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Freiberger Anzeiger dm bi- Nachmittags L Uhr sür dir nächst- erscheinende Nuinmer angenommen. Tageblatt. Preis vierteljährlich 1« Ngr. Inserate werde« die gespaltene Zeile oder deren Raum mit 5 berechnet. Amtsblatt -es Kömgl. Bezirksgerichts zu Freiberg, sowie -er Kömgl. GerichtsamkL un- -er Sta-träthe zu Freiberg, Say-a un- Brau-. Hß. Dienstag, den SS. Mai. 1858. Tagesgeschichte. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlung den 4. Juni Vormittags 11 Uhr: Verhandlungstermin in der Untersuchung wider den Miillergesellen Karl Wilhelm Schmidt auS Liebstadt, wegen Diebstähls. Dresden, den 21. Mai. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer war Gegenstand der Tagesordnung die Hstündige Berathung deS Berichts der zweiten Deputation (Res. Atg. Falcke) über daß königl. Decret, die Ausführung einer Wnbahn von Tharandt nach Freiberg, mit einer Zweigbahn nach den Halsbrückner Hütten betr. Nachdem die Berichte der Majorität und Minorität, erster» haben wir bereits mitgetheilt, durch den Referenten und Abg. Oehmichen-Choren vorgetragen worden waren, auch Letzterer seine Zweifel an der in der Rentabilitätsberechnung angenom menen Höhe der an den Kosten des Kohlentransports in Folge des Bahnbaues von den Hütten zu machenden Ersparnisse durch Zahlenangaben, deren Richtigkeit jedoch von dem k. Commifsar gch. Finanzrath Freiesleben bestritten wurde, mündlich näher zu begründen gesucht hatte, ergriff zunächst der Referent das Wort, um die von dem Stande der noch nicht vollendeten Eisen- bahnbauten in Sachsen, sowie von den Kostenberechnungen her genommenen Bedenken zu widerlegen. Hierauf erhob sich der Staatsminister a. D. Abg. Georgi und bemerkte: Der Herr Separatvotant habe in seinem Sonder- ierichte gegen die Nützlichkeit der projectirten Bahn, die er an dem vorigem Landtage selbst anerkannt, etwas nicht eingewendet. Seiner Frage, ob die finanziellen Verhältnisse des Staates von der Art seien, daß derselbe ohne Bedenken neue Verpflichtungen übernehmen dürfe, könne man mit einem Hinweise auf dessen eignen Bericht über den Rechenschaftsbericht der Periode 18§s antworten. Wenn derselbe auf mögliche Stockungen in Folge politischer oder kommerzieller Krisen Hinweise, so glaube er hingegen, daß lange dauernde Krisen, weil unerträglich, überhaupt nicht mehr möglich seien und gerade in der Beförderung des Verkehrs in direkt ein Hauptschutzmittcl gegen solche Krisen liege. Auch Privatgesellschaften recurrirten in dergleichen Fällen auf die Reservefonds. Verlange man wie Ler Herr Separatvotant einen bcsondern Tilgungsfonds für das Baucapital neben der Sorge für dessen vollständige Erhaltung, so sei auf die theil weise infolge der Conversionsmaßrcgcl in den nächsten Jahren verfügbaren bedeutenden Tilgungsmittel hinzuweisen. Die Furcht vor Erhöhung der Löhne sei nur gerechtfertigt, wenn nicht eine gleichzeitige Erhöhung der Produktivität daneben her gehe, werde auch gerade von den direkt betroffenen landwirth- schaftlichen Kreisen, wie deren Petitionen bewiesen, nicht getheilt. Der Verzug werde, wenn nicht Gefahr, doch erhebliche Nach theile bringen. Dagegen sprächen sür den Bau die Vollendung der Bahnen, denen ausländische Concurrenz möglicherweise hätte zuvorkommen können; die durch die Fortschritte der Eisenbahn- technik erleichterte Möglichkeit der Ausführung, sowie die gün stigen Geldverhältnisse, und einen deprimirenden Eindruck müsse es machen, wenn unter solchen Umständen die Zweite Kammer ihre Genehmigung verweigere. Für den beabsichtigten Eisenbahnbau sprachen sodann Abg. Lechla von Hainichen, welcher zugleich die Erwartung einer baldigen Fortführung der Eisenbahn über Freiberg hinaus aus drückte, Abg. Braun - Erbisdorf, der die Erträge derselben viel zu niedrig veranschlagt fand, Abg. Sachße, der auf die Bereit willigkeit der Freiberger Grubenbesitzer, durch freiwillige Ueber- einkunft mit der Generalschmelzadministration den Staat gegen alle etwaigen Verluste an den Zinsen des auszugebenden Bau kapitals zu sichern, hinwies, und, entgegen dem Avg. Oehmigen- Choren, dem, seiner Ansicht nach, wohl die Thätigkeit bei der Ver> waltung der Staatsschulden den Blick etwas umflort und seine I Besorgnisse vorzüglich auf diese Seite gelenkt habe, die genü- ! gende Rentabilität der Bahn speciell zu deductren und die Br» fürchtung vor der Vertheuerung der Arbeitslöhne und vor Heranziehung eines Staatsarbeitereorps zu widerlegen suchte. In demselben Sinne äußerten sich Abg. Wunderlich, der den beabsichtigten Bau besonders als ein neues Stück einer daS Herz des Landes durchschneidenden Bahn befürwortete, Abg. Jung nickel, welcher die Bedeutung der längs der Bahnlinie gele- § genen industriellen Gegenden für den Verkehr auf derselben be- ! tonte und erwartet hätte, daß alle der Freiberger Bahn ent gegenstehenden Bedenken nach den nahezu zwanzigjährigen Ver handlungen darüber in sich zerfallen wären, Abg. Seiler, der ebenfalls wieder auf das Projekt einer Centralbahn zu sprechen kommt und es beklagt, daß die StaatSregterung nicht einen umfassenden Plan der auch in späterer Zeit auszuführenden Eisenbahnen vorgelegt habe, Abg. Köhler, der sich auf das von den übrigen Rednern in dieser Richtung Gesagte bezieht, Abg. Bürgermeister Koch, welcher zugleich daS Bedurfniß der Anna berger Gegend nach einer Eisenbahn, deren Ausführung zu unternehmen sich auch eine Privatgesellschaft nicht scheuen werde, dringend der Beachtung empfiehlt, und Abg. vr. Arnest, der die Genehmigung der Freiberger Bahn sowohl auS Rücksichten auf die Gleichberechtigung deS betreffenden Landestheils als im Hinblick auf die für «ine angemessene Rentabilität sprechende Steigerung der Einnahmen der AlbertSbahn befürwortet. Dagegen will Abg. v. Nostiz - Drzewlecki, obgleich kein Feind der Eisenbahnen und obgleich ein gewisser Muth dazu gehöre, den am vorigen Landtage mit großer Majorität ge faßten Beschluß, die Staatskasse dürfe bei dem Baue der Eisen bahn von Tharand nach Freiberg nicht zur Theilnahme gezogen werden, aufrecht zu erhalten, mit der Minorität stimmen, weil ! er die Ausführung derartiger Eisenbahnen grundsätzlich der Privatthäkigkeit überlassen wissen will. Ganz in demselben Sinne äußert sich Abg. v. Crtegern, der indessen eine indirekte Betheiligung der Staatskassen etwa durch Unterstützung der Generalschmelzadministration nicht ausschließen will und deshalb den Herrn Separatvotanten auffordert, den Vorschlag der Auf- Hebung des Beschlusses, daß der fragliche Bahnbau ohne irgend, welche Betheiligung der Staatskasse zur Ausführung gelangen solle, aus dem MajoritätSautrage in den seinigen aufzunehmen, wozu sich Abg. Oehmigen-Choren bereit erklärt. Nachdem Abg. Fikentscher sich für die Majorität erklärt und die Bedenken der Minorität gegen die aufgestellte Berechnung über die Einnahme aus dem Kohlentransport zu widerlegen ge sucht hatte, ergriff der Referent das Wort, um die Unwahr scheinlichkeit des Zustandekommens einer Privatunternehmer- gesellschast durch Hinweis auf die Verhältnisse der Zittau-Reichen berger Eisenbahn, weshalb der Staat selbst bei der Ertheilung der neuen Concessionen eine Garantie für die regelmäßige Ein zahlung der Aktien verlangen müsse, darzulegen, während vr. Wahle einfach bei seiner schon längst gehegten Ansicht von der Nothwcndigkeit des Fortbaues der Eisenbahn von Tharand nach Freiberg stehen bleiben zu müssen erklärt. Der k. Commiffar Geh. Rath v. Ehrenstein bestätigt das hinsichtlich der gedachten Unwahrscheinlichkeit vom Referenten Gesagte, bemerkte ferner, daß die Regierung die vorausgesetzte- Vollendung der Zwickau- Gvßnitzer Staatsbahn dann als eingetreten betrachte, wenn dieselbe dem Betriebe übergeben sein würde. Jedenfalls werde in diesem Jahre, wegen der noch erforderlichen speciellen Bearbeitung der Linie, für den Bau der Freiberger Bahn ohnehin nicht viel ge- than werden können, dagegen könne die Regierung durch zeitige Erwerbung der nöthigen Schienen eine nicht unbeträchtliche Summe ersparen. Für die Abschreibung sei bei den StaatSbahnen reichlich gesorgt, und bei den auszugebenden deponirten Landrent tenbriefen werde natürlich auch eine Tilgung stattfinden.