Volltext Seite (XML)
Amtsblatt des Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der Königs. Gerichtsämter und „ der Stadträthe zu Freiberg, Sayda und Brand. s---Freiberger Anzeiger^ dm il« Nachmittag» . . grstzalfene Zeil, ob« ' Z Ubr für die nächst- ' dermRaum mit» Pf. Tageblatt.' - 31 Mittwoch, den 6. Febrnar. 1861. Tagesgeschichte. Dresden, 4. Februar. (Dr. I.) Der soeben im Druck er schienene Gesetzentwurf, einen Zusatz zum Heimathgesetze vom 26. November 1834 betreffend, bestimmt, daß außer durch An sässigkeit mit einem Wohngebäude und durch Gewinnung des Bürger rechts die HeimathSangehörigkeit am Wohnorte, gleichviel ob Stadt oder Land, auch begründet wird durch die Anmeldung zu einem nach dem Gcwerbegesetze der AnmeldNngSpflicht unterliegenden, so wie durch Erlangung der Concession zu einem nach demselben Ge setze von Concession der Verwaltungsbehörde abhängigen Gewerbe betriebe, jedoch nicht sofort, sondern erst nach fünfjährigem Aufent halt und Gewerbebetrieb. Berlin. Die Preußische Zeitung vom 3. Febr. schließt eine Rekapitulation des letzten Depeschcnwechsels zwischen dem Frhrn. v. Schleinitz und Lord John Russell über die deutsch-dänische Frage mit folgenden Worten: „Wir haben den bisherigen Gang dieser Unterhandlung rccapitulirt. Wir erwarte» nach dem Verlauf derselben, daß die Ansicht des englischen KabinetS sich mehr und mehr dem Verständniß der deutschen Rechte in Schleswig und Hol stein erschließen werde. Wenn England von dem Interesse geleitet wird, zu verhindern, daß die Differenzen zwischen Dänemark und Deutschland zu den ernstesten Verwickelungen führen, so kann eS kaum im Zweifel über die Mittel sein, durch welche jenes Ziel allein erreicht werden kann. Nicht an Deutschland ist cS, eine neun Jahre hindurch bewiesene Langmuth über die Gebühr hinaus -zu verlängern; vielmehr ist es seine unumgängliche Pflicht, der von Dänemark beobachteten systematischen Mißachtung vertragsmäßiger Rechte durch wirksame Vertheidigung derselben endlich ein Ziel zu setzen." Frankfurt, 4. Februar. Die „Neue Frankfurter Zeitung" bringt ein Telegramm aus Eßlingen, wonach aus der gestern dort abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung württembergischer Demokraten mit überwiegender Mehrheit der Beitritt zum National- verein empfohlen worden sei, nachdem man einstimmig beschlossen gehabt, sich für die „deutsche Reichsverfassung" von 1849, die Ein berufung eines deutschen Parlaments auszusprechen, ein Mißtrauens votum gegen das Ministerium und einen Protest gegen das Con- cordat zu erlassen. Turin, 2. Februar. Die Jndep. meldet aus Neapel, der Prinz von Carignan sei gestern, Freitag, nach Mola-di-Gaeta ge gangen, angeblich zu Unterhandlungen wegen der Uebergabe Gaetäs. Rom, 1. Februar. (Tel. der Allg. Ztg.) Das Feuer vor Gaeta.schweigt von beiden Seiten. In Neapel herrscht der Typhus. Lovera ist nach Civitella abmarschirt, um die Garnison abzulösen; neuer Aufstand in Jsernia. Rom, 2. Februar. Aus Gaeta wird vom 1. d. M. gemeldet, daß das Schießen der Belagerer von der Landscite ziemlich heftig sei, von den Belagerten aber wenig erwidert werde. Die Geschosse werden hauptsächlich gegen die Stadt gerichtet. ES sind in der vergangenen Nacht 3 Priester getödtet und ein Kloster ist fast ganz zerstört worden. Gaeta. Der „Nord" enthält folgende Proclamation König Franz' II. an die Abruzzesen: „Abruzzesen! Als das Ausland die Grundvesten unserS Vater landes zu zerstören drohte, als es nichts schonte, um den Wohl stand unsers schönen Königreichs zu zerstören und u.ns zu seinen Sklaven zu machen, habt ihr mir Beweise eurer Treue gegeben. Dank eurer ernsten und edeln Haltung, habt ihr den gemein samen Feind entmuthigt und den schnellen Gang einer Revolution aufgehalte», die sich durch die Verläumdung, den Verrath und alle Arten der Verführung einen Weg bahnte. - , „ Nein, ich habe es nicht vergessen. „ Treue Abruzzesen, werdet Das wieder, was ihr gewesen seid. Mögen die Treue, die Liebe zu euerm heimathlichen Boden, die Zukunft eurer Kinder auf« Neue eure Arme bewaffnen. Wir können nicht einen Augenblick u»S von den heimtückischen Scklingen einer Partei fangen lassen, die Alle« rauben will. Unterwerfen wir uit» ihrem Willen nicht, verlangen wir vielmehr die Freiheit unserer Gesetze, unserer Sitten und unserer Religion zurück. „ Meine Wünsche werden euch immer und überall begleiten. Der Himmel wird eure Handlungen segnen! Franz." London, 2. Februar. Wie man dem „Moniteur de l'Armee" von James Town schreibt, sind seit einem Monat Truppen aller Waffengattungen von London in St. Helena eingetroffen, um an den Befestigungen dieser Insel zu arbeiten und die Besatzung aus derselben zu verstärken. Die neuen Werke, welche die englische Regierung ans St. Helena aufführen läßt, scheinen sehr bedeutend zu werden. Die von Frankreich unternommenen Arbeiten, die Her stellung der Wohnung und des Grabes Napoleons I. betreffend, find nun ganz vollendet, und die mit der Leitung dieser Arbeiten beauftragten Genieoffiziere nach Frankreich abgereist. Der engl. Dampfer „Esperance" hat am 4. December ein.Negerschiff von New-Jork, Clara Windsor, mit 750 Schwarzen qn Bord, ge kapert. Die Prise wurde nach Ascension gebracht und das Schrff, nachdem man die Sklaven ans Land gesetzt, nach Sierra Leone geführt, um dort verkauft zu werden. Die Sklaven waren per Kopf zu 60 Dollars an der afrikanischen Küste bezahlt worden, und man hatte gehofft, sie in Cuba zu je.600 Dollars verkaufen zu könne». Rußland. Der Czar hat angeordnet, daß mit der Eman- cipation der Bauern in allen Dörfern Schulen für die Kinder der Bauern errichtet werden sollen. So lange keine Schulmeister za haben find, sollen die jüngeren. Geistlichen den Schulunterricht besorgen. Von der polnischen Grenze, 27. Jan. (A. Z.) Aus ver läßlicher Quelle geht soeben die Nachricht hier ein, daß die in Lithauen 'und Volhynien stationirten russischen ArmeecorpS den Be fehl erhalten haben, an die Grenzen' des Königreichs Polen vorzu rücken; an ihre Stelle sollen Truppen au» dem Innern Rußlands herangezogen werden. Ferner wird berichtet, daß dis Beurlaubten bereits zurückgerufen sind, und daß der Befehl zur Formirung dreier Truppencorps auf Feldetat ergangen ist, wovon da« eine an den Pruth, das andere an die Grenze von Polen sich begeben soll; das dritte hat den Befehl, zur Verwendung nach Bedürfniß bis zum 1. März disponibel zu sein. Herr Arthur Hänsel gedenkt in den nächsten Tagen hier ein Conccrt zu geben. Das Publikum, welchem dieser junge talent volle Künstler schon von früheren Concertvorträgen bekannt und wohl noch in guter Erinnerung, wird darauf aufmerksam gemacht, daß ihm durch die bedeutenden Leistungen des Herrn Hänsel ein ohne Zweifel interessanter Kunstgenuß bevorsteht. Seine Klavier- vorträge zeichnen sich nicht allein durch außerordentliche technische Fertigkeit aus, welche die größte» Schwierigkeiten mit spielender Leichtigkeit beherrscht und überwindet, sondern eine echt künstlerische Gediegenheit verleiht denselben eine feste Grundlage, so daß diele bedeutende Technik nur als Mittel, keineswegs aber wie heutzutage so häufig, als Zweck der künstlerischen Thätigkeit "sch"nl-. sehr wohlklingender und gesangreicher Ton und feiner AnWag tragen dazu bei, die durchaus musikalische Auffassung, welche Herr Hansel einem jedem Musikwerke abzugewinnen weiß, >" recht glanzende» Licht zu stellen, so daß seine Productionen sich durch eine, schSÄe Harmonie der Empfindung und des Verständnisses nnt den Dar« stellungsmitteln auSzeichnen.