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Erscheint jeden Wochentag früh S UHr. Inserate wer den bis Nachmittags Z Uhr für die nüchst- «rscheiiiendc Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageblatt. Preis vierteljährlich 1« Ngs^ Inserate werden die gespaltene Zelle oder deren Rauyr mit 8 berechnet. AmtsblM des KSmgl. Boirksgerichts ?u Freiberg, sowie -er KSmgl Gcrichtoämtrr und der Stabträthr M Freiberg, Sayda «nd Brand. Montag, den SS. März. 1858. Tagesgeschichte. Aus der Freiberger BergamtSresser, 26. März. So wenig wir es für unseren Beruf erklären dürfen, den Erschei nungen der Wissenschaft eine besondere Aufmerksamkeit zu wid men, so sehr wird eS doch eine Pflicht auch für uns, wenn es gilt, Männern, denen wir als Bewohner des segensreichsten Berg werksdistriktes Sachsens ohnehin durch ihre praktischen Verdienste zum lebhaftesten Danke verpflichtet sind, auch um ihrer wissen schaftlichen Leistungen willen, mag unser Organ für diesen Zweck nur als ein untergeordnetes sich zu betrachten haben, nach Kräf ten die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Wie verdienst lich das mannichfaltige Wirken deS Hrn. Oberberghauptmanns v. Beust seit einer langen Reihe von Jahren namentlich für unser Erzgebirge sei, darf als bekannt in allen Kreisen besonders des Erzgebirges vorausgesetzt werden: auf Praxis und Theorie ist seine unermüdliche Thätigkeit, seine sowohl von stete r Frische zeugende, als von hoher Intelligenz geleitete Arbeitskraft ge richtet. Wie wahr das sei, giebt die soeben bei Engelhardt in Freiberg erschienene Schrift zu erkennen: „Ueber ein Gesetz der Erzvertheilung auf den Freiberger Gängen." Zweites Heft. Mit vier lithographirten Tafeln und einem Holz schnitte. S. 19. 8. Wie sehr ein rationeller Betrieb unseres Bergbaues durch die wissenschaftlichen Gesetze bedingt sei, welche der Scharfsinn und der Forschungsgeist der Neuzeit zu Tage ge fördert hat, ist Jedem bekannt, der Etwas mehr versteht, als die schönen Silberlinge eknzustreichen, die unser Bergbau Jahr aus Jahr ein in so erfreulichem Maße erzeugt. Gewiß ist: unser Bergbau würde noch in den Kinderschuhen stecken, womit ihn einst die berühmte „Bcrgmannshoffnung" bekleidete, oder die phantasiereiche Beredtsamkeit der Zubußboten ausstattete, wenn er nicht mit der Wissenschaft einen engen Bund geschloffen hätte und nicht von dieser mit ihrer Segenshand unterstützt worden wäre und in Wahrheit mit jedem Tage mehr unterstützt wird. Ein herzliches und dankbares Glück auf! also den Männern, Lie mit der Fackel der Wissenschaft in die finsteren Schächte unseres Erzgebirges hinableuchten und denen das Handwerk im mer mehr legen, die entweder mit der Wünschelruthe trügerischer Hoffnung den Berggeist zum Verrathen seiner verborgenen Schätze zwingen wollen oder diejenigen als die besten Werkzeuge zur Gewinnung unterirdischer Güter ansehen, denen die Mutter Natur zu der Leute Verderben die größte Schärfe in die Zunge gelegt hat! Dresden. Sogar mit der hiesigen katholischen Geistlichkeit beschäftigt sich jetzt der ultramontane „Univers". Er sagt, sie sei zwar thätig, gläubig und wacker, aber versäume durchaus ihre höheren Pflichten. So z. B. gingen die dasigen Priester ohne Amtstracht umher, läsen das Brevier nicht genug, und mischten sich niemals in die politischen Anliegen des Landes! Mit Einem Wort, der Geist Vcuillot's ruht nicht auf Dresden, und der grimme Mann läßt sie darob hart an. — Nach einer vorläufigen Anzeige wird Herr E. Renz mit seiner ganzen Gesellschaft von Wien vermittelst eines Extra zugs am 30. d. M. in Dresden eintreffen und die Vorstellun gen am 1. Osterfeiertag, den 4. April, auf dem Jüdemeich eröffnen. Leipzig, 25. März. Heute Mittag '/^l Uhr brannte die am Leipzig-Dresdner Bahnhofe gelegene Harkort'sche Eisen gießerei bis auf die Umfassungsmauern nieder. Berlin, 25. März. Das früher bereits angeregte Pro- ject einer Actienbrauerei in Berlin ist jetzt in erneuter Weise und großartigem Umfang hervorgetreten und hat, wie man sagt, Aussicht auf Erfolg. Die Brauerei soll jährlich 24,000 Tonnen bairisches und 12,000 Tonnen Weißbier produciren (da es sich herausgestellt hat, daß der Bedarf augenblicklich ni^f befriedigt wird). Ferner soll mit dem Unternehmen eitt großartiges Local für 10,000 Personen ausgeführt und gleichzeitig der Aufbau eines neuen Stadttheils in der Haasenhaide (vor dem Halle'schen Thor) erfolgen, und endlich eine Badeanstalt für kohlensaun Malzbäder erbaut werden. Es zeigt sich, wie gesagt, viel Thetl- nahme für den Plan. Berlin, 25. März. Die Bank- und Handels-Zeitung schreibt: „Sicherm Vernehmen nach ist auf Veranlassung der französischen Gesandtschaft den diesseitigen Behörden bereits die Benachrichtigung zugegangen, daß sie allen Personen, welche nach Frankreich zu reisen beabsichtigen, bemerklich zu machen hätten, daß das Visa von dem Betreffenden persönlich in den Bureaux der Gesandtschaft nachgesucht werden müsse." — Die Neue Preußische Zeitung sagt: „Dem Vernehmest nach dürfte bei den bevorstehenden Unterhandlungen des Deut schen Bundes mit Dänemark auch derjenigen entlassenen Beamten, Militärpersonen, Geistlichen und Lehrer aus Schleswig und Holstein gedacht werden, welchen es bisher noch nicht gelungen ist, ein anderweitiges Amt oder sonstiges Unterkommen zu finden. Es handelt sich hierbei noch um 64 Familienväter mit 360 Fa- miliengliedern." — Für den Bau der Eisenbahn von Königsberg, Gum binnen an die russische Grenze soll in Preußen ein neue« An lehen zu 4'/, Procent ausgenommen werden. Wien, 23. März. (D. A. Z.) Heute war das Gerücht verbreitet, daß die Studenten in Padua einen Putsch versucht, in dessen Folge die Universität geschloffen werden mußte. Matt sollte zwar glauben, daß die Italiener nach dem Genüsse der Freiheit, die jetzt in Frankreich Mode ist, keine sonderliche Lust verspüren sollten, aber wenn man den neuesten Mkttheilungen Glauben schenken darf, hat Orsinis Tod dort ein nicht geringes Aufsehen erregt. Die österreichische Regierung ist indeß, wie man hier allgemein glaubt, über ihre italienischen Provinzen ohne alle Sorge und wird sich ebenso weniA durch Putsche als durch irgendwelche Demonstrationen einschüchtern lassen. Die österreichische Regierung scheint ihrer Sache so gewiß zu sein, daß sie bekanntlich das Ansinnen des französischen Gouvernement in Bezug auf die Verschärfung der gegenwärtigen Paßvorschrif ten höflich, aber entschieden ablehnte und den Italienern die Freiheit der Bewegung unverkümmert ließ. Diese Thatsache beweist, daß man für Italien nichts fürchtet, und sind auch alle Stimmen darüber einig, daß das jetzige Auftreten Oesterreichs in Italien von dem wohlwollendsten Geiste beseelt ist, so daß sich die österreichische Regierung allmählich eine Partei im Lande bidet. Prag, 22. März. Zwischen der Aussig-Teplitzer Eisen- bahngesellschaft und der Staatseisenbahn-Gesellschaft ist bezüg lich des wechselseitigen Verkehrs ein Uebereinkommen abgeschlossen worden. Gemäß dieses Uebereinkommens wird der Uebergang aller Lastwagen wechselseitig zugelaffen, die Personenzüge der Aussig-Teplitzer Eisenbahn, welche mit jenen der Staatsbahn vollkommen correspondiren, werden so eingerichtet, daß der je weilige Aufenthalt in Aussig für die nach oder von Teplltz Reisenden 10—15 Minuten betragen dürfte. Die Ausgabe der Fahrkarten, sowie die Aufnahme der Eilgüter und des Personen gepäckes für die Aussig-Teplitzer Bahn wird in Aussig im Auf nahmegebäude der k. k. Staatseisenbahn-Gesellschaft stattfinden. Zur Erzielung von Vergnügungsfahrten von Prag und Dres den nach Teplitz ist die Verausgabung von Tourbillcts nach Bodenbach und Prag in Aussicht gestellt. Von Guntershausen nach Kassel ereilte der von Frankfurt kommende Schnellzug den vorausgegangenen Guter- zug und stieß mit solcher Vehemenz auf denselben, baß die