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890 dritte Preis, ein Pokal de» Fürsten von Thurn und TaxiS, Becker aus Nordhausen zu Theil wurde. Auch die beiden letztgenannten Scheiben gaben je 55 Ehrenpreise und eine große Anzahl Geld gewinne. Im Ganzen sind gegen 38Ü Ehrengaben durch die Hand des Herzog» Ernst II. zur Bettheilung gekommen, gegen 1Ü00 meist auS Einsätzen aufgebrachte Geldprämien. De Leu« errang 9 Preise und 120 Geldgewinne; de Leuw und Dorner waren überhaupt die Löwen der Schießhutte zu Gotha. Jener' schoß mit gewöhnlicher Brille, aber ohne Diopter, dieser mit Diopter, beide mit sehr leichten Gewehren, kleiner Kugel, aber starker Pulvergabe. Im Ganzen find in den vier Tagen des Feste» vor 30 Scheiben 34,684 Schüsse gethan, aber viel zu viel mit aufgelegtem Gewehr, als daß die deutschen Schützen sich bereits mit den Schweizern messen könnten. Aus freier Hand nur 8421 Schüsse! Hier und da sah man noch eine schwere Standbüchse unter Anwendung von Schießgläsern, Blenden und Haken zum Anstcmmen vorführen; aber die Ungethüme trafen verdächtig schwach, ihre dicke Kugel hatte weit gefehlt. Früher schrieben wir, das Feit sei ohne jeden Unfall abgelaufen. Ein Unglück ist doch passtrt. Bier Flaschen Johannisberger waren als Ehrenpreis eingesandt. Das Comitv hatte sie kühl stellen lassen, und mit Wasser gefüllte, wohlverbleite und beetikettete Flaschen standen aus der Parade der Gabenhallc. Der genannte Umstand war vergessen worden. Ein Schütze aus Buchau am Federsee gewinnt den Johannisberger. Es werden ihm 10 Thlr. dafür geboten. Nein. Bei der Heimkehr ist ein Familienfest zu feiern. Die Gäste ziehen lange Gesichter hinter dem Glase. Der Schütze hat einen zornigen Brief an das konnte geschrieben; aber e» soll ihm schleunigst sein Recht werden. Ein Korrespondent der Didaskalia nennt den Fcstzug vom 8. Juli, nachdem er ihn in der That recht hübsch beschrieben hat, einen Anblick „von unbeschreiblich ergreifender Großartigkeit". Woher wird er die Steigerung nehmen für de» Zug der Sänger in Nürnberg?! Paris, 26. Juli. Die halbamtlichen Blätter find mit Berichten von Vichy angefüllt. Der Kaiser hat befohlen, daß dieser Badeort bedeutend verschönert werde. Wie die „Patrie" erzählt, bat er mit höchsteigner Hand den Plan dazu gezeichnet und diesem Orte so den Stempel seiner eignen Größe aufgedrückt. Das „Pays" meint, Vichy werde jetzt ein zweites Baden-Baden werden und könnte demselben schon nächsten Sommer ernstliche Concurrenz machen. — Der Fürst von der Moskwa, der bekanntlich den König von Preußen in Baden-Baden im Namen deS französischen Kaisers beglückwünschte, ist nach Vichy zurückgekehrt, und man behauptet mit Bestimmtheit, daß Wilhelm 1. die Einladung ins Lager von Chalons angenommen habe. Der Kaiser selbst, der am 2. August in Fontaineblau eintreffen soll, wird, wie es heißt, sich direct nach ChalonS begeben. Paris, 27. Juli. Das heutige „Pays" meldet aus Neapel, daßClaldini den Cardinal Riario Sforza zu Neapel als Mitschuldigen de» Fürsten Montemelitto habe verhaften lassen. Vermischtes. * Ein Mitglied der Cafinogesellschaft zu L. las in einer da selbst ausliegenden Zeitschrift, daß Jahn in Freiburg an der Unstrutt gestorben sei. „Unstrutt, was für eine Krankheit ist dies?" fragte das Casinomitglied unbefangen den nebenan sitzenden Doctor. — Hierbei fällt uns ein, wie vor längerer Zeit in einer ähnlichen Gesellschaft von einem Witzbold erzählt wurde, daß sich eine gewisse Person bei Erlernung der wendischen Sprache die Zunge verrenkt habe und ein recht angesehener dabei sitzender Herr mit ernstlichem Erstaunen ausrief: „ist's möglich!" * Vor Alters hat bekanntlich der Teufel allerlei Unwesen am Harze getrieben, wie die Teuselsmauern, die Teufelsmühle rc. be zeugen. In diesen Tagen hat er, nach langer Pause, wiederum ein Lebenszeichen von sich gegeben; aber die Zeiten haben sich geändert; nicht mehr wie sonst läßt man ihn unangefochten schalten, die Justiz unserer Tage erschrickt auch vor dem Fürsten der Finsterniß nicht und so kommt eS, daß derselbe in Kurzem vor herzoglichem Kriegsgericht in Blankenburg erscheinen wird, um über sein neuste» Thun Rechenschaft abzulegen. Ein Einwohner von Trautenstein unterhält sich mit einem Einwohner deö benachbarten Hasselfelde über die Existenz des Teufels; er bezweifelt dieselbe, während jener dieselbe nicht blos in Schutz nimmt, sondern sich sogar znm Beweise erbietet, da er mit Hilfe eines Buches, des Höllenzwanges, und einer Alraunswurzel den Teufel zum persönlichen Erscheinen zwingen könne. Die Neugierde des Zweiflers ist so groß, daß er auf den Vorschlag eingeht. Ein Platz im Walde bei Wendefurth in der Nähe einer Köthe wird ausersehen. Die AlraunSwurtzel wird da selbst gefunden. Die Beschwörung beginnt. Alsbald tritt unter furchtbarem Brüllen der Teufel auS der Köthe, mit schwarzem Gesicht und gehörntem Haupte, so schrecklich anzuschauen, daß der Mann von Trautenstein erschreckt die Flucht ergreift. Der Teufel ihm nach, denn er ist gekommen, ihn zu holen, und will ihn nun auch nicht fahren lassen. Ja selbst, nachdem der Flüchtige -ihn durch Darreichung von 5 Groschen besänftigt hat, beginnt er die Verfolgung auf's Neue, läßt sich aber durch flehentliche Bitten abermals erweichen, ihm gegen Aushändigung von 2 Thlr. 20 Gr. noch 20 Jahre das Leben zu schenken. Trotz dieses edelmüthigen Versprechens ist nun dennoch der Teufel sowohl, als Derjenige, welcher ihn citirt hat, vor Gericht geladen und wird schwerlich der Strafe entgehen. * Eine Dame, die einer der bekanntesten niederrheinischen Adelsfamilie angchört, hatte am 19. Juli einen Bries gesiegelt und das Zündhölzchen nicht weit genug hinweggeworfen. Es fiel auf das durch eine Crinoline weit ausgespannte leichte Sommer kleid und setzte dasselbe sofort in Flammen. Eine Schwester der Unglücklichen erlitt bei ihren Löschversuchen selbst erhebliche Ver letzungen. Erst nachdem aus den untern Räumen Wasser herbei geholt worden, gelang es, das Feuer zu löschen. Der Zustand der Dame ist ein schrecklicher und hoffnungsloser. Verantwort!. Redacteur:'I. G. Wolf. Ortskalender. ^""-Telearaphen-Bureau täglich geäffnet von früh 7 Uhr btt Abend» S Uhr. Heute den ZI. Juli Sparkasse geöffnet Nachmittag» von 2 Uhr an. kreiderger LItertdums-Nuseum — tm LaaNnms.-i«,« Klage reckt«. kwil kietrsvll ewpkieblt W ulä8cblo»»cbell kUläscblimscbeu-t^nxor- n. Lödmisebe» 8ier, bieobsiriocbei uuä (üuiwbneher I^axerbier in Orixinulxebinäen. äer Liebelei äv» Kitte rg Ule» Kleiu- vnltersävrk, Kei kmil Liylrbed. 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Da zum Oefteren wahrzunehmen gewesen, daß die Ortsgerichte oder andere dazu verpflichtete Personen bei vorkommenden Unglücks- fällen als Blitz- und Hagelschlag, Verpnglückung von Personen, Selbstentl-ibung u. dergl-, schleunigst Anzeige anher zu erstatten unterlassen oder die Fortschaffung der Sellstmörder oder sonst tödtlich Verunglückten, oft in fremde Gerichtsbczirke, nachgesehen haben, so werden Obige ««durch angewiesen, sich bei derartiger Anzeige-Erstattung allenthalben der thunlichsten Beschleunigung zu b.flcißigen und nach Befinden im spectellen Falle für Bewachung des Leichnams am Otte der Auffindung bis zu erfolgender legaler Aufhebung Sorge zu tragen. Freiberg, den 2S. Juli 1861. ' Das Königliche GerichtSamt daselbst. - ' ' Im Auftrage: Wagner, Act.