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dm Sir Rschmittrg» Sonnabend, den 2. Februar. Erscheint W»che»tag M » Uhr. Ansertte «er- 3 Mr für die nächst, «scheinende Nummer . «igenommep. l-n4'i,> schult , : s'i '!^ - >U! td'tt»! > ' und . ° Tageblatt. 1861. - > E — ' ' / —— //>' i ui q.-i, ^7 --1^-. -- , - , ' ^. - .-i .' L , ..., " ...' ;7'.-.>^. Amtsblatt des Königl. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie der Königl. Gerichtsamter und der Stadträthe zu Freiberg,- Sayda und Brand. ' " ' Freiberger Anzeiger " ' ' ' ' ' gespaltene Zeile »dpe dermR-m^Mtil^s. Das Kleingewerk und die Zunft. Im Wiener Gcwerbcverein hielt kürzlich Ingenieur Kohn einen Vortrag über U.belstände in den kleinen Gewerben und Mängel an den Waaren derselben, der von den Handwerkern wohl beachtet zu werben verdient. Man hört nicht allein in Oesterreich, sondern auch anderwärts häufig die Bemerkung, diese oder jene Waare sei nicht so gut zu haben als auswärts, und ohne die Sache näher zu untersuchen, kauft man seinen Bedarf außerhalb. Die Haupt- msache dieses Mißstandes, meint Kohn, liege darin, daß die KlclN- Gegenstände winkelrecht, reinkantig, wphl nicht polirt, aber dem praktischen Gebrauch vollständig entsprechend." ) Kohn empfiehlt zur Abstellung dieser Mißstände zunächst Ver- besserung der Gewerbe- und Fachschulen; jede<Handwerker soll tüchtiger zeichnen lernen, seinen Geschmack bilden, sein Auge schär fen. — Wir möchten noch eine Hauptursache dieser Erscheinung irr dem Zunftzwang finden. Der Schreiner ist bei seinen Arbeiten vom Schlosser, vom Lackirer rc. abhängig, er kann sich nicht Schlös, ser kaufen, wo er will, er kann seinen Geschmack bei der Herstellung eines Möbels niHt streng durchführen, ebenso braucht der Gtgser gewerksleute Dinge anfertigen, die kaum für einen gewöhnlichen Haushalt brauchbar sein. „Nehmen wir z. B. Möbeln, deren Eonstrnction, deren Beschläge; ebenso Thüren, Fenster, nnd sehen wir wie selbe beschaffen sind. Kästen von selrenem Holze und ele gantester Fayon, von feiner Politur, mit einfachen oder Doppel- thüren, deren Schönheit nichts zu wünschen übrig läßt, — mit welch' erbärmlichem Schloß, Niegeln und Lharnier-Zapfcnbändern sind sie moutirt! Die schön aussehcnden Schlüssel stehen immer im Kamps mit ihrem dazu gehörigen Schlosse; die nett eingelassenen Schubriegcl können ihre Dienste selten verrichten, weil selbe oft eine ganz andere Richtung nehmen, als ihnen angewiesen ist, die Zapfenbändcr verlassen nicht selten ihr eigentliches Lager, indem selbe nur von schwachem Eisenblech sind. Aehnlich ist die äußerst nachlässige Arbeit bei den Bett-Einhängungs - Vorrichtungen in deren Folge die elegantesten und kostbarsten Betten nicht selten klüftig dastehen. Betrachten wir die Thür- und Fensterbcschläge bei unseren bürgerlichen Neubauten; man wird selten Fensterriegel fin den, die den Zweck eines Verschlusses erfüllen, es müssen besondere Handgriffe angewendct, oder besondere physische Kräfte in Anspruch genommen werden, um so einen Riegel zu Raison zu bringen, fast sowie bei den meisten Wageuthüren, die man schwer öffnen kann, und wenn selbe einmal offen sind, so wird das Schließen eine ver zweifelte Arbeit. Schon diese wenigen Beispiele genügen, die Frage zu stellen: Wie kommt eS denn, daß man mit so einfachen Dingen in so complicirte Calamitäten geräth? Diese Frage ist so leicht zu beantworten, auch leicht vorznbeugcn, aber etwas schwie riger ganz zu heben, wenn nicht den Erzeugern selbst die Gelegen heit geboten wird, Besseres anzufertigen. Die Schlosser sagen freilich: So lange uns die Kaufleute für unsere Schlösser nur 1 fl. 60 kr. östr. für ein Dutzend an bieten, können wir keine besseren liefern. Die Kaufleute hingegen sagen wieder: So lange der Tischler kein besseres Schloß nimmt, als das Dutzend u 2 fl., können wir keine bessere Waare anschaf- fen; und so sündigt einer auf den Andern. Nehmen wir den Artikel: Blech, Oesen und Oefenröhren, einen Blick daraus und man weiß, was man davon zu halten hat. Es wirft sich unwillkürlich die Frage auf: Warum sind in Belgien, Frankreich, in der Schweiz diese Gegenstände so rein, präcise und dennoch billig hergestellt? Die Schweizer Fensterbeschläge werden sogar bei englischen Bauten verwendet; die belgischen Oefen mit dem glättesten Bogen-Kiiierohre, als wären, selbe gehobelt und ge zogen, können mit den unsrigen in gar keine Paralelle gestellt wer den. Die Thor, und Thürbeschläge bis zur kleinsten Chatoulle herab sind nett und richtig gearbeitet und selbst die ordinärsten den Schreiner, der Sattler den Tapezierer, der Schlosser den Schmied. Kurz, einer ist vom andern abhängig und kann nicht arbeiten wie er will. Dürfte sich aber der Schreiner einen ge schickten Schlosser halten, der ihm Alles besorgte, der Maurer einen Maler und Lackirer, der Töpfer einen Gürtler oder Klempner, der ihm die Rohre und Ofcnthüren schön herrichtete, so würde das fer tige Produkt eine größere Harmonie und Vollendung erreichen. Aehnliche Falle wird cs wohl noch viele geben, und wird cs jetzt durch die Einführung der kalorischen und der Gasmaschine bald jedem Handwerker möglich, sich eine billigt Triebkraft in seillir Werkstätte aufzustellen, werden überall Vorschußvereine errichtet, so wird die Zunft ein immer größeres Hinderniß des Gewerbebetriebes; nach Beseitigung derselben würden aber durch die beiden eben er- rvähnten Mittel auch dem kleinsten Handwerker die Vortheile deS ' Großbetriebes: billige Arbeitskraft und billiges Kapi tal zu Gebote stehen. i : Nord-Carolina. Der gegenwärtige Kampf der nordamerikanischen FresstaMn gewährt dem Denkenden ein höchst belehrendes Schauspiel: jeder Staat, groß oder klein, sinkt unrettbar ins Verderben hipqb, wenn ihm seine einzige sichere Grundlage, die Sittlichkeit, unter den Füßen entschwunden ist. Der gegenwärtige.Präsident, Buchanan, sprach schon vor zwei Jahren mit eben so sorgenvollem als pro phetischem Blicke in einem langen Briefe an einen Freund aus, daß kommen werde und kommen müsse, was wir jetzt sehen. An der Spitze der verhängnißschwangeren Bewegung stehen die Staa ten des südatlantischen Oceans, ihnen voran Carolina. Ihr Blatt brachte neulich einen Artikel über Süd-Carolina, gestatten Sie mir jetzt zur Vervollständigung von Nord-Carolina eine kurze Skizze zu geben. Dieser Staat, circa 2260 deutsche Qua dratmeilen umfassend *) (ohngefähr 45,500 englische Quadratmeilen), wird nördlich von Virginien, östlich vom Ocean, südlich von Südca rolina und westlich von Tennessee begrenzt, und gehört z« den ersten 13 Staaten, die, nachdem sie 1783 ihre Unabhängigkeit erkämpft, die Union der „Vereinigten Staaten Nord-Amerika'-" bildeten. Der Küstenstrich ist flach, sandig, voller Sümpfe und höchst un- gesund. Wahrhaft berüchtigt ist der 8v»mp, d. y. der entsetzliche Sumpf, der selbst tief bis nach Virginien hineiureicht. Trotzdem fehlt eS in seiner Nähe weder an Plantagen noch an Reisfeldern. Die Küste hat keinen Hafen von irgend einer Be- -) Süd-Carolina hat nicht 1100 sondern üter 13V» deutsche Quadrat- meilen Flächeninhalt,- mithin Seide Carolina wenigsten« 350V Quadratmeilen. W