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Erscheint jeden Wochentag früh 9 Mr. Inserate wer den dis Nachmittags 3 Uhr für die nachst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberaer Anzeiger * UN- Tageblatt. Preis vierteljährlich 1,5 Ngr. Jnseraje werden die gespaltene Zeile oder deren Raum mit 5 Ä. berechnet. Amtsblatt des König!. Bezirksgerichts zu Freiberg, -er König!. Gerichtsämter zu Freiberg, Sayda und Brand und der Stadträthe zu Freiberg und Sayda. 13. Montag, den 18. Januar. 1858. Tagesyeschichtc. AuS der Freiberger Bergamtsrefter, den 12. Jan. In den letzten 4 Wochen, womit die hiesigen Gruben das Jahr 1857 abschloffen, war deren Ausbringen folgendes: an Erzen: 23239,„22- Centner mit einem Gehalte von 4428,^ Pfund Silber, 5553,8, Ctr. Blei und 33,Ctr. Kupfer. Die Königl. Hüttenwerke bezahlten dafür 116,893 Thlr. 22 Ngr. 2 Pf. k an Zuschlagserzen: 7305,, Centner mit einem Gehalte von 147„,z Pfund Silber, 17-475 Ctr. Blei und 6,08g Ctr. Kupfer. Die genannten Hüttenwerke leisteten dafür eine Bezahlung von 1246 Thlrn. 22 Ngr. 7 Pf. 6. an Zinkerzen: 2105„ Centner mit einem Gehalte von 59,zi Pfund Silber und 795,z, Ctr. Zink. Dafür ward von den Hüttenwerken bezahlt 110 Thlr. 26 Ngr. 6 Pf. Dies ergiebt eine Gesammtsumme von 119,248 Thlr. 11 Ngr. 5 Pf. Rechnet man nun zu dieser Summe das Ausbringen der vorhergehenden zwei 4wöchentlichen Termine, so hat das Quartal Luciä ein Ausbringen von 392,186 Thlrn. 9 Ngr. 2 Pf. aufzuweisen. Die drei vorhergehenden Quartale brachten aus resp. 369,212 Thlr. 25 Ngr. 2 Pf.; 373,817Thlr. 16 Ngr. 1 Pf., und 371,643 Thlr. 8 Pf. Somit beträgt das Ausbringen unserer Gruben an Silber, Blei, Kupfer und Zink erzen im verflossenen Jahre 1,506,859 Thlr. 21 Ngr. 3 Pf. Dresden erfreut sich zweier Ströme, der Elbe und des Fremdenstromes. Der letztere ist dies Jahr viel voller geflossen als der andere und man hat die Tropfen oder 71000 Reisende gezählt. Die Gastwirthe nennen ihn den goldnen Strom und zählen im stillen Winter noch etwas anderes. Leipzig. Mit ihren Neujahrshyffnungen sind die Gerber auf der hiesigen Messe übel angekommen. Alle Arten von Leder sanken im Preise, daß viele Gerber gar nicht verkaufen wollten. Kladderadatsch läßt Schultze zu Müllern sayen: Freue dir, das Leder is billiger geworden, nun werden dre Stiebeln größer. Apolda, 12. Januar. Neben der Handelscalamität, die unsre Industrie hart betroffen, verschafft sich nun auch das strenge Recht seine Geltung. Ueber sechs von den ersten Firmen ist der Concurs der Gläubiger in den letzten Tagen durch Richter spruch erkannt worden; nachdem alle Versuche sich als vergeb lich erwiesen hatten, durch außerordentliche Arrangements ge richtliches Einschreiten unnöthig zu machen. Leider ist noch zu befürchten, Laß noch bei andern Firmen, wenn schon von geringerer Bedeutung, gleiche richterliche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Wien. Die Wiener lithographirte Zeitungs-Correspon- denz vom 11. Jan. schreibt: „In Betriff der Handelsakademie, die nun doch noch in diesem Monat und zwar am 13. Jan. «rröffnct wird, ist die Lösung erfolgt. Der Verwaltungsrath Ler Anstalt und der Kultusminister trafen eine Vereinbarung, Ler zufolge die Handelsakademie aus einer Vorbereitungs- und zwei Fachklassen, worin Lie hphern Gegenstände gelehrt werden, zu bestehen hat. Auf die Vorberelrungsklasse finden die Be stimmungen des Concordats für Mittelschulen (Art. 7) Anwen dung und dürfen bei derselben nur katholische Lehrer fungiren. Auf die zwei Fachklassen, welche die eigentliche Handelsakademie bilden, finden Liese concorLatlichen Bestimmungen keine Anwen dung und werden die Lehrerstellen in denselben ohne Berück' sichtigung des Glaubensbekenntnisses besetzt. Die Herren Zekell und Spitzer wurden übrigens vorläufig und zwar nur für ein Jahr als Lehrer der Physik und Algebra an der Vorbereitungs- klasse vom Unterrichts- und Culmsministerum genehmigt." — Infolge des Concordats waren die Evangelischen ver anlaßt worden, einen eigenen Gottesacker für die Mitglieder ihrer Gemeinde anzulegen. Die beiden Wiener evangelischen Gemeinden kauften demgemäß einen Friedhofsgrund von Ler Stadt Wien für den Betrag von 7500 Fl.; auf Befehl deS Kaisers wird diese Summe nunmehr aus der Staatskasse den Gemeinden zurückerstattet werden. Baiern. Die Regierung von Oberbaiern hat bezüglich des Haberfeldtreibens eine Entschließung erlassen, in wel cher es heißt: „Da der Unfug des Haberfeldtreibens, welcher nun mehrere Jahre nicht mehr vorkam, am 21. Nov. v. I. in der Nähe des Wirthshauses an der Kreuzstraße, Gemeinde He- scndorf, Landgericht Aibling, verübt worden ist, wobei sich nach den bisherigen Ermittelungen eine große Anzahl von Indivi duen auS der Gemeinde Föching, Landgericht Miesbach, bethei- ligt haben, so ist die Einlegung von Militärexecution über diese Gemeinde verhängt worden, was zum warnenden Beispiel in allen Gemeinden des Landgerichtsbezirks zu verkünden ist. Da sich nach den Erhebungen auch einige Gemeinden Ler Umgegend, namentlich Feilnbach, Hartpening, Hollzolling, Valley, Warn gau, Wattersdorf, Landgericht Miesbach und Otterfing, Land gericht Wolfratshausen, betheiligten, so hat man mit Mißfallen wahrgcnommen, daß Rohheit und Verwilderung, welche zu solchen Excessen führen, unter vielen Schichten der Bevölkerung des platten Landes noch immer in bedenklicher Weise verbreitet sind." Den Districtspolizeibehörden und Gemeindeobrigkeiten wird deshalb der strengste Vollzug aller zur Aufrechthaltung von Ruhe und Ordnung bestehenden Bestimmungen nachdrück lichst eingeschärfl. In München ist das vorletzte Blatt des Kladderadatsch wegen eines Gedichts auf Lola Montez polizeilich confiscirt worden. — Aller Augen sind jetzt auf den baierischen Bundestags gesandten gerichtet und auf Las Werk, das er zu Tage bringen wird. Er hat das Referat in Len holsteinischen Beschwerdean- gelegenheiten überkommen und soll die Arbeit bereits sehr gründ- lieh ausgearbeitet haben. In den nächsten Tagen soll darüber berathen werden. Vom Mittlern Neckar, 8. Jan. Es ist eine feststehende Thatsache, daß die katholischen Schullehrer Württembergs, frei willig oder durch klerikalen Einfluß bewogen, sich täglich mehr von ihren protestantischen College» entfernen, die deutsche Päda gogik verlassen und die auf Schein zielende Pädagogik anneh men. In dem ultramontanen Organ, dem Hung'schen Magazin, lehrt unter andern ein Geistlicher, wie in der Schule für die Erbauung in der Kirche gesorgt werden könne. Aus dem Schullocal soll eine „Hauskapelle" gemacht, die Kinder sollen, jedes einzeln, durch öfteres Vor- unL Nachmachen des Kreuzes zeichens, bis es geht, durch Uebung im Händefalten zur religi ösen Aeußerlichkeit erzogen werden; sie sollen eine Menge Dinge memoriren, kurz die ganze Schule soll in den Dienst des Klerus treten. Der ,,Allg. Zeit." wird ays Baden über die politisch Verurtheilten von 1848 und 1849 geschrieben: „Alle in folge der Vorgänge der Jahre 1848 und 1849 hier im Lande politisch Verurtheilten sind jetzt theils durch Ablauf ihrer Straf zeit, theils durch Begnadigung wieder auf freiem Fuße, und sie waren es mit Ausnahme von zweien schon zu Ende deS JahrcS 1856. Seit 1849 befanden sich im Zellengefängniffe zu Bruch-