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Freiberger Anzeiger -L-r dw bi» Nachmittag« gespaltene Zeile ob« z Uhr für die nächst- ' dcrm Raum mtts 1h erscheinende Nummer ' jEM ' -' berechnet. ng M M N tlukV»T 4^ Msbls« -c- König«. BcMsgmchts M Freiberg, sowie -er König«. GcrichtsSmI« mst »er Sta-trZIHr ?« Freiing, Sayda und Brand. 295. Sonnabend, den L8 December. 1858. Tagesgeschichle. Berlin. Die Spener'sche Zeitung schreibt: „Der in die sen Tagen bekannt gewordenen Schrift des Pastors Fritze gegen über «.über dessen unfreiwillige Resignation) dürfte die noch nicht bekannt gewordene Thatsache von den Amtsenthebungen einiger Geistlichen und den damit verbundenen Umständen geeignet sein, das allgemeine Interesse anzusprechen. Wiewohl einige solcher Fälle vorgekommen sind, so beschränken wir unsere Mittheilung doch auf einen besonders notorischen Fall in der Provinz Pom mern, wo die betreffende Provinzialbehörde einen Geistlichen außer Amt setzte, indem sie auf dessen, übrigens langte verges- <sene Anteeedentien aus dem Jahre 18-48 zurückging. Der des Amts und Brots Beraubte richtete vor mehreren Monaten ein Gesuch an den Prinzen von Preußen, und nachdem derselbe von dem evangelischen Oberkirchenrath Bericht erfordert hatte, wurde der Bittsteller dahin beschieden, daß seine Amtsenthebung in Emerilirung mit eUtsprechendem Gehalte verwandelt, und derselbe befugt sei, sich vorkommendcnfalls nm eine anderweite Alistellung im Pfarramte' zu bewerben. Diese Thatsache sprichr durch sich selbst ebenso sehr für den hohen Sinn, womit diese Bitte gewährt ist, wie nicht minder für die Billigkeit und daS Gerechtigkeitsgefühl der höhern Behörde." Posen. Russische Blätter berichten haarsträubende Dinge über den Menschenhandel, welchen englische und amerikanische Speculanten mit angeblich auswandernden Chinesen nach den englischen Colonien treiben, und der den so laut verdammten Handel der Franzosen mit freien Negern in vielen Punkten an Verwerflichkeit noch übertreffen soll. — Dze Posener Zeitung berichtet Folgendes über eine ent- schliche Mordthat: „Am 26. November schickte in den Nach mittagsstunden Ler Gastwirth Schulz zu Subialkotvo seine bei den Söhne iu dem Alter von 15, resp. 10 Jahren nach der Nachbarstadt Görchen, um dort Brod und Fleisch cinzukaufen. Auf ihrem gegen Abend erfolgten Rückwege gesellte sich zu ihnen ein junger Mensch von etwa 17 Jahren, der ihnen seine Ge sellschaft anbot. Apf der Chaussee, circa 500 Schritte hinter der Stadt, versetzte jedoch der letztere dem älter» der beiden Brüder meuchlings einen Hieb mit einem Beile dergestalt, daß dessen! Kopf vom Rumpfe sich löste. Das entsetzliche Wehegeschrei des jüngern Bruders verscheuchte den Mörder, der jedoch Tags dar- ! auf aufgegriffen und den Händen der Gerechtigkeit überliefert wurde. Er ist bereits deS verruchten Bubenstücks geständig und aiebt zu seiner Entschuldigung an, daß er sich schon längere Zeit mit Mordgedankcn herumgetragen habe, um durch deren! Verwirklichung eine lebenslängliche Versorgung im Zuchthause in Rawicz zu finden. > Das Beil hat er am Tage der fluch würdigen That zur Ausführung seines Mordplans in Görchen ! gestohlen." In Elbing wurde am 10. Dec. Abends zwischen 8 und > d Uhr auf dem Wege nach seiner Wohnung der Magistrats- ! kassenassistent Basner überfallen und ist infolge mehrere Messer stiche am 11. Dec. früh 7 Uhr gestorben. Er hinterläßt eine Frau mit fünf kleinen Kindern. In der Klosterkirche „Zur ewigen Anbetung" zu Bonn legte am 9. December die im Jahre 1835 geborene zweitälteste Tochter des Grafen v. Fürstenberg-Stammheim nach-fünfviertel- jährigem Noviziat unter dem Namen „Schwester vom göttlichen Willen" die feierlichen Ordensgelübde in die Häntse deS erzbi- ^höflichen Comrttissars, Domkapitulars und Professors vr. ! Tieringer ab; zugleich wurde eine ihrer nächsten Anverwandten, ! Sophie Freiin v. Romberg Brönninghauscn, als Novize dessel ben Ordens eingckleidet. ! ! Dem Nürnberger Correspondenten schreibt man aus B am» berg vom 3. Dec.: „In der ZwangSarbeitsanstalt Klotzer- brach ist vorgestern ein großes Verbrechen verübt wordm. Gin Sträfling, welcher noch eine fünftägige Strafzeit zu erstehen hatte, erschlug einen Gefängnißwärter, legte dessen Kleider an i und suchte damit durchzukommen. Bor dem AuSgange wurde er jedoch,, da er seine Holzschuhe abzulegen vergessen hatte, vom Oberaufseher erkannt und ergriffen. Der Verbrecher setzte sich heftig zur Wehre und brachte dem Oberaufseher einen bedeMkn- dezt Säbelhieb bei, der diesen kampfunfähig machte. Nur mit Mühe gelang es, den,Verwegenen zu entwaffnen und festzunehmeN." . Dem „Bund" wird auS Turin geschrieben: „Im Kirchen staat, namentlich in Bologna,-folgen sich Diebstähle auf Dieb stähle in ununterbrochener Reihenfolge. Am 14. Nov. wurde die Diligence von Bologna, zwei Stunden von der Stadt ent fernt , um 20000 Zwanziger erleichtert. Am 18. Nov. wurde am Hellen Tage die Kasse der Administration der italienischen Centraleisenbahn im Centrum der Stadt, 200 .Schritte vom Regirrungspalast gelegen, von einer Gesellschaft von Dieben fortgeschleppt, nachdem sie den Kanzleidiener geknebelt und ihm den Mund verstopft hatten, ohne daß es bisher aelunaen wäre, den Schelmen auf die Spur zu kommen. Die Kasse soll 2500 Thlr. enthalten haben." Paris. Der Präfect deS GavddepartemeNts hat ein Rund schreiben an seine Beamten und die Maires der Ortschaften er- ! lassen, in welchem es unter anderm heißt, „daß, gemäß den Ansichten des Ministers, in allen Departements, wo ein schwacher ,Theil der Bevölkerung der reformirten Kirche' angehört, die protestantischen Bibeln zu den Schriften gezählt werden müssen, welche der Glaubenslehre der Mehrzahl zuwider sind uttd folg lich eine gewisse Aufregung verursachet können! Demgemäß sind diese Werke von der Colpvrtagc ausgeschlossen, selbst wenn sie gestempelt wären". Sonach zählen die Bibeln in dem g^ dachten Departement zu den verbotenen Büchern, — Eine der originellsten und kecksten Entweichungen auS dem Gefängniß erzählt daS Journal des Dvbats: „Ein Zuave von der Garde war wegen verschiedener Betrügereien zu 15 Jahren Kettenstrafe, SOO Fr. Buße und zur militärischen De gradation vcrurthcilt worden. Am Tage, wo diese Degradation vorgenommcn werden sollte, wußte er aus seiner Zelle zu ent weichen, und ging am Hellen Tage in Civilkleidern, die er sich zu verschaffen gewußt, auf die Wache im Hofe zu, sich für einen Tischler ausgehend, der das Schilderhaus auSbessern solls. Unterstützt von derselben, schwang er sich auf'daS Dach des Hauses-, und von dort mit einem Ungeheuern Sprung auf die hohe Umfassungsmauer, sprang von derselben nach außen Her unter und entkam so glücklich." - London, 1. December. In der Eity war heule Nach mittag ein Meeting, bas Erwähnung verdient. Es handelt sich darum, eine Eisenbahn durch die City, , einen Centralbahnhof iu derselben und Arbeiterdörfer 8—10 Meilen außerhalb der Stadt zu bauen. Der Plan rührt von einem Mr. Pearson her und hat mit gutem Rechte die Theilnahme vieler einfluß reichen Individuen und philantropischer Vereine für sich gewon nen. Man hofft dadurch dem Arbeiter zu gesunden freundli chen Wohnungen außerhalb des schweren Dunstkreises der Stadt zu verhelfen. Er würde für die Miethe eines kleinen, mit einem Gärtchen versehenen Hauses nicht mehr als jetzt zu zahlen ha be», und die Centralbahn, die mit allen übrigen Bahnen Äon- donS verbunden würde, böte ihm die Möglichkeit, um geringes Geld und ohne viel Zeitverlust den Ort seiner Beschäftigung zu erreichen. Dieser Plan wird, daran ist kcjn Zweifel mehr, früher oder später zur Durchführung kommen, und in den Städten deö ContinentS wird man, angesichts ihres riesigen WachsthumS,- mit der Zeit auf analoge Gedanken verfallen.