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Erscheint M Wochentag früh - Uhr. Inserate wer« dm bis Nachmittags z Uhr sür die nachst- ascheinende Nummer angenommen. Frciverger Anzeiger und AageVlatt. Preis vierteljährlich 1S Ngr. Inserate werde« die gespaltene Zeil« oder deren Raum mit 5 Zh berechn«. 228. 1887. Donnerstag, den 1. October. Taoesyeschichle. Dresden, 29. September. (Dr. I.) Sc. Majestät der Kaiser von Oesterreich sind heute Nachmittag kurz nach ^4 Uhr mittelst Extrazugs von Wien hier eingctroffen, begleitet von Er. königlichen" Hoheit dem Kronprinzen und dem hiesigen kais. österreichischen Gesandten, Fürsten von Metternich, welche Allerhöchstdemselben bis Bodenbach entgegen gereist waren. Se. Majestät der König und Se. königliche Hoheit der Prinz Georg empfingen Se. k. k. apostolische Majestät bei der Ankunft auf dem Perron des Bahnhofes, woselbst auch die zur Zeit am königlichen Hofe weilenden hohen Gäste zur Begrüßung des Kaisers anwesend waren. Im Bahnhofe war eine Compagnie des 3. Jnfanteriebataillons mit der Fahne und der Bataillons musik als Ehrenwache aufgestellt. Während Se. Majestät der Kaiser in Begleitung Sr. Majestät des Königs und des Kriegs ministers die Front derselben abschritten, spielte die Musik die österreichische Nationalhymne. Se. Majestät Ler König trugen dieJnhaberuniform Ihres k. k. österreichischen Kürassierregiments und Las große Band des St. Stephanordcns, Se. Majestät der Kaiser österreichische Generalsuniform und das große Band der Rautcnkrone. Beide Majestäten begaben Sich sodann mit Sr. königlichen Hoheit dem Kronprinzen in einem offenen Wagen und begleitet von einem dreimaligen Hoch Les zahlreich ver sammelten Publikums nach dem königlichen Schlosse. Wie wir vernehmen, werden Sc k. k. apostolische Majestät morgen hier am königlichen Hofe verweilen, Donnerstag früh Sich nach Weimar und von dort sodann nach Ischl begeben. Am 25. Septbr. früh 4 Uhr brach in Großschönau in dem Hause des Damasifabrikantcn und Feldbcsitzers David Schiffner Feuer ans, wodurch sowohl dieses, als auch das un gefähr 20 Schritte davon entfernte Haus Les Damastwebcrs David Hänsch und das 300 Schritte von letzterm entfernte Lauergut Wenzel's eingeäschert wurden. Bei Letzterm konnte außer dem Vieh nichts gerettet werden, bei den beiden Andern nur die in feuerfesten Gewölben verwahrten vorräthigen Damast- waaren. Am meisten zu beklagen ist hierbei, daß ein Menschen leben aufs Höchste gefährdet worden ist. Der Schwiegersohn Schiffners, Gotthelf Hänsch, ist kurz nach dem Ausbruche des Feuers, über und über brennend, die Treppe herab zum Hause hinausgceilt und sprang in Lie vorbeiflicßende Mandau. Er liegt, am ganzen Körper, namentlich an Armen und Beinen stark verbrannt, fast besinnungslos darnieder, so daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Um 11 Uhr war das Feuer ge dämpft, das schon die Waldung am nahen Hutberge ergriffen halte. Wien, 28. Sept. (D. A. Z.) Die verflossene Woche gehörte gewiß zu den in diplomatischen Angelegenheiten lebhaftesten dieses Jahres. Die Berufung des Barons Hübner auö Paris mußte an und für sich ein hochpolitisches Motive haben. Dazu gesellte sich die Ankunft des Grafen Apponyi aus London, welche ebenfalls keine zufällige war, wie man hier glauben mochte. Graf Apponyi hat blos zweimal den Grafen Buol besucht, während Baron Hübner seit seinem Eintreffen fast täg lich mit dem in leidendem Zustande befindlichen Premier con- ferirte. Der Gegenstand der hierortigcn Bcrathungen waren die Donaufürstenthümer und die Stuttgarter Kaiserzusammen kunft. Hinsichtlich Ler Fürstenthiimer sollen Beschlüsse gefaßt worden sein, welche ungeachtet Les drohenden Abfalls Englands von der Antiunionspolitik kaum eine Aenderung in der dies- fallsigen Politik des Wiener Cabinetö erwarten lassen. Zu allen möglichen Concessionen für die Fürstenthümer wird man sich hier recht gern verstehen, ja selbst der Erblichkeit der eventuellen Hospodare kein Veto entgegensetzen; wohl aber wird man sich gegen die Vereinigung auf" das nachdrücklichste stemmen, wenn in dieser Beziehung Frankreich eS noch weiter treiben wollte. Mit Rücksicht auf die Stuttgarter Kaiserzusammenkunft muß ich Ihnen berichten, daß es unwahr wäre, wollte man behaupten, sie sei hier mit Gleichgültigkeit ins Auge 'gefaßt worden. Es sind mit einer unglaublichen Schnelligkeit Verhandlungen ein geleitet worden, welche darauf abzuzielen scheinen, von hier auS Ler Stuttgarter Monarchenzusammcnkunft in der Weise entge- j genzuwirken, Laß selbige nicht als ein auf die Jsolirung Oester- s reichs berechnetes Ereigniß erscheine. Das Zusammentreffen der Kaiser von Oesterreich und Rußland in Weimar scheint daS Resultat der von der hiesigen Diplomatie der Stuttgarter Zu sammenkunft gewidmeten Aufmerksamkeit zu sein. Daron Hüb ner ist gestern nach Paris wieder zurückgekehrt, nachdem er vor > seiner Abreise noch einmal vom Kaiser empfangen wurde. Graf j Buol wird heute nach Karlsbad abreisen, wenn nicht ander- / wcitige Umstände seine Abreise verzögern. München, 27. Sept. Prinz Luitpold ist heute Mittag § nach Ludwigshafen abgereist, um den auf der Rückreise morgen i dort eintreffenden Kaiser Napoleon Namens unsers Königs dort , zu begrüßen. Stuttgart, 26. Sept. Heute Abend ist die Kaiserin von > Rußland von Darmstadt hier angekommen und hat ihren hohen i Gemahl und die übrigen hohen Herrschaften überrascht. Ebenso ! ist die Königin von Griechenland angekommen und im „Hotel i Marquardt" abgestiegen. — Der Kirchentag ist zu Ende, nachdem die Zahl seiner i Mitglieder auf 1410 gestiegen ist, worunter 420 Ausländer. ! Der vorjährige zu Lübeck zählte nur 818 Mitglieder. Die > edle Persönlichkeit des Vorsitzenden, v. Bethmann, hat ihm I auch diesmal wieder alle Herzen gewonnen. Angeführt sei nur Lie gemachte Mittheilung, daß, als der betreffende Minister dieser Tage von den sichtbar zum Bessern vorwärts schreitenden Zuständen unserS Landes dem König Bericht erstattete, dieser gesagt habe: Sie hätten mir gar kein schöneres und besseres Geburtstagsgeschenk geben können, als diese Nachricht ist. Aus dem Weimarischen, 24. Septbr. Die Stadt an der Wartburg wird bald wieder einen interessanten Besuch er halten. Der allgemein berüchtigte Gauner Raupe, der vor meh reren Monaten dem dortigen Zuchthause entsprang und von dessen Schlauheit und Gefährlichkeit alle öffentlichen Blätter zu 1 erzählen wußten, war endlich doch so unklug, sich in Güstrow einfangcn zu lassen, und sind bereits zu seiner Transporttrunz nach Eisenach die erforderlichen Veranstaltungen getroffen. Da Raupe, der schon bei seiner letzten Verurtheilung eine Berühmt heit auf gaunerischem Gebiete erlangt hatte, seit jener Zeit diese noch durch mehrere Ler seltsamsten Streiche bedeutend vermehrt hat, so ist man auf die betreffende Assisenverhandlung im hohen Grade gespannt. Hamburg. Ein schreckliches Unglück, das Jeden, der es hört, erschüttert, geschah am 25. September Abends spät in einer hiesigen Vorstadt. Eine Pelzhandlung in St. Pauli, dicht am Grenzgraben und Altonaer Thor, gerieth plötzlich um halb 11 Uhr in Brand und ward in Zeit von einer Stunde in Asche gelegt. Fast Alles verbrannte, auch der Bewohner mit seinen beiden Kindern (Knabe und Mädchen von 5 und 3 Jahren). Den Mann hat man erst heute Vormittag gefunden. Die sehr fleißige Frau war noch so spät unten im Pelzladen thätig ge wesen und wollte eben im obcrn Stock zu Bette gehen. Als sie in die Schlafstube trat, schlugen die Flammen ihr entgegen. Sie mußte zurück und konnte nichts zur Rettung ihrer drei Lie ben thun. Fast im wahnsinnigen Zustande sitzt die Arme nun und bejammert ihr unbeschreibliches Elend, da sie Alles, was sie in der Welt gehabt, verloren hat. London, 26. Sept. Der Buß- und Bettag für die ganze Nation ist definitiv auf die Mittwoch, den 7. nächsten Monats, durch königliche Bekanntmachung festgesetzt, „damit", nach den Worten dieses von Ler Königin in Balmoral unterzeichneten Erlasses, „Wir und Unser Volk uns gemeinschaftlich vor dem allmächtigen Gott Lemüthigen, um Vergebung unsrer Sünden Seine göttliche Majestät feierlichst flehen mögen, und Seinen Segen und Hilfe für unsre Waffen zur Wiederherstellung der Ruhe in Unserm Reiche anrufen können." Zur Ausführung dieses Befehls in England und Irland wird derselbe den Erz-