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1888. Sonnabend, den 4. December. z sen worden; und üm diesen jetzt zu haben, ging er nach Han- i nover zurück. Die Fahne war bei deS Grafen Abreise dem Leutnant und von diesem des Grafen Nachfolger übergeben des Grafen Nachfolger übergeben worden, dem Grafen von Platen, einem Verwandten der be reits erwähnten Gräfin. KöüigSmark eilte zu diesem, der nicht wenig erstaunt war über seine Rückkehr, und verlangte dir Rückgabe jenes Bandes. Der Graf von Platen erklärte, er fei' Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg- sowie -er König!. Gerichtsömter und -er Sta-träthe zu Freiberg- Sayda und Kranit. " Pr-rr vierteljährlich 15 Kge Inserate «eiche« di« gespaltene Zelle ob« deren Raum mit 5 4! berechnet. ") Die Literatur über diese Scenen ist in neuester Zeit vielfach berei chert worden, der sich jüngst v. Weber „AuS 4 Jahrhunderten" im zweiten vande, der ebenfalls vor uns liegt, ergänzend oder berichtigend angeschlos» sm hat. - ") Bei den Franzosen heißt er „der Marschall von Sachsen" und erfocht für sie die glänzendsten Siege in den Niederlanden, ch 175». Verlassen, wir jetzt auf einige Zeit das Ländergeblet der Wettiner und begeben uns in das Land der Welfen, d. h. nach Braunschweig-Hannover, aus dem das heutige Königshaus von England (seit 1714) stammt. Die Geschichte dieses Fürstenhau ses bietet selbst bis in die erste Hälfte des gegenwärtigen Jahr hunderts tragische Srenen in merkwürdiger Menge dar.*) Wir gehören nun allerdings nicht zu Denen, für die es eine hämische Freude ist in den Gräbern der Väter zu wühlen, um ihre Sünden bloß zu legen, die Tugenden derselben aber, sobald sie deren finden, heimlich oder verächtlich wieder mit der Erde des Grabes zu bedeckens damit die unwissende und leicht zu be- thörende Menge keine Kunde davon erhalte; wohl aber gehören wir zu Denen, welche der Geschichte das höchste Richteramt zu- sprechen, doch daß cs entfernt sei von Haß und Partritendenzen. — Wir folgen hier vorzugsweise den Memoiren deS Grafen Moritz von Sachsen"), eines natürlichen Sohnes Augusts deS Starken und der schönen Gräfin Aurora Königsmark: sie ent halten namentlich Jugenderinnerungen. Die Gemahlin des Königs Georg I. von England und Kurfürsten von Hannover war die Tochter des Herzogs Georg Wilhelm von Celle. Der Graf Königsmark ward am Hofe des Letzteren erzogen, und schon in früher Jugend entwickelte sich zwischen ihm und der Prinzessin eine zärtliche Freundschaft, die mit den Jahren in glühende Leidenschaft überging. Das Glück Beider sollte aber nicht von langer Dauer sein. Die Prinzessin ward dem Erbprinzen von Hannover — seit 1714 der erste König Englands aus dem Hause der Welfen — zur Gemahlin bestimmt und die Liebenden mußten sich in die Tren nung süzen, die ihre Herzen zerriß. Die Trauung fand am 21. Novbr. 1682 in der Schloßkapelle zu Celle statt. Der Graf beging die Unvorsichtigkeit sich verkleidet in die Kapelle zu begeben; er fiel der Prinzessin in dem Augenblicke in die Augen, als sie sich dem Altäre näherte. Ihre Ueberraschung, ihre Bestürzung bei seinem Anblicke war so heftig, daß sie die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Sie schützte plötzliches Un wohlsein vor, um Zeit zu gewinnen sich zu fassen. Ein Fräu lein von der Knesebeck, eine der Hofdamen der Prinzessin, ihr« Vertraute, erkannte den Grafen ebenfalls, sie näherte sich ihm während des entstandenen Getümmels,-um ihn zu veranlassen sich zu entfernen. Der Graf war so außer sich, Laß er kaum wußte was er that: ohne dem Hoffräulein zu antworten stürzte n davon, eilte zur Post und reiste sofort in sein Vaterland nach Schweden ab, um sich dort in die Einsamkeit eines Schlos se« zu flüchten. Vor der Hand hatte das Ereigniß weiter keine Folgen. Der Graf verließ, nachdem er die nöthige Fas sung wieder gewonnen, seinen Zufluchtsort, kehrte nach Hanno ver zurück, stellte sich dem Hofe vor, ivard freundlich empfangen Und erhielt sogar eine Compagnie bei der Leibgarde. Es be- ! gann nun bald von Neuem ein näherer Umgang Dorothea s mit dem Grafen, der vielleicht der Entdeckung entgangen sein würde, wenn sich nicht die Gräfin von Platen in ihn verliebt hätte. Sie war die Geliebte des Kurfürsten, den sie vollständig *) Wir haben diejenigen Aenßernngen, welche der Graf Moritz von Sach sen dem Kurfürsten in den 'Mund legt, weggelaffen, die nach dcv beglau btgten Aktenstücken!deS sächfischenUStaatSarchlvs als irrthünillch angesehen werden mußten. ' Gcenen zur Charakteristik vergangener Zeiten, in. Irr Tod der Grafrn Königsmark zu Hannover 1694 und die nn- glßcklichc Gemahlin Georg I. von England, Dorothea, Großmutter Friedrichs d. Gr. von Preußen, seine Geliebte. r-L- Freiberger Anzeiger d« bi- Nachmittags Ulld , Uhr filr die nächst- erscheinende Nummer angenommen. beherrschte, eine kühne, mit Unternehmungsgeist ausgerüstet Frau, als Feindin unversöhnlich, von stürmischen Leidenschaften, schlau, und in dem Alter, in welchem die Tugenden wie die Laster bereits festen Fuß gefaßt haben. Die Gräfin kam > Königsmark auf sehr entschiedene Weise entgegen; er war. aber j seiner Seitö zu sehr von der Leidenschaft für die Prinzessin er füllt, um den Wünschen der Gräfin zu entsprechen, und-auch j zu unerfahren, um einzusehen, wie gefährlich, es sei, eine Frau solchen Charakters zu beleidigen, die Verschmähung yiemalA verzeihen konnte. Die Gräfin beobachtete mit eifersüchtigem Auge zunächst alle Damen des Hofes, bis ihr Argwohn ans Dorothea sich richtete. Spione, die sie in Bewegung setzte, ent deckten bald des Grafen geheime Zusammenkünfte mit der Prin zessin. Mehr bedurfte es nicht, um die. Gräfin zu dem Ent- schlusse zu bringen, Beide zu verderben. Mit den schwärzesten Farben schilderte sie dem Kuxfürsten den verbrecherischen Um gang Beider, für den sie ihm die Beweise lieferte. Der Kur« . fürst war von sanftem, mildem Charakter, der die Ruhe liehte ! und AllcS scheute, was Alcksehen erregte. Dazu kam, daß er j dem Grafen von Königsmark persönlich zugethan war. Ver» geblich wendete die Gräfin alle Mittel an. Sie konnte den Kurfürsten zu keiner Gewaltthätigkeit gegen die Schwiegertoch- ter bewegen: er begnügte sich damit, Len Grasen KönigSmark aufzufordern, ihn aufs Land zu begleiten. Hier nahm er ihn bei Seite und sagte ihm: „Graft ich weiß Alles; hier ist ein Brief'für Len Prinzen Friedrich August von Sachsen; reisen Sie ab. Der Prinz ist Ihnen gewogen; Ihr Schwager ist j in seinen Diensten, Sie werden dort Ihr Fortkommen finden» Leben Sie wohl, und erinnern Sie sich Ler Freundschaft, die ich Ihnen erweise".*) Ohne weiter Etwas zu sagen verließ der, Kurfürst den bestürzten Grafen, der wohl erkannte, daß ihm Nichts übrig bleibe, als abznreisen. Trotz der Auszeichnung ! aber, die ihm Friedrich August zu Theil werden ließ, blieb i Königsmark in trüber Stimmung, die durch ein eigenthümlicheS ! Ereigniß noch vermehrt ward. Er traf nämlich mit einem ge« i wissen Mey, einem halbverrückten Menschen zusammen, der sich damit beschäftigte, den Leuten ihr Schicksal vorherzusagen. j Der Graf hielt demselben, als er ihm auf einem Spaziergänge ! begegnete, seine Hand vor die Augen, mit der Frage: wenn werde ich meine Geliebte wieder sehen? Mey ergriff die Hand des Grafen, betrachtete sie einen Augenblick und sagte dann: ! „Du wirst sie sehen, aber dann Amen! Du wirst aber Zeit haben an das zu denken, was Dir Metz heute sagt. Armer Graf, ich bedauere Dich schon lange, aber dies wird Dein LooS sein. Niemand kann seinem Schicksale entgehen". Kö nigsmark von der Leidenschaft seines Jünglingsalters unablässig ! verfolgt, erhielt endlich nach vielem. Bitten von Friedrich Au gust die Erlaubniß nach Hannover zurückkehren zu dürfen. U,nd in Wahrheit war es ein Band, welches den Grafen nach Hannover zog," das Band eines Blumenstraußes, welchen die Prinzessin bei einem Ringelrennen, bei welchem derselbe de« Sieg davon getragen, als Preis ausgesetzt hatte. Bei seiner Abreise aus Hannover war dieser „TheuerdaNk" — so heißt ein solcher Preis in der Rittersprache des Mittelalters — jvon ihm an die Fahne seiner Kompagnie befestigt und zurückgelas»