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Sonnaben-, den 18. Januar. 1858. t ein dorf. aff«- -dt^ Erscheint jeden Wochentag früh »Uhr. Inserate wer- de» bis NachmittagS 3 Uhr sür die nächfi- erscheinende Nummer angenommen. Ink. Ihr ver- hevollen Mutier Emitter, Erler, 89. Le- Lekann- iberg nittagS v, det Nd. Aus dem Leben Gottfried Silbermanns. Die früher» Mittheilungen in diesem Blatte, sowie indem erfreulicherweise einen immer größern Leserkreis gewinnenden, ebenfalls hier erscheinenden „Glückauf" über das Leben und aus dem Leben des berühmten Silbermann wurden damals mit dem ungetheiltesten Interesse ausgenommen, wie dieß in einem Kreise, in welchem der große Meister das Licht der Welt er- ! blickte und mehrere seiner unerreichbaren Orgelkunstwerke errich tete, nicht Wunder nehmen darf, daß gewiß Nachstehendes aus I „Gottfried Silbermann der Orgelbauer, ein historisches Lebens bild von Ludwig Mooser" als willkommener Nachtrag von den Lesern ausgenommen werden dürfte. In der evangelischen Hof- und Sophienkirche in Dresden ließ der Magistrat eine alte, von Weller im Jahre 1611 erbaute Orgel abtrazeu. Der Aufbau einer neuen wurde unserm Mei ster übertragen. Silbermann entsprach auch allen gerechten Er wartungen, und das neue Meisterwerk wurde am 15. November 1720 der Kircheninspection übergeben und am 18. deff. M. ein- ! geweiht. Zu dieser Feierlichkeit dichtete der damalige Geheim- sccrctakr und Hofpoet König eine Cantate, welche der Churfürstl. Kammcrmusikus Pätzold componirtc. Der Schluß derselben lautet: Auf den»! die ihr dieß Werk hier hört und schaut, Auf! lobet zum Beschluß des Höchsten Macht und Stärke Weil er »ns auch erbaut, Als lcbcnd'gc Orgelwerke. l An Silbermann selbst richtete der Dichter folgende Reime: Wo seinen Meister je ein schönes Werk gepriesen, So hat Dein Kunstbau dieß, mein Silbermann, erwiesen; Den» keine Pfeife kann an diesem Werk erklingen, Sic muß zugleich Dein Lob und Deine Kunst besingen. So wenig poetischen Werth diese Verse auch haben mögen, so bezeugen sie doch das Ansehen, in dem der Meister auch in der Hauptstadt stand. Uebrigens betrugen die Kosten dieses Wer- , keS 2500 Thlr. Jeder Fremde, welcher die schöne Residenz be sucht, vergißt gewiß nicht leicht, einem GotteShause seine Auf merksamkeit zu schenken, welches schon im Allgemeinen durch die , imponircnde Form des Styls sich vortheilhaft auszeichnet; ich ! ! meine Lie Kirche unserer lieben Franen — worunter Maria, ! die Mutter Gottes, zu verstehen ist — (gewöhnlich Frauenkirche genannt) ein Meisterwerk der neuern Baukunst. Viele fragen dann nach dem Namen des genialen Baumeisters, in der Vor aussetzung, den Namen irgend eines berühmten Meisters aus Italien oder aus irgend einer großen Stadt des deutschen Reichs nennen zu hören, und finden sich dann, enttäuscht, wenn ihnen ein im gewöhnlichen Leben wenig bekannter Name genannt wird. Der Hauptbaumeistcr dieses würdigen Bauwerks war Ler Naths- ztmmcrmcister Georg Bähr, ein ganz anspruchsloser, einfacher ' Mann,welchcrlm'tdemRathsmaurermeisterJoh. Gottfried Fehre j den Bau leitete. Bähr wurde anfangs von vielen Baumeistern, !j deren manche einen berühmten Namen und glänzende Titel zur j Schau trugen, verächtlich und spöttisch über die Achseln angese- Heu und im Leben zu wenig geachtet, weil er höchst einfach und schweigsam für sich hin lebte. Ueber seinen genial entworfenen Plan, einen Tempel von lanter Sandsteinguadcrn mit gewölb ter Kuppel bis zur höchsten Spitze aufzuführen, zuckte man mit leidig die Achseln und er war nun seelenfroh, daß man ihm nach vielen Hindernissen im Baue freie Hand ließ; an Neidern meim h um« einem ich end kannten anzeiai i. 185S. »nn, Nale: , oder Posse einem Nusik ersten iliches Ber- ,Dors hichte, ardt. rbier Akten bge- Ver- lche dk V iätte be- I Llume»' D nnigsten D '8. I ffenen ainichen. und Spöttern fehlte es nicht. Schon im Jahre 1722 hatte man begonnen, den Thurm und das Chorgewölbe der alten Marien» oder Frauenkirche abzutragen; im Jahre 1727 wurde auch daS Hauptgebäude beseitigt und der Aufbau eines neuen Gotteshau ses begonnen. Bähr erhielt als tägliches Honorar acht gute Groschen, ein Lohn,, mit dem in unsern Tagen kein gewöhn» licher Maurer zufrieden sein würde. Dieser einfache Mann nun war ein sehr geachteter Freund unseres Silbermann geworden, als Letzterer noch an der Sophienorgel arbeitete, denn verwandte Geister finden sich. Wenn nun Beide' in der Hauptstadt bei einem Glase Bier über Kirchen- und Orgelbau gemüthlich sich gegenseitig aussprachen, so hielt man die Männer in den schlich ten Gewändern höchstens für Gehilfen, und mancher feingeklei dete Herr glaubte vollkommen genug gethan zu haben, wenn er den herzlichen Gruß der beiden genialen Freunde mit einem her ablassenden, vornehmen Kopfnicken erwiderte. Denn gemeine Seelen beurtheilen den Mann in der Regel nur nach dem Aeußern; das Innere desselben zu erkennen, dessen sind sie nicht fähig. Das neue Gotteßhaus erhob sich, trotz aller muthwillig be reiteten Hindernisse, in Form eines Quadrats mit abgestumpften Ecken, im Innern ein Oval bildend, dessen prachtvolle Kuppel durch 4 Bogenfenster Licht erhält. Der gewaltige und prachtvolle Kuppelbau dieses Tempels wurde jedoch für den Wackern Meister Bähr der Grund eines großen Unglücks. Elende Neider, voll Gift über den Ruhm ! des Meisters, wußten ihm soviel Schwierigkeiten in den Weg zu legen, so viel »»gegründeten Tadel über ihn zu häufen, daß der brave Mann endlich in eine tiefe Schwermuth verfiel. Schon standen die 4 pyramidenartigen kleinen Thürme, als der unglück liche Baumeister von der höchsten Höhe des Gerüstes herabstürzte — ob freiwillig in Folge seines Trübsinns, oder durch einen Fehltritt! — »vermöchte das mit Sicherheit bestimmen? — und dadurch viel zu früh für die Welt seinen Tod fand.' Daher ist es auch gekommen, daß seine Nachfolger den auf dem Entwürfe bezeichneten majestätischen Thurmbau nicht auszuführen vermoch ten, sondern ihn durch eine weniger ansehnliche Laterne zu er setzen suchten. Hatte Silbermann den Tod seines geistvollen Freundes auf richtig beklagt, so freute er sich doch herzlich, daß er in dem Heiligthume, das der Erstere ausgcführt, eine desselben würdigt Orgel erbauen sollte. Hierbei entwickelte er sein Talent — in einem beschränkten Raume eines der vorzüglichsten Orgelwerke Sachsens zweckmäßig aufzustellen — auf die glänzendste Welse. Die Orgel selbst, sein 29. Meisterwerk, erhielt 3 Manuale, 43 klingende Stimmen. Die Zahl der Pfeifen giebt man gewöhn lich auf 6000 an, dürfte aber doch viel zu hoch sein. Die feier liche Einweihung erfolgte am 25. November 1736. An diesem festlichen Weihetage stand der schlichte Meister auf dem hohen Orgelchore, sich im Innern deS gelungenen Werkes freuend, als ihn ein vornehmer Herr mit einem blitzenden Sterne auf der Brust anredetc: „Mein Lieber, zeige er mir doch einmal seinen Meister!" „Welchen Meister?" — „Nun, den berühmten Silbermann." „Hier steht er vor Ihnen, wie er leibt und lebt/< „Jst's möglich? Er ist also Ler Meister selbst?" „Wer soll es sonst sein? Hier steckt'ö!" rief Silbermann, auf seine hohe Stirn zeigend, „nicht im Nocke und nicht auf dem Kragen." Schweigend entfernte sich der Fremde, ein polnischer Edelmann, drückte dem Meister Lie Hand und sprach dann zu seinem Be gleiter: „Die sächsischen Meister und Kunstler sind originelle Freiverger Anzeiger und gespaltene Zeile oda . deren Raum mit 5 Altgevitttt.