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dm bis Nachmittag« gespaltm« Zeile »der > Ubr für die nächst- , — , deren Raum mit« Pf. Tagevlatt. - Amtsblatt des Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der Königl. Gerichtsämter und der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. . ' ' I?I Mittwoch, den 24. Juli. 1861. ' ' ' Vom deutschen Sängerfest in Nürnberg bringen wir nach der „D. A.Z." vorläufig folgende Nachrichten. Nürnberg, 21. Juli. Unaufhörlich führten auö allen Gauen Deutschlands am gestrigen Tage mächtige Eisenbahnzüge Sänger und Festgäste hierher zu dem großen deutschen Gesangsfeste. Der Empfang, welcher den Sängern zu Theil wurde, war voll kommen geeignet, die Herzen derselben sogleich zur freudigsten Stimmung zu erheben. Der an und für sich schon so schone Bahnhof prangte im glänzendsten Schmuck. Unzählige schwarz« rothgoldene und blauweiße Fahnen und Flaggen winklen den Sängern schon von fern entgegen, »och ehe der jubelnde Zuruf der auf dem Bahnhof harrenden Menge bis zu ihnen tönen konnte. Von dem Gebälke des Daches über dem Perron hingen,in ge schmackvollster Anordnung reiche und große Blumenfestons, die wieder durch zahllose Guirlanden und Kränze gehalten wurden und so einen wirklich zauberhaften Anblick gewährten. Die innere Wand des Bahnhofgebäudcs schmückten die Wappenschilder aller deutschen Bundesstaaten, sowie eine Menge Städlewappen. Mehrere Musikchöre waren aufgestellt und einige Hundert Bürger trugen auf langen Stäben durch Kränze und Blumen geschmückte Schilder mit den Namen der Städte oder erforderlichenfalls noch der ein zelnen Vereine, welche schon vorher zugesagt hatten, Sänger nach Nürnberg zu senden. Diese Schildträger übernahmen bas Amt als Führer und Herolde und gingen den Sängern bei den sich nun sofort bildenden Zügen nach dem Nathhaus vor. Da nun auch fast alle Vereine ihre Fahnen mitgebracht hatten, so waren oft schon diese Einzelzüge sehr stattlich. Alle aber wurden von der auf Straßen und an Fenstern dichtgedrängten Zuschauermenge mit unaufhörlichen Zurufen und Vivats auf ihrem Wege begleitet. Die aus weiter entfernten Orten herbcigckommcneu Sänger wur den besonders enthusiastisch empfangen, sie mochten nun aus Nord oder Süd, Ost oder West kommen. Die Stadt selbst bietet durch den Festschmuck aller Häuser, die nur irgend im Bereiche des Sängervcrkchrs liegen, einen über alle Beschreibung freundlichen Anblick. Schon die Thore sind mit trefflichen Malereien, Flaggen und Bewillkommnungssprüchen ge schmückt. Ebenso hatten die wackeren Künstler Nürnbergs es übernommen, die historisch besonders wichtigen Gebäude durch be ziehendliche Gemälde auszuzeichnen und trotz der begreiflicherweise großen Aufgabe ist deren Lösung herrlich gelungen. Am Herren markt ziert das Rinter'sche HauS ein mächtiger Fries, ein Turnier und Festspiele auf demselben Platze unter Kaiser Friedrich HI. vorstellend. Die Häuser, in denen die berühmtesten Nürnberger, ein Albrecht Dürer, Hans Sachs, Veit Stoß, Adam Krafft, Peter Vischer, der Volksdichter Grübel, der gelehrte Beheim und der ritterliche Pirkheimer geboren wurden oder wohnten, sind sämmtlich mit Bildern geziert, die Zeugniß von wahrer Kunst und Begeisterung geben für den Zweck, den Festtheilnehmern die ganze große Wich tigkeit der alten Noris bildlich vorzukührcu. Mit einem Worte: Nürnberg hat gezeigt, welcher Aufopferung wahrer Bürgersinn fähig sein kann. Die Sänger sind sämmtlich als liebe Gäste von den Nürnbergern ausgenommen worden und noch nirgends hat es frrundlichere Wirthe gegeben. Gestern Abend um 7 Uhr bewegte sich der Zug der Sänger nach dem Maxfelde, um Besitz von der Fcsthallc zu nehmen und die mitgebrachten Fahnen noch als Schmuck au der obersten Galerie aufzustecken. Wir brauchen wohl nicht zu erwähne», daß unendlicher Jubel wieder den ersi 8'/. Uhr vollständig am Bestimmungsorte eintrenenden Zug begleitete. Die in Basilikenstil erbaute Festhalle macht einen pompöse» Eindruck. Die 5000 Säuger haben bequem auf der Tribüne Platz und im Parterre sowie auf der Galerie ist Raum für 15000 Zuhörer. So viel mochten auch gestern Abend erschienen sein, um der ersten Zusammenkunft der Sänger beizu- wohnen. Nachdem diese auf der Tribüne Platz genommen hatten, wurden sie zuerst durch Gesang von den Nürnberger Sängern und dann durch herzliche und schöne Worte des Or. msä. Gerster begrüßt, welcher zugleich dem kunstsinnigen König Maximilian, der das gegenwärtige Werk auch wieder so bereitwillig unterstützt, ein Hoch ausbrachte, das mit Begeisterung ausgenommen ward. Hr. O'Kelly ans Eisenach feierte in gebundener Rede den Männergesang, dem er ein Hoch widmete. Hierauf folgten Einzelvorträge verschiedener Vereine, bis endlich 11'/r Uhr alle Gänger bas herrliche Arndt'sche Vaterlandslied mit wahrer Begeisterung vortrugen. Auch daS Publikum ward von der Begeisterung ergriffen und hingerissen; unter donnerndem Beisallrufen verlangte man die Wiederholung des letzten Verses: Ja! „Das ganze Deutschland soll es sein! Und daß eine Einigung Deutschlands in ernster Zeit gewiß und leichter erreichbar ist als man oft meint, das beweist die innigs Harmonie, welche in Nürnberg alle Herzen jetzt zu frohem Gesansse und traulichem Beisammcnleben verbindet. Wenn das Vaterland, das große, ruft, wird es auch mit Zuversicht auf seine Söhne rechnen können. Tagfsyeschichtl'. Karlsruhe, 19. Juli. Die „Freiburger Zeitung" macht in Betreff des Attentats von Baden folgende criminalrechtliche Be merkung: „Wo eine Unthat begangen ist, da fragt das angeborne NcchtSgcfuhl des Publikums auch sogleich nach ihrer Strafe. Der hier vorliegende Fall ist allerdings ein eigenthümlicher. tz. 59S unscrs Strafgesetzes bedroht Denjenigen, der ein „Mitglied des Deutschen Bundes" augreift iu der Absicht, dadurch die „Auflösung des Deutschen Bundes" oder die „Losreißung eines Theiles desselben vom Bunde" oder eine „Abänderung der Bundesverfassung" zu bewirke», gleich dem Hochverräther (tz. 586, 587 coä.) mit dem Tode. Die Untersuchung wird daher das Motiv festzustellen haben, um den Thatbestand des Verbrechens bestimmen zu können. AuS den bisherigen Nachrichten läßt sich die Natur des Beweggrundes nicht deutlich erkennen. Sofern Becker in der Meinung gehandelt hat, durch die Tödtung des Königs werde eine Auflösung des Bunde-, oder eine Lvßreißung Preußens von demselben, oder eine „Abänderung der Bundesverfassung" (dies scheint uns das Wahr scheinliche zu sein) herbeizuführen, hat er das Leben verwirkt; andernfalls Hal er gemäß tz. 205 und 107, 114 des Strafgesetzbuchs „wegen beendigten Mordversuchs" eine Zuchthausstrafe nicht unter 10 Jahren zu gewärtigen." Hannover, 18. Juli. Man hat in geschickter Weise die Tage des hiesigen Schützenfestes benutzt, um den Braunschweigern in recht auffälliger Weise die Verschiedenheit des hiesigen und des braunschweigischen Regiments an einem Beispiele kund zu thun. Außer andern auswärtigen Schützen nahmen zahlreiche Gäste aus Wolfenbüttel an dem Feste Theil, denen im Zuge eine schwarzroth- goldene Fahne voranwehte. Der ungewohnt gewordene Anblick der deutschen Farben wurde uns jedoch nicht lange zu Theil; bereit« Abends war die Fahne confiöcirt, und die Wolsenbütteler Schutzen fehlten am andern Tage. Man vernimmt heute, daß die löbliche Schützcndeputation in Erwartung der allerhöchsten Herrschaften Abends die Fahne von ihrem Standorte fortgenomnien habe, um sie dem Anblicke der höchsten Herrschaften zu entziehen. Die Ent rüstung der Braunschweiger über dieses Verfahren war so groß, daß sie alsbald sich in ihre Heimath begaben, wo eS für keilt Verbrechen angesehen wird, eine schwarzrothgoldene Fahne zu ent fallen. Dies kann »nr die Abneigung der Braunschweiger gegen ein zukünftiges hannoversches Regiment verstärken und einem An«