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und r r Donnerstag, de« 4. Februar. Erscheint jeden Wochentag früh 9 Uhr. Inserate wer den bis Nachmittags Z Uhr sür die nächst- erscheincnde' Nummer angenommen. P,rei«' vierteljährlich 1S Ngr Inserate werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit ö X berechnet. 1858. s————-SMM Amtsblatt -es König!- Bezirksgerichts zu Freibergs -er König!. Gerichtsamter zu Freiberg- Say-a un- Man- un- -er Sta-träthe zu Freiberg un- Say-a. Tagesgeschichte. Freiberg, den 2. Febr. (Oeffentliche Gerichtsverhand lungen betr.) Wir hatten in unserm letzten Referate Gelegen heit genommen, der segensreichen Folgen unsrer neuen Strafge setzgebung zu gedenken.' Heute sei »s uns vergönnt, aus Grund der der heutigen Nummer des Dresdner Journals beigefügten „Mittheilungen über die Thätigkeil der königl. Staatsanwalt schaften, resp. Bezirksgerichte" den Nachweis zu führen, mit welcher Energie diese Behörden im ersten Jahre ihres Bestehens, also vom 1. October 1856 bis 30. September 1857, ihre große Aufgabe zu lösen gewußt haben. Zunächst wenden wir uns zu den bei den Staatsanwaltschaften, resp. Bezirksgerichten zur Anzeige gekommenen Verbrechen, und zwar betrug deren Anzahl in Dresden 109l, Leipzig, 590, Chemnitz 547, Zwickau 488, Löbau 488, Freiberg 323, Borna 301, Rochlitz 296, Eibenstock 296, Budissin 269, Meißen 256, Plauen 226, Zittau 218, Pirna 205, Annaberg 201, Augustusburg 192, Mittweida 188, Oschatz 171, Kamenz 142; 8un»na 6488. Die Anzahl sämmtlicher in derselben Zeit bei den Staats anwaltschaften zur Anzeige gelängten Verbrechen ist in nach stehenden Kategorien folgende: 1) Diebstahl, resp. Begünsti gung rc. 2098, 2) Betrug 475, 3) Widersetzung :c. 461, 4) Un terschlagung 404, 5) Bedrohung 393, 6) Meineid 275, 7) Kör perverletzung 203 , 8) dolose Brandstiftung 170, 9) Fälschung 138, 10) Hausfriedensbruch 135, 11) culpose Brandstiftung 87, 12) fahrlässige Tödtung 86, 13) Nothzucht, resp. Versuch 77, 14) Erpressung 71, 15) Nöthigung 70, 16) wahrbeitswidrige Aussage 70, 17) Beschädigung fremden EigenthumS 68, 18) Un zucht mit Kinyern unter 12 Jahren 60, 19) betrügerischer Bankerot 59, 20) Wucher 51, 21) Abtreibung der Leibesfrucht 50, 22) gröbliche Beleidigung 48, 23) Raub 47, 24) Bestechung, resp. Bestechlichkeit 45, 25) Mord, resp. Versuch 44, 26) wis sentliche Verausgabung falschen Geldes 38, 27) Jncest 34, 28) Selbsthilfe mit Gewaltanwendung 28, 29) Entwendung 28, 30) Partisrerei allein 27, 31) Vergehen gegen die «schamhaf- tigkeit 25, 32) Schmähungen in Bezug auf Religion und Cul- tus 24, 33) Kindcstödtung 23, 34) leichtsinniger! Falscheid 21, 35) Mißbrauch der Amtsgewalt 21, 36) Verheimlichung der Niederkunft 20, 37) gewerbmäßige Unzucht 20, 38) Befreiung von Gefangenen 19, 39) Hinterziehung der Hilfsvollstrecknng 19, 40) Münzverbrechen 17, 41) Verbreitung gemeingefährlicher Nachrichten 16, 42) Baumfrevel 15, 43) öffrn'ts. Aufforderung zum Ungehorsam 14, 44) widerrechtliche Freiheitsberaubung 14, 45) Störung gottesdienstlicher Handlungen. 1.4, 46) Bedrohung mit Brandstiftung 13,- 47) Handgelöbnißbruch 13, 48) Be schimpfung öffentlicher Beamten 12, 49) Arbeitseinstellung 12, 50) gemeingefählliche Handlungen 12, 51) Majestätsbeleidigung 11, 52) Unzucht mit Perspven im bcwußclosen Zustande, resp. Blödsinnigen 11, 53) Medicasterel U), 54) Mißbrauch von Mädchen unter 14 Jahren 10, 55) widernatürliche Unzucht 10, 56) Pflichtverletzung 10, 57) Aussetzung hilfloser Personen 9, 58) Thierguälerei 9, 59) Störung Les Eisenbahnbetriebs 9, 60) Ehebruch 8, 61) Anmaßung und Vorenthältung sremd,en Eigenthums 8, 62) falsche Denuuciation 8, 63) Gewalt zu un züchtigen Zwecken 7, 64) Täuschung der Behörde 7, 65) Laud- sricdenöbruch 6, 66) leichtsinniger Dankerot 6, 67) Ansteckung 6, 68) Pceßvergehen 6, 69) staatsgefährliche Schmähungen 5, 70) zur öffentl. Aergerniß gereichende Handlungen 5, 71) Nach laßberaubung 5, 72) widerrechtl. Eindringen in fremde Geheim nisse 5, 73) verbotenes Colligiren 5, 74) Hochverrath 4, 75) Todtschlag, resp. Versuch 4, 76) Winkelschristsicllcrei 4, 77) Verführung zur Unzucht 4, 78) Zweikampf, resp. AuSforde- rung 3, 79) Desertion, resp. Begünstigung 3, 80) Aumaßu. g öffentlicher Dienste 2, 81) Deleidi.,ung auswärtiger Regemen 1, Tageblatt. ' .. . 82) Entführung 1, 83) angebl. Menschenraub 1, 84) Lottobank« > halten 1, 85) Steuerhinterziehung 1. Hauptverhandlungen waren bei sämmtlichen Bezirksgerichten 1286 gegen'1857 Angeschuldigte, von denen 1 zum Tode, 268 zu Zuchthaus, 714 zu Arbeitshaus , 698 zu Gefängniß, 21 zu Geldstrafe, 6 zu Verweis verurtheilt, dagegen 130 von der An klage resp. bedingt, 17 von Strafe freigesprochen wurden. Leipzig, 1. Februar. (Dr. I.) Der verflossene und der soeben begonnene Monat sind die eigentlichen Monate der Bälle und Maskeraden. Es tyird nun nicht ohne Interesse sein, wenn wir hinsichtlich der letztern bemerken, daß obrigkeitlicher Be stimmung gemäß nur ein sogenannter Maskenball gestattet ist, und daß von geschlossenen Gesellschaften biS mit FastnachtS- dienstag im Ganzen 8 Maskenbälle werden gehalten werden. — Heute Vormittag erhing sich m seiner Wohnung der Copist eines hiesigen Advocaten, nachdem er zuvor noch seine Kleider gereinigt hatte. AlS Grund dieses Selbstmordes wird Gram oder Aerger über die Untreue einer „Geliebten" genannt. Aus Chemnitz vom 28. Jan. schreibt man der Frei- müthigen Sachsen-Zeitung: „In unserer Stadt sind gestern zwei Verbrechen entdeckt worden. Ein Dienstmädchen, welches vor Kurzem in das Haus eines Osficianten eintrat, war, wie die Frau vom Hause bald bemerkte, in andern Umständen. An einem Morgen bemerkte man eine Veränderung, und nach er statteter Anzeige ergab sich, daß eine Geburt erfolgt sei. DaS Mädchen, in Untersuchung genommen, behauptete, daß sie eine Frühgeburt gehabt, Len Ort aber, wohin sie dieselbe gebracht, nicht angeben könne. Nach mehreren Tagen sollte die Lade der Jnhäftirlen aus dem Hause abgeholt werden, und eS zeigte sich nach vorgenommcner Untersuchung, daß der Leichnam eines durch ein Band erwürgten neugeborenen Kindes in der Lade lag. Nach dieser Entdeckung erfolgte auch das Geständniß der Kindesmörderin. — Seit einigen Tagen hat sich in hiesiger Stadt ein frecher Bube Herumgetrieben und sich auf der Straße die größten Unverschämtheiten in Wort und That gegen junge Mädchen- namentlich solche aus den höhern Ständen, zu Schul den kommen lassen. Die Redensarten des Buben sind so frech gewesen, daß die meisten Beleidigten aus Schamhaftigkeit selbst ihren Angehörigen die Sache verschwiegen haben. Gestern ist es nun Ler Polizei gelungen, Les elenden Wichts habhaft zu werden. Wir hören, daß derselbe gestanden habe, und theilen die allgemeine Ansicht, daß hier eine recht exemplarische Strafe ganz am Orte sei." Berlin, 1. Febr. Die hiesigen Communalbehörden haben den Prinzen und Lie Prinzessin von Preußen aus Anlaß der Vermählung ihres Sohns mit einer Adresse beglückwünscht, die der Prinz von Preußen bereits in huldvollster Weise beantwortet hat. Von den Provinzen und bedeutendsten Städten werden großartige Hochzcitsgcschenke vorbereitet. VHien. Die Oesterreichische Zeitung vom 31. Jan. ist mit den Rcpressivmaßregeln des Kaisers Napoleon ganz einverstanden. Sie sagt: „Eine politische Toleranz, wie sie jetzt in Frankreich besteht, ist mit der Aufrechthaltuna staat licher Ordnung nicht verträglich. Wo eine Discusion über das Recht der regierenden Dynastie, wo ein offenes Verleugnen und Antasten derselben gestattet werden muß, da steht der Thron über einem Krater und kann jeden Augenblick verschlungen werden. Früher oder später muß das französische Volk ge zwungen werden, auf diese Freiheit Vexzichl zu leisten. Na poleon I. gestattete ihnen dieselbe nicht. Weder die englische Elisabeth noch der englische Cromwell duldeten, daß man ihr Recht in Frage stellte. Aus der fundamentalen Schwäche einer ähniichen Toleranz kann keine Kraft bervorwachsen. Wenn Napoleon Hl., nachdem bald das zweite Jahrzehnd seiner Herr- Freiberger Anzeiger