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srscheint tden Wochentag ftllh -Uhr. Inseratewer- d« bi« Nachmittag» z Uhr sllr die nLchst- ascheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger > und Tageblatt. Preil vicrteljSMch IS Inserate werden di« gespaltene Zeileiod« deren Raum mit S L berechnet. Amtsblatt -cs König!. Beziriisgrrichls zu Freiberg sowie -er König!. Gerichtsamtet und der Stadträthe zu Freiberg Sayda und Brand. 174. Freitag, den 30. Juli. 1^58. Tagesgeschichte. Bad Elster. <Dr. I.) Wir befinden unS jetzt auf dem Höhepunkte der Saison; das regste Morgcnlcbcn an den Quellen, da- Ab- und Zuwandeln zu den Bädern in den Vormittags- iiunten, die langen, vollbesetzte» Tafeln in de» Hotels und den Restaurationen, die zahlreichen Kaffeegäste aller Orten bekunden hinreichend, daß Elster sich in diesem Jahre wieder um ein be deutendes Stück auö der Reihe kleinerer Badeorte hcrausge- arbeitet hat, und daß, wenn Lie Zukunft mit der letzten Ver gangenheit freundlich Schritt hält, der Ort sich immer mehr dem Niveau nähern dürfte, in welches die wahrhaften Patrioten Eister sobald als möglich einrüeken zu sehen wünschen. Die stillromantische Lage und die köstlich frische gesunde Bergluft werden bei den Freunden der Natur, neben der Heilkraft der Duellen und der wunderbaren Vergnügmigsfähigkeit unserö MoorS , dem freundlichen Elster ein entschiedenes Uebergewicht immerfort sichern. Hamburg, 26. Juli. Gestern, Sonntag, tobte hier ein Sturm aus Südwesten mit solcher Heftigkeit, wie sich die ältesten Leute in dieser Jahreszeit dessen nicht zu entsinnen wissen. Ein zelne Stöße waren von derartiger Gewalt, daß dicke Bäume ihnen nicht zu widerstehen vermochten. Das Dampfschiff „Hel goland", welches am Sonntagmorgen mit circa 220, zum größten Theile mit dem Berliner Extrazuge hierhergekommenen Passa gieren nach Helgoland abging, hatte von dem heftigen Sturme schwer zu leiden. Es kam unter starkem Arbeiten bis zur rothen Tanne, mußte aber von dort nach Cuxhaven zurückkehren, wo ei Nachmittags '/,3 Uhr eintraf. Da ein Theil der Paffagiere nach Hamburg zurückzufahren verlangte, ein anderer die Reis« nach Helgoland begehrte, fragte der Capitän bei seinem Rheder ulegraphisch an, «vorauf er beordert wurde, aus Hamburg zu ntournircn, doch solle den Passagieren für Lie nächste Reise die Ueberfahrt frei gehalten bleiben. Paris, 26. Juli. Die Kaiserreise in die Bretagne und die bevorstehenden Feste in Cherbourg nehmen, vorwiegend die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch. Von 3728 Gondeln, Lie eS in Parts giebt, werden sich ungefähr 500 nach Cherbourg begeben. In den meisten Häsen deS Canals und Ler Westküste werden Extrafahrten nach Chcrburg arrangitst. Ueberall werden Dampfer gemiethet, welche nicht blos die Reisenden an den Ort der Feste bringen, sondern ihnen auch dort zur Wohnung dienen sollen. Wenig verlautet dagegen au« Chalons. Marschall Can- rvbert hat indeß bereits einen großen Marsch mit Bivouac nach La Suippe unternehmen lassen. Marschall DoLguet soll am 1 September sein Kommando antreten. > Spanien. Die Times veröffentlicht folgenden Auszug eine« Privatbriefes aus Fernando Po (spanische Insel an der afrikanischen Westküste) vom 3. Mat: „Wir sind hier alle in großer Aufregung. Ein spanisches Kriegsschiff mit einem neuen Gouverneur, mehreren Priestern rc. am Bord kam hier vor eini gen Tagen an, und das Erste, waS der neue Gouverneur that,, war, daß er durch eine Proklamation allen nicht Nichtkatholiken verbot, Kirche oder Kapelle zu besuchen, und dle Schulen schließest ließ. Die Bewohner sind darüber fast rasend geworden, denn «S sind lauter Baptisten." London, 26. Juli. In der heute stattgehabten Sitzung des Unterhauses hatte Lord John Russel die Resolution etnge- bracht, Rothschild als Parlamentsmitglied an den Berathungen des HauscS theilnehmen zu lassen. Die Resolution ging nach abermaligem Widerspruche mit 69 gegen 37 Stimmen durch. Nachdem Rothschild nach alttestamentarischem Ritus vereidigt worden war, reichte er dem Schatzkanzler Disraeli die Hand und nahm seinen Sitz auf der linken Seite des Hause«. ! Dem Pesthcr Lloyd wird auS Belgrad vom 19. JuÜ > geschrieben: „Abermals erregt elne Flaggenbrschimpfung § Aufsehen, obwohl deren Folgen kaum zu einer Differenz führen s können, da es sich herausstellen wird, daß nur der aufgeregteste Fanatismus oder Wahnsinn eines Einzelnen, der allem An* scheine nach unzurechnungsfähig ist, diese hervorgerufen hat* Die Beschimpfung, wenn man sie so nennen will, erfolgte aber auf folgende'Weise: Gestern, Sonntag, war dle Flagg« wie gebräuchlich gehißt. Die ConsulatSdienerschaft saß Abend« vor dem Hause, al« ein alter Türke, NamenS Osman Musta-Bei Glawinitsch, der vor der Befreiung Serbien« «»«gedehnte Herr» schäften im Lande besaß, nun aber gänzlich verarmt ist, mit einem kleinen Kinde, seinem Enkel, am Arme vor dem preu ßischen Flaggenstocke stehen blieb und die ConsulatSdienerschaft unter Drohungen und Flüchen gegen die betreffende Regierung und höhere Personen aufforderte, die Flagge abzuhiffen. Diese lächerliche Zumuthung konnte allenfalls höchst beunruhigende Folgen nach sich ziehen, wenn zufällig mehrere in der Nähe dort wohnende Türken dabei gewesen wären; da letztere da« , Gelächter der gesammelten Menge jedenfalls al« eine Beleidi gung betrachtet und wahrscheinlich mit dem Handschar gerächt hätten. So aber tobte der alte Fanatiker zur Belustigung der Umstehenden, äußerte sich dahin, daß die europäischen Konsulate das Unglück der Türken seien, daß zwei seiner Enkel nur des halb gestorben, weil unter dem Flaggenstock der Teufel versteckt wäre, er aber den Stock ausgraben und den Teufel heraus jagen werde, um seinem letzten Enkel daS Leben zu sichern. Ein schallendes Gelächter, welches nicht aufhören wollte, be grüßte die tollen Worte deS Fanatikers, und somit war die ganze Sache abgethan. Auf Ansuchen de« zeitweiligen ConsulatS» Verwesers wurde der alte Türke festgenommen; das Zeugenver» hör stellt höchst gemeine, in Worten geäußerte Beschimpfung Hera»«; deshalb wird der Mcdschlich dem Alten eine Strafe dictiren müssen, um doch eine SatiSfaction zu geben und anders von derlei Uebergriffen abzuhalten. Man legt zwar hier unb da diesem sehr unwichtigen Ereigniß eine tiefer wurzelnde Unterlagt bei, wir aber können eine solche nicht gewahren, und es ist auch die ganze Begebenheit, da sie sich doch nicht verleug nen ließ, von Seiten des Consulatsgeranten taktvoll aufgesaßt worden, um den türkischen Behörden keine weitern Verlegen heiten zu bereiten. Auch steht von der bekannten Loyalität Osman-Pascha'S zu erwarten, daß er jedem fernem derar tigen Skandal, welcher durch Fanatiker entstehen könnte, kräftigst vorzubeugen den Willen und die Kraft haben wird." AuS St. Petersburg, 14. Juli., wird der „Wien. Ztg." geschrieben: Ueber den letzten Bauernaufstand in Esth- land wird nun nach und nach mehr bekannt, obgleich immer poch nicht öffentlich und beglaubigt, sondern durch Briefe von dort her. Die Vorgänge waren allerdings übel, aber sie wären wohl nt« so schlimm geworden, wenn der Gouverneur der Pro vinz, v. Grünwaldt, nicht zu wmig Truppen dagegen auSge- sandt, ja eS eS wär« d«r ganze Lärm vielleicht im Sande v«r- laufen, wenn gar keine Truppen dagegen auSgesandt worden wären. Von den 4 angeblich gefallenen Stabsoffizieren ist nur einer wirklich todt, und das ist ein Capitän (Bachuzki). Da gegen sind gegen 60 erschossene Bauern doch 10 Soldaten ver wundet und 4 todt, die Anführer der Bauern meist «ntlaffen« Soldaten, aber in den Händen des Gerichts und 10 derselbe« besonders aravirt. Die örtlichen Ursachen waren schon vo« Kaiser bestätigte Erleichterungen der Bauerfrohnen, die auf eini gen Gütern früher al« auf andern publicirt wurden, denn das Gouvernement in Reval hatte »«geordnet, daß die Publikation nicht eher erfolgen solle, al« bis die Geistlichen an drei Sonn fagen hintereinander ihre Gemeinden in der Kirch« durch Gottes dienst und «indringliche Ermahnung vorbereitet. Wie gesagt, auf «inigtn Gütern wurde di« Absicht der Regierung schon a«