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Tageblatt. -L 1861 228 Sonnabend, den S8. September. ss Togesgeschichte. >->M- Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der Königl. GerichtSämter und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. > - d lange darauf gewartet. — Die Bolks-Zcitung berichtet unterm 24. September: „Das Kammergericht verhandelte heute mehrere Prehprocesse gegen den Redacteur der Bolks-Zeitung, Hermann Holdheim. Von der An klage der Majestätsbeleidigung, wegen deren Holdheim zu zwei Mo naten Gefängniß verurtheilt war, wurde er heute sreigesprochen. In zwei' andern Anklagen war Holdheim wegen Beleidigung des StaatSministerinmS zu sechs Wochen Gefängniß und wegen Schmähung der Einrichtungen des Staat« — e« handelte fich um die bestehende Gewerbegesetzgebunk— zu 20 Thlrn. Geldbuße verurtheilt worben. Da« Kammergericht sprach ebenfalls das Schuldig auS, doch milderte eS die sech-wöchentliche Hast tn vierwöchentlich»." Dresden. Der zoologische Garten hier hat in den letzten Tagen eine Menge interessanter Thiere erhalten, unter denen nament lich hcrauSzuhebcn sind: zwei braune Lamas; 2 sirische langohrige Ziegen; 4 Flamingos; 1 Ohreugeier; 4 Sultans-Wasserhühner; 2 Mandarin-Enten; 2 Braut-Enlen; 2 äygptische Ganse; 2 schwarze Schwäne und 1 große Collection Papageien und kleiner Schmuckvögel. — Wie das „Dr. Jonrn." schreibt,' werden den bevorstehen den größern Uebungen der k. sächsischen Trupven verschiedene Ge nerale, Stabs- und Oberofstziere anderer deutscher Bundestruppen al« Zuschauec beiwohnen; von Generalen namentlich der königl. preußische Generalmajor Hiller von Gärtringen, Coinmandant der ersten Garde-Jnfanterie-Brigade, und der k. hannoversche General major v. Sichardt, Chef des Generalstabes. Auch einzelne Ossi ziere außerdeutscher Armeen (England, Schweiz) sind hierzu ange- meldet. Leipzig, 25. September. Gestern Abend wurde einem zur Messe hier anwesenden Fremden von einer Frauensperson , welche ihn in die sogenannte kleine Prümenade am Theater gelockt hatte, «ine Brieftasche , in welcher sich eine Summe Papiergeld öön über 2000 Thlr. ,befand, aus seiner Brusttasche gezogen. Der Fremde war Mort dem in das Gebüsch flüchtenden Frauenzimmer nachgeeilt, hierbei jedoch zum Fallen gekommen und dadurch verhindert worden, die Diebin, deren Persönlichkeit bis heute nicht zu ermitteln gewesen ist, zu erreichen. Der Augsb. Allg. Zeitung schreibt man aus' Thüringen vom 22. September über den bevorstehenden Rücktritt des Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadl von der Regierung, und von seiner Ver mählung mit einer jungen Dame bürgerlichen Stande«: „Der Rücktritt wird schon gegen Mitte November erfolgen, und der Fürst dann mit seiner Gemahlin sich ans sein Gut bei Dresden zu rückziehen. Die Dame ist ein Frl. Schulz aus Königsberg, die mit ihrer Mutter einige Jahre sich in den thüringischen Bädern und namentlich in Rudolstadt aushielt, 25 Jahre alt (der Fürst ist 68) und von angenehmem Aeußern. Der Bruder de« Fürsten, Prinz Albert, geb. 30. April 1798, folgt ihm in der Regierung. Dem znrücktretenden Fürsten folgt allgemein der Ruf eines höchst humanen und wohlwollenden Herrn, der an seiner Zusage, fich. mit einer Civilliste von 100000 Fl. jährlich und, für bas ganze fürst liche Haus, mit Apanagen von 38647 Fl. zu begnügen und dafür das viel stärkere Kammervermögen an den Staat äbzntreten, ge treulich festhielt, obgleich sie ihm in den Stürmen der RcvolutionS- jahre abgenöthigt worden." Berlin. Nach der Börsen-Zeitung verlautet, daß unmittelbar nach der Krönung und noch vor dem Beginn der Wahlen die Pensivnirung derjenigen Beamten erfolgen solle, welche durch ihr Auftreten gezeigt haben, daß ihre Stellung fich mit dem gegen wärtigen System nicht verträgt. Das Land habe allerdings bereits » M für die »Lchst- «scheinende Rammer rZ- Freiberger Anzeiger hergestellt, da eben in der Quittung nur die Person de- Einsen ders — Herr Streit — genannt wird. - , — Laut einer heute veröffentlichten königl. Proclamation hat Sc. Majestät der König beschlossen, da- Hoflager am 14. Octover d. I. nach Königsberg zu verlegen, „und am 18. desselben Monat» in Gemeinschaft mit der Königin, seiner Gemahlin, seine feierliche Krönung in der dortigen Schloßkirche jn Gegenwart der Mitglieder der beiden Häuser des Landtags und der sonst entbotenen Zeugen zu vollziehen". ES heißt weiter: „Nach Beendigung der Krönung-- Feierlichkeiten werde Ich Königsberg am 20. October verlassen und am 22. desselben Monats Meinen feierlichen Einzug in Meine Haupt- und Residenzstadt Berlin halten." Mecklenburg. Am 21. September ist in Rostock ein Aufruf für die deutsche Flotte erschienen, unterzeichnet von L1 Nameü von Gelehrten, Käufleuteu, Handwerkern rc. Dieselben» wenden sich an alle Mecklenburger, besonders aber an die Einwohner Rostock» mit der Aufforderung, zu der nun von neuem erstehenden deutschen Flotte nach Kräften beizusteuern, und erklären sich einzeln bereit, solche Gaben entgegenzunehmen, indem sie fich zugleich verpflichten, - „auf geeignetem Wege dieselben zu befördern". Aus der voran geschickten Mvtivirung des Aufrufs geht hervor, daß die „deutsche Flotte unter preußischer Führung" ist, für welche man sammelt. Schleswig-Holstein. Auch in der dänischen Presse wird der Eintritt Orla Lehmann'- ist väS Ministerium als «in Vorzeichen daß jeder Plan einer Ausgleichung mit den Herzogthümern, resp. mit Deutschland ganz ausgegeben ist, angesehen. „Dagbladet hat sich durch die Ausnahme des „Fahnenträgers der Elderdcknen überzeugt, daß die Regierung nunmehr imt größerer Entschiedenheit vorwärts gehen wolle, und ist daher nunmebr mit derselben wohl wieder vollkommen ansgesöhnt. Dagegen scheint „Flyveposten" sich denn doch angesichts der Wendung, die sich vorbereitet, etwa- un heimlich zu fühlen. Niemand, sagt es unter Anderm in einem Leitartikel, wird wohl in Abrede stellen, daß Orla Lehmann zu den Ausgeprägtesten gehört, wenn vom Verhältnis zwischen Dänisch ' 1-, — 25. September. Das preußische Marineministerium hat übcr den ersten Beitrag von 10,000 Fl., welcher demselben durch den Geschäftsführer des NationälvereinS, Advocat F. Streit in Coburg, für den Bau von Dampfkauonenbooten überwiesen würde, folgendermaßen quittirt: - j „Daß Herr F. Streit zu Coburg den Betrag von 5714 Thlr. 8 Sgr. 3 Pf. mittelst Anweisung auf die Herren Plathö und .Wolf hierselbst zum Bau von Dampfkanonenbooten eifigefandt, wird mit dem Bemerken quittirend bescheinigt, daß dieser pa triotische Beitrag seiner Zeit die bestimmungsmäßige Verweu- chung finden wisd. Berlin, 16. September 1861. Da- Marineministerium, (gez.) v. Rieben:" > Die Bestimmung über die Verwendung ist bekanntlich in dem Beschluß der Heidelberger Generalversammlung des Nationalver- einö enthalten, welcher dem Marineministeriüm seinem Wom-Ut nach niffgetheilt ist. Darin ist von Sammlungen „zum Bau von Dampfkanoncnbooten" die Rede,- die der Nationalverein anstellen will, und zum Schluß heißt eS: „Da zur Zeit eine deutsche Central- gewalj nicht vorhanden ist, wird diese Summe von 10,000 Fl. — und werden ferner die gesammelten Bestände', sobald sie den Betrag von 10,000 Fl. erreicht haben, an das preußische Märine- mimsterium abgeliefert Mit der ausdrücklichen Bestimmung, die Gelder zum Dau der zum Schutz der deutschen Nord- und Ostsee- küsteu bestimmten Boote in den Reihen der preußischen Kriegs marine zu verwenden." Das preußische Ministerium konnte unter diesen Umständen de» Beitrag ohne Bedenken annehmen, da sich an ibn keine Bedingung knüpft, z» deren Erfüllung nicht ohnedies die preußische Marine bestimmt wäre. Ein officieller Verkehr mit dem Nationalverein als solchem ist durch die Annahme auch nicht