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Erscheii.t jeden Wochentag früh » Uhr. Inserate wer- dw bis Nachmittags 1 Uhr ftir die nächst' «scheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und -v->- - > - - Tageblatt. Prei, vierteljährlich Inserat« ' werd« -dtd- gespaltene Zeile ob» der« Naum mit S berechwt. , 1857t Donnerstag, den 13. August. ----------- Taglsgeschichli'. s Lichtenbrrg. Sonntags am 9. August hielt der Frei berger Ztveigverein zur Gustav-Adolph-Stiftung seine kirchliche Jahresfeier, die eben so würdig als erhebend war. Punkt 2 Uhr ertönten die Glocken und zeigten den Beginn der Festfeier an. Nachdem aus dem Liede 1011 dcS Freiberger Gesangbuches der erste und zweite Vers gesungen waren, trat der Herr ?. Brause an den Altar und erhob die Herzen der christlichen Vec- sammlung zu Gott in einem Gebete, worin er den Allerhöchsten bat, er wolle Lie Herzen aller evangelischen Christen dahin len ken, daß sie auch so denken und handeln wie der edle Glau- benöheld Gustav Adolph. Hierauf wurden aus dem Liede 314 der erste, zweite und sechste Vers gesungen, und dann betrat Herr Pastor Enzmann aus Niederbobritzsch die Kanzel, sprach im Eingänge der Predigt davon, daß der heutige Vereinstag in Erinnerung an den jüngst verstorbenen verdienstvollen Stif ter des Vereins auf Ler einen Sette ein Todtenfest und auf der andern Seite ein Jubelfest sei, wenn man daran denke, daß der Gustav-ALolph-Vcrcin nun fast 25 Jahre bestehe und in dieser Zeit nicht btos erfreulichst gewachsen sei, sondern auch der se- gensvollßcn Früchte schon viele getragen habe. So ging der geehrte Kanzelredner auf den Text Galater 6, 10 über, ent wickelte aus demselben das Thema: An welchem Werke heißt der Gustav-Adolph-Verein uns betheiligen? — und beantwortete diese Frage in drei Theilen: 1) An dem zeitgeiüäßesten Mis sionswerke; 2) am bckcuntnißlreuesten Glaubcnswerke und 3) am allcrchristltchsten Liebeswerke. Nachdem nun der zehnte Vers aus dem Liede 563 gesungen war, gab der Herr Pastor Sturm aus Freiberg als Stellvertreter des durch Amtsgeschäfte abge haltenen Herrn Superintendenten den Jahresbericht des Vereins. Der geehrte Redner schilderte die Noth der in katholischen Län dern vereinzelt und zerstreut liegenden protestantischen Gemein den und zeigte dann, wie viel zur Abhilfe derselben schon durch den Gustav-Adolph-Verein geschehen sei, der, bestehend aus einem Centralverein, 48 Hauptvereinen und über 700 Zweig- vcreinen, schon durch Las ganze evangelisch-protestantische Europa sich verbreitet habe und jetzt sogar Lie Freude erlebe, schon Bei stand aus solchen Gemeinden zu erhalten, denen er erst geholfen. Auf Lie Frage, was der Gustav-ALolph-Nerein bis jetzt gewirkt habe, — zeigte der geehrte Redner: Der Gustav-Adolph-Ver- ein hat 324 evangelische Gemeinden ins Leben gerufen und un terstützt, 100 Kirchen und Schulen gegründet, viele Lehrer und Seelsorger angestellt und besoldet, Seminarien für evangelische Prediger und Lehrer unterhalten. Dies erfordert freilich große Geldmittel, da der Verein Bauplätze, Gebäude, Baupläne auf das Theuerste bezahlen muß und die evangelischen Gemeinden in katholischen Ländern nicht eher Geistliche und Lehrer anstellen dürfen, bis sie nachqewkesen, wovon sie die Besoldung derselben bestreiten wollen. Die Einnahme des Vereins sei zwar in er freulicher Zunahme begriffen, indem sie von jährlich 20,000 Thalern im letzten Jabre auf 101,000 gestiegen sei, und doch haben noch 2500 evangelische Gemeinden nichts erhalten können. Der Centralverein weise nach, daß es in nächster Zeit dringend nothwendig sei, 75 Gemeinden beim Kirchenbau, 45 beim Schul bau, 28 wegen Zinsenabiragung aufgcnommener Baucapitalicn zu unterstützen; daß Wanderprcdiger, Geistliche und Lehrer, die nicht selten mit dem Hunger kämpfen müßten, zu besolden und noch mehr Betsäle einzurichten seien. Die christliche Liebe habe schon viel gethan, allein sie dürfe noch lange nicht ermüden. Wenn von Len sechszehn Millionen Protestanten Deutschlands jeder jährlich 2 Pfennige gäbe, so kämen schon über 106,000 Thaler ein. Die Einnahme des Freiberger Zweigvereins be trug im letzten Vereinöjahre 330 Thlr. — Nach beendigter Rede wurde angestimmt 547, V. 1, dann sang der Herr Pastor Brause die Intonationen und endlich schloß man die Feier mit Lem 4. Verse Les LieLes 547. Die Anwesenden waren tief er griffen und gewiß die Meisten von dem festen Entschlusse be seelt, künftig mit allem Eifer die edlen Zwecke des Vereins fördern zu helfen. - Möchte auch dieser kleine Bericht dazu beitragen, diesen guten Vorsatz zu befestigen und in die Herren Derer zu tragen, Lie noch nicht recht erwärmt waren für dieses Liebeswerk! Die „D. A. Z." enthält folgende Korrespondenz aus Leipzig vom 10. August: Ueber den am Abend deS S. Aua. Sr. Maj. Lem König von Seiten der hiesigen Studentenschast dargebrachten Fackelzug dürften einige authentische iNotizen >5 sowohl für Ihre hiesigen als Ihre auswärtigen Leser von In teresse sein, zumal bisher unrichtige Mittheilungen hierüber-«- ,nacht »vorden sind. Die Leitung des ganzen FackelzugS war von Len hiesigen Studentenverbindungen in die Hand genommen worden. Die Ordnung des ZugS gestaltete sich nach der An- cieuuität der einzelnen Verbindungen folgendermaßen: Voran gingen mit der großen Universitätsfahne die vier Corps: Lau sitzer, Sachsen, Meißner, Westfalen; ihnen folgten als dse zu nächst ältesten Verbindungen die der Afraner und Grimmenstr mit der ersten der kleinern Fahnen; ihnen schloffen sich mit den noch übrigen vier Universitätöfahnen die in den letzten Jahren ge stifteten vier Landsmannschaften der Dresdenser, Lipsienser, Pla« vienser, Nuthenen an, und es folgten alSdann die übrigen Stu denten die keiner Verbindung angehören. Recht erfreulich wat cs, daß die Letzter» sich so zahlreich betheiligten. Dem Zuge voraus fuhren drei sechsspännige Wagen mit fünf DepUtjrten zur Vertretung der hiesigen Studentenverbindungen. Während Lie Studentenschaft vor Lem Hütel zum Großen Blumenberg, dem< Absteigequartier Sr. Maj. des Königs, sich allmälig im Kreise aufstcllte, wurde die Deputation zu dem König geleitet und vop. Demselben in der huldvollsten Weise ausgenommen. Der erste, der Deputaten, Herr E. v. d. Planitz, begrüßte Se. Maj. in einer Anrede, in der er namentlich hervorhob, daß Se. Maj. nicht nur ein mächtiger und milder Schirmer, sondern auch selbst ein bedeutender Jünger der Wissenschaft sei. Se. Mas. dankte hierauf in den huldvollsten Ausdrücken und bemerkte ins besondere, daß er der akademischen Jugend gern ihre Freiheiten gönne, wenn nur auch der nöthige Ernst, der Geist des Fleißes unter ihnen herrsche. Daß dies bei der Leipziger Gtüdenten-. schäft der Fall sek, habe er mit großer Befriedigung vernommen; wenn sie darin so fortfahre, werde er ihr immerdar gewogen bleiben und stets mit Freude die Leipziger Universität wieder besuchen. Hierauf hatte Se. Maj. die Gewogenheit, sich die einzelnen Deputaten vorstellen zu, lassen stnd Mtge huldvolle Worte an sie zu richten. Von der vor dech Hötel zum Großen. Blumenberg versammelten Studentenschaft ivkrde alsdann Sx., . Maj. ein begeistertes Lebehoch gebracht, worauf von ihr uütev den Klängen der Musik die Sachsenhymne angestimmt würde. Dem Fackelzug, der von zwei Musikchören begleitet wurde, hatten sich auch einige ältere Herren aus Begeisterung und Hoch achtung für unsern König angeschlossen, und so sei hier nur. erwähnt, daß unter Andern der allbekannte und hochverehrte r Professor vr v. Siebold aus Göttingen in den Farben des hiesigen Corps Lusatia, dem er früher angehört und zu dessen, vom 6.-8. August zu feiernden 50jährigen Stiftungsfest« er^, hierher gekommen war, sich an dem Zuge beteiligte upd elye^ Fackel trug. Der Fackelzug selbst war einer der größten, dhe, seit einer Reihe von Jahren hierselbst zu Stande gekommen sind,- und machte einen imposanten Eindruck. Hoffen wir, daß der selbe wenigstens etwas zu der so sehr gewünschten Einigkeit^ zwischen den einzelnen Studentenverbindungen und den Nicht- Verbindungstudenten beitragen möge. Berlin, 8 Aug. Durch eine Verfügung der königlichen Regierung zu Potsdam wird Len königlichen und den öffentlichenr, Kassen eröffnet, das zwar die bisjetzt bestehenden Bestimmungen» in Bezug auf die Verpackung des Geldes in Tütenz. Beuteln und Fässern ihre volle Giltigkeit behalten, daß jedoch die neuen, mit der Jahrzahl 1857 geprägten und die künftig nach dem neuen Münzsysiem zu prägenden Thalerstückt, niemals mit den übrigen Thalerstücken zusammen in eine Tüte oder in einen Beutel gepackt werden dürfen, weil das Gewicht der neuen Thaler merklich von dem Gewicht der alten Thaler abweicht. Diese Bestimmung ist auf daS Genaueste zu beachten. Bek den übrigen allen und neuen Münzen, namentlich beim Ber-