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Trscheiut b« bi» Mchpntt<«« 'il » Uh, für dir nächst. »i «scheinende Nummer apgenommm. und 1:5^-.-- Tageblatt. Freiberger Anzeiger Pret« vlqMWEIISRgr. Inserate ««de» «< gespaltene Zeile »der deren «mwunS» SH kerechoet. ! !!1i^N7Ä' Nt'sL . 1 n'-,L7.>ir Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der König!. Gerichtsämter und . der Stadtrathe zu Freiberg, Sayda und Brand. . Freitag, den 9. August. 185. 18S1, Der Herzog von Gotha nnd fein Volk.*) Dies ist der Titel einer bei Brockhaus in Leipzig erschienenen Broschüre. Dieselbe ist entstanden durch einen von Schmidt- Weißenfels verfaßte» und im Leipziger Sonntagsblatte veröffent lichten Aufsatz, welcher ein getreues Lebensbild des Herzogs Ernst bietet, und wozu der Verfasser die Farben aus Thalsachcu und eigenen Anscha»mngcn entnommen hatte. Diese Charakteristik sollte ein Miniaturporträt des Herzogs sein mit dem bunten Hintergründe des gothaischen Lebens und Volkes, da über das Verhältniß zwischen diesem Fürsten und seinem eigenen Volke außerhalb der Grenzen dieses kleinen Landes wenig bekannt war, sogar irrige Ansichten cursirten; auch die Klagen wurden mit angeführt, welche die Gothaer über ihren Fürsten führen, und deren Grund oder Ungrund dargelegt. Der Herzog, weit entfernt, über diese skizzirten That- sachen verletzt zu sein, nahm im Gegentheil Veranlassung, über diese Punkte gegen den Verfasser sich deutlich auszusprecheu. Dieses Antwortschreiben ist eS nun, was kaum tief und vielseitig genug erfaßt und behandelt werden kann. Es bietet die manuichfachsten Gesichtspunkte dar. Wir wollen hier nur den einen, den allge meinen, den historischen, jedenfalls aber-auch den wichtigsten, fest halten. Von ihm aus ist jenes Schriftstück ein Ereigniß von großen Konsequenzen. Ein regierender Fürst, seine Ahnen zählend nach Jahrhunderten, verwandt mit den meisten protestan tischen Thronen Europas: Er erklärt laut und unumwunden,, daß er seit seiner Jugend liberalen demokratischen Principien huldigte; daß er im eigentlichen Sinne des Wortes bas Kind seiner Zeit sei; daß e» mit dem: buccaukratisch-aristokratischen Theil der Gesellschaft vollständig gebrochen und die bevorrechtigte Stellung des Adels nicht aufrecht erhaltem habe. Er erklärt, daß er die Chargen der Kammerherren, Kammer- und Hofjunker abgeschafft, und- sein Haus Männern von Talent und Sitte geöffnet habe, so daß der Begriff des alten deutschen Hoswesens daraus verschwunden sei; ferner, daß ex befohlen habe, die Formel „von Gottes Gnaden" an der Spitze seiner Erlasse wegzulassen und daß dieser sein Bruch mit dem sogenannten Fürstenthum von Gottes Gnaden ihm als großes Verbrechen angerechnet worden sei. Wir theilen unsern Lesern den Schlußsatz dieses Antwortschrei bens in Nachstehendem wörtlich mit: Wenn man das „bisher Gesagte überblickt, könnte sich vielleicht der Gedanke: auf- „drängcn, al« ob ich bei der schärfer» Kritik, der ich die heimath- „sichen Zustände unterworfen habe, mir selbst wohl eine Ansnahms- „stellung angewiesen hätte. Ich bin frei davon, meine Person „vom Volke zu trennen, ich rechne mich vielmehr zu ihm und fühle „mit ihm. Und gerade weil es mir gelungen ist, von Jugend aus „den Standpunkt z^ verlassen, von dem die meiste» meiner Stan- „deSgenossen das Volk und dessen Treiben beurtheilen, verlange „ich um so Edleres und Höheres von. der Gesammtheit. Der „Volksgeist gleicht den brausend dahin wogenden Wellen eines „Stromes. Ihn abzubämmen, in seinem Laufe zu hemmen, ist „fruchtloses Unternehmen. Bäumend steigen die Wogen in die „Höhe und reißen jedes Hemmnitz mit sich fort. Patrioten und *) »orrälhlg Hel C. I: Frotscher in Freiberg. „Fürsten sollten darum das gleiche Bestreben fühlen, die stets „vorwärts treibende Fluth rein und in den Ufern zu erhalten. „ Um dies zu vermögen, bedarf es aber der TheilNahMt hetz' Volks „ selbst. Es darf sich nicht fremd zu den Männern stellen, welchs „dazu geschaffen find, die Leitung in die Hand-.zu,nehm«»:. Sich« „ist es verwerflich, nach einer Popularität i« dem allgemein K» „bräuchlichen Sinne zu ringen und auf Kosten der gestellten Mf- „gabe sich künstlich, populär zu machen. Aber ebenso irrig, ist „es zu glauben, daß ohne die warmen Sympathien des Bott», „also ohne Popularität im richtigen Sinn, jene patvinttsch« „Männer dennoch im Stande sein könnten, ssgenbringtUv' tzstj „Masse zu führen. Da« Volk muß die Ramen seiner Mtzrtt „heilig halten, eS muß sie selbst vor Verunglimpfung schütze» „und darf nie vergessen, daß gegenseitiges Vertrauen von g»g«p» „seitigcr milder Berücksichtigung unzertrennlich ist. Möchten- all« „meine theneru Gesinnungsgenossen,, welcher Farbe sie auch ange- „ hören, dieser Worte stets eingedenk bleiben". st Solche Worte, öffentlich ausgesprochen, iw solch unumwundener Art, bei solch hoher Geburt, Stellung und Verwandtschaft; aus gesprochen in einer zählenden, kreisenden Zeit wie die unserige: sie haben — dem Allgemeinen gegenüber — eine noch, höhere Be deutung als die Thaten, die ihnen, vorausginge»; sie haben eine nationale, eine historische Bedeutung: Das Pttncip der freien Volkskraft, der Nationalität, der Wahrheit und Freiheit ist vom Throne auS freiwillig und feierlich lcgitimirt. und seina Führer sind aufgerufen zu einträchtigem Handeln. — Mit der historischen That seines Antwortschreibens hat der Herzog, allen. Anforderungen einer vernünftigen Demokratie Rechnung getragen; hader dbn starrsten Zweiflern in seine Tüchtigkeit Vertrauen und damit neue Hoffnung für das Vaterland gegeben. Der Mann einer solchen That kann aber auch nicht stehen bleiben. Also muß er weiter schreiten; weiter schreiten auf dem gewaltigen Gange, den die Zeit selbst geht. Togesgeschtchle. Leipzig, 6. August. Das hiesige Kreis- und Verordnungsblatt berichtet: „Die Wahl des Hrm vr. Clotar Müller hie^elbst zum unbesoldeten Stadtrath hat, weil derselbe Mitglied des Deutschen Nationalvereins ist, die Bestätigung der Kreisdirection nicht erhalten, und geht nunmehr die Vornahme der Wahl eines neuen RathS- mitglieds zum zweiten: Mal in kurzer Zeit aus.den Stadtrath über." — Sowohl der Verleger als'der Redacteur des General'- Anzeigers haben gegen das von der königlichen KtciSSlrection ausgesprochene Verbot Recurö eingewendet, und es wltd'bitz'zur Entscheidung für dieses Rechtsmittel das Blatt noch ferner erscheinen. Bdrlin. Der Volkszeitung ist, al« Vorschlag zur Güte, folgendes Schreiben zugegangen-: „Der oerehrllchew Redaction erlaube ich mir den Vorschlag zu machen, zpr Herbeiführung der deutschen Einigkeit in Erwägung zu z-ehrn, ob nicht ein guter Anfang gemacht wäre, wenn die preußische Regierung, ohne vorlaustge Rücksicht aus irgendein anderes deutsche- Bat-rlandchen zu nehmen, erklärte, von jetzt ab heißt Preußen Deutschland, seine Gesandteü heißen deutsche Gesandte, seine Regimenter 1., 2., S. dentsche- Jnfanterie- rc. Regiment. Verwehren dürfte eS wohl Niemand können und ein Sporn zum Anleihen würde eS wohl sicherlich werden."