Nummern über 60, soweit sie in dieser Industrie verwendet werden, gänzlich zollfrei zu lassen. Nachdem Abg. v. Grand-Ry für den bestehenden Tarif eingetreten war, erklärte Abg. Brömel, er schließe sich dem Anträge des Abg. Trimborn an, wolle jedoch den Zoll nur bei den für den Export bestimmten Waaren der Halbseiden- Jndustrie erlassen. Der Bundeskommissar v. Burchard hielt die gestellten Anträge für kein geeignetes Mittel zur Hebung der Halbseiden-Industrie. Die Ursache des Nothstands sei nur in dem Uebergange von der Handweberei zur Maschinen- weberci und in dem Wechsel der Mode zu suchen. Der Nutzen der Zollaushcbung für die Fabrikanten sei nur ein minimaler; cs empfehle sich daher die Ablehnung der Abänderungs-Anträge. Abg. v. Fischer verwendete sich für die Ablehnung sämmt- licher Anträge und für die Beibehaltung des bestehendm Tarif-. Abg. Bamberger befürwortete den Antrag Brömel. Der Staatssekretär v. Bötticher hob hervor, daß die zur Hebung der Halbseiden-Industrie vorgeschlagencn Maßregeln von der preußischen Regierung nicht berücksichtigt werden könnten, weil sie einerseits den Nothstand nicht beseitigten, andrerseits der Spinnerei schadeten. In der Abstimmung wurden schließlich sämmtliche Abänderungs-Anträge abgelehnt. Im preußischenAbgeordnetenhause begründete gestern zunächst Abg. Windt Horst seinen Antrag auf Auf hebung des Sperrgesetzes, welches der Redner als einen Ge waltakt in scheinbar gesetzlicher Form bezeichnete. Man habe damit den vergeblichen Versuch gemacht, die katholische Kirche auszuhungern, aber nur der Geistlichkeit Gelegenheit gegeben, sich unverwelkliche Lorbeeren zu erwerben. Der Redner be klagte die ungleiche Behandlung der verschiedenen Diözesen und meinte, was in Köln möglich war, müsse es auch in Posen- Gnesen sein, denn durch Aufrechterhaltung des Gesetzes auf den Kardinal Ledochowski einm Druck zu üben, sei ein bar barisches Mittel und eines modernen Staates unwürdig. Mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungm erklärte Abg. v. Rauchhaupt, daß seine Partei jetzt nicht für den Antrag stimmen könne, worauf Abg. v. Schorlemer erwiederte, daß die Herren der Regierung nahe ständen, dürfe dieselben nicht abhaltcn, in einer Rechtsfrage mit dem Zentrum zu gehen. Der Reichskanzler habe im Dezember 1884 im Reichs tage die Verantwortung für die Gesetze bis 1875 abgelehnr. Etwas anderes seien die Junigesetzc von 1875, für die er die Verantwortung auf sich zu nehmen erklärte. Aber diese Gesetze hängen zusammen wie ein Rattenkönig, ein einzelne- könne schwer herausgerissen werden und im Volke herrsche die Mei nung, daß trotz jener Erklärung Fürst Bismarck die Verantwortung für alle Gesetze trage und es nur an ihm liege, sie aufzuheben. Der Kultusminister v. Goßler betonte darauf, daß die preußische Regierung die Besetzung des bischöflichen Stuhles in Posen für den einzigen Weg halte, zu dem von den Vor rednern gewünschten Ziele zu gelangen, nicht aber derjenige der Aufhebung des Spcrrgesetzes. Die Regierung habe zwischen den Verhältnissen der deutschen Diözese Köln und denen der polnischen Posen-Gnesen einen Unterschied finden müssen. Abg. v. Jazdzewski bestritt die staatsfeindliche Haltung des polnischen Klerus. Abg. Biesenbach kritisirte das Sperrgesetz nnd meinte, selbst in der französischen Revolutionszeit sei man nicht so weit gegangen, wie die preußische Regierung cs gethan. Abg. Bachem leugnete jeden Unterschied zwischen den Diözesen Köln und Posen. Abg. Richter bemerkte, die Aeußerung des Reichskanzlers, daß er die Verantwortlichkeit sür die Maigesetze vor 1875 ablehnen müsse, schlage der historischen Wahrheit in's Gesicht, worauf der Minister v. Goßler den Angriffen des Vorredners auf den Reichskanzler entgegentrat; dem letzteren habe der Muth der eigenen Meinung doch wahrlich nicht gefehlt. Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Abg. Windthorst mit 182 gegen 128 Stimmen abgelehnt, worauf derselbe Ab geordnete seinen Antrag auf Straffreiheit für das Messelesen und Sakramentspenden begründete. Abg. Graf Hammer stein sprach sich gegen den Antrag aus. Abg. v. Schorlemer bezeichnete die Beseitigung der Grundlage der Maigcsetze als dasjenige, was das Zentrum fordere. Der Kultusminister v. Goßler erklärte, der Reichskanzler habe am 3. Dezember 1884 unzweideutig erklärt, Preußen könne mit den weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen erst dann vorgehen, wenn die Kurie Entgegenkommen zeige; er bitte deshalb den Antrag abzulehnen. Abg. Richter erklärte, seine Freunde hielten an dem in dem Anträge des Abg. Virchow im Jahre 1883 dargelegten Standpunkte fest und beabsichtigten, entsprechende Anträge zu stellen. Abg. Windthorst kündigte einen neuen Antrag auf eine organische Revision der Maigesetze an. Bei der zweiten Lesung wurde der Antrag des Abg. Windthorst mit 169 gegen 127 Stimmen abgelehnt. Der deutsche Kronprinz gab vorgestern Abend dem von Berlin abreisenden schwedischen Monarchen bis zum Stettiner Bahnhof das Geleite. Dienstag Nachmittag 1 Uhr hatte der König von Schweden den: Reichskanzler Fürst Bismarck einen etwa »/.stündigen Besuch abgestattet. Der Kaiser von Oesterreich hat gestern den österreichi schen Reichsrath persönlich in Gegenwart des Hofes, des diplo matischen Korps und der Mitglieder beider Häuser unter Führung ihrer Präsidenten rc. feierlich geschlossen. Bei Er scheinen des Kaisers, sowie nach beendigter Verlesung der Thron rede und als der Kaiser den Zeremoniensaal verlassen, brachte der Präsident des Herrenhauses jedesmal ein Hoch auf den