Volltext Seite (XML)
Das Freiberger Brot. Daß das gut ausgebackne Brot, insonderheit daS Roggen brot, eine große Wohlthat, eine ebenso nahrhafte als wohl schmeckende Speise ist, durfte von sehr Wenigen in Abrede zu stellt werden. Können wir uns wohl in Freiberg dieser Wvhl- that in reellem Maße erfreuen? — Diese Frage kanri schwerlich im Allgemeinen bejaht werden. Kühnlich läßt sich behaupte», daß in Freiberg gutes Brod, das wirklich das ist, was es sein kann, eine sehr seltne Ausnahme bildet; in ter Regel ist des Brot weder reines Roggenbrot, noch gut ausgebacken, wie schont«« pfefferkuchenartige Aussehen der Rinde, noch mehr daS Au-sehm und wohl auch der Geruch der Krume und der Umstand, t«ß das Brot noch nach mehreren Tagen am Messer hängen bleibt, erkennen läßt. Alle diejenigen, welche Gelegenheit haben ober hatten, daS Brot anderer Orte, z. B. das Dresdner kennen zu lernen, werden dahier übercinstimmcn, daß an sehr vielen Orte» — um nicht zu sagen fast überall — besseres Brot zu finde» ist, als eben in Freiberg. Die Thatsache darf daher wohl als feststehend betrachtet werden. Zu einer Zeit aber, wo das Korn einen so billigen Preis hat, als gegenwärtig, dürfte dec Wunsch nach einem bessern und schmackhaften Brote wohl sehr gerechtfertigt sein. Sehr erwünscht wäre es, wenn in diesem Blatte von sachkundiger Feder nachgewiescn würden, welches die Ursachen des bestehenden Uebelstandes sind, zugleich aber, wie ihm abgeholfen werden könne. Hier ist Gelegenheit geboten,, sich ein wahres Verdienst um Freiberg zu erwerben. Oder muß das hiesige Brot schlecht bleiben, weil es so viele Jahre schlecht gewesen ist und die Leute sich daran gewöhnt haben? Werkeln gutes Brot haben kann, muß sich freilich mit schlechtem oder mittelmäßigem begnügen, wenn er nicht hungern will. Wenn aber nur ein einziger Bäcker Len Anfang machte, vom Schlen drian abzuweichen und wirklich gutes, völlig reines Roggenbrot zu backen, wie man eS in Dresden fast überall erhält — und die dazu erforderliche Geschicklichkeit geht Len hiesigen Bäckern ganz bestimmt nicht ab — er würde sicher bald bekannt werden und eine überaus zahlreiche Kundschaft erlangen. Telegr. Bericht üb. d. 2cip;. Del- u. Produktenbörse vom 8. Juni, RüLöl !k>, Thlr. Br., 16 Thlr. bez., Leinöl 15 Thlr. Br., M°M 25 Thlr. Br., Wetzen 55 u. 56 Thlr. Br., 55 u. 57 Thlr. bez., 5K Tpi. Geld, Roggen 38 Thlr. Br.. 38' u. 38 Thlr. bez., G-rüc 32 Thlr. kq, Hafer 30 Thlr. Br., 28 bis 31 Thlr. bez., Spiritus 231 u. 2Zj M - bez., 23- Thlr. Geld. Verantwort!. Ncdaciem: I. G. Wolf. Drtskalender. Staats-Tclecrapben-Burcan täglich gcöffne! von früh 7 Uhr hi» Aimtt 0 Ubr. Heute den 0. Juni Versteigerung der diesjährigen Grasnntzung der Esplanade und der ' freien Plätze in den Anlagen um die Stadt, Nachmittags <4 list vor dem Erbischen Thore. j Epriseanftalt: Rindfleisch mit Ragout. Morgen: Schweine fleisch mit Kartoffelklößcn. , Bei die Agenturen der Aachen-Münchener FcuciveMu runztz-Gesellschaft, der prenß. Renten-Bers.-Anstalt und der Leipsizo Lebensversicherung^-Gesellschaft. e/f Bcrsicherringen gegen Feucreglsahr, sowie LelunS - Versicherungen reimUUw L/o»»reL (PcterSstrasic Nr. 100) Agent der Frankfurter Le ¬ hen«- und Feuerversicherungs-Gesellschaft. vertreten durch I» von i Flschergasfe Nr. 47. rlsx« bei Micol»!. ü Licr-M!cÄcrl»ts« bet vsvnlck HVolno hluUrde* » 'Maibbars. Versicherungen bei; der Captntl-, Renten- und LchcnSverficherungSteWl Teutonia tn Leipzig vermittelt Varl lweFcr, Aesselgasse Nr. 5«s. ßyd überhaupt auf dem Standpunkte angekommen, daß bei der Bestimmung el««r Eisenbahn weniger zu fragen ea: wird sie auch bei dech Beginne d^r Eröffnung rentiren? öndern, daß dann die Frage tn den Vordergrund »ritt: wird urch dir Anlegung cinep Eisenbahn dem betreffenden Landestheil ein wesentlicher Vorschub geleistet dadurch, daß dem in dieser Gegend befindlichen Hgndel, Gewerbe und Landwirtyschstft Vor theil gewährt wird und ob überhaupt die Bahn in industrieller. Beziehung in diesem LandeStheil ein regeres Leben hervorruft? Und daS glau be ich, können wir bei diesem Tratte von Tharand »ach Freiberg allerdings mit Ja beantworten. Ich muß offen gee gestehen, die Gegner der Bahn scheinen mir in Lieser Beziehung, nach einer frühem Berathung, mit dem Kriegsminiflerium in ein Fahrwasser zu gerathen, und zwar insofern, als sie die Wünsche und Anträge der betreffenden Landeetheile im mer in weite Ferne hinaus schieben, sie halten den Zeitpunkt noch nicht für denjenigen, der gerade günstig sein sollte, um hiess Bahn inS Leben zu rufen. Sie werden eben diese An gelegenheit so lange hinaus schieben, bis sie endlich ganz und gar unterbleibt. Als Beweis für meine Behauptung für die Bahn erlaube ich mir, die geehrte Kammer noch auf die Depu tation selbst hinzuweisen. Wenn ^ich mich recht erinnere, so waren die Deputationsmitglieder bei Beginn des Landtags und Lei Anregung dieser Frage' doch noch in großem Zweifel, ob sie sich für oder wider die Bahn aussprechen sollten, allein im Laufe dieser Zeit haben sich doch die Ansichten wesentlich zu Gunsten der Bahn hingeneigt. Ich muß offen bekennen, daß gerade für mich es von großem Gewichte ist, daß eben diese Männer, die ich als Finanzcapacitäten betrachte, sich nunmehr günstig für diese Bahn ausgesprochen haben. Ich könnte mich allerdings noch verpflichtet fühlen, auf das Separatvotum des Abg. Oehmichen cinzugehen, allein es sind von dem Abg. StaatS- minister Georgi, sowie von dem Herrn Abg. Sachße und dem Herrn Referenten so klare und schlagende Entgegnungen gefallen, daß ich fast glaube, daß dadurch das Scparatvotum vollständig entkräftigt worden ist; ich kann mich daher wohl eines Weitern darüber enthalten. Mögen nun auch die Würfel fallen, wie sie wollen, welches Schicksal aber auch diese Frage in diesem Augen blicke hier erleiden wird, so glaube ich aber doch, daß auf dem nächstfolgenden Landtage die Bahn bewilligt nierden wird. Doch wenn man sich einmal von der Nothwendigkeit der Bahn . überzeugt hat, so verliere man keine Zeit. Ich erinnere Sie an den Wahlstnuch: Was man thun will, das thne man bald. (Fortsetzung folgt.) für ihn die Zügel zu führen. Allgemein ist die «». unS der Bundestag etwa« Unrecht thue, aher schr igen deswegen nicht daS lose, unbestimmte »uftret« deS Ministerium. Holstein, »in paar Hundert Politiker ausge nommen , ist ruhig und zufrieden. In 14 Tagen wäre Lier im Staat« M»S geordnet, wenn nur ein kraftvolles Ministerium frei, ohne Unterstützung neidischer Nachbarn, handeln könnte. Tagesgeschichte. Freiberg, den 7 Juni. Gestern Nachmittags gegen 4 Uhr verunglückte in dem Dorfe Mobendorf bei Hainichen der 18jährige Dienstknecht Gerlach durch Pfcrdcschwämmreitcn. Derselbe ist muthmaßlich in dem chnweit der Hcymühle liegenden Ziegelteich zu weit in die Ticke geritten, dabei vom Pferde herab- gekommen und ertrunken. Wissentlich soll das Pfcrdcschwämm- niten ohne Mitwiffen deS Gcrlachschcn Dienstherrns geschehen sein. Zur Feier des 700jährigen Jubiläums der Stadt München haben die Gemeindcbcvollmächtigtcn aus städtischen Mitteln 10,000 fl. bewilligt. — Das bayerische Consistorium, welches vernahm, daß pon Nürnberg aus zu einer größeren Kirchenconserenz in Er langen eingeladen war, hat die Abhaltung derselben weder für nvthwendig, noch für zweckmäßig erkannt und daher verboten. Pari-, 4. Juni. (D. I.) Prinz Napoleon dürste schon in nächster Zeit nach Algier abgehen. General Salles soll ihn begleiten. Man erwartet von Ler Anwesenheit des Prinzen eine Beschleunigung der Eisenbahnbauten. Bisher hatte sich trotz der, den verschiedenen französischen Kapitalisten gestellten vortheil haften Bedingungen Niemand zur Uebernahme der Arbeiten bereit finden lassen. Möglich, daß diese bedeutende Unterneh mung schließlich gegen ziemlich hohe Preise von einem englischen Hause ausgeführt wird. — Sehr sauer, scheint cs, läßt cs sich die Pariser Con- ferenz, nicht werden ; die Sitzungen derselben folgen nur lang sam auf einander. Jndeß - gut D-ng will Weile haben; manchmal mfft dies Sprüchwort auch in der Politik zu. Ugland ist «ine Dame aus Indien angekommen, welcher die Sipoys beide Ohren und alle Finger abgeschuitten haben. «oponhage». Der allgemeine Zustand ist hier bedenklich. Insofern, als der König allein steht und keine Partei mächtig